SCOTT, George, * 18. Juni 1804 in Schottland, † 28. Jan. 1874. Einflußreicher Wesleyanischer Methodistenprediger innerhalb der schwedischen Erweckungsbewegung. George Scott kam 1830 nach Stockholm. Die Ankunft des methodistischen Predigers im lutherischen Skandinavien hatte eine Vorgeschichte, die eng mit der Industrialisierung Skandinaviens verbunden ist. Der englische Ingeneur und Industrielle Samuel Owen (1774-1854) hat auf Einladung in Stockholm eine Fabrik zur Herstellung von Dampfmaschinen und auch ein Dampfschiff erbaut. Später hat er sich großer Popularität erfreut, was dazu führte, daß er als Mitglied in die schwedische Akademie der Wissenschaften und die Landwirtschaftsakademie gewählt wurde. Scott, sowie eine Anzahl von Mitarbeitern, die er mitbrachte, gehörten der englischen wesleyanisch-methodistischen Kirche an. Owen erreichte bei den schwedischen Behörden die Erlaubnis, einen Prediger seiner Denomination nach Stockholm kommen lassen zu dürfen. Die Londoner Wesleyan Methodist Missionary Society, die um diese Zeit auch eine Mission in Württemberg unterstützte, sandte auf Bitte Owen 1826 zunächst Reverend J. R. Stephens (1805-1879), der aber nach einigen Jahren unbefriedigt nach England zurückkehrte. 1830 folgte ihm der aus Schottland stammende George Scott. Er fand sich schnell in die neue Situation, erlernte die Landessprache und fing nach einiger Zeit an, auch unter der schwedischen Bevölkerung zu wirken. Für die Gemeinde übersetzte er Lieder ins Schwedische. Die Arbeit von Scott wurde über die Grenzen der Stadt hinaus bekannt und er erhielt Einladungen, in verschiedene Teile des Landes zu reisen, wo die weitgehend von Laien getragene Erweckungsbewegung lebendig war. Durch seine unkonfessionelle Offenheit und den typisch wesleyanischen Verzicht auf Gemeindebildung fand Scott auch allerhand Freunde unter den lutherischen Pfarrern der schwedischen Staatskirche. Vielleicht hängt es mit der Weite des Landes, den großen Entfernungen in ländlichen Gegenden und den schwierigen Reisebedingungen des 19. Jahrhunderts zusammen, daß der schwedische, auch von der Herrnhuter Brüdergemeine beeinflußte Pietismus das Landes eine lesende Bewegung war. Es ist bezeichnend, daß man schon im 18. Jahrhundert die Pietisten einfach "Leser" (Läsarna) genannt hat und später auch Mitglieder der Erweckungsbewegung insbesondere im dünn besiedelten Norrland so bezeichnet wurden. Scott griff diese Tradition auf und gab eine Zeitschrift "Der Pietist" heraus, die später von Carl Olof Rosenius (1816-1868) erfolgreich weitergeführt wurde. Rosenius war nach verschiedenen Tätigkeiten, die ihn unbefriedigt ließen, von der Stockholmer Wirksamkeit des Engländers Scott angezogen worden. Die biblisch fundierte Verkündigung, die zu einem tätigen Glauben führte, die Vertiefung des Glaubens in Bibelkreisen, die typisch methodistischen Klassen als Kleingruppen verbindlicher Nachfolgegemeinschaft waren ihm in seinem eigenen Suchen eine grundlegende Hilfe. Langsam fand er sich bereit, ein Mitarbeiter in der Scott´schen methodistischen Gemeinschaft zu werden. Scott brauchte Unterstützung und stellte Rosenius als Stadtmissionar an. Dadurch war es ihm selber möglich, weit über die Stockholmer methodistische Gemeinschaft hinausreichende Aufgaben anzufassen, die eine weite Ausstrahlung bekamen. Die verschiedenen Wirkungen in der schwedischen Kirchengeschichte zeigen das unübersehbar. So wirkte Scott auf die Entstehung der Traktatgesellschaft des Landes ein. Manche sehen in ihm den Vater der dortigen Inneren Mission (Evangeliska Fosterlands-Stiftelsen). Der "Svenska Missionsförbundet" hat sich seit 1872 aus dieser Bewegung unter dem Einfluß von Pfarrer Paul Waldenström (1838-1917) entwickelt. Er ist heute die größte Freikirche Schwedens und hat, wie die alkoholgegnerische Temperenz-Gesellschaft, den Ausgangspunkt ihrer Wirksamkeit in den von Scott ausgehenden Stockholmer Aktivitäten. Dessen Arbeit war auch durch die Herrnhuter vorbereitet, die den radikalen Pietismus zu überwinden halfen. Die Herrnhuter brachten in das staatskirchlich geprägte Land mit einem Verständnis kollektiven Glaubens und staatlich-territorial orientierten Kirchens-Seins ein individualistisch-personales Glaubensverständnis und durch ihre auf Freiwilligkeit beruhenden Sozietäten ein anderes ekklesiologisches Verständnis mit. Die Versöhnung des Einzelnen aufgrund der göttlichen Gnade stand im Mittelpunkt der Verkündigung. Andererseits hatte der Pietismus, genau wie in anderen europäischen Ländern, durch die orthodox-kirchlichen Kreise gesetzliche Maßnahmen hervorgerufen, in denen seine bewegende Wirksamkeit eingeengt und teilweise kontrolliert wurde. Diese Anti-Pietisten-Gesetze wurden später auch auf Scott in Stockholm angewandt. 1735 wurde in einem Religionsgesetz festgestellt, daß schon bei dem Verdacht religiöser Irrlehren Zwangsmaßnahmen angewendet werden konnten, die nicht milde waren. Am 12. Februar 1838 wandten sich der inzwischen prominente Owen und der Wesleyaner Scott gemeinsam mit der Bitte an den schwedischen König, für die entstandene englische Gemeinde mit Unterstützung der Methodisten aus England einen Bauplatz kaufen zu können und eine Kapelle für die englischen Methodisten bauen zu dürfen. Die englische Konferenz der Methodisten solle als Eigentümerin der Kapelle auch das Recht haben, von Zeit zu Zeit evangelische Prediger für den Dienst in der Kapelle zu verordnen und einzusetzen. Damit waren Rechte erbeten, die normalerweise im Rahmen einer Staatskirche dem Herrscher als obersten Aufseher der Kirche zustanden. Das Stockholmer Konsistorium stellte in seiner Strellungnahme dazu fest, daß in der Stadt kein Mangel an evangelischer Unterweisung bestehe und die Errichtung einer neuen Gemeinde und die Anstellung eines ausländischen Predigers kein Bedürfnis sei. Allerdings war sich das Konsistorium dessen bewußt, daß es aufgrund eines Toleranz Edikts von 1781 kein Recht habe, dem Bau einer Kapelle zu widersprechen. Aber es könne niemanden für berechtigt halten, sie zu besuchen, wenn er nicht englischer Untertan oder wenigstens ein in England geborener Schwede sei. So stellte das Konsistorium die Bedingung, daß wegen der geringen Zahl der Engländer immer nur ein Prediger angestellt sein dürfe, die Gottesdienste in englischer Sprache gehalten werden sollten und die Tätigkeit sich auf die Sonn- und Feiertage beschränke. Während sich in der Stellungnahme des Konsistoriums die durch die bereits eingeleitete Tätigkeit Scotts berechtigte Sorge widerspiegelte, begann in den Zeitungen eine Auseinandersetzung um die Religionsfreiheit. Man warf dem Konsistorium Unverträglichkeit und Inkonsequenz vor. 1838 ließ das Konsistorium eine polemische Verteidigung seines Gutachtens drucken. Die Methodisten wurden darin als Schwärmer bezeichnet und neben dem nicht zu vermeidenden Lob hatte die Kritik an ihrer Wirksamkeit ein deutliches Übergewicht. Dem Gutachten widersprach nicht nur Scott unter Berufung auf Zeugnisse über seine Tätigkeit, sondern die Stockholmer Methodisten und ihr Freundeskreis. Es scheint, daß im Hintergrund auch eine Kritik daran geübt wurde, daß die königliche Privatkapelle in Verbindung mit der römisch-katholischen Kronprinzessin auch katholisch benutzt wurde. Das wurde insbesondere durch das Eingreifen des damaligen Erzbischofs Olof Wallin (1779-1839) in der liberalen Presse als Hintergrund vermutet. Die Bewilligung des ursprünglichen Antrags von Scott durch den König, die ohne Einschränkungen über die in der Kapelle zu benutzende Sprache erfolgte, mußte das Konsistorium als Niederlage empfunden haben. Die Wirksamkeit von Scott wurde daher um so mehr kritisch beobachtet. An der Einweihung der überwiegend mit englischen Geldern erbauten Kapelle, die am ersten Advent 1840 erfolgte, nahmen lutherische Pfarrer der Schwedischen Kirche teil. Manche haben auch später dort gepredigt. Aus Rücksicht auf die Staatskirche hielt man die Gottesdienste in solchen Stunden, in denen keine parochialen Gottesdienste stattfanden. Die Kapelle wurde so stark besucht, daß sie sich von Anfang an als zu klein erwies. Es war außergewöhnlich und der Erwähnung in der Presse wert, daß sie im Winter geheizt wurde. Wegen des zunehmenden Besuchs schwedischer Bürger wurde die zuerst "Englische Kirche" genannte Kapelle in "Bethlehemkirche" umbenannt, um ihr einen öffentlichen Charakter zu verleihen. Das alles forderte Widerspruch heraus. Scott und seine Gemeinschaft wurden durch die säkularen Zeitungen in konservativer politischer Grundhaltung, durch kirchliche Institutionen aus Sorge vor dem Verlust des territorialen Alleinanspruchs und durch Theologen mit dogmatischen Argumenten angegriffen. Scott sei ein Schwärmer, ein Pietist, ein Narr, später wurde er auf einer Theaterbühne verletzend karikiert. Ein Pfarrer Eckdahl verurteilte den Methodismus von der Kanzel herab. Ein früherer Begleiter namens Ternström, der mit Scott auf seinen Reisen durchs Land unterwegs gewesen war und der der Herausgeber einer konfessionell bestimmten Lutherischen Nordischen Kirchenzeitung war, begann ebenfalls, Scott jetzt zu bekämpfen. Aufgrund alter Gesetze drohte man die Besucher der von dem Engländer gehaltenen Gottesdienste mit Geldstrafen. Nach wenig erfolgreichen Protesten von seiner Kanzel herab wandte sich Pfarrer Eckdahl an das Konsistorium, daß jedoch aus kirchenpolitischen Gründen seine zwei Eingaben zu diesem Zeitpunkt noch nicht weiter verfolgte. Selbst im Reichstag wurde ein Antrag behandelt, der sich gleichzeitig mit den Stockholmer Methodisten und der neuen katholischen Gemeinde in Stockholm befaßte. Der zuständige Reichstagsausschuß erklärte dem Reichstag jedoch, daß keine Veranlassung bestehe, über Eingriffe des Methodismus in die Schwedische Staatskirche zu klagen, jedoch riet der Sprecher des Erzbischofs, die Entwicklung des Methodismus aufmerksam zu verfolgen. - Durch die Einladung des amerikanischen Presbyterianers Robert Baird (1798-1863), der seit 1834 von Paris aus die missionarische Arbeit der Protestanten im katholischen Frankreich mit der von ihm gebildeten American and Foreign Christian Union unterstützte, unternahm Scott im Sommer 1841 eine Amerika-Reise. Dort kollektierte er für die Abtragung der Kapellenschuld in Stockholm und für andere kirchliche Arbeit in Missions-, Mäßigkeits-, Traktat- und Seemannsmissions-Gesellschaften. In seinen Vorträgen berichtete er im Land der Religionsfreiheit über die Auseinandersetzungen und Schwierigkeiten, denen er in Stockholm begegnet war. Die Reise war erfolgreich und brachte einen erheblichen Beitrag zum Abtrag der Kapellenschulden, aber auch gute Unterstützung für die Verbreitung der Bibel, für Traktate, für Schriften zur Enthaltsamkeit von Alkohol, für die Mission unter Matrosen und die schwedische Mission unter Lappen. Trotzdem brachte die Amerikareise für Scott erhebliche Probleme. Seine Berichte in Amerika über die religiöse Freiheit oder Unfreiheit in Schweden und die Lage der Kirche waren in der amerikanischen Presse reißerisch veröffentlicht. Sie wurden neben Privatbriefen nach Schweden geschickt und lösten dort Empörung und Widerspruch aus. Sofort nach seiner Rückkehr aus Amerika mußte Scott noch im November eine Verteidigungsschrift veröffentlichen, in der er - ohne die Mehrzahl der schwedischen Leser überzeugen zu können - darlegte, was er in den Staaten tatsächlich gesagt habe. Pfarrer Eckdahl wiederholte im Januar 1842 seine Anklagen beim Konsistorium. Das geistliche Ministerium forderte einen Bericht und ein Gutachten vom Konsistorium ein. Die Kritik an Scott, am Methodismus und am Pietismus wurde schärfer und solche Gruppen, die sich bisher verfeindet waren, verbanden sich in der Verurteilung von Scott. Seine Gottesdienste wurden erheblich gestört und der Mob suchte mit Raffinesse Wege, um in die Versammlungen einzudringen und die Arbeit unmöglich zu machen. Scott war gezwungen, die Gottesdienste einzustellen und die Kapelle für einige Zeit zu schließen, da ihm kein Schutz gewährt wurde. Als er sich im April 1842 an den Oberstatthalter mit der Bitte um Schutz und Erlaubnis zur Wiedereröffnung seiner Kapelle für Gottesdienste in schwedischer Sprache wandte, wurde ihm das abgeschlagen. Auch seine Beschwerde beim König blieb ohne Erfolg. Wahrscheinlich hatte er keine kirchlichen oder theologische Probleme ausgelöst, sondern durch seine Berichte über die religiöse Unfreiheit die Ehre der schwedischen Nation in Amerika verletzt. Daher konnte er nicht mehr mit der Unterstützung des Königs rechnen. Er verließ Stockholm und reiste durch das brennende Hamburg zurück nach London. Es liegt der Gedanke nahe, daß Scott in Hamburg mit seinem wesleyanischen Kollegen aus London zusammengetroffen ist, dessen Sonntagsschule 1839 ebenfalls von den Hamburgischen Behören geschlossen worden war und der - ohne in Amerika gewesen zu sein - ähnliche Schikanen zu erdulden hatte. Eine Rückkehr von Scott war nicht möglich. Die geforderte offizielle Untersuchung, ob Scott und die Methodisten Mitglieder der schwedischen Staatskirche abgeworben haben, wurde nicht durchgeführt, spielte auch wegen der Verletzung nationaler Gefühle keine Rolle mehr. Die konfessionelle Frage wäre vermutlich kein Problem gewesen, denn gerade dem englischen Methodismus im 19. Jahrhundert lag viel mehr an der Unterstützung jeder Art von Erweckung als an der Bildung eigener Gemeinden und einer konfessionellen Kirche. Selbst der Erzbischof von Wingard hat in einer Erklärung festgestellt, daß Scott durch sein Wirken "unserer Kirche und den frommen Stiftungen genützt hat." Damit setzte er fort, was John Wesley durch seinen Beitritt zu der 1771 von dem schwedischen Propst und Hofprediger Carl Magnus Wrangel (1727-1786) (s. d.) gegründeten Gesellschaft ´Societas Svecana Pro Fide et Christianismo´ begonnen hatte: Die Unterstützung der Botschaft von der Erneurung des einzelnen Menschen durch Gottes Geist aufgrund der durch Christus erworbenen Gnade. - Die intensive Begegnung mit Carl Olof Rosenius, den Scott in typisch methodistischer Weise als Laien zum Stadtmissionar für Stockholm berief, ist von weitreichender Bedeutung für die schwedische Erweckungsbewegung geworden. Sie hat trotz der kurzen Zeit des Zusammenwirkens zu folgenreichen Auswirkungen geführt. Weitere skandinavische Persönlichkeiten können nur kurz erwähnt werden. Der lutherische Pfarrer N. S. Swederus war schon früher durch persönliche Kontakte mit John Wesley (s. d.) beeinflußt. Als er von der Wirksamkeit Wesleyanischer Prediger in Stockholm erfuhr, nahm er zunächst Verbindung mit dem wesleyanischen Prediger J. R. Stephens auf, später korrespondierte er auch mit dem Stockholmer George Scott. Karl Ludvig Tellström, der spätere Missionar unter den Lappen, empfing in Stockholm nachhaltige Impulse. Mittelbar war auch die Bekehrung des einflußreichen nordschwedischen Missionars Lars Levi Lästadius von der kleinen Stockholmer Gemeinschaft ausgegangen. Die junge Maria Clemensdotter war das Bindeglied, nachdem Lästadius als Pfarrer seinen Dienst in Asele angetreten hatte und einen Besuch in Laplandia machte. Eine andere junge Frau namens Maria Charlotta Hydén, eine junge Finnin, die mit 14 Jahren aus Lohtea nach Stockholm gekommen war, schloß sich dort 1839 der methodistischen Gemeinschaft an. Später hat sie der finnische Fabrikant Ferdinannd Uhde, der offensichtlich mit Owen in Handelsbeziehungen stand, in Tammerfors als Lehrerin für die Kinder seiner Arbeiter angestellt. Sie blieb auch von Finnland aus mit der Stockholmer Gemeinschaft im Kontakt und unterstützte die von Scott mitbegründete Missionsgesellschaft finanziell. Der schwedische Pfarrer Anders Wiberg (1816-1887) unterstützte die Arbeit von Scott in Stockholm und förderte insbesondere das Interesse an der Äußeren Mission. Nach Kontakten mit dem einflußreichen Hamburger Baptisten Johann Gerhard Oncken (1800-1884), der viele europäische Länder besuchte, ließ er sich 1852 neutaufen und wurde für den Beginn des Baptismus in Schweden von Bedeutung. Ein anderer Pfarrer der Schwedischen Kirche, Frederik Gabriel Hedberg (1811-1891), korrespondierte mit Scott. Er war an dessen evangelistischer Arbeit interessiert. Es ist nicht ausgeschlossen, daß Hedbergs Trennung von seinem für die finnische Erweckung bedeutsamen Freund, dem Bauern Paavo Ruotsalainen (1777-1852), und die Gründung einer weniger konfessionell-lutherischen "Evangelischen Bewegung" im Jahre 1844 dadurch beeinflußt worden sind. Rosenius wird heute der lutherischen Erweckung zugerechnet. Anders Jeffner stellt "mit einem persönlich geprägten lutherischen Lehrprofil" den Norweger Hans Nilsen Hauge (1771-1824), den Finnen Paavo Ruotsalainen (1777-1852), den Schweden Carl Olof Rosenius (1816-1868) und den Dänen Vilhelm Beck (1829-1901) in eine Reihe (TRE, Bd. 9, 79). Dagegen bemerkte der Bonner Professor Theodor Christlieb (1833-1889) (s. d.) in seiner "Geschichte der christlichen Predigt": "Der Laienpredger Karl Olof Rosenius (gest. 1868) predigte, wie auch seine enge Verbindung mit dem Methodisten Georg Scott erwarten läßt, ganz im methodistischen Schema von der freien Gnade."(Realencyclopädie für protestantische Theologie und Kirche, Leipzig 19043, Bd. 15, 732, 9 ff.) Tatsächlich verband Scott im methodistischen Sinn Rechtfertigung und Heiligung so miteinander verband, daß seine Arbeit neben der missionarischen eine deutliche sozial-diakonische Akzentuierung hatte, wie die Vereinsgründungen zeigen. Gerade diese zu einem Glauben, der in der Liebe tätig ist, führenden Verständnis des Glaubens schien unter den Schweden dieser Zeit besonders glaubwürdig zu sein. Vielleicht erschloß dieser Akzent methodsitscher Theologie den vom Pietismus geprägten lutherischen Schweden auch die Tür zu einem theologischen Verständnis, das über die rechtfertigende persönliche Erfahrung der Annahme bei Gott hinaus auch zu aktivem Handeln befähigt, ohne die Bedeutung der Rechtfertigung dadurch zu schmälern. - Eine völlig andere Langzeitwirkung ergab sich aus dem Kontakt mit Scott für den Pfarrer Carl Petter Agrelius († 1881). Agrelius wanderte 1848 nach Amerika aus. In New York fand er unter schwierigen persönlichen Verhältnissen den Kontakt zu dem schwedisch-stämmigen Hafenmissionar Olof G. Hedström (1803-1877), der auf dem Bethelschiff "John Wesley", das in Brooklyn an Pier 11 lag, im Auftrag der methodistischen Kirche Einwanderern aus Skaninavien diakonische und geistliche Hilfe leistete. Agrelius arbeitete fast zwei Jahre auf dem Bethelschiff mit und wurde danach methodistischer Missionar und Prediger unter europäischen Einwanderern, zuerst in Wisconsin. Der englische Methodist George Scott erreichte unten den Schweden eine Reihe weiterer Pfarrer, deren Namen erwähnenswert sind. Peter Wiesegren wurde im Kampf gegen den Alkoholmißbrauch, in dem die englischen Methodisten engagiert waren, der Gründer der schwedischen Anti-Alkohlbewegung. Daß Scotts Kontakte über die Landesgrenzen hinaus bis nach Norwegen reichten, zeigen seine freundschaftlichen Beziehungen zu Gustaf Adolf Lammers (1802-1878), der als Pfarrer in Skien/Norwegen wirkte. Lammers war in Trondheim unter dem Einfluß der Herrnhuter Brüdergemeine zu einer persönlichen Glaubenserfahrung gekommen und wurde ein bedeutender Evangelist und Erweckungsprediger. Zeitweise verließ er die Staatskirche und bildete in mehreren Orten autonome Gemeinden, weil er Gewissensprobleme mit der Taufe von Kindern hatte und er sich durch die Kritik Sören Kierkegaards (1813-1855) an der Staatskirche zu Konsequenzen veranlaßt sah. - Scott lebte auch nach seiner Rückkehr nach Gravesend in England weiter mit vielen internationalen Kontakten. Als er 1859 besuchsweise nach Stockholm zurückkehrte, traf er erneut freundschaftlich mit C. O. Rosenius zusammen. Gemeinsam bereisten sie Norwegen, um dort zu evangelisieren. Bei dieser Gelegenheit besuchten sie auch Gustaf Adolf Lammers und seine freikirchliche Gemeinde in Skien. Vorher schon hatte die von Lammers gebildete Gemeinschaft 1853 ein Buch veröffentlicht, das offensichtlich von einem englischen Methodisten verfaßt worden war. Der Titel lautet: "Sixteen Short Talks by a Clergyman in the English Church". Lammers scheint durch die Ordination eines Dänen namens Mogens Abraham Sommer auch wiederum eine frühe Beziehung zum dänischen Methodismus gefunden zu haben. Mit dem führenden Superintendenten der Methodistenkirche in Deutschland, Ludwig S. Jacoby (1813-1874) (s. d.) kam es anläßlich der Konferenz des Britischen Methodismus 1861 in Newcastle zum Kontakt. Die Wirksamkeit von George Scott ist ein Beispiel für das bisher viel zu wenig beachtete internationale überkonfessionelle Beziehungsgeflecht innerhalb der Erweckungsbewegungen des 19. Jahrhunderts. Seine Wirksamkeit, die auf jede Art von Proselytismus verzichtete, wird dadurch unterstrichen, daß der Beginn des Bischöflichen Methodismus in Schweden ab 1852 durch Johann Peter Larsson (1825-1915) ohne jeden Kontakt zu dem Stockholmer Vorlauf der Engländer aufgenommen wurde. - Wie die Herrnhuter boten die wesleyanischen Methodisten für die lutherische Kirche in Schweden die frühe Gelegenheit der Begegnung mit evangelischen Christen anderer Konfessionen und anderer Länder. Beide Bewegungen haben die in sich geschlossene Landeskirche in geistlicher, konfessioneller und struktureller beeinflußt.
Werke: Tellström, förste Swenske Missioären i Lappmarken. Jemte bifogade underrättelse om Engelska Missionen i Stockholm, Gefle 1842; unveröffentl. Manuskript: Religion in Sweden. In: Universitätsbibliothek Uppsala, Bestand K 126 i 3.
Herausgeber: Der Pietist, seit 1841, fortgeführt von Carl Olof Rosenius bis 1868.
Lit.: o. V., Revival of Religion in Finland and persecution consequent upon it. In: Wesleyan Methodist Magazine, 1840 - Febr. 164-169; - O. V., Die Methodisten in Schweden. In: Evangelische Kirchen-Zeitung 19. Jg. (1845), Sp. 635-640; - Ludwig S. Jacoby, Reisebericht (zur Konferenz nach Newcastle). In: Der Evangelist, 12. Jg. (1861), 3172; - A. L. Norman, Carl Olof Rosenii lif och verksamhet, hans vänner tillegnad, Stockholm 1868; o. V., Der Methodismus in Schweden. In: Sonntags-Gast. Zeitschrift des Wesleyanischen Methodismus in Deutschland,. Redaktion Paul Schweikher, 22. Jg. (1895), 20; - o. V., Der Methodismus in Schweden. In: Der Evangelist, Zeitschrift der Bischöflichen Methodistenkirche in Deutschland, Redaktion Paul Gustav Junker, 46 Jg. (1895), 61 f; - E. J. Ekman, Den Inre Missionens Historia, Stockholm 1896, Bd. I, 290; - Jonatan Julén, Metodistkyrkan i Sverige. Nagra grunddag av dess uppkomst och utveckling, Stockholm 1923; Gunnar Westin, George Scott och haus verksamlet i Sverige, 2 Bde, Stockholm 1928/1929; - Jonatan Julen, Die Bischöfliche Methodistenkirche in Schweden. In: John Louis Nuelsen, Kurzgefaßte Geschichte des Methodismus von seinen Anfängen bis zur Gegenwart. Bremen 19292, 742 f; - Gunnar Westin, George Scott och hans verksamhet i Sverige, Stockholm 1929; - K. A. J., ´Pastor Scott´s ´ minne. In: Svenska Sändebudet, Nr. 34/1930; - Allan Sandewall, Separatismen i övre Norrland 1820-1855. In: Skrifter utgivna av Svenskak Kyrkohistoriska Föreningen, 2. Jg. (1952); - Willi Twisselmann, Magister Carl Olof Rosenius. In: Die Hirtenstimme, Breklum 1960; - Odd Hagen, Preludes to Methodism in Northern Europe, Oslo 1961; - Allan Sandewall, Konventikel- och sakramentsbestämmelsernas tillämpning i Sverige 1809-1900. In: Studia historico-ecclesiastica Upsaliensia, 2. Jg. (1961); - Arlow W. Andersen, The Salt of the Earth. History of Norwegian Danish Methodism in America, Nashville 1962, passim; - Karl Axel Lundquist, Organisation och bekännelse. Evangelika Fosterlands-Stiftelsen och Svenska Kyrken 1890-911. In: Skrifter utgivna av Svenskak Kyrkohistoriska Föreningen, 25. Jg. (1977); - Willi Twisselmann, Magister Carl Olof Rosenius, hrgg v. Missionsverlag der Ev.-luth. Gebetsgemeinschaften, Bielefeld 1992, 50 ff; - Patrick Streiff, Der Methodismus in Europa im 19. und 20. Jahrhundert, EmK-Geschichte Bd. 50, Stuttgart 2003, passim.; - Zur Geschichte des Wesleyanischen Methodismus in Deutschland: Ludwig Rott, Die englischen Beziehungen der Erweckungsbewegung und die Anfänge des wesleyanischen Methodismus in Deutschland, (Diss. Erlangen-Nürnberg), Frankfurt/M., 1968; - Peder Borgen, George Scott - Wesleyan Missionary to Sweden: Aspects of his preaching. In: Richard Sykes (Hrsg.), Beyond the Boundries. Preaching in the Wesleyan Tradition. Westminster Wesley Series, Nr. 8, Oxford 1998; - Pentti Laasonen, Erweckungsbewegung im Norden im 19. und 20. Jahrhundert. In: Geschichte des Pietismus (Hrsg. v. Ulrich Gäbler) Band 3, Göttingen 2000, 335; - Friedemann Burkhardt, Christoph Gottlob Müller und die Anfänge des Methodismus in Deutschland, (Diss. München), AGP Bd. 43, Göttingen 2003.