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Verlag Traugott Bautz
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SCHAUMANN, Ruth, Schriftstellerin, Bildhauerin, Graphikerin und Malerin, * 24.8. 1899 in Hamburg als Tochter des aus Braunschweig stammenden Kavallerieoffiziers Kurt S., der 1917 als Major im 1. Weltkrieg fiel. Die Mutter, Elisabeth, geb. Becker, war die Tochter eines Wassermühlenbesitzers in Uelzen/Lüneburger Heide. † 13.3. 1975 in München. - R.S. verbrachte die ersten sechs Lebensjahre in der Garnisonstadt Hagenau/Elsaß, lebte dann zwei Jahre in Lahr und sieben Jahre in Hamburg. Nachdem sie für kurze Zeit eine höhere Töchterschule besucht hatte, erhielt sie aus gesundheitlichen Gründen nur noch Privatunterricht. Seit 1917 wohnte R.S. in München, wo sie von 1918-1920 in der Kunstgewerbeschule als Meisterschülerin unter Joseph Wackerle eine Ausbildung als Bildhauerin erhielt und sich außerdem mit Graphik und Malerei befaßte. Seit 1920 arbeitete sie im eigenen Atelier. 1920 erschien auch ihr erster Gedichtband »Die Kathedrale«. 1924 konvertierte sie zum Katholizismus und begann mit der Publikation religiöser Lyrik (»Der Knospengrund«). Aus ihrer 1924 geschlossenen Ehe mit dem Schriftleiter der Zeitschrift »Hochland«, Dr. Friedrich Fuchs (+ 1948), gingen 5 Kinder (2 Söhne, 3 Töchter) hervor.- Sie erhielt Dichterpreise der Städte München (1931) und Minden in Westf.(1960), den Kogge-Ring, das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse (1959) und den Bayerischen Verdienstorden.- R.S. war eine sensible Künstlerin, der es in ihren z.T. mit eigenen Illustrationen versehenen Romanen, Erzählungen und Gedichten oft meisterhaft gelang, Empfindungen von Menschen darzustellen und die Natur mit ihren Farbschattierungen und Düften nacherleben zu lassen.
Werke: Lyrik: Die Kathedrale (Der jüngste Tag, Bd. 83), München 1920, auch abgedruckt in: Oskar Schürer, Versöhnung, Frankfurt a.M. 1981; Der Knospengrund, München 1924, 1929; Das Passional, München 1926, 1950; Der Rebenhag, München 1927, 1931; Ecce homo, eine Passion in Meisterbildern, Leipzig 1935; Der Siegelring, Berlin 1937; Die Berufenen, Mainz 1939; Kommt ein Kindlein auf die Welt, Mainz 1939, 1941, 1956; Kind unterm Himmel, München 1942; Die Vorhölle, Baden Baden 1947, Luzern 1948, Stuttgart 1953; Klage und Trost, Heidelberg 1947; Ländliches Gastgeschenk, Heidelberg 1948; Die Tenne, München 1951; Die Sternnacht, Auswahl von E. Hederer, München 1959; Am Krippenrand, Weihnachtsgedichte, Zürich 1969; - Holzschnittbücher: Die Rose, München 1927, 1930; Der blühende Stab, München 1929, Heidelberg 1949; Die Kinder und die Tiere, München 1929; Der Krippenweg, München 1932; Der Kreuzweg, München 1934, 1960; Der mächtige Herr, Holzschnitte zum Heliand, Berlin 1938; Kleine Schwarzkunst, Heidelberg 1946; Der schwarze König, Mainz 19483,19544,19615, 19666; Die Kinderostern, Köln 1954; - Romane: Amei, eine Kindheit, Berlin 1932, 1933, 1934, 1935, Heidelberg 1949, 1950, 1953, 1954; Yves, München 1933, 1937, 19497, 19589; Der Major, Berlin 1935, 1939, Hamm 1950; Der schwarze Valtin und die weiße Osanna, Berlin 1938, Speyer 1949, 1958; Die Übermacht, München 1940, 1941, 1946, Freiburg und München 19588; Die Uhr, Baden Baden 1946, Heidelberg 1958, 1973; Elise, Heidelberg 1946, 19562 (u.d.T. Die Geächtete); Der Jagdhund,Bühl 1949, Aschaffenburg 1954; Die Karlsbader Hochzeit, Freiburg 1953; Die Taube, Heidelberg 1955; Die Ölsiederei, Heidelberg 1957; Die Haarsträhne, Speyer 1959; - Erzählungen, z.T. von R.S. illustriert: Siebenfrauen, Berlin 1933, 1934, Hamm 1950; Der singende Fisch, Berlin 1934 (darin u.a. das Märchen Der Petersiliengarten, auch separat erschienen: Leipzig 1937, 1940, Wiesbaden 1951, 1957 sowie: Ave von Rebenhagen, auch separat erschienen: Leipzig 1933, 1943); Ansbacher Näni, Berlin 1936, 1962; Lorenz und Elisabeth, eine schattige Geschichte für die Jugend, München 1936, Heidelberg 1946, 1949; Die Silberdistel, Berlin 1941, Hamm 1950, 1957, Gütersloh 1958; Die Zwiebel, Leipzig 1943, Stuttgart 1952, 1965; Die Blumen, Heidelberg 1945; Der Federkranz, Heidelberg 1946, 1949; Der Ölzweig, Baden-Baden 1946; Der Weinberg, Heidelberg 1946; Myrtil und Merula, Baden-Baden 1946, Dasselbe Zürich 1946; Seltsame Geschichten, Heidelberg 1947; Kuß und Umfangen, Wilen 1948; Der Hirte im schönen Busch, Heidelberg 1949; Neli und Berni, Düsseldorf 1951; Zwei Geschichten: Der Kniefall, Der Apothekergehilfe, Stuttgart 1953, 1954; Der Wiedergefundene, Stuttgart 1954; Die Jungfrau Klar, Bamberg 1954; Der Esel, Buxheim/Iller 1955; 33 unter einem Hut, Tand und Flausen, dennoch Ernst, Freiburg i.Br. 1955; Die Frau des guten Schächers, Freiburg i.Br., Basel, Wien 1956; Akazienblüte, Stuttgart 1959; Drei Legenden zur Weihnacht, München 1965; - Autobiographie: Das Arsenal, Heidelberg 1968; - Sonstiges: Die Glasbergkinder, ein Spiel, München 1924; Werkblätter. Einf. v. Peter Dörfler, Mainz 1925; Bruder Ginepro, Spiel, Berlin 1926; Die geliebten Dinge. Bilder und Verse, München 1930; Das Schattendäumelinchen, ein Spiel für die deutschen Kinder, Berlin o.J.; Leben eines Weibes, das Anna hieß, Berlin 1936; S.,R. und Hermann Simon, Der Kreuzweg, eine musikalische Andacht nach R.S.s Bildwerk und Gedichten, Augsburg 1937; Die Geheimnisse um Vater Titus, Kevelaer 1938, 1953; Der Weihnachtsstern, Geschichten, Legenden und Gedichte, Freiburg i.Br. 1939, 1954, 1957; Die Kreatur und der Singende, Lieder und Gesänge nach Gedichten von R.S. (zus. mit Heinrich Rohr), Münster i.W. 1940; Lied vom Kinde, eine Bildfolge zu dem Gedicht von Clemens Brentano, Freiburg i. Br. 19422; Solamen, Baden-Baden 1946, Stuttgart 1952; Der selige Streit, ein hohes Lied der weihnachtlichen Liebe in zwei Bildern, München 19483; Die Hochzeit zu Kana, Mainz 1949; Die Weihnacht von Feldkirch, München 1949; Muntrer Betrug, Luzern 1949; Der Engelberg, Heidelberg 1950; Die Insel Cara, München 1952; Die Mündigkeit, Freiburg i.Br. 19522; Die singende Witwenschaft, Luzern 1952; Die Messe von Gethsemane, Leipzig 1959, 1960, 1962; Mensch unter Menschen, ein R.-S.-Buch mit Werken der Dichterin, Bildhauerin, Malerin und Graphikerin, ausgew. u. zusammengest. v. Elisabeth Antkowiak, Leipzig 19762.
Lit.: Rolf Hetsch, Das R.-S.-Buch, Berlin 1933; - Rudolf Nikolaus Maier, R.S. Wesen und Wandlung der lyrischen Form (Diss. Frankfurt a.M.), 1935; - Marie-Luise Herzog, Das Frauenproblem in den Romanen R.S.s. (Diss. Innsbruck), 1960.
Ingeborg Koza
Textanmerkungen:
Die Künstlerin und Dichterin Ruth Schaumann ertaubte im Alter von sechs Jahren in Folge einer Scharlacherkrankung. Sie hat Zeit ihres Lebens versucht ihre Gehörlosigkeit in der Öffentlichkeit zu verbergen - was ihr wohl auch gut gelang - dennoch setzt sich S. in vielen ihrer Werke indirekt mit diesem schweren Schicksalsschlag auseinander. Gerade aufgrund der Vielzahl ihrer lyrischen Werke, die Hinweise auf ihr Denken als gehörlose Christin geben, muß ihr Schaffen unter diesem Aspekt gewürdigt werden.
Literaturergänzung:
1990
Alfons Bungert, Ruth Schaumann. Die Welt soll geheilt und geheiligt werden, in: L. Bossle/J. Pottier (Hrsgg.), Deutsche christliche Dichterinnen des 20. Jahrhunderts. Gertrud von le Fort. Ruth Schaumann. Elisabeth Langgässer. Festschrift für Friedrich Kienecker aus Anlaß seines 70. Geburtstages, Paderborn 1990, 58-59; - P. Robert Maria Wagner, Ruth Schaumann als Mensch unter Menschen und Zeugin ihrer Zeit, ebd., 60-92; - Ursula Ackermann, Das bildhauerische und graphische Werk von Ruth Schaumann, ebd., 93-100; - Joël Pottier, Wiedergelesen: Ruth Schaumanns Roman "Elise". Ein Beitrag zur Wesensbestimmung des Widerstandes der deutschen christlichen Dichter gegen das Dritte Reich, ebd., 101-125; -
1999
Klein, Christina / Sousa Machado, Celeste de (1999): Das lyrische Werk. In: Goussar, Marina et al. (1999): Ein Versuch, Ruth Schaumann neu zu lesen. In: "Das Zeichen" 49, 395-400; - Vollhaber, Tomas (1999): Ruth Schaumann, eine vergessene gehörlose Dichterin. In: "Deutsche Gehörlosenzeitung" 127, 7, 195-196; - Vollhaber, Tomas (1999): Ruth Schaumanns unendliches Schreiben. In: Schaumann, Ruth: "Der Kugelsack." Hamburg, 247-274; - Vollhaber, Tomas (1999): "Vom tiefen Schlummerruf der Taube" - Gehörlosigkeit im literarischen Werk Ruth Schaumanns. In: "Das Zeichen" 48, 228-241; - Weileder, Gottfried (1999): Die Künstlerin und Dichterin Ruth Schaumann. In: "Das Zeichen" 48, 242-244; -
2003
Joël Pottier, R.S., in: RGG4 VII, 26; -
2008
Anna Stolarczyk-Gembiak, Zwischen Christentum u. Moderne. R.S. u. ihr Prosawerk im Dritten Reich. Poznan 2008.
Letzte Änderung: 17.01.2010