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Verlag Traugott Bautz
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SCHAPER, Edzard, bedeutender christlicher Schriftsteller des 20. Jahrhunderts, der sich selbst als »Grenzgänger« bezeichnete, * 30.9. 1908 in Ostrowo (Provinz Posen), † 29.1. 1984 in Bern (Schweiz). - E. S. wurde am 30.9. 1908 als elftes Kind eines Militärbeamten in der Garnison Ostrowo geboren. Eindrücke blieben dem Knaben von der Liebe zur Naturbeobachtung und vom Erlebnis der militärisch gehaltenen Zapfenstreiche. Als er sechs Jahre alt wurde, brach der 1. Weltkrieg aus. Als Schulkind bekam E. S. jeden Freitag Prügel für seine schlechte Schrift! 1918 zog die Familie nach der Festungsstadt Glogau um. Der Vater wurde 1920 aus dem aktiven Dienst entlassen. Im selben Jahr wechselte die Familie ihren Wohnsitz nach Hannover, wo E. S. bis 1925 das Humboldt-Gymnasium besuchte. Desgleichen nahm er auch Studien im Konservatorium für Musik auf. Er hatte immer wieder seinen damaligen Eifer für musikwissenschaftliche Studien selbst betont. In einer Leihbibliothek verdiente er sich das Geld dazu, um die diesbezüglichen Kollegs, besonders die von Prof. Th. W. Werner und die Klavierstunden zu bezahlen, 1925 ging er nach Herford, dann nach Stuttgart um schriftstellerisch und dramaturgisch zu wirken. In Stuttgart wurde er Regieassistent an der Oper. Er versuchte sich an einer Arbeit über Ernst Barlach als Dramtiker und schrieb seine beiden ersten Romane »Der letzte Gast« und »Die Bekenntnisse des Försters Patrik Doyle«, die 1927 bzw. 1928 erschienen. 1927 erhielt er einen Förderpreis der Schillerstiftung und verließ fluchtartig (»Flucht vor sich selbst«) Stuttgart. Er ging auf die Insel Christiansö (Dänemark), wo er sich bis 1929/30 aufhielt. Hier schrieb er an einem unvollendeten Händelroman. Von hier aus reiste er nach England und Polen. Von 1930 bis 1931 war er kurz Gärtnereigehilfe und diente dann als Matrose auf einem Fischdampfer, der in nordischen Gebieten fischte. 1931 ging E. S. nach Estland, wo viele seiner Familienbeziehungen hinführten und wo er heiratete. Dies geschah 1932 in Reval, wo er sich auch niederließ. Er begann an seiner bedeutenden Erzählung »Die Insel Tütarsaar« zu schreiben, die 1934 erschien. Es geht hier um die Suche nach sich selbst und die Klarheit der Lebensentscheidung. Durchdringend schön wird auch der nordische Sommer beschrieben. Die Erzählung »Die Arche, die Schiffbruch erlitt« folgte 1935. Hier geht es um einen untergehenden Wanderzirkus, quasi eine Weiterführung des biblischen Symbols der Arche. Dabei wird der Untergang des Zirkus, das Leid und die Endzeitproblematik deutlich angesprochen. Die Linien der Erzählung verweisen auf das spätere Werk E. S.s. Neben der schriftstellerischen Arbeit wirkte der Dichter als Korrespondent der Presseagentur UPI. Wichtig wurde ihm auch die Begegnung mit Katharina Kippenberg und damit zum Inselverlag. 1935 erschien dann der erste große Roman »Die sterbende Kirche«. Im Mittelpunkt des Werkes steht der orthodoxe Priester Vater Seraphim, der nach den schlimmen Folgen des 1. Weltkriegs und nach der Oktoberrevolution im estnischen Port Juminda eine Gemeinde betreuen will. Mitten in die atheistischen und kirchenfeindlichen Strömungen hinein will er zusammen mit seinem Diakon Sabbas das Bollwerk des Christentums errichten. Gefängnis, zermürbende Erlebnisse lassen den Priester nahezu zerbrechen. Nur die Kinder Ljusa und Mischa geben ihm etwas Zuversicht. Als die baufällige Kirche beim Ostergottesdienst zusammenstürzt wird Vaater Seraphim mit einigen Getreuen getötet. Im Untergang liegt aber der Samen der sich erneuernden Kirche: Die beiden oben erwähnten Kinder Ljusa und Mischa überleben. Sie sind die Hoffnung. Untergang-Opfer-Verwandlung durch Leiden sind dann die großen Themen, die für E. S.s Werk entscheidend sind. Schon die Fortsetzung in »Der letzte Advent« (1949) verdeutlicht das. In »Die Freiheit des Gefangenen« (1950) geht es dann auch, um die innere Freiheit des Glaubenden, der in seinem Gefängnis und seiner Verzweiflung nur durch diese Freiheit gerettet werden kann! Mit letzteren Romanen überwand E. S. die »Vernunft«-mäßige Linie seines Jesusbuches (1936). 1939 verweigerte E. S. die Umsiedlung nach Deutschland. Er floh Winter 1940 nach Finnland, wo er bis 1944 blieb. Hier diente er als Soldat in der finnischen Armee, wurde dann finnischer Staatsbürger. Der deutsche Volksgerichtshof verurteilte ihn in »Contumaciam« zu Tode. Der finnisch-russische Waffenstillstand brachte erneut Leid über E. S. Er wurde gezwungen, nach Schweden zu fliehen. In Abwesenheit wurde er ebenfalls von den Sowjetrussen zum Tode verurteilt. Er war so ein wirklich Heimatloser, befand sich auf der Grenze der Länder und auf der Grenze von Leben und Tod. In Schweden arbeitete er von 1944-1947 als Waldarbeiter, dann als Übersetzer - auch wichtiger nordischer Dichter wie K. Munk - schließlich als Sekretär des Gefangenhilfswerks, das der schwedische Geistliche Birger Forell so segensreich eingerichtet hatte. 1947 fand er endlich Ruhe in Zürich und konnte auch in Böningen am Brienzer See und in Mammern schriftstellerisch arbeiten. Hier entstand der oben schon erwähnte Fortsetzungsroman »Der letzte Advent« (1949). Beeindruckend sind auch die 1952 erschienenen Erzählungen »Hinter den Linien«, deren bekannteste »Das Christkind aus den großen Wäldern ist. In der Titelgeschichte »Hinter den Linien« findet sich der Anklang an das Neue Testament und die Gestalt Jesu: Rittmeister Mitterhusen, der einen Häftlingstransport zur Selektion vorbereiten soll, steigt selbst auf den Wagen, mischt sich in der Selbstaufgabe unter die Häftlinge. Hier wird die klare Aussage der unbedingten Nachfolge in tiefster Form erreicht! Am 30. September 1951 trat E. S. von der orthodoxen zur römisch-katholischen Kirche über. Von 1952 bis 1977 lebte der Dichter vorwiegend in Brig, 1977 bis zu seinem Tode 1984 vorwiegend in Bern. Er hielt wichtige Vorträge; daneben entstanden zahlreiche Fernseharbeiten und weitere Romane wie »Die letzte Welt« (1957, wo es erneut um das Glaubenszeugnis mitten in der Verfolgung geht!). E. S. erhielt zahlreiche Preise wie den Fontane-Preis der Stadt Berlin (1953), den Konrad-Adenauer-Preis für Literatur (1969) und das Ehrendoktorat der Universität Freiburg in Üechtland (1961).
Werke: Der letzte Gast (Rom.), 1927; Die Bekenntnisse des Försters Patrik Doyle (Rom.), 1928; Die Insel Türtarsaar (Erz.), 1933, Erg. 19522; Die Erde über dem Meer (Rom.), 1934; Die sterbende Kirche (Roman), 1935/36, 19482, 19513, 19594, 19685 (zus. mit Der letzte Advent), TB: 1953; Die Arche, die Schiffbruch erlitt (Erz.), 1935, 19522; Das Leben Jesu neu erzählt, 1936, TB: 1955, 19572; Das Lied der Väter (Erz.), 1937; Der Henker (Rom.), 1940, 19492, 19533 (als »Sie mähen gewappnet die Saaten)«; Der große offenbare Tag (Erz.), 1949; Der letzte Advent (Rom.), 1949, 19682 (zus. mit Die sterbende Kirche), TB: 1953; Die Freiheit des Gefangenen (Rom.), 1950, 19544; Die Macht des Ohnmächtigen (Rom.), 1951, beide als »Macht und Freiheit«, 1951; Stern über die Grenze (Erz.), 1950; Ein Floß treibt über den Pazifik (Hörfolge), 1951; Marschall Mannerheim (Essay), 1951; Finnisches Tagebuch, 1951; Norwegische Reise, 1951; Der Mensch in der Zelle (Essay), 1951; Hinter den Linien (Erz.), 1952; Untergang und Verwandlung (Essay), 1952; Vom Sinn des Alters - Eine Betrachtung, 1952; Die heiligen Drei Könige (Rom.), 1953, Der Gouverneur (Rom.), 1954, TB: 1957; Erkundungen im Gestern und Morgen. Bekenntnisse eines Europäers, 1956; Bürger in Zeit und Ewigkeit. Antworten (Aut.), 1956; Attentat auf den Mächtigen (Rom.) 1957, Schallpl. 1958, 19642; Unschuld der Sünde (Erz.), 1957; Das Wiedersehen und der gekreuzigte Diakon (Erzn.), 1957; Die Eidgenossen des Sommers (Erz.), 1958; Das Tier oder die Geschichte eines Bären, der Oskar hieß (Rom.), 1958; Der Held (Rom.), 1958; Osteuropa als geistige Landschaft/Bürger in Zeit und Ewigkeit, Schallpl. 1958; Die Geisterbahn (Erz.), 1959; Die Eidgenossen des Sommers - Die Nachfahren Petri (Erzn.), 1959; Kein Landsmann sang mir gleich (Essay) über P. Fleming, 1959; Der Abfall vom Menschen - Vorträge, 1961; Märtyrer der Lüge, Schallpl. 1961; Der vierte König (Rom.), 1961; Verhüllte Altäre (Essay), 1962; Die Söhne Hiobs (Erzn.); Heiligung der Opfer (Rede), 1963; Der Aufruhr der Gerechten. Eine Chronik, 1963; Dragonergeschichte (Erz.), 1963; Der Gefangene der Botschaft - 3 Stücke mit einem Nachwort von Max Wehrli, 1964 (enthält: Strenger Abschied, Der Gefangene der Botschaft, Die Kosaken oder wo ist dein Bruder Abel?!); Die Legende vom vierten König - mit Illustrationen von C. Piatti, 1964; Das Feuer Christi: Leben und Sterben des Joh. Hus - in siebzehn dram. Szenen, 1965; Einer trage des anderen Last. Eine Elegie auf den letzten Gepäckträger (Erz.), 1965; Wagniss der Gegenwart (Essay), 1965; Schattengericht (Erz.), 1967; Auf den Brücken der Hoffnung - Betrachtungen, 1968; Die Heimat der Verbannten (Erz.), 1968; Schicksale und Abenteuer-Geschichten aus vielen Leben, 1968; Am Abend der Zeit (Rom.), 1970; Traurige Spiele (Rom.), 1971; Sperlingsschlacht (Rom.), 1972; Degenhall (Rom.), 1975; Die Reise unter dem Abendstern (Rom.) 1976; Sammelband: Gesammelte Erzählungen, 1966. - Übers: Gudmundur Kamban, Die Jungfrau auf Skalholt, 1936; Ders., Her Herrscher, 1938; Ders., Ich sehe ein großes Schönes Land, 1939; Gabriel Skott, Fant, 1937; Gunnar Gunnarson, Das Haus der Blinden, 1937; Sally Salminen, Katrina, 1938; Kai Munk, Predigten, 1946; F.E. Sillanpää, Das fromme Elend, 1947; Ders., O Sonne des Lebens, 1952; Harry Blomberg, Eva, 1947, C.H. Tillhagen, Tarkon erzählt, Zigeuner-Märchen, 1949; Thorfinn Sollberg, Die Wanderer im Norden, 1950; Ernst Manker, Menschen und Götter in Lappland, 1950; Erik Hesselberg, Kon Tiki und ich, 1950; Aleksis Kivi, Die sieben Brüder, 1950; N.E. Ringborn, Jean Sibelius - Biographie, 1950; Petter Moen, Der einsame Mensch, Tageb., 1950; Pär Lagerkvist, Barrabas, 1950; Ders., Gast bei der Wirklichkeit, 1952; Harry Martinson, Der Weg nach Glockenreich, 1953.
Bibliographie: (bis 1952) Sammlung: Untergang und Verwandlung, Geleitwort von M. Wehrli, 1952, 157 ff.; Dank an E. S., 1968; Grenzlinien - Ein Lesebuch, hrsg. v. M. Wörther, 1987, 407-418.
Lit.: M. Wehrli, Zum Werk E. S.s, in: Schweizerische Monatshefte 30, 1950, 61-64; - W. Grenzmann, Dichtung und Glaube: Einleitung, 19502, 9-31; - Ders., aufgenommen im gleichen Werk in der 5. Auflage: E. S. Untergang und Verwandlung, 19645, 355-376; - D. Zährunger, E. S., in: Benediktinische Monatsschrift 28, 1952, 250-256; - H. Krömler, E. S.s christliches Werk, in: Schw. Rs., N.F. 54, 1954, 51-54; - K.J. Hahn, Der Erzähler E. S., in: DRs. 80, 1954, 366-372; - H. Uhlig, E. S., in: Christliche Dichter der Gegenwart, hrsg. von H. Friedmann und O. Mann, 1955, 403-414; - E. Heimgartner, Die Erzählungen E. S.s, Diss. Zürich 1958; - H. Kucera, Das Problem von Macht und Freiheit bei E. S., Diss. Innsbruck 1964; - L.P. Dunn, Das Bild des Menschen bei E. S., Diss. Tulane Univ. 1966 (auch Diss. Abstracts 27, 1966/67, 1363 A); - L. Besch, Gespräche mit E. S., 1968; - I. Sonderegger - Kummer, Transparanez und Wirklichkeit. E. S. und die innere Spannung in der christlichen Literatur des 20. Jh.s, 1971; - RF (Beer), BD. V; - Deutsche Prosadicht. d. Gegw. (W. Zimmermann), 57-71; - CDG, 403-414 (s.a.o.!); - Christl. Lit. d. Gegw.. Enz: Der Christ in der Welt, XIV. R., Bd. 4 (G. Kranz), 46-50; - RGG3 V, 1388 f.; - K. HB. d. deutschen Gegw.lit, 498-504; - KLL X, 9001 f.; - Klitgesch. Gegw., 196 f. KNLL XIV, 861 ff.; - Weltlit. i. 20. Jh.: Autorenlex. Bd. 4, 1132 f.; - Autorenlex. (Rowohlt), 566; - Neues HB d. Deutschen Gegw.lit. 551-553; - Lex. Deutsche Aut. (Bertelsmann) Bd. IV.
Wolfdietrich von Kloeden
Literaturergänzung:
Gerd Stricker, E.S. u. sein Estland, in: G2W 34.2006, Nr.6, S. 22f.
Letzte Änderung: 09.06.2006