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Band XXV (2005) Spalten 1233-1234 Autor: Martin Lätzel

SCHAFFRAN, Gerhard, Bischof, * 4. Juli 1912 in Leschnitz/Oberschlesien, † 4. März 1996 in Dresden. 1922-1925 Besuch der Kadettenschule in Berlin-Lichterfelde und 1925-1932 der Oberrealschule in Görlitz. Anschl. Studium der Theologie in Breslau und Freiburg, Priesterweihe erfolgte am 1. August 1937 durch Kardinal Bertram in Breslau. Zunächst war S. für ein Jahr Senior am Priesterseminar in Breslau, dann 1938-1940 Kaplan an St. Nikolaus, ebenfalls in Breslau. 1940 Einberufung als Sanitäter, dann Wehrmachtspfarrer, dann, nach bereits erfolgter Rückkehr nach Breslau 1945-1950 freiwillig als Gefangenenseelsorger in russischer Gefangenschaft (Aserbaidschan), dort auch Tätigkeit als Vermessungsingenieur. Nach Rückkehr in die Westzone (Erzbistum Köln), meldete sich S. freiwillig zu einem Dienst im Erzbischöflichen Amt Görlitz, dem zur sowjetischen Besatzungszone gehörenden Teil der Erzdiözese Breslau. 1950-1952 wirkte S. als Kaplan in Maria Königin/Cottbus, 1952 wurde er zum Gründungs-Rektor des Katechetenseminars in Görlitz berufen. 1956 Ernennung zum Konsistorialrat in Görlitz. Ab 1959 als Dozent für Homiletik am Priesterseminar in Neuzelle und Gefängnisseelsorger. Am 24. November 1962 Ernennung zum Titularbischof von Semnea und Weihbischof im Erzbischöflichen Amt Görlitz, die Bischofsweihe erfolgte am 22. Januar 1963 in Berlin. Als Weihbischof Teilnehmer des Zweiten Vatikanischen Konzils. - 1963-1970 Kapitelsvikar in Görlitz und damit Leiter der Administratur (bis Juni 1972). Vom 12. September 1970 bis zum 1. August 1987 Bischof von Meißen. Die Ernennung als Bischof von Meißen wurde gefördert durch den Berliner Erzbischof Kardinal Bengsch. Dadurch wurde der Weg zur Neuordnung der deutschen und polnischen Diözesen bereitet (das bisherige Erzbischöfliche Amt Görlitz war ursprünglich Teil des Bistums Breslau). Zudem verfolgte Bengsch eine Kontrolle der Meißener Diözesansynode. Schaffran war zunächst gegen eine Fortsetzung der Synode eingestellt. Auf Drängen seiner Diözesanen wurden noch zwei Sitzungen abgehalten. 1971 beendete Schaffran die Meißener Bistumssynode, die sich starker Kritik von Seiten des Vatikans ausgesetzt sah. Die Synode wurde - auch auf Bemühen S. - in die Pastoralsynode der DDR (1972-1975) überführt, die ebenfalls ihren Tagungsort in Dresden nahm. In seiner Amtszeit erfolgte 1980 der Wechsel des Bischofssitzes von Bautzen nach Dresden und die Umbenennung des Bistums in Dresden-Meißen. Von 1980-1982 war S. Vorsitzender der Berliner Bischofskonferenz. Hier verfolgte er einen moderaten Kurs des Dialogs mit dem SED-Regime (Antrittsbesuch bei Erich Honecker, Veto gegen die Verlesung eines Friedenshirtenbriefes, direkte Gespräch mit SED-Bezirksleiter Hans Modrow in Dresden). Den Vorsitz der Bischofskonferenz gab S. am 7. 9. 1982 ab. S. war seit 1976 Mitglied des vatikanischen Sekretariates für die Einheit der Christen.

Werke: Katholische Glaubenslehre Zusammengestellt im Auftrag der Seelsorgeämter der DDR, Leipzig 1957 (mit weiteren Auflagen); Grußwort, in: Prokathedrale und Pfarrkirche St. Jakobus, Görlitz. Zur 75-Jahr-Feier am 6. Oktober 1975, Görlitz 1975; Fastenhirtenbrief 1983. Bistum Dresden-Meißen, in: informationen Osnabrück. Heft1/2, Osnabrück 1986, 67-69.

Lit.: Den Menschen und sein Handeln verstehen, in: Tag des Herrn vom 17. Dezember 1995; - Marianne Seewald, Solo Dios basta. Gerhard Schaffran. Wegbegleiter in schweren Zeiten. 1912-1962, Leipzig 1996; - Bernd Schäfer, Art.: Schaffran, Gerhard, in: H. Müller-Engbers / J. Wielgohs / D. Hoffmann (Hrsg.), Wer war wer in der DDR? Ein biographisches Lexikon, Berlin 2000, 730; - Gedenktafel für Bischof Gerhard Schaffran, in: Schlesien in Kirche und Welt 4/2002; - Sebald A. Kriebus, Solo Dios Basta. Sam Bóg wystarczy, in: Silesia superior 3/2002; - Josef Pilvousek, Bischof Gerhard Schaffran 1970-1987, in: Erwin Gatz (Hrsg.), Die Bischöfe der deutschsprachigen Länder 1945-2001. Ein biographisches Lexikon, Berlin 2002, 147-149; - Dieter Grande / Peter-Paul Straube, Die Synode des Bistums Meißen 1969 bis 1971. Die Antwort einer Ortskirche auf das Zweite Vatikanische Konzil, Leipzig 2005.

Martin Lätzel

Literaturergänzung:

2006

Elisabeth Preuß, Gerhard Schaffran. In: Michael Hirschfeld/Johannes Gröger/Werner Marschall (Hrsg.), Schlesische Kirche in Lebensbildern, Bd. 7, Münster 2006, 288-295; -

2009

Konrad Hartelt, Der Kapitelsvikar d. Erzbistums Breslau G.S. u.d. Erzbischöfl. Amt Görlitz (1963-1972). Münster 2009.

Letzte Änderung: 27.04.2010