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Band XXI (2003)Spalten 1360-1362 Karl Hermann Kauffmann

SCHLACHTER, Franz-Eugen, Bibelübersetzer, * 28. Juli 1859 in Altkirch bei Mühlhausen (Elsaß), † 12. Januar 1911. - Franz-Eugen Schlachter wurde als Sohn des Kaufmann Franz Joseph Schlachter geboren. Die Familie zog später nach Basel um und Sch. erhielt dort später das Bürgerrecht. Dort besuchte er auch die Volksschule und das Gymnasium. Nach der Konfirmation verließ er das Gymnasium um eine Lehre zu beginnen - vermutlich waren finanzielle Gründe ausschlaggebend. In dieser Zeit kam er in Berührung mit der Heiligungsbewegung unter Robert Pearsall Smith. Er lernte vermutlich einen kaufmännischen Beruf, aber auch von einer gewerblichen Lehre bzw. dem Glashandwerk wird berichtet. - 1878 beginnt Sch. in der Evangelischen Predigerschule in Basel seine theologische Ausbildung. In dieser Zeit war seine Hauptaufgabe das "Studium des Urtextes" der Bibel. Er las zeitweise das Neue Testament nur noch in Altgriechisch und ging das Alte Testament im hebräischen Text durch. 1882 schloß er die Schule mit dem Examen ab. - Er wurde dann Prediger der Evangelischen Gesellschaft des Kantons Bern. Er war ein Mitarbeiter des Evangelisten Elias Schrenk. 1882-1885 arbeitete er in Bern. Er evangelisierte und hielt Bibelstunden ab und war ein beliebter Bibelausleger. 1883 wurde er zum Prediger eingesegnet. 1884 ließ er sich als Erwachsener in Thun taufen. Dies führte zu großen Spannungen in der Evangelischen Gesellschaft. Er blieb aber Prediger der Evangelischen Gesellschaft. Ebenfalls 1884 bereiste er London, wo er die Arbeit von C. H. Spurgeon und die Evangelisationen des amerikanischen Evangelisten D. L. Moody bzw. dessen Sänger Sankey, kennenlernte. Er war ein Liebhaber der Lieder von Sankey und brachte dessen Gesangbuch mit in die Schweiz. 1885 bis 1890 wirkte er in Schönbühl, Thun und Steffisburg. 1890 bis 1907 war er in der Evanglischen Gesellschaft in Biel tätig. - Schriftstellerisch wurde er bekannt als der Übersetzer der "Miniaturbibel." Diese erschien 1905 und es folgte danach 1907 die "Hausbibel" und ein Jahr später die "Handbibel". Diese Übersetzung zeichnete sich durch eine sehr seelsorgerliche und volksnahe, manchmal sehr treffend-derbe Sprache aus, die aber gleichzeitig sehr genau den Urtextsinn wiedergab. Neu war das schlanke, längliche Format und der fortlaufend gesetzte Text, der nur Abschnitte aufwies, wenn sich der Sinn bzw. die Thematik des Textes änderte. Er arbeitete des weiteren an einer Mischung aus Bibellexikon und Konkordanz. Dieses Werk konnte er aber infolge seiner Krankheit und seines frühen Todes nicht vollenden. - Er war lange Zeit Herausgeber der "Brosamen", einem christlichen Blatt, das in kurzer Zeit ca. 4.000 Abonnenten aufweisen konnte. Er ist auch der Übersetzer der Bücher des bekehrten Priesters Pater Chiniquy. Selber verfaßte er eine Vielzahl von Schriften, teils theologischen, teils erzählenden Inhalts, z.B. "Resli der Güterbub, Geschichte eines Bernerjungen", "Meister Pippin, Bilder aus einem verborgenen Leben", "Samuel und Saul", "Herodes der I, genannt der Große", "Über Berechtigung und Aufgabe der Predigt" usw. Von ihm wurde das Liederbuch "Wallfahrtslieder für die Pilger aus der Gottesstadt, ein Gesangbuch für Gemeinde, Versammlung, Verein, Schule und Haus" herausgegeben. Er war ein Mann der Gemeinde, vertrat die Erwachsenentaufe und war ein Gegner des erstarrten, formalen Christentums. In ihm sehen wir einen typischer Vertreter der Heiligungs- bzw. der Erweckungsbewegung und einen großen Liebhaber des Wortes Gottes. - 1907 bis 1911 war er Prediger an der Freien Gemeinde in Bern. Infolge eines Magenleidens rief ihn sein Herr, Jesus Christus am 12. Januar 1911 in die Ewigkeit. Franz-Eugen Schlachter war verheiratet und hatte eine Tochter.

Karl Hermann Kauffman

Literaturergänzung:

Karl-Hermann Kauffmann, F.E.S. Ein Bibelübers. im Umfeld d. Heiligungsbewegung. Lahr/Schwarzwald 2007.

Letzte Änderung: 21.12.2007