SCHLOSSER, Christian F. Publizist und Romantiker. S. wurde am 15. September 1782 als Sohn eines Frankfurter Ratsherrn geboren. Hochbegabt, studierte er in Jena und Göttingen Medizin, bevor er 1808 - von der Romantik erfaßt - nach Rom ging. Dort lebte er im Kreis von Künstlern wie Thorwaldsen, Overbeck, Cornelius u.a. Im Frühjahr 1812 konvertierte er, wie zuvor sein Freund Zacharias Werner, zur katholischen Kirche. In den Jahren nach dem Wiener Kongreß kämpfte er entschieden für die Gleichberechtigung der Katholiken in Frankfurt und, in engem Bündnis mit Friedrich Schlegel, für eine Neuordnung der Verhältnisse der katholischen Kirche in Deutschland. Die Übersetzung und Kommentierung einer frz. Schrift 1816 gewann durch seinen Gedanken von eng an Rom angeschlossenen Nationalkirchen vermutlich Einfluß auf den jungen Döllinger. Eine weitere Schrift 1817 bewirkte, daß der Freiherr vom Stein bei seinen Arbeiten für das Zusammentreten der westfälischen Provinzialstände sich seiner bediente. 1818 wurde er Gymnasialdirektor in Koblenz und stand in engen Kontakt mit Görres. Ein Plan Steins und W. v. Humboldts, ihm eine Professur in Bonn zu verschaffen, scheiterte jedoch an kirchenpolitischen Bedenken der preußischen Regierung. Der von persönlichen Schicksalsschlägen schwer Getroffene verbrachte ruhelose Jahre, bevor er, bereits schwer erkrankt, 1826 wieder nach Rom zog. Dort starb er am 14. Februar 1829.
Werke: Über Staatsverfassung und Staatsverwaltung. Aus dem Französischen von Fievée. Übersetzt und mit Anmerkungen begleitet von Friedrich Christian Schlosser. Frankfurt am Main 1816; Ständische Verfassung, ihr Begriff, ihre Bedeutung. 1817.
Lit.: Oswald Dammann, Goethe und Christian Friedrich Schlosser, in: Jahrbuch der Goethe-Gesellschaft, Bd 16 (1930), 59-71; - ders., Johann Friedrich Heinrich Schlosser auf Stift Neuburg und sein Kreis, in: Neue Heidelberger Jahrbücher 1934, 1-128; - Max Blauberger, Staat und Kirche - ein nicht von Döllinger verfaßter Artikel der »Eos«, in: ZKG 103. Bd. (1992/1), 87-91.