SCHMIDT, Karl, katholischer Rechtshistoriker, * 1.8. 1836 in Paderborn, † 7.4. 1894 in Colmar. Karl (Joseph Liborius) Schmidt ist ein Sohn des Paderborner Arztes Joseph Hermann S. (s. o.) und ein Bruder des Zentrumspolitikers Otto S. (s. u.). Er wurde am 1.8. 1836 geboren und machte sich einen Namen als juristischer Schriftsteller, vor allem als Experte des "ius primae noctis". Die Berliner Zentrumszeitung "Germania" meinte sogar, er wäre "zweifellos einer der hervorragendsten Juristen der Neuzeit." K. S. war Rat am Oberlandesgericht Colmar und mit Clementine Bleibtreu (1848-1919), der Tochter des Oberlandesgerichtspräsidenten Friedrich Wilhelm Bleibtreu (1815-1890), verheiratet. Durch seine aus Vilich stammende Schwiegermutter war er mit Friedrich von Schillers Sohn Ernst von Schiller (1796-1841) verwandt. Bei den Reichstagswahlen von 1877 war er der Kandidat der Zentrumspartei im Trierer Wahlkreis Ottweiler-St. Wendel, wo er dem Industriellen Karl Ferdinand Stumm, dem Kandidaten der Deutschen Reichspartei, unterlag. Nach längerem Leiden starb er am 7.4. 1894 in Colmar und wurde in Vilich beigesetzt. Die Witwe nahm den Namen Schmidt-Bleibtreu an (auch für ihre vier Kinder) und zog nach Vilich. K. S. und seine Frau sind die Großeltern des Juristen Bruno Schmidt-Bleibtreu, dem Verfasser eines bedeutenden Grundgesetzkommentars.
Werke: Bemerkungen zu der in c. 3. X. de sponsa duorum aufgenommenen Decretale Alexanders III., in: AfKathKR 28 (1872) 123-127; Entscheidungen dt. Kassationshöfe als Noten zum Code d´instruction criminelle für Elsaß-Lothringen, Rheinpreussen, Rheinhessen u. Rheinpfalz. Berlin 1874,
31878; Streitigkeiten zw. den Bewohnern der Städte Amiens u. Abbeville u. dem Bischof v. Amiens über das Recht der ersten Nacht, vor dem Parlament zu Paris, in: AfKathKR 40 (1878) 256-273; Jus primae noctis. Eine geschichtliche Untersuchung. Freiburg i. Br. u.a. 1881; Der Streit über das jus primae noctis, in: Zschr. für Ethnologie 16 (1884) 18-59; Slavische Geschichtsquellen zur Streitfrage über das ius primae noctis, in: Zschr. der Hist. Ges. für die Provinz Posen 1 (1885) 323-356; Beitrag zur Frage vom jus primae noctis, in: Zschr. für vergleichende Rechtswiss. 6 (1886) 156-160; Die Confession der Kinder nach den Landesrechten im deutschen Reiche. Freiburg i. Br. 1890; Schillers Sohn Ernst. Eine Briefsammlung mit Einleitung. Mit Bildnissen u. zwei Handschriften von Schiller u. Goethe. Paderborn 1893.
Lit.: Rezensionen zu: K. S., Jus primae noctis. Freiburg i. Br. u.a. 1881. In: AfKathKR 47 (1882) 172f. (Friedrich H. Vering), Revue des études juives 7 (1883) 156-159 (Isidore Weil), Zschr. für vergleichende Rechtswiss. 4 (1883) 279-287 (Josef Kohler); - Max Pappenheim, Rez.: K. S., Slavische Geschichtsquellen zur Streitfrage über das ius primae noctis (Sonderabdruck aus der Zschr. der Hist. Ges. für die Provinz Posen). Posen 1886. In: HZ 57 (1887) 370f.; - Rezensionen zu K. S., Die Confession der Kinder nach den Landesrechten im deutschen Reiche. Freiburg i. Br. 1890. In: LitHandw 30 (1891) Sp. 16-18 (Alfons Bellesheim), StML 40 (1891) 236-239 (August Lehmkuhl), HJ 13 (1892) 661f.; - Carl S. †, in: Germania Nr. 80, 10.4.1894, 2; - Karl Joseph Liborius S. †, in: Kölnische Volksztg. Nr. 213, 11.4.1894, 2; - Joseph Oppenhoff (Hrsg.), Gesch. des Kath. Studenten-Vereins Askania in Berlin 1853-1928. Aachen 1928. 38, 42, 50, 56f. (Abb.), 65; - Ellen Conradi-Bleibtreu, Im Schatten des Genius. Schillers Familie im Rheinland. Münster 1981. 145-147; - Jörg Wettlaufer, Das Herrenrecht der ersten Nacht. Hochzeit, Herrschaft u. Heiratszins im Mittelalter u. in der frühen Neuzeit. Frankfurt a. M./New York 1999 (s. Reg.).
Gunnar Anger
Werkeergänzung:
Rez.: Leo von Savigny, Die französischen Rechtsfacultäten im Rahmen der
neueren Entwicklung des französischen Hochschulwesens. Berlin 1891. In:
Literarische Rundschau für das kath. Deutschland 18 (1892) Sp. 213-216.
Gunnar Anger
Letzte Änderung: 09.04.2011