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Verlag Traugott Bautz
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SCHONGAUER, Martin, Maler und Kupferstecher. - S. wird etwa um das Jahr 1450 in Colmar als einer von vier Söhnen des aus Augsburg stammenden Goldschmiedes Caspar Schongauer geboren. Das genaue Geburtsdatum ist nicht bekannt. Urkundlich faßbar ist er erst 1465 mit seiner Einschreibung an der Universität Leipzig für ein Semester. Ob S. im Atelier von Caspar Isenmann, einem zu dieser Zeit führenden Maler in Colmar, zwischen 1466 und 1469 ausgebildet wurde, ist umstritten; in der neueren Literatur wird als Lehrer ein Meister angenommen, der sich bereits mit der flämischen Malweise vertrautgemacht und auseinandergesetzt hat. - Zeichnen und Stechen lernte S. vermutlich bei seinem Vater. 1469 war S. auf Reisen, in Frankreich besuchte er sicher Beaune, wo er den Weltgerichtsaltar Rogier van der Weydens sah, das Motiv des Weltenrichters von diesem Altar findet sich in einer seiner ersten Zeichnungen, von denen zwei in den Besitz Albrecht Dürers gelangten, der sie mit dem Monogramm M S und der Datierung 1469 versehen hat. Es ist anzunehmen, daß S. auf seiner Reise auch Köln und die Niederlande besuchte, vielleicht sogar Spanien. Im Jahre 1470 war S. nach einem Vermerk Dürers auf einer verschollenen Zeichnung noch nicht Meister sondern Geselle. 1471 ließ S. sich in Colmar nieder. 1473 entsteht das Gemälde der »Madonna im Rosenhag« für St. Martin in Colmar, es ist das einzige sicher datierte Tafelbild. Etwas früher dürften die Flügel des »Orlier Altars« für das Antoniterkloster in Isenheim entstanden sein. 1482 wünschte die Äbtissin des Klarissinenklosters in Söflingen bei Ulm den Maler Martin Schongauer zum Entwerfen der Heiligenfiguren für die malerische Ausstattung des Klosters. 1490 soll S. für die Pfarrkirche von Biberach an der Riß 12 Tafelbilder mit Darstellungen der Passion und des Marienlebens geschaffen haben, der Altar ist 1531 dem reformatorischen Bildersturm zum Opfer gefallen. Die Datierung dieser Tafeln ist umstritten, da S. sich von 1488-1491 in Breisach aufhielt. 1488/89 erhielt er die Bürgerrechte von Breisach. In dieser Zeit begann er dort die Wandmalereien im Westbau des St. Stephanus Münsters, eine seiner letzten Arbeiten. - S. starb am 2. Februar 1491 in Breisach, wahrscheinlich an der Pest. - Die künstlerische Entwicklung von S. wird vor allem durch die Kenntnis der Werke niederländischer Künstler bestimmt. Neben Rogier van der Weyden sind in diesem Zusammenhang auch Dieric Bouts und Hugo van der Goes zu nennen. Von S. Arbeit als Tafelmaler zeugen nur sieben ihm sicher zugeschriebene Gemälde. - S. beschäftigte sich auch besonders mit dem Kupferstich, von ihm stammt eine Neuerung auf diesem Gebiet, die sogenannte Kreuzschraffur, die eine plastische Wirkung vor allem der Gewänder hervorruft. Von seinem graphischen Werk sind etwa 116 Kupferstiche, die alle mit seinen Initialen versehen sind, dokumentiert sowie 40-44 Zeichnungen. In beiden Bereichen zeigt S. Präzision und Klarheit in Komposition und Darstellung des Raumes sowie in der Zeichnung der Figuren, bei letzteren legt er Wert auf Plastizität aber auch auf die Darstellung eines innigen seelischen Ausdrucks. Unter den Kupferstichen gibt es keine Darstellungen aus dem AT, nur solche aus dem NT und der Heiligengeschichte. Die einzigen bekannten Wandmalereien sind die im Münster zu Breisach. S. war unter den Zeitgenossen sehr geschätzt, so kam Albrecht Dürer 1492 nach Breisach, um Schongauer zu besuchen, traf aber nur noch dessen Brüder, die Dürer mit Zeichnungen versorgten. Auch in Italien war S. bekannt. So berichtet Vasari, daß sich Michelangelo an Schongauers »Versuchung des hl. Antonius« orientierte.
Werke: um 1489 Jüngstes Gericht, Fresken, Breisach, S. Stephan; 1473 Maria im Rosenhag, Colmar, S. Martin; Teile eines Marienaltars (Orlier-Altar), Colmar, Musée Unterlinden; Heilige Familie, München, Alte Pinakothek;Heilige Familie, Wien, Kunsthistorisches Museum; Bildnis einer jungen Frau, Kreuzlingen, Slg. H. Kisters.
Lit.: F. Winzinger, Die Zeichnungen Martin Schongauers. Berlin 1962; - J. Schnack, Der Passionszyklus in der Graphik Israhel van Meckenems und Martin Schongauers. Münster 1979; - M. Bernhard, (Hrsg.), Martin Schongauer und sein Kreis, München 1986; - Ausst. Kat Dresden 1991; - Martin Schongauer - zum 500. Todestag, Ausstellung des Kupferstich Kabinetts; - Ausst. Kat. München 1991, T. Falk/T. Hirthe, Martin Schongauer. Das Kupferstichwerk; - Martin Schongauer. Die Restaurierung des Jüngsten Gerichtes in Breisach. Aspekte zu Leben, Werk und Zeit. Katalog der Ausstellung Kunstkreis Radbrunnen Breisach, Breisach 1991; - Le beau Martin. Gravures et Dessins de Martin Schongauer. Katalog der Ausstellung im Musée d'Unterlinden Colmar, Straßburg 1991.
Susanne Günther
Literaturergänzung:
2007
Ulrike Heinrichs, M.S., Maler u. Kupferstecher. München 2007; -
2008
Bernhard Bruns, Kunstwerke von M. Schongauer, J. Schnorr von Carolsfeld u. M. Schmalzl als Vorlagen f.d. Ausmalung d. kath. Pfarrkirche in Harsum, in: JGKBH 75./76.2007/2008, S. 1-20; - M.S. 1430-91. Maler u. Kupferstecher. Zürich 2008.
Letzte Änderung: 13.08.2009