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Verlag Traugott Bautz
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SCHLÖGL, Nivard, * 4.8. 1864 in Gaaden bei Mödling/Niederösterreich, † 24.6. 1939 in Wien. Johannes S. trat mit 20 Jahren in der Abtei Heiligenkreuz bei Baden (Niederösterreich) dem Zisterzienserorden bei, wo er bei der Einkleidung den Ordensnamen Nivard erhielt. Nach seiner feierlichen Ordensprofeß und Priesterweihe übertrugen ihm seine Oberen von 1890 bis 1907 das Amt des Novizenmeisters; ab 1896 war er in Heiligenkreuz auch Professor für alttestamentliche Exegese. Im Jahre 1908 erhielt der gelehrte Ordenspriester, der sich auch in Orientalistik spezialisiert hatte, einen Ruf an die Universität Wien. Nachdem seine Übersetzung der Heiligen Schrift 1922 indiziert worden war (Acta Apostolicae Sedis 14 [1922], 41, 319), gab er die Exegese auf, wechselte zur philosophischen Fakultät und lehrte nur noch orientalische Sprachen. S. besaß ein hervorragendes Sprachgefühl; er befaßte sich insbesondere mit der Konjekturalkritik und der biblischen Metrik, was seine Veröffentlichungen zwischen 1904 und 1916 bezeugen. Seine recht eigenwilligen Hypothesen fanden jedoch wenig Anklang und wurden größtenteils abgelehnt. S. war ein sehr begabter und gleichzeitig umstrittener Theologe. Eine gerechte Beurteilung seiner Person erscheint schwierig. Man muß ihn aus seiner Zeit heraus verstehen. Dennoch gab er der heutigen Exegese manche Impulse. Er war ein ausgezeichneter Ordensmann und Novizenmeister, ein eifriger Studentenseelsorger in Wien, der in seiner Nächstenliebe zu jedem Opfer bereit war.
Werke: Das Waldtalkloster, Paderborn 1897 [Gedichte]; Geist des hl. Bernhard, Paderborn 1898; De re metrica Hebraeorum veterum, Wien 1899; Samuel, Wien 1904; Die Bücher der Könige und Chronik, Wien 1911; Die Psalmen und Jesaja, Wien 1915; Job, Wien 1916; - Herausgabe rekonstruierter Originaltexte: Sir 39, 12-49, 16, Wien 1901; Das Hohelied, Wien 1902; Die Psalmen [hebräisch-deutsch], Graz 1911; - Die Heiligen Schriften des Neuen Bundes, Wien 1920; Die Heiligen Schriften des Alten Bundes, 2 Bde, Wien 1922 [Bd. II ohne kirchliche Druckerlaubnis].
Lit.: S. Grill, Universitätsprofessor Dr. P. N. J. S. 1864-1939. Eine kurze Würdigung, Heiligenkreuz 21949 (zuvor in: Cistercienser-Chronik 1940); - ECatt XI, 73 f.; - LThK 2IX, 420; - Encyclopedic Dictionary of Religion, Philadelphia-Washington, D.C., 1979, 3216.
Johannes Madey
Literaturergänzung:
Alkuin Volker Schachenmayr, Prägende Professoren in d. Entwicklung d. theol. Lehrbetriebes im Cistercienserstift Heiligenkreuz von 1802 bis 2002. Langwaden 2004, S. 145-170.
Letzte Änderung: 19.02.2006