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Band IX (1995)Spalten 142-144 Autor: Karl Heinz Voigt

SCHEMPP, Johannes d.Ä., Direktor des Predigerseminars der Ev. Gemeinschaft, (heute: Ev.-methodistische Kirche). * 21.12. 1853 in Jesingen, Kirchheim/Teck, + 12.8. 1931 in Reutlingen. - Seine Eltern, Schuhmacher Friedrich Schempp und Christine geb. Schmid, waren fromme Leute. Zunächst ergriff J.Sch. nach seiner Schulausbildung den Beruf eines Schuhmachers und arbeitete in der elterlichen Landwirtschaft mit. Über seine Schwestern kam er mit der Ev. Gemeinschaft in Kontakt und schloß sich ihr an. 1871 leitete er eine Sonntagsschul-Klasse, bald auch Gebetsversammlungen für Erwachsene. 1873 wurde er ins Predigtamt der Ev. Gemeinschaft aufgenommen. Er war zunächst Prediger in Heidenheim und Stuttgart. Dort verheiratete er sich mit Friederike Christiane geb. Bauer (* 9.12. 1855 in Ochsenburg, Oberamt Brackenheim). Danach wurde er nach Essen gesandt. Die weiteren Stationen seines Dienstes waren Eisenach (1882-85), Tübingen (1885-88), dann kurz Stuttgart (auch 1888), danach ab 1889 Superintendent in Elberfeld. Er arbeitete gesamtkirchlich in den Vorständen des kircheneigenen Christlichen Verlagshauses in Stuttgart und im Diakoniewerk `Bethesda' in Wuppertal mit. Im Oktober 1891 nahm J.Sch. als Delegierter an der Generalkonferenz seiner Kirche in Indianapolis, Ind., teil. Der gleichzeitig mit ihm teilnehmende Reutlinger Seminardirektor Gottlieb Heinmiller wurde von dieser Generalkonferenz zum Schriftleiter des in Amerika erscheinenden deutschsprachigen Wochenblattes `Der Christliche Botschafter' mit Sitz in Cleveland, Ohio, gewählt. Dies hatte zur Folge, daß J.Sch. 1892 als Nachfolger Heinmillers ins Direktorat des Predigerseminars der Ev. Gemeinschaft in Reutlingen berufen wurde. Unter seiner Leitung wurde die Ausbildung in dem 1877 gegründeten Seminar erheblich verbessert; 1905 wurde ein neues Seminargebäude errichtet. In der Aufgabe als theologischer Lehrer entfaltete Sch. seine Begabungen und prägte im Laufe von 28 Jahren (bis 1920) viele Prediger. Sch. war ein Autodidakt und erreichte ein beachtliches theologisches Niveau. Als Leser der Luthardtschen Kirchenzeitung war er an der konservativen Erlanger Theologie der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts orientiert. Allerdings schrieb der Seminardozent Otto Hänisch rückblickend: Seine methodistische »Heilsauffassung betont ein Moment, das in den Lehrdurchbildungen der beiden großen reformatorischen Kirchen zu wenig hervorgetreten ist« (1932). Im Ruhestand war Sch. weiter für seine Kirche tätig. So wirkte er an der Erlangung der Körperschaftsrechte zur Zeit der Weimarer Republik mit und verhandelte mit der Württembergischen Landeskirche, um zu einem Vertrag zwischen ihr und seiner staatsunabhängigen Kirche zu kommen. Dieser 1928 geschlossene Vertrag ist die erste offizielle Vereinbarung zwischen einer Landeskirche und einer Freikirche in Deutschland. In seiner Kirche und darüberhinaus hochverehrt starb J.Sch. am 12.8. 1931.

Werke: Die Gottessohnschaft Christi, in: Ev. Bausteine 1896, 1-10 u. 37-42; Die christliche Glaubenslehre, o.J.; Die christliche Ethik, o.J.; Pastoraltheologie, o.J.; Kirchenordnung, o.J.; Homiletik, o.J.; (alle fünf Schriften sind als Manuskript hektographierte Bände). Katechetisches Handbuch für Prediger, o.J. - Hrsg.: Ev. Bausteine, Vierteljahrsschrift für Arbeiter im Reiche Gottes, 1892-96 gemeinsam mit Friedrich Maurer; Katechismus von Johann Jakob Escher, neu hrgg., o.J. - Aufsätze: Die Inspiration der heiligen Schrift, in: Ev. Bausteine 1893, 33-38, 69-77 u. 105-107; Christus der Menschensohn, in: Ev. Bausteine 1894, 97-106; Die Gottessohnschaft Christi, in: Ev. Bausteine 1896,1-10 u. 37-42; Sittlichkeit, Sittlichkeit und Religion; christliche Sittlichkeit, in: Ev. Bausteine 1896, 102-113; Die Prophetie des Alten Testaments, in: Ev. Bausteine 1900, 33-43; Geschichte unseres Predigerseminars, in: Festschrift des neuerbauten Predigerseminars der Ev. Gemeinschaft in Reutlingen, 1905, 24-39; Wesen und Absolutheit des Christentums, in: Ev. Bausteine 1911, 33-41 u. 69-77; Der Tod, in: Ev. Bausteine 1927, 71-79; Der Zustand der Seele nach dem Tode, in: Ev. Bausteine 1927, 101-111, 130-144 u. 1928, 65-72; 50 Jahre Predigerseminar Reutlingen, Ansprache, in: Ev. Bausteine 1927, 9-12; Von dem Kommen des Reiches Gottes, in: Ev. Bausteine 1928, 142-154, 174-182 u. 208-217; Das tausendjährige Reich, in: Ev. Bausteine 1929, 34-40, 66-75 u. 98-108, auch als Monographie erschienen, o.J.; Die Wiederkunft Christi zum Gericht, in: Ev. Bausteine 1929, 173-181 u. 1930, 9-14; Die Auferstehung der Toten, in: Ev. Bausteine, 1930, 33-38, 74-80 u. 103-112; Das allgemeine Weltgericht, in: Ev. Bausteine, 1930, 141-150 u. 177-183; Die Ewigkeit, in: Ev. Bausteine 1931, 39-49, 74-79 u. 105-114; Neuorientierung oder Reformation, in: Ev. Bausteine, 1931, 116-118; Das Buch Daniel, in: Ev. Bausteine 1934, 131-142 u. 180-192; Der Reichtum der geistlich Armen (Predigt), 1934; Der Trost der Leidtragenden (Predigt), 1934; Das goldene Tor ins Himmelreich, 10 Predigten, 1935; Um Gerechtigkeit willen verfolgt (Predigt), 1935; Das reine Herz (Predigt), 1935; Hunger nach Gerechtigkeit (Predigt), 1935; Das Licht der Welt (Predigt), 1935; Das Salz der Erde (Predigt), 1935; Die Seligkeit der Barmherzigen (Predigt), 1935; Die Seligkeit der Sanftmütigen (Predigt), 1935; Die Seligkeit der Friedfertigen (Predigt), 1935.

Lit.: Karl Güller, Gedächnisrede für J. Sch., in: Ev. Bausteine 1931, 163-165; - Max Richter, Johannes Schempp als kirchlicher Führer, in: Ev. Bausteine 1932, 70-74; - Reinhold Kücklich, Johannes Schempp als Schriftsteller, in: Ev. Bausteine 1932, 83-89; - Johannes Schempp (d.J.), Johannes Schempp (d.Ä.), 1936; - Johannes Schempp (d.J.), Johannes Schempp, in: Zeugen des Lichts, 1950, 37-46; - Johannes Gähr, Johannes Schempp, 1965; - Walter Klaiber/Michel Weyer, 125 Jahre Theologisches Seminar der Evangelisch-methodistischen Kirche, 1983, 47 ff.

Karl Heinz Voigt

Letzte Änderung: 12.03.1999