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Verlag Traugott Bautz
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SCHOLL, Hans und Sophie, Zentralpersonen der Widerstandsbewegung »Weiße Rose«. Hans, * 22. Sept. 1918 in Ingersheim, † 22. Febr. 1943 in München-Stadelheim. Sophie, * 9. Mai 1921 in Forchtenberg, † 22. Febr. 1943 in München Stadelheim. - Im Juni 1942 regte sich zum erstenmal in studentischen Kreisen in Ulm und München Widerstand gegen den NS-Staat. Tragende Gestalten waren Hans und Sophie Sch., wobei der eigentliche Ausgangspunkt Hans Sch. war. Er »galt und gilt als die treibende Kraft der `Weißen Rose'. Es ging eine Art vibrierender Wachsamkeit von ihm aus... In der kritisch-wachen Atmosphäre einer schwäbischen Bürgermeisterfamilie war er aufgewachsen. Er und auch seine Geschwister waren - trotz der offenen Mißbilligung ihres Vaters - vorübergehend den Verlockungen der Parolen und Fahnen erlegen. Nach einigen gravierenden Erlebnissen wandten sie sich dann - schon 1935 - voller Ernüchterung und Empörung von der Hitlerjugend ab. Hans schloß sich einer Gruppe der verbotenen Bündischen Jugend an, der er bis zu seinem Abitur angehörte. Seine Opposition begann, eine beharrliche, eine konsequente Opposition.« (A. Knoop-Graf: Zum Gedenken an die `Weiße Rose', in: Die `Weiße Rose' und das Erbe des deutschen Widerstandes, München 1993, S. 37). - Hans, der in München Medizin studierte, lebte seit Mai 1942 in München mit seiner Schwester Sophie, die Philosophie und Biologie studierte, zusammen. Wiederum dazu A. Knoop-Graf: »Ein starkes, oft wortloses Einverständnis herrschte zwischen den Geschwistern. Sie war, nachdem sie in die Pläne der Aktion eingeweiht war, bei allem dabei, was ihr Bruder tat.« (a.a.O. S. 37-38). Um diese beiden fanden sich sehr bald ganz bewußte Mitstreiter: Christoph Probst aus Aldrans bei Innsbruck (hingerichtet am 22.2. 1943 in München), Alexander Schmorell (hingerichtet am 13.7. 1943 in München), Kurt Huber (hingerichtet am 13.7.1943 in München), Willi Graf (hingerichtet am 12.10. 1943 in München) und Hans Leipelt (hingerichtet am 29.1. 1945 in München). Weiter sind zu nennen die aus Ulm stammenden Susanne und Hans Hirzel, Franz Joseph Müller, Heiner Guter und Wilhelm Geyer. - Es ist erwiesen, daß die tiefste Quelle des Widerstandes von Hans und Sophie Scholl gegen das atheistische Staatssystem mit all seiner Menschentyrannei der christliche Glaube war, den die beiden seit 1939 neu entdeckten - »es war dies eine reformkatholische, existentialistisch getönte Religiosität, und sie befand sich im Gegensatz zu der in mancher Beziehung und in der Person vieler Repräsentanten politisch korrumpierten Amtskirche«. (S. Lechner: Das KZ Oberer Kuhberg und die NS-Zeit in der Region Ulm/Neu-Ulm, Bd. 1, Stuttgart 1993, S. 98). Hans Maier stellt diesbezüglich fest: »Denn in ihr (der »Weißen Rose«) spielen religiöse Motive eine wichtige, wenn nicht sogar ausschlaggebende Rolle: das zeigen die Flugblätter, die an mehreren Stellen an die christliche Verantwortung appellieren und zum Widerstand gegen die atheistische Kriegsmaschine auffordern, das zeigen die Verbindungen... zu Carl Muth und Theodor Haecker, ihr Interesse für Kierkegaard, Pascal, Augustin, die Scholastik, den Renouveau catholique. Die Entdeckung des Christentums, so hat Inge Scholl geurteilt, habe sich bei ihren Geschwistern gleichzeitig mit der Entwicklung ihrer politischen Autonomie vollzogen.« (In: Christlicher Widerstand im Dritten Reich, in: Die Weiße Rose und das Erbe des deutschen Widerstandes... S. 116). Die Flugblattaktionen von Hans und Sophie Sch. erstreckten sich von Juni/Juli 1942 bis zum 18. Februar 1943, an dem beide in der Universität München verhaftet wurden. In einem Schauprozeß am 22. Februar 1943 zum Tode verurteilt, starben beide noch am selben Tag gegen 17.00 in der Strafvollzugsanstalt in München-Stadelheim durch das Fallbeil. Sophie Scholls von Erregung und Hoffnung geprägte Prophezeiung, die Aktion der »Weißen Rose« werde »Wellen schlagen« erfüllte sich zunächst noch nicht. Der Großteil der Münchener Studenten war wie gelähmt. A. Knoop-Graf: »Lediglich in einer Hamburger Gruppe von Intellektuellen und Studenten, die insgesamt etwa 50 Personen umfaßte, zündete das Fanal. Diese Menschen sorgten dafür, daß die Flugblätter weiter verbreitet wurden... Dieser Kreis ist unter dem Begriff Hamburger Zweig der Weißen Rose in die Geschichte des Widerstandes eingegangen.« (In: Zum Gedenken an die Weiße Rose.. S. 35). Romano Guardini würdigte die Mitglieder der »Weißen Rose« und vor allem Hans und Sopie Sch. bei einer Gedenkstunde an der Münchener Universität am 4. November 1945 mit den Worten: »So standen sie im Raum des Glaubens ... so haben sie für die Freiheit des Geistes und die Ehre des Menschen gekämpft, und ihr Name wird mit diesem Kampf verbunden bleiben.« (Zitiert in: Die Weiße Rose und das Erbe des deutschen Widerstandes... S. 7-8). Was gerade in führenden kirchlichen Kreisen - sowohl bei den Katholiken als auch bei den Evangelischen - weithin unterblieb, nämlich das öffentliche Widersagen, das wurde vor allem von Hans und Sophie Sch. mit ihrem Kreis gleichsam stellvertretend übernommen. Hermann Krings hat dies so ausgedrückt: »Was durch die Flugblätter und Wandschriften der Weißen Rose...öffentlich wurde, war die Empörung über das Böse. Diese Aktionen waren nicht ein gescheiterter politischer Versuch gegenüber einem politischen Gegner... sondern angesichts der Verwerfung aller Politik zugunsten eines sinnlosen Wütens in Wort und Tat und angesichts eines allgemein gewordenen Mordens haben diese jungen Menschen das Böse als böse bezeichnet und ihm widersagt. Das Widersagen begann in den Gesprächen der Freunde, es wurde durch die Flugblätter öffentlich und vollends wirklich im Sterben. Der Tod von Hans Scholl und seinen Freunden ist deren eigene Tat, die Tat des Widersagens.« (In: Das Zeichen der Weißen Rose, in: Die Weiße Rose und das Erbe des deutschen Widerstandes.... S. 55-56).
Lit.: Hans Scholl-Sophie Scholl, Briefe und Aufzeichnungen (Herausgegeben von Inge Jens), Frankfurt a.M. 1984; - I. Scholl, Die Weiße Rose. Erweiterte Neuausgabe, Frankfurt a.M., 1982, sowie Fischer-Taschenbuch 11802, Frankfurt a. M. 1993; - H. Vinke, Das kurze Leben der Sophie Scholl, Ravensburg 1980; - M. Verhoeven-M. Krebs, Die Weiße Rose. Der Widerstand Münchner Studenten gegen Hitler. Informationen zum Film, Frankfurt a.M. 1982; - Kl. Drobisch, Wir schweigen nicht! Eine Dokumentation über den antifaschistischen Kampf Münchener Studenten 1942/1943, Berlin 1983; - S. Lechner, Das KZ Oberer Kuhberg und die NS-Zeit in der Region Ulm/Neu-Ulm, Bd. 1, Stuttgart 1993; - I. Aicher-Scholl, Sippenhaft-Nachrichten und Botschaften der Familie in der Gestapo-Haft nach der Hinrichtung von Hans und Sophie Scholl, Frankfurt a.M. 1993; - Die Reiße Rose und das Erbe des deutschen Widerstandes-Münchner Gedächtnisvorlesungen, München 1993; - W. Graf, Briefe und Aufzeichnungen (herausgegeben von A. Knoop-Graf und I. Jens. Mit einem Vorwort von W. Jens), Frankfurt a.M. 1988; - R. Bleistein, Das Erbe des Gedenkens - 50 Jahre »Weiße Rose«, in: Stimmen der Zeit, Mai 1993, H. 5, 351-352.
Ekkart Sauser
Werkeergänzung:
Sophie Scholl ; Fritz Hartnagel, Damit wir uns nicht verlieren. Briefwechsel 1937-1943. Hrsg. von Thomas Hartnagel. Frankfurt/M. 2008; Lettres et carnets. Ed. établie par les soins d'Inge Jens. Trad. de l'allemand, préf. et annoté par Pierre-Emmanuel Dauzat. Paris 2008.
Literaturergänzungen:
1999
Rudolf Lill (Hrsg.), Hochverrat? Neue Forschungen zur "Weißen Rose" (Portraits des Widerstands Bd. 1). Konstanz 1999; -
2000
Barbara Schüler, Im Geiste der Gemordeten ... - Die "Weiße Rose" und ihre Wirkung in der Nachkriegszeit (Politik- und kommunikationswissenschaftliche Veröffentlichungen der Görres-Gesellschaft Bd. 19). Paderborn/München u.a. 2000; -
2001
Michael Kißener (Hrsg.), "Weitertragen" - Studien zur "Weißen Rose". Festschrift für Anneliese Knoop-Graf zum 80. Geburtstag. Konstanz 2001; - Armin Ziegler, Die unvollendete Geschichte der "Weiße Rose" - Hemmnisse, Forschungslücken, Streitfragen, Legenden. Ein Beitrag zur "Weiße-Rose"-Forschung. Schönaich 2001; -
2002
Annette E. Dumbach/Jud Newborn, Die Geschichte der Weißen Rose (Herder-Spektrum Bd. 5249). Freiburg i. Br. 2002; -
2003
Detlef Bald, Die "Weiße Rose" - Von der Front in den Widerstand. Berlin 2003; - Raban Graf von Westphalen, Nur der Umsturz kann uns noch helfen - Eine neue Studie über die Weiße Rose leitet deren Widerstand aus dem Fronterlebnis ab, in: Die Welt, 22.2.2003; -
2005
Sophie Scholl / Fritz Hartnagel, Damit wir uns nicht verlieren. Briefwechsel 1937-1943. Hrsg. von Thomas Hartnagel. Frankfurt a.M. 2005; -
2006
Giovanni Colombo, Le parole della Rosa Bianca, in: AgSoc 57.2006, S. 150-158; - Sönke Zankel, D. Weisse Rose war nur d. Anfang. Geschichte e. Widerstandskreises. Köln 2006; - Sibylle Bassler, Die Weiße Rose. Zeitzeugen erinnern sich. Reinbek bei Hamburg 2006; - Annette E. Dumbach ; Jud Newborn, S.S. and the White Rose. Rev., expanded ed. Oxford 2006; -
2007
Rund um d. Film S.S. Erarb. von Petra Anders ... Berlin 2007; -
2008
Gury Schneider-Ludorff, S.S., in: JRP 24.2008, S. 170-175; - Sylvain Guéna, Contre vents et marées. H. et S.S.: un itinéraire spirituel, in: NV 83.2008, S. 435-446; -
2009
Frank McDonough, Sophie S. The real story of the woman who defied Hitler. Stroud, Gloucestershire 2009; -
2010
Barbara Beuys, S.S. Biografie. München 2010.
Letzte Änderung: 19.02.2010