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Band IX (1995)Spalten 304-306 Autor: Gerhard Kaller

SCHLOSSER, Johann Friedrich Heinrich, Schriftsteller, Privatgelehrter, * 30.12. 1780 in Frankfurt a. Main, + 22.1. 1851 in Frankfurt a. Main. - Sch. stammt aus einer angesehenen Frankfurter Familie, die über Johann Georg Sch. auch mit Goethe verwandt ist. Er studierte ab 1799 Rechtswissenschaft, zunächst in Halle, später in Jena und Göttingen, wo er promovierte. Während seines breit gefächerten Studiums kam er in Beziehung zur deutschen Aufklärung, aber auch zu der Dichtung Goethes und der Romantiker. In Frankfurt wurde er Oberschulrat und Leiter des neu gegründeten Lyceums. Im Jahr 1809 heiratete er Sophie Charlotte du Fay, die Tochter eines reichen Handelsherren. Er war Mitglied des Frankfurter Stadtparlaments und Abgesandter der Stadt auf dem Wiener Kongress. Dort wandte er sich unter dem Einfluß von J.C.M. Hofbauer dem Katholizismus zu. Er lehnte die Pläne I. H. von Wessenberg zur Schaffung einer deutschen Nationalkirche ab und setzte sich nach der Rückkehr nach Frankfurt energisch für die Gleichberechtigung der katholischen Gemeinde ein. Im Jahr 1814 trat er dem Beispiel seines Bruders Christian Friedrich folgend mit seiner Ehefrau zum Katholizismus über. Er gab alle öffentlichen Ämter in Frankfurt auf und lebte als Sammler und Privatgelehrter. Im Jahr 1825 erwarb er das Stift Neuburg bei Heidelberg, wo er die Sommer verbrachte. Sch., der schon vorher Goethe und Schiller persönlich kennengelernt hatte und die Bestrebungen des Freiherrn von Stein zur Herausgabe alter Schriftquellen förderte, baute das Gebäude zu einem Treffpunkt für Literaten, Musiker und Kunstfreunde aus. Er besaß eine umfangreiche Bibliothek, eine Sammlung von Erinnerungsstücken an Goethe und ließ die Klosterkirche durch Heinrich Hübsch neugotisch umgestalten. In den Jahren 1834-35 bereiste er Italien. Er förderte insbesondere die Kunst der Nazarener. - Sch. schien zunächst eine erfolgreiche Laufbahn im Dienste der Stadt Frankfurt vorgezeichnet, wie sie in seiner Familie Tradition war. Höhepunkt dieses Abschnittes war seine Mission auf dem Wiener Kongress. Nach seinem Übertritt zur katholischen Kirche setzte er sich in zahlreichen meist anonym erschienenen Schriften für die Verbreitung katholischen Glaubensgutes ein. Den Erlös der einzigen zu seinen Lebzeiten unter seinem Namen gedruckten Schrift »Die morgenländische orthodoxe Kirche Rußlands und das europäische Abendland« (1845) stiftete er dem Weiterbau des Domes in Köln. Sch. sammelte auf Stift Neuburg einen Kreis von Künstlern, Wissenschaftlern, Geistlichen und Politikern um sich. Auch der regierende badische Großherzog war zu Gast. Sch. beherrschte mehrere Sprachen und schuf zahlreiche Übersetzungen aus dem Lateinischen, Französischen und Italienischen, darunter auch Nachdichtungen von Sonetten. Er zählt zu den Anhängern einer konservativen, ultramontanen Politik; für die Revolution der Jahre 1848/49 brachte er kein Verständnis auf.

Werke: (mit einer Ausnahme anonym erschienen): Materialien zu einem Handelsgesetzbuch der Stadt Frankfurt am Main, Frankfurt/M. 1881; Über gemischte Ehen, Versuch einer Verständigung, Frankfurt/M 1838; Die morgenländische orthodoxe Kirche Rußlands und das europäische Abendland, Frankfurt/M 1845; Friedrich von Logau und sein Zeitalter, Frankfurt/M 1849; Die Kirche in ihren Liedern durch alle Jahrhunderte, 2 Bde. Mainz 1856-59 (aus dem Nachlaß); Übersetzungen: De Imitatione Jesu Christi, Frankfurt/M 1823, 18383; Bekenntnisse der hlg. Theresia, Frankfurt/M 1827; Auswahl belehrender und erbauender Schriften der hlg. Theresia, Frankfurt/M 1829; Briefe und ausgewählte Schriften der hlg. Theresia, Frankfurt/M 1832; Die Lieder des hlg. Franziskus von Assisi, Frankfurt/M 1842; Der Herzogin von Dumas Betrachtungen und Gebete, Frankfurt/M 1842.

Lit.: Moriz Brühl, Geschichte der katholischen Literatur Deutschlands vom 17. Jahrhundert bis zur Gegenwart, Leipzig 1854 590 ff. (mit Schriftenverzeichnis); - Julius Frese, Goethe-Briefe aus Fritz Schlossers Nachlaß, Stuttgart 1877; - David August Rosenthal, Konvertitenbilder aus dem 19. Jahrhundert, 3. Aufl. Bd. 1, Regensburg 1891 313-24; - Johann Jakob Hansen, Lebensbilder hervorragender Katholiken, Bd. 6, Paderborn 1910, 145-152; - Otto Gradenwitz, Der Freiherr vom Stein an Sch. auf Stift Neuburg bei Heidelberg, 29 Briefe und 1 Skizze, Heidelberg 1910; - Oswald Damman, Johann Friedrich Heinrich Schlosser auf Stift Neuburg und sein Kreis, in: Neue Heidelberger Jahrbücher, 1934, 1-128 (mit Bibliographie und Bildern aus verschiedenen Lebensabschnitten); - NNekrD 29, 1851, 119-125; - ADB XXI, 541-42; - LThK1 VI, 275-76; - LThK2 IX, 420-21.

Gerhard Kaller

Letzte Änderung: 12.03.1999