Verlag Traugott Bautz
www.bautz.de/bbkl
Zur Hauptseite
Bestellmöglichkeiten
Abkürzungsverzeichnis
Bibliographische Angaben für das Zitieren
Suche in den Texten des BBKL
Infobriefe des aktuellen Jahres
Spenden für die Arbeit am BBKL
Um auch weiterhin die Arbeit am BBKL zu ermöglichen, brauchen wir Ihre Unterstützung..
NEU: Unser E-News Service
Wir informieren Sie über Neuigkeiten und Änderungen per E-Mail.
Helfen Sie uns, das BBKL aktuell zu halten!
Bestellmöglichkeiten

Band IX (1995)Spalten 1332-1333 Autor: Konrad Fuchs

SEIDEL, Heinrich Wolfgang. Der Sohn des Schriftstellers Heinrich Seidel wurde am 28.8. 1876 zu Berlin geboren, wo er seine Jugend verbrachte und Theologie studierte. Als Pfarrer wirkte er am Lazarusdiakonissenhaus in Berlin (1907-1914), an St. Maria Magdalenen in Eberswalde (1914-1923) und an der Neuen Kirche zu Berlin (1923-1934). Seit seinem Ruhestand (1.4. 1934) bis zu seinem Tod am 22.9. 1945 lebte er in Starnberg am See (Oberbayern). Obwohl in Berlin geboren und aufgewachsen, behauptet S. von sich selbst, daß er dort stets ein Inseldasein geführt habe, die Schulkameraden ihm nicht näher kamen, abgesehen davon, daß er häufig krank gewesen sei. Daher schloß er sich um so enger seiner Familie an und lebte in der »Welt der Einbildungskraft« sowie der »sichtbare(n) Schöpfung«. Der Vater, der ihn mit Berlin bekannt machte, zeigte ihm eine andere Stadt, als die meisten sie kannten. »Es war das Berlin der Sehnsucht und der Träume, es war ein Sprungbrett der Phantasie. Das Berlin, das abseits der großen Straßen ist und noch eine letzte Erinnerung an den Zusammenhang mit der Natur in sich trägt, die das lärmende Stadtwesen vor seine Tore gebaut hat... Sie (Vater und Sohn) waren nicht bemüht, zu verklären, zu verwandeln, was ihnen fremd und ihrem Wesen nicht gemäß erschien, aber sie drangen durch alles hindurch zu seinem letzten Grund und erkannten, daß auch das schön war, was sie als nächstes umgab, voller Leben und voller Geheimnisse...« - Der Vater vermittelte ihm die Lust des Schauens, vermittelte ihm den Blick für das Erkennen des Geringen und Hilflosen, das Verstehen der stummen Natur. Gleichzeitig aber wurde er nicht müde, die Einbildungskraft zu fördern und zu formen. Wer nämlich »die Welt erkennen will«, bemerkt S., »darf mit ihrem äußeren Wesen nicht allzu verworren sein. Die Gewalt des Schicksals erlebt zuletzt der am tiefsten, der nicht fremde Herzen richtet, sondern das eigene Herz.« Was sein schriftstellerisches Werk betrifft, so konstatiert er: »Ich glaube, daß meine Bücher alle erlebt sind, auch wenn ich es verschmähte, die Umwelt abzuschreiben. Daß ich langsam arbeite, scheint mir kein Fehler zu sein; die deutsche Sprache, die reifste der Welt, ist hartes Metall und will in hundert Feuern geglüht sein. Ob mir gelang, was einzig Sinn und Erfüllung aller Kunst bedeutet: lebendig zu gestalten und mit bezeichnendem Wort Unsagbares zu sagen - darüber mögen andere urteilen.« - Verheiratet war S. mit seiner Cousine, der Schriftstellerin Ina Seidel.

weiterlesen ...
Werke: (Auswahl): Der Vogel Tolidan. 8 Erzählungen (1913); Die Varnholzer (1918); Das vergitterte Fenster (1919); George Palmerstone. Die Geschichte einer Jugend (1922); Der Mann im Alang (1924); Genia. Erzählungen (1927); Abend und Morgen. Zwei Novellen (1934); Krüsemann. Ein Roman aus der Zeit nach dem Kriege (1935); Das Seefräulein (1937); Schloß Gottesruhe (aus dem Nachlaß, in: Der Speicher, 1948/49); Biographisches: u.a. Erinnerungen an Heinrich Seidel. Mit ungedr. Briefen, persönl. Aufzeichnungen und Mitteilungen aus dem Nachlaß (1912); Th. Fontane (1940); Das Antlitz vor Gott (1941; Religiöse Aufsätze); Aus dem Tagebuch der Gedanken und Träume (1946).

Lit.: A. Herse, Heinrich Wolfgang Seidel, in: Die Neue Literatur, 37. Jg. (1936), 262-267.

Konrad Fuchs

Werkenachtrag

Wolfgang Seidel, Drei Stunden hinter Berlin. Briefe aus dem Vikariat. Hrsg. von Klaus Goebel. Frankfurt am Main/Leipzig 1998 (Insel-Taschenbuch 2158).

Letzte Änderung: 09.04.2011