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Band IX (1995)Spalten 1267-1268 Autor: Klaus-Stefan Krieger

SEBALD, H., Einsiedler, Stadtpatron Nürnbergs, † vor 1070. - Historisch Gesichertes ist über S. kaum mehr bekannt, als daß er im Westen des entstehenden Nürnbergs bei Poppenreuth als Einsiedler im Wald lebte. Die älteste Legendenüberlieferung im um 1280 entstandenen Reimoffizium »Nuremberg extolleris« sieht in S. einen Zeitgenossen Kaiser Heinrichs III. und behauptet, S. stamme aus einem vornehmen Geschlecht in Frankreich. Die um 1340 entstandenen Lesungen »Omnia que gesta sunt« machen S. zu einem Gefährten der Eichstätter Heiligen Willibald und Wunibald und datieren S. so ins 8. Jh. zurück. Die erste deutschsprachige Fassung der Sebalduslegende »Es war ein kunek« von ca. 1380 erhebt S. zum dänischen Königssohn aus der Zeit Karls d. Gr. Die Legenden erzählen von S. fast ausschließlich Wunder. Die stärkste Wirkungsgeschichte, gerade in der Kunst, hatte jene Erzählung, der zufolge S. auf seinem Mantel über die Donau bei Regensburg fuhr. Nach S.'s Tod soll ein wildes Ochsengespann S.'s Leichnam zur Peterskapelle am Fuß der Nürnberger Burg gebracht haben, wo S. seine letzte Ruhe fand. Ab 1070 wurde S. vom Volk als Heiliger verehrt. Die Peterskapelle wurde 1230 in St. Sebald umbenannt und bis 1273 durch eine neue Sebalduskirche ersetzt, die 1379 einen neuen Ostchor bekam. S.'s Reliquien erhielten 1397 einen neuen Prunkschrein, in dem sie sich noch heute befinden. Am 26.3.1425 wurde S. von Papst Martin V. heiliggesprochen. S. stellt einen der wenigen Fälle dar, in denen die Reliquien eines von der katholischen Kirche kanonisierten Heiligen in einer evangelischen Kirche verwahrt werden. Der Reliquienschrein wird von Vertretern der Stadt und der Kirchen alle 30 bis 40 Jahre visitiert.

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Lit.: Georg Hammacher, St. Sebald, der Schutzpatron Nürnbergs. Zum fünfhundertjährigen Feste seiner Heiligsprechung 1425-1925, Nürnberg 1925; - A. Senger, St. Sebaldus in seiner Bedeutung für das mittelalterliche und moderne Nürnberg, Nürnberg 1925; Reinhold Schaffer, Monasterium Sancti Sebaldi, in: Mitteilungen des Vereins für Geschichte der Stadt Nürnberg 27, 1928, 330 f.; - Wilhelm Kraft, St. Sebald in der älteren Geschichte Nürnbergs, in: Mitteilungen des Vereins für Geschichte der Stadt Nürnberg 28, 1928, 155-207; - Fritz Schnelbögl, Sankt Sebald in Nürnberg nach der Reformation, in: Zeitschrift für bayerische Kirchengeschichte 32, 1963, 155-172; - Arno Borst, Die Sebalduslegenden in der mittelalterlichen Geschichte Nürnbergs, in: Jahrbuch für fränkische Landesforschung 26, 1966, 19-178; - Kurt Pilz, Das Sebaldusgrab im Ostchor der St.-Sebaldus-Kirche in Nürnberg, Nürnberg 1970; - Andreas Bauch, Der heilige Sebald, in: Bavaria Sancta 3, 1973, 156-169; - Josef Schütz, Sankt Sebalds Name, in: Jahrbuch für fränkische Landesforschung 34/35, 1974/75, 217-222; - 600 Jahre Ostchor St. Sebald 1379-1979, hrsg. v. Helmut Baier, Neustadt/Aisch 1979; - Der heilige Sebald, seine Kirche und seine Stadt. Ausstellung des Landeskirchlichen Archivs, Nürnberg 1979; - Elisabeth Roth: »Got und der lieb Herr S. Sebolt«. Nürnbergs Stadtpatron in Legende und Chronik, in: Mitteilungen des Vereins zur Geschichte der Stadt Nürnberg 67, 1980, 37-59; - Klaus-Stefan Krieger, Zum ersten Mal seit 1971: Sebaldusgrab wurde geöffnet, in: Blickpunkt Kirche, Nürnberg, 29. August 1993, If.

Klaus-Stefan Krieger

Literaturergänzung:

2006

Amelie Himmel, Das Grabmal d. Hl. Sebaldus in Nürnberg. Zur Interpretation e. Legende. 2. Aufl. Erlangen 2006.

Letzte Änderung: 09.04.2011