Verlag Traugott Bautz
www.bautz.de/bbkl
Zur Hauptseite
Bestellmöglichkeiten
Abkürzungsverzeichnis
Bibliographische Angaben für das Zitieren
Suche in den Texten des BBKL
Infobriefe des aktuellen Jahres

NEU: Unser E-News Service
Wir informieren Sie vierzehntägig über Neuigkeiten und Änderungen per E-Mail.

Helfen Sie uns, das BBKL aktuell zu halten!



Band VIII (1994)Spalten 1538-1540 Autor: Christoph Schmitt

SCHÄFERS, Joseph, * 17. Januar 1878 in Salzkotten als Sohn der Eheleute Heinrich Schäfers und Katharina Schäfers geb. Volmarn. Schäfers verstarb während seines Studien-Aufenthaltes in Persien an den Folgen einer infektiösen Krankheit in der Nacht auf den 29. Oktober 1915 und wurde daselbst begraben. - Sch. erwarb sich zu Ostern 1898 am Paderborner Gymnasium Theodorianum das Reifezeugnis und wandte sich dem Studium der Naturwissenschaften an der Münchner Maximilians-Universität zu. Nach zwei Semestern lenkte ihn seine innere Disposition zum Studium der Theologie. Während der Jahre vom Sommersemester 1899 bis zum Sommersemester 1902 absolvierte er seine theologischen Studien zunächst in Paderborn, dann je ein Semester in Freiburg/Br. und München und zuletzt wieder in Paderborn. Nach seiner Zeit im Priesterseminar in Paderborn weihte ihn Bischof Wilhelm Schneider am 4. April 1903 zum Priester und sandte den Neugeweihten zum 8. April als Seelsorger nach Gerbstedt im Mansfeldischen. Nach vier Jahren wechselte er zum 2. April 1907 nach dem nahe Halle gelegenen Merseburg, wo er als Hilfsgeistlicher bis zum Frühjahr 1911 wirkte. Während jener Jahre in Merseburg widmete er sich neben seiner seelsorglichen Tätigkeit erneut Studien, die er während acht Semestern als Hospitant in Halle bzw. Leipzig verfolgte. 1909 errang er mit einer unpublizierten Studie über das Ezechielbuch den Preis der Paderborner Oswald-Stiftung. Vorzüglich die orientalische Philologie lernte er kennen und um intensiver an Veranstaltungen der Leipziger Hochschule teilnehmen zu können, ließ er sich zum 18. April 1911 als Missionspfarrer nach Lützen versetzen. Besonders durch Lindner und Kahan erfuhr Sch. besondere Förderung seiner philologischen Studien. Nach dem Rigorosum am 24. Januar wurde Sch. am 6. Mai 1912 mit einer Arbeit zur äthiopischen Jeremia-Übersetzung in Breslau bei dem Hallenser Professor Prätorius und bei Prof. Meißner zum philosophischen Doktor promoviert. Mit der philologischen Dissertation hatte Sch. wesentliche Vorarbeiten für eine Edition in der Patrologia Orientalis geleistet, die aber, bedingt durch den Krieg, nicht zur Ausführung kam. Nach weiteren drei Studienjahren in Halle und einem Jahr in Leipzig erwarb er am 5. Juli 1915 das theologische Doktorat an der gleichen Universität in der katholisch-theologischen Fakultät mit einer Untersuchung dreier Ephräm pseudonym zugeschriebener altsyrischer Traktate über Jesu Sprüche und Parabeln. Die theologische Fakultät der Diözese Paderborn beabsichtigte zu Beginn des Ersten Weltkrieges, Sch. auf den Lehrstuhl für biblische Hilfswissenschaften und Patrologie zu berufen. Dieser Plan konnte aber aufgrund der Verhältnisse nicht zur Ausführung gelangen, so daß ihn Bischof Karl Joseph Schulte auf eigenen Wunsch hin zu einem zweijährigen Orient-Aufenthalt freistellte. Mit der Absicht, neben der Soldatenseelsorge seine Kenntnisse im Blick auf die bibelwissenschaftliche Professur auszuweiten, traf er im Januar 1916 in Mossul ein, wo er nach rund acht Monaten, während derer er auf Einladung des chaldäischen Patriarchen in dessen Patriarchal-Seminar wohnte, im deutschen Lazarett an Malaria und Ruhr verstarb. Trotz der Kürze seiner Schaffenszeit zeigt das einsehbare Opus einen jungen Wissenschaftler mit herausragenden Fähigkeiten auf dem Gebiet der biblischen Hilfswissenschaften und Exegese, die sich angesichts des frühen Todes nicht voll entwickeln konnten.

Werke: 1 Sm 1-15 literarkritisch untersucht, in: BZ 5 (1907) 1-21.126-145.235-257.359-380; Warum veranstaltete David die Volkszählung 2 Sm 24?, in: Katholik 88 (1908) 128-140; Zu Fr. de Hummelauers Comm. in libr. I Paralipomena, in: BZ 6 (1908) 55-61; 1 Sm 1-15 literarkritisch untersucht. 5. Literarkritische Zusammenhänge und Abfassungszeit, in: BZ 6 (1908) 117-132; Die geschichtlichen Überlieferungen bei dem Propheten Ezechiel in ihrem Verhältnis zu den alttestamentlichen Geschichtsbüchern, 1909 (unveröff.); Studien zu 1 Chr 8,6-9, in: BZ 7 (1909) 279-284; Ist das Buch Ezechiel in der Septuaginta von einem oder mehreren Dolmetschern übersetzt?, in: ThGl 1 (1909) 289-291; Zu Joh. 2,4, in: ThGl 1 (1909) 564-565; Einiges über die Blutrache bei nordarabischen Beduinen in der Bibel, in: Wissenschaftl. Beilage zur `Germania' 39 (8.7.1909/Nr. 27) 209-212; Muhammed und das »Brockengespenst«, in: Wissenschaftl. Beilage zur `Germania' 39 (4.11.1909/Nr. 44) 350-351; Bruchstücke einer Petrusapokalypse, in: ThGl 2 (1910) 45-47; Die äthiopische Übersetzung des Propheten Jeremias, 1912 (Teildruck Breslau 1912); Olivers, des Bischofs von Paderborn und Kardinalbischofs von S. Sabina (+ 1227) Kenntnis des Mohammedanismus, in: ThGl 4 (1912) 535-544; Zu der Lesart `arietes' bei Joh. 21,17, in: ThGl 5 (1913) 314-315; Zu Jak. 3,6, in: ThGl 5 (1913) 836-840; Mohammed als Kardinal, in: ThGl 6 (1914) 320; `Erklärung des Evangeliums'. Drei altsyrische unter dem Namen Ephräm des Syrers gehende Abhandlungen über Parabeln und Sprüche Jesu. Erstmalig aus dem Armenischen übersetzt, 1915; Wie alt ist die Notiz `Ariston ericu' hinter Mk 16,8 in der armenischen Hs von Etschmiadzin A.D. 986?, in: BZ 13 (1915) 24-25; Eine altsyrische antimarkionitische Erklärung von Parabeln des Herrn und 2 [zwei] andere altsyrische Abhandlungen zu Texten der Evangelien. Mit Beiträgen zu Tatians Diatessaron und Markions Neuem Testament, [= NTA; 6/1-2], 1917; Evangelienzitate in Ephräms des Syrers Kommentar zu den paulinischen Schriften, in: BZ (1917); Evangelienzitate in Ephräms des Syrers Kommentar zu den paulinischen Schriften, hrsg. von J. Sickenberger, 1917.

Lit.: Zum Tode des Dr. Joseph Schäfers (Mossul), in: ThGl 8 (1916) 785-787; - Norbert Peters, Dr. Joseph Schäfers (Mossul). Ein Gedenkblatt, in: ThGl 8 (1916) 787-792; - J. Kiera, Zum Andenken an den in Mossul verstorbenen Dr. Josef Schäfers aus Paderborn, in: Das Heilige Land, 1919, 79-81; - J. Kiera, Ein Gedenkblatt für Dr. Joseph Sch. aus Salzkotten/Westfalen: Ins Land des Euphrat und Tigris. Kriegserinnerungen, s.a.; - W. Liese, Necrologium Paderbornense, Totenbuch Paderbornenser Priester (1822-1930), 1934, 470-471; - J. Schmid, [Artikel] Sch. in: LThK1 XI 210; - Floskamp, [Artikel] Sch. in: RGG2 V 128; - Hubertus R. Drobner, Die Oswald-Stiftung und die Preisaufgabe der Theologischen Fakultät Paderborn 1871-1983, in: ThGl 82 (1992) 95-137, 104-105.

Christoph Schmitt

Letzte Änderung: 11.03.1999