SCHEFFLER, Christoph Thomas, mitunter auch Schäffler geschrieben, signierte meist TS, Freskomaler des Rokoko, * 20.12. 1699 in Mainburg/Niederbayern, + 25.1. 1756 in Augsburg. - Ausbildung bei seinem Vater Wolfgang S. im Malerhandwerk. 1719-1722 als Gehilfe bei C.D.Asam: arbeitete mit in Ellwangen, Mergenthal, Schleißheim und Allersbach. S. trat am 20.9. 1722 als Laienbruder in den Jesuitenorden ein und malte für diesen mehrere Altarbilder, sowie 1725-1727 Hochaltarbild und Freskoausstattung der Jesuitenkirche in Ellwangen. Wurde dabei dem Mainzer Kur-Bischof Franz Ludwig v.d. Pfalz bekannt und malte für ihn Teile des Schlosses in Ellwangen aus. April 1728 aus dem Orden entlassen, ließ er sich in Augsburg nieder. Von hier malte er weiter auf Anforderung Franz Ludwigs (mit seinem Bruder Felix Anton S.) im Bischofshof in Worms (Bilder und Fresken verbrannt), sowie Fresken der Peter und Paulskirche in Neiße. Zwischen 1732 und 1735 stattete er im Auftrag des Priors Cölestin Mayr OSB von St.Ulrich in Augsburg die Kirche in Unterliezheim mit Fresken und Bildern aus. 1736 malte er neuerlich im Auftrag Franz Ludwigs die Deutschordenskommende in Mainz aus: heutiges Landtagsgebäude, Fresken durch Bomben 1943 zerstört. 1735-1736 mehrere Altarblätter für Kirchen in Augsburg, Unterliezheim und die Dillinger Klosterkirche. Im Frühjahr 1737 die Fresken der Kapelle der Mainzer Kommende (zerstört) und noch im Spätsommer 1737 Fresken und Hochaltarblatt der Kirche in Todtenweiß. Im Herbst 1738 heiratete er Maria Regina Pelle. Zwischen 1735 und 1739 malte er Fresken und Altarblatt in Aulzhausen, 1740 die Fresken der Wallfahrtskirche Witzighausen, 1741 die Fresken der Grabkirche der Familie von Schönborn in Heusenstamm und 1742 die Fresken der Marienkapelle in Haunstetten/Augsbg. - Im Sommer 1743 Ausmalung der Trierer Paulinskirche im Auftrag des Kur-Erzbischofs Franz Georg v.Schönborn. - Von da fünf leere Jahre, möglicherweise infolge Krankheit. Vielleicht fallen in diese Zeit zwei Entwürfe für Altarbilder in Ettal. - 1750-1751 entstehen die Fresken der Studienkirche der Jesuiten in Dillingen und 1752 die der `Alten Kapelle' in Regensburg. 1753 und l754 Ausmalung der Landsberger Hl.Kreuz-Kirche. - Der Schwerpunkt der Fähigkeit und der Tätigkeit des S. lag in der Freskomalerei. Besonders in der Technik der `illusionistischen Perspektive' brachte er es zu ungewöhnlicher Perfektion: `Kreuz im Lebensbaum' in der Trierer Paulinskirche; `Konstantinische Kreuzesvision' in der Hl.Kreuzkirche Landsberg. - Der inhaltliche Grundzug seiner fast nur religiösen Malerei war ein fromm-belehrender. - Bevorzugte Themen: Maria als Apokalyptisches Weib und als Himmelskönigin. - Seine Malweise blieb zeitlebens schwer und intensiv und bedurfte auch deshalb schwerer Rahmen in Stuck und/oder illusionistischer Malerei. - Es mag an Krankheit und frühem Tod gelegen haben oder auch an einem abschätzigen Urteil des Balthasar Neumann über ihn - anläßlich der geplanten Hinzuziehung des S. zur Ausmalung des Würzburger Schlosses, - daß er fast zum Unbekannten und erst durch die Dissertation von Wilhelm Braun in 1939 in etwa `wiederentdeckt' wurde. Auch deshalb ist die Literatur über S. - von Anmerkungen zu Kirchen oder einzelnen Werken abgesehen - spärlich.
Lit.: Wilhelm Braun, Christoph Thomas Scheffler, Stuttgart 1939; - J.Bartl, Wallfahrtskirche Unterliezheim, München-St.Ottilien 1948; - Holger H.Ehlert, Die Deckenfresken von St.Paulin, Mainz 1984, - Adolf Feulner, Süddeutsche Freskomalereien, Münchener Jahrbuch der bildenden Kunst X (1916-l918), 61-101; - Oskar Lochner von Hüttenbach, Die Jesuitenkirche zu Dillingen, ihre Beschreibung mit besonderer Berücksichtigung des Meisters ihrer Fresken Christoph Thomas Scheffler, Stuttgart 1895; - W.Meyer und A.Schädler, Die Kunstdenkmäler von Bayern, IV. Dillingen 1964, 238-277; - Heiner Martini, Himmel und Hölle auf Decken und Wänden, biogr. Roman, Pfaffenhofen 1985; - Franz J.Ronig, Die Deckenmalereien der Trierer Paulinskirche, Kurtrierisches Jahrbuch 26, 1986, 99-110; - Hermann Schmidt und Hugo Schnell, Heiligkreuzkirche Landsberg, München 1935; - Friedrich Zöpfl, Die Katholische Pfarrgemeinde Dillingen, Erolzheim 1954, 12; - Künstlerlexikon Thieme-Becker, Band XXX, Leipzig l936; - Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, I. Oberbayern, München 1976, 132-142; - Kunst- und Kirchenführer Schnell&Steiner, München: Unterliezheim 521, Dillingen, Franziskanerinnenkirche 857 und Studienkirche 258, Witzighausen 272, Landsberg Hl.Kreuzkirche 93, Regensburg `Alte Kapelle' 415.
Heiner Martini
Letzte Änderung: 09.04.2011