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Band XXIII (2004) Spalten 1268-1272 Autor: David Berger

SCHAMONI, Wilhelm. Katholischer Theologe. * 4.1. 1905 in Hamm in Westfalen, † 25.8. 1991 in Altötting. - W.S. wurde am 4. Januar 1905 als jüngster Sohn der drei Kinder des Bücherrevisors Wilhelm Schamoni (1867-1935) und dessen Gattin Anna Schamoni, geb. Veltmann (1867-1942) in Hamm geboren. Zusammen mit seinen beiden Brüdern Albert und Viktor besuchte er das Gymnasium im nahegelegenen Werl, wo ihn die Jesuiten, die dort als Lehrer tätig waren, nachhaltig prägten, so daß er sich von frühester Jugend an für religiöse Fragen interessierte. Noch verstärkt wurde dieses Interesse, als er, nachdem die Eltern das Hotel, das sie geführt hatten, aufgeben mußten, in die Obhut seiner tieffrommen Tante Josefa Schamoni kam. So trat er nach seinem Abitur in das Priesterseminar der Erzdiözese Paderborn ein und studierte dort an der Theologischen Akademie, u.a. bei dem bekannten Dogmatiker Johannes Brinktrine (BBKL XVII [2000] 190-192). Nachdem er sein Studium in Innsbruck und Löwen fortgesetzt hatte, wurde er im April 1930 im Hohen Dom zu Paderborn zum Priester geweiht. Danach wurde er sofort zum Kaplan in Gotha, 1935 zum Vikar in Oeynhausen bei Steinheim in Westfalen bestellt. Bereits in jener Zeit begann er erste Ergebnisse seiner hagiographischen Studien zu veröffentlichen und arbeitete an seinem wichtigsten Werk: "Das wahre Gesicht der Heiligen", das 1938 in Leipzig erschien und danach in viele Sprachen übersetzt und in vielen Auflagen verbreitet einen wahren Siegeszug antreten sollte. Von Anfang an stand er dem Nationalsozialismus kritisch gegenüber und übte - ausgehend von der Enzyklika "Mit brennender Sorge" Pius XI. - in seinen Predigten immer wieder Kritik an der Barbarei der Nationalsozialisten. So wurde er, nachdem ihn vermutlich der Dorfschullehrer denunziert hatte, am 30. Dezember 1939 verhaftet, wegen "Wehrkraftzersetzung" verurteilt und nach Aufenthalten in Gefängnissen in Paderborn und Bielefeld schließlich in das Konzentrationslager Dachau deportiert. Drei Tage vor Besetzung und Auflösung des Konzentrationslagers Dachau durch amerikanische Truppen Ende April 1945 gehörte S. mit zu jenen Häftlingen, die unter schwerer SS-Bewachung auf einen Marsch in den Alpenraum geschickt wurden. Auf diesem konnte S. aber unter abenteuerlichen Umständen fliehen. Nach Kriegsende wurde S. zum Pfarrer vom Helmeringhausen im Sauerland ernannt. Im April 1950 wurde er durch ein Handschreiben Papst Pius' XII. geehrt, das die besonderen Verdienste, die sich S. durch sein Buch "Das wahre Gesicht der Heiligen" erworben habe, lobend hervorhebt (abgedruckt in: Theologisches Jg. 20, 1990, 11). Zwischen 1950 und 1970 war S. u.a. als Exerzitienmeister für Theologiestudenten in der Erzdiözese Paderborn tätig und beschäftigte sich neben seinen seelsorgerlichen Aufgaben vor allem mit der Hagiographie, insbesondere der Übersetzung und Edition von Heiligsprechungsakten sowie der Untersuchung der zu konstatierenden Parallelen zwischen den Wundern der Heiligen und denen des Neuen Testaments. Als sich ab der Mitte der sechziger Jahre in der katholischen Kirche in Deutschland zunehmend ein neomodernistischer Geist breit machte, gründete er 1970 die katholische Monatsschrift "Theologisches", die als Beilage zur "Offertenzeitung für die katholische Geistlichkeit" erschien und daher in hoher Auflage gedruckt jeden Pfarrhaushalt erreichte. Im Vorwort zur ersten Nummer sieht S. seine neue Aufgabe darin, nun im engeren Sinne "theologische Texte herauszugeben, die in der gegenwärtigen Glaubenskrise dringlich erscheinen." Schnell konnte Schamoni zahlreiche bekannte Theologen und andere Wissenschaftler gewinnen, die für die Zeitschrift schrieben und die Entwicklung von Kirche und Theologie, v.a. im deutschsprachigen Raum, kritisch beobachteten. Walter Hoeres erinnert sich: "Der Einfluß der Zeitschrift beruhte zunächst auf drei Faktoren. Das war einmal die begnadete, spirituell und geistig so hochstehende Persönlichkeit Schamonis selber, der durch seine umfangreiche Erforschung der Heiligenleben und der entsprechenden Akten sowie vor allem durch sein herrliches Werk: "Das wahre Gesicht der Heiligen" weithin bekannt geworden war. Schamoni, der auch ein exzellenter Theologe war und sich zeitlebens besonders intensiv mit naturphilosophischen Grenzfragen befaßte, verstand es vor allem, Fachleute der verschiedenen Disziplinen von der Theologie über die Philosophie, die Ethik bis zur Psychologie und den Naturwissenschaften zur Mitarbeit heranzuziehen, so daß Theologisches von Anfang an alles andere als ein bloßes Erbauungsblatt war." 1980 übergab Schamoni die Herausgeberschaft an den Kölner Moraltheologen Johannes Bökmann (BBKL XVIII [2001] 224-226). Im Jahr 1985 wurde S. am 1. Juli, wie er selbst sagte, "in einer nicht sehr schönen Weise pensioniert". 1987 zog er nach Altötting um. Am 14. Juli 1987 wurde der "Seelsorger, Glaubenszeuge, geistliche Schriftsteller, der Begründer und erste Herausgeber von Theologisches" im Hinblick "auf seine vielfältigen Verdienste um Glaube und Kirche" vom Vatikan zum Päpstlichen Ehrenprälaten ernannt. Die Urkunde überreichte der eng mit S. befreundete Regensburger Bischof Rudolf Graber. Bereits 1982 war S. zum Ehrenmitglied der renommierten Pontificia Academia Theologica Romana ernannt worden. In seinem letzten Lebensjahr war S. fast erblindet und kaum noch bewegungsfähig, aber bis zuletzt geistig sehr lebendig. Am 25. August 1991 ist S. in Altötting gestorben und wurde am 28. August in aller Stille in der Priestergruft auf dem Michaelifriedhof des bayrischen Wallfahrtsortes beigesetzt.

Werke (Auswahl): Die Heimkehr des hl. Johannes Chysostomus, in: Hochland 35 (1938) 325-327; Das wahre Gesicht der Heiligen, Leipzig 11938 (71975); Die Nachtwache, Freiburg/Breisgau 1946; Kosmos, Erde, Mensch und Gott, Düsseldorf 1948; Stigmata: Hysterie oder Gnade, Wiesbaden 1951; Die Priester in Dachau: Feststellungen und Folgerungen, in: Sacra Congregatio de Religiosibus (Hrsg.), Statuum perfectionis praesentibus temporibus atque adiunctis accomodata renovatio, Rom 1952, 317-333 (auch in: Theologisches 15 [1985] 6372-6378); Glaubensbewußtsein und Kirchenentfremdung, Paderborn 1958; Ordonner diacres des pères famille, Paris 1961; Diakonat und Weihesakrament, Köln 1962; Menschen aus der Kraft Gottes, Zürich 1962; (Hrsg.), Ausbreiter des Glaubens im Altertum, Düsseldorf 1963; Heilige Frauen des Altertums, Düsseldorf 1963; (Hrsg.), Bischöfe der alten afrikanischen Kirche, Düsseldorf 1964; Theologisches zum biologischen Weltbild, München 1964; Auferweckungen vom Tode, Helmeringhausen 1968; "Brüder im All" - Der Kosmos und die Bewohner anderer Welten, in: Theologisches 1 (1970) 51-55; Parallelen zum Neuen Testament. Aus Heiligsprechungsakten, Abensberg 1971 ff.; Die Parapsychologie und die Unsterblichkeit der Seele, in: Theologisches 2 (1972) 392; Östliche Meditationsweisen und Quietismus, in: Theologisches 2 (1972) 597-607; Die Auswirkungen des Heilsoptimismus auf das Erwählen des geistlichen Berufes und auf die Seelsorge, in: Theologisches 3 (1973) 738-740; Über das unbeschränkte Wissen der Seele Christi, in: Theologisches 3 (1973) 793-800; Heiligsprechung und Heiligsprechungsakten, in: Theologisches 4 (1974) 1384-1389. 1395-1404; Prallelen zu den Träumen des NT, in: Theologisches 3 (1973) 1046-1053; Der Stern der Weisen, in: Theologisches 3 (1973) 1053-1059; Die Soldaten Gottes kommen aus dem Tritt, in: Theologisches 3 (1973) 945-951; (Hrsg.), Anleitung zur mystischen Theologie. Von Giovanni B. Scaramelli, Hildesheim - New York 1973; Wunder sind Tatsachen, Würzburg 1976; Das Glaubensbewußtsein der religio depopulata, in: Theologisches 6 (1976) 1884-1896; Über Interkommunion, in: Theologisches 7 (1977) 2428-2431; Dämonische Wunder, in: Theologisches 8 (1978) 2986-2988; Adam vor dem Glauben, in: Theologisches 8 (1978) 2877-2881; Gehen viele ewig verloren?, in: Theologisches 8 (1978) 2642-2650. 2686-2687; Verstehenshilfen für die Lehre vom Wissen Christi, in: Theologisches 8 (1978) 2588-2596; Zur Frage des Widerstands der Katholischen Kirche gegen den Nationalsozialismus, in: Theologisches 9 (1979) 3124-3126; Theologischer Rückblick, Abensberg 1980; Für die Seligsprechung des hl. Maximilian Kolbe geprüfte Wunder, in: Theologisches 12 (1982) 4925-4926; Die Erfahrung von Kirchenlehrern und das vollkommene Wissen Christi, in: Theologisches 12 (1982) 4562-4569; (Hrsg.), Vom Evangelium zu den Evangelien, Abensberg 1983; Inventarium Processum Beatificationis et Canonizationis Bibliothecae Nationalis Parisiensis provenientium ex Archivis S. Rituum congregationis typis mandatorum inter annos 1662-1809, Hildesheim - New York 1983; Wie sie Gott wiederfanden, Würzburg 1983; Die seligen deutschen Ordensstifterinnen des 19. Jahrhunderts, Abensberg 1984; Jung und heilig, München 1985; Wider den Wahn von der leeren Hölle, in: Theologisches 17 (1987) - 18 (1988); Charismatische Heilige. Besondere Gnadengaben bei Heiligen nach Zeugenaussagen aus den Heiligsprechungsakten, Stein am Rhein 1989; Die Heiligen selbst: Ein Wunder Gottes, in: Theologisches 20 (1990) 530-534; Gnade und Gabe, in: Theologisches 24 (1994) 210-216; Die Gaben des Heiligen Geistes - Gottesfurcht, in: Theologisches 26 (1996) 170-175.

Lit.: Reimund Schnabel, Die Frommen in der Hölle. Geistliche in Dachau, Berlin 1966; - Johannes Bökmann, Wertschätzung, Anerkennung und Bewunderung für W.S., in: Theologisches 12 (1982) 4553; - Maria Schamoni, Meine Schamonis, München 1983; - Dietrich Wattenberg, Große Kraft des Vertrauens und des Glaubens: W.S. - Aus einem Brief, in: Theologisches 15 (1985) 6211-6212; - Remigius Bäumer, W.S. als Hagiograph - Erinnerungen anläßlich seines 80. Geburtstags, in: Theologisches 15 (1985) 6209-6211; - Raphael von Rhein, Dank an H. Pastor W.S., in: Theologisches 15 (1985) 6212-6213; - Stato attuale della Pontificia Accademia Teologica Romana, in: Studi tomistici 33 (1988) 523-524; - Johannes Bökmann, Schamonis Forschungen werden ausgewertet, in: Theologisches 20 (1990) 534-538; - Dietrich Wattenberg, Erinnerungen an W.S, in: Theologisches 20 (1990) 5-11; - ders., W.S.. Ein Leben für die Ewigkeit, in: Theologisches 21 (1991) 444-447; - Johannes Bökmann, Kampf um den Glauben an die Liebe. W.S. zum Gedächtnis, in: Theologisches 21 (1991) 441-442; - Walter Hoeres, Fortes fortuna adjuvat, in: Theologisches 26 (1996) 199-207.

Filmdokument: Ulrich Schamoni: Der Vikar von Helmeringhausen - Was nützt das für die Ewigkeit? Fernsehfilm des WDR 1982.

Photographie: Theologisches 21 (1991) 441.

David Berger

Literaturergänzung:

Peter H. Görg, Wunder sind Tatsachen - die Zeugnisse der Kanonisationsakten. W.S. u. Andreas Resch auf d. Spuren d. Wunders, in: Theologisches 38.2008, S. 247-254.

Letzte Änderung: 18.08.2008