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Verlag Traugott Bautz
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SEIDEL, Ina, Schriftstellerin, * 15.9. 1885 in Halle, † 3.10. 1974 in Ebenhausen bei München. - Geboren wird sie in der Saalestadt Halle als Tochter des Arztes Dr. med. Hermann Seidel und seiner Frau Emmy, geb. Loesevitz aus Riga. Die väterlichen Vorfahren stammten aus Waldheim/Sachsen, wo die Männer der Familie seit dem 18. Jh. den Pfarrberuf wählten. Vater und Onkel Heinrich Seidel (1842-1906) waren Söhne des Pfarrers Heinrich Alexander Seidel, der sich nebenbei als Dichter betätigte; der Onkel wurde durch ein Buch mit dem Titel »Leberecht Hühnchen« bekannt. Die mütterlichen Vorfahren wanderten im 18. Jh. von Holstein und Pommern nach Riga. 1856 heiratet der Großvater Wilhelm David Loesewitz Antonie Beck. Diese heiratet nach dem Tod des ersten Mannes den bekannten Ägyptologen Georg Ebers aus Jena; zu ihrem Stiefgroßvater hat S. in der Kindheit eine innige Beziehung. Der familiäre Hintergrund und auch die innere Beziehung zu ihren im Baltikum ansässigen Verwandten hat einen wichtigen Einfluß auf das Werk von S. Über die Mutter schreibt sie an einer Stelle: »Meine Mutter war ein zartes, fast übersensibles und sehr begabtes Kind, anmutig-zärtlich und von einem ängstlichen Eifer erfüllt, immer das Gute und Richtige zu tun. Diese grundlegenden Wesenszüge bestimmten auch ihre späteren Persönlichkeiten in ihrer eigentümlichen Mischung von Lebensfreude und Schwermut, von Willensstärke und Phantasie, in der Liebe zur Natur, zur Dichtung, zur Musik und zur bildenden Kunst, der sie sich entsprechend dem in ihr angelegten und durch Erziehung entwickelten Pflichtbewußtsein während ihrer früh geschlossenen, sehr glücklichen, aber nur dreizehn Jahre währenden Ehe und solange ihre Kinder ihrer unmittelbar bedurften, nur noch in einer Weise hingab, daß sie den ihr anvertrauten Lebensbereich als ein tragendes Element von Heiterkeit und Schönheit durchdrang« (zitiert nach Horst, 1956, 26 f.). - Nach dem Tod von zwei Geschwistern während einer Diphtherie-Epidemie zieht S. mit ihrer Familie bereits 1886 nach Braunschweig um; der Vater, bislang Assistent bei einem Hallenser Chirurgen, macht sich nun selbständig. Zu ihm hat sie ein eher distanziertes Verhältnis. Sie beschreibt ihn als »genialen Diagnostiker« und Kunstliebhaber, als heimatverwachsenen Naturliebhaber und »lebenausstrahle(n) Mittelpunkt« im Kreise seiner Freunde. Die Gegenstände, Tiere und Pflanzen, die der Vater von seinen Weltreisen mitbringt, faszinieren die Tochter. Während der Vater seine protestantische Prägung in eine christliche Lebensführung umsetzt, vertritt die Mutter die Auffassung einer natürlichen Religiosität. In Braunschweig besucht S. die Volksschule und eine höhere Töchterschule. 1887 wird ihr Bruder Willy geboren, zu dem sie ein sehr enges Verhältnis hat; Willy Seidel wird später wie S. den Beruf des Schriftstellers ergreifen. 1895 kommt die Schwester Annemarie zur Welt (später Schauspielerin von Beruf und in 2. Ehe ab 1935 zweitweise mit dem Verleger Peter Suhrkamp verheiratet). Reisen zu den Großeltern an den Starnberger See während der Sommerferien beeinflussen das Weltbild S.s jetzt und auch in den künftigen Jahren: Natureindrücke werden erstmals dichterisch verarbeitet. - Nach dem überraschenden und als »tragisch« empfundenen Selbstmord des Vaters 1895 zieht S. nach Marburg/Lahn um. S. schreibt: »Ich muß die Tage, in denen mein Vater starb und zu Grabe getragen ward, ... übergehen, obgleich sie mit der Bedeutung in mein Gedächtnis gegraben sind wie nur die Ereignisse, deren abgründige Tiefe von wenigen, was uns hinfort begegnet, erreicht - von nichts unterboten werden kann. An ihnen mißt die Seele in aller Zukunft die Tragweite schicksalhafter Fügungen ...« (Seidel, Kindheit, nach Horst, 1956, 31 f.). - 1907 kommt S. mit ihrer Familie nach München. Sie besucht ein Lyzeum und holt das Abitur nach, sie legt ein Examen als Sprachlehrerin für Englisch ab und bildet sich privat weiter, u.a. durch Reisen nach Italien, Frankreich und in die Schweiz. Die Münchener Jahre sind von besonderer Bedeutung: »Hier habe ich in den Jahren 1897 bis 1907 meine stärksten und entscheidensten Jugendeindrücke empfangen: München war zu jener Zeit das künstlerische Zentrum Deutschlands, und seine Atmosphäre mochte für jeden Keim einer Begabung günstig und triebkräftig sein. Ernstlich zu arbeiten aber begann ich erst nach einer schweren Krankheit, die mir in meinem 23. Jahr die Bewegungsfreiheit für lange Zeit raubte« (Seidel, Kindheit). - 1907 heiratet S. ihren Vetter, den Berliner Pfarrer, Dichter und Schriftsteller Heinrich Wolfgang Seidel (1876-1945), den Sohn Heinrich Seidels, der ein Jahr zuvor gestorben ist. Die Verlobung hatte schon zwei Jahre zuvor die enge Beziehung dokumentiert. Ihr Mann ist soeben in die zweite Pfarrstelle am Lazarus-Diakonissenhaus im Berliner Norden berufen worden, dorthin zieht das junge Ehepaar nun um. Das preußische Berlin wird so nach Braunschweig und München zur »dritten Heimat«. Ernst Lissauer, Julius Bab und Albrecht Schaeffer werden zu Freunden. Am 22.5. 1908 kommt ihre Tochter Heilwig [später verh. mit Ernst Schulte-Strathaus, Astrologe und bis 1941 Mitarbeiter und Freund von Rudolf Hess] zur Welt. Aufgrund einer Wochenbett-Infektion erkrankt sie schwer und ist acht Monate ans Bett gefesselt; besonders die bleibenden Schäden (versteiftes Bein) verändern ihr Leben tiefgreifend. - Unter der Bedingung des wechselnden Pfarramtes wohnt das Ehepaar bis 1914 in Berlin, ehe ihr Mann eine Stelle an der Kirche St. Maria Magdalenen in Eberswalde/Brandenburg übernimmt. 1910 erscheinen erste Veröffentlichungen ihrer z.T. schon weit früher entstandenen, aber lange Zeit versteckten Lyrik in verschiedenen Zeitschriften. 1914 veröffentlicht S. ihren ersten Gedichtband, 1915 folgt ein weiterer Lyrik-Band (»Neben der Trommel her«), 1918 ein dritter (»Weltinnigkeit«). Diese frühen Arbeiten sind geprägt von einem starken Zug zur individuellen Frömmigkeit und beschreiben Kriegs- und Nachkriegsereignisse, aus subjektivistischer Perspektive werden die Zeitgeschehnisse (politischer Umbruch, 1. Weltkrieg, Verarmung der Bevölkerung, etc.) lyrisch verarbeitet. Ein weiteres Kind (Ulrike) wird geboren, stirbt aber schon 1918 aufgrund einer Grippe-Epidemie; am 31.10. 1919 gebiert S. ihren Sohn Heinrich Georg. - Auch die frühen Romane (»Das Haus zum Monde«, 1916; »Sterne der Heimkehr«, 1921) spiegeln Lebenserfahrungen und -eindrücke eines Teils ihrer Generation. Dabei ist ihnen bereits der Einfluß durch die preußische »Nüchternheit« abzuspüren. Allerdings denkt S. von ihrem christlich-protestantischen Hintergrund aus, ihr Stil ist als neoromantisch zu klassifizieren, insofern kosmische Naturfrömmigkeit mit (volks)humanistischem Ethos verknüpft sind; Eindrücke von Gesellschaft und Natur verschwimmen ineinander - ein persönlich verständlicher, politisch aber hinsichtlich der kommenden Entwicklung ein fataler Zug. Hauptthema der Prosa ist die Familie und deren Beziehungsgeflechte. In dem ersten großen Roman »Das Labyrinth« (1922) wird z.B. das Leben des Danziger Naturforschers und Weltreisenden Georg Forster beschrieben, dabei sind Erinnerungen an den Vater verarbeitet. Andererseits sind surrealistisch-traumhafte Motive mit realistischen Sequenzen in Dichtung und Erzählung miteinander verbunden. - 1923 - in der Hochphase der wirtschaftlichen Inflation - kehrt das Ehepaar nach Berlin (Kronenstr. 7a) zurück, ihr Mann übernimmt eine Pfarrstelle am Deutschen Dom/Gendarmenmarkt. Im gleichen Jahr unternimmt S. eine Reise nach Oberitalien, durch die sie hohe Inspiration gewinnt: »Abgesehen von der Bestätigung einer von jeher lebendig geahnten und stark ersehnten Wirklichkeit hatte ich auch gerade durch die Berührung mit der Fremde eine neue Frische und Empfänglichkeit für Wesen und Schicksal der Heimat erfahren ...« (zitiert nach: Horst, 39). In den 20er Jahren erscheinen verschiedene Erzähl- und -Novellenbände (»Hochwasser«, 1921; »Die Fürstin reitet«, 1925; »Renée und Rainer«, 1929; »Der vergrabene Schatz«, 1929), 1927 ein weiterer Gedichtband (»Neue Gedichte«). Auch Willy und Heinrich Wolfgang Seidel treten mit Romanen an die Öffentlichkeit. Inzwischen ist S. Mitglied im »Schutzverband deutscher Schriftsteller«, im P.E.N.-Club und im Verband deutscher Dichter. 1932 erhält sie die Goethe-Medaille für Kunst und Wissenschaft und wird Mitglied in der Preußischen Akademie der Künste. - Bekannt wird S. insbesondere durch ihre Romane, desen erster (»Das Labyrinth«) 1922 erscheint. Es folgen »Das Wunschkind« (1930) und »Lennacker« (1938). Diese biographisch-historisch ausgerichteten Romane geben Einblick in das Denken und Fühlen vorwiegend von Frauen und Kindern unterschiedlicher Zeitläufe. So wird etwa in dem Roman »Das Wunschkind« (an dem sie 16 Jahre arbeitet) vor dem Hintergrund der Zeit zwischen der Französischen Revolution und den sog. »Freiheitskriegen« (1793-1913) das Leben und Empfinden der Protagonistin Cornelie beschrieben: ein tausendseitiges Werk über eine Mutter-Sohn-Beziehung. Darüberhinaus geht es S. um die Darlegung einer Charakteren-Konstellation. So wird der zur absoluten, natürlich-fruchtbaren Mutter stilisierten Cornelie die erotisierend-triebhafte, seelenlose »Schauspielerin« und Stiefschwester Delphine gegenübergestellt. »Zwischen diessen beiden Bildern gibt es im Weltbild der Autorin keine Brücke, sie bilden zwei entgegengesetzte Pole der Natur des Weiblichen, die im Roman auf den Ebenen des Privaten wie des Politischen weniger entwickelt als vielmehr vorgeführt werden« (I. Hölscher, Geschichtskonstruktion, 1991, 58). Dabei ist der gewählte Zeitraum paradigmatisch zu verstehen, das Thema im Grund »natürlich«, für alle Zeiten gültig. S.s nationalistisches Verve wird deutlich etwa in dem Baumbild, das die Mutter als Hauptfigur des Romans für ihren gewünschten Sohn, »den eine deutsche Mutter im Namen unzähliger Schwestern zur Ehre und zum Gedächtnis gefallener deutscher Söhne gepflanzt hat«, verwendet. So wird der in der Mutter inkarnierte Natur-Kreislauf von Geburt, Tod und Wiedergeburt »auf den historischen Erzählzeitraum des Romans übertragen: aus der Niederlage gegen Frankreich erwächst in Gestalt des so dramatisch gezeugten Sohnes der zukünftige Sieg, der die Nation wieder in ihr Recht einsetzt. Bezieht man den Zeitraum ein, in dem das Buch geschrieben wurde, also von 1914-1930, so ergibt sich eine neue Drehung in diesem Kreislauf: die deutsche Niederlage des ersten Weltkrieges führt, in die Zukunft gewendet, zur Hoffnung auf einen neuen Sieg und impliziert somit einen neuen Krieg« (ebd. 80). - Verwandte Themenkreise und eine Metapherntechnik, die den (vorwiedgend weiblichen) Leserinnen klare Identifikationsangebote machen, finden sich auch in den übrigen Romanen und in der Lyrik, die während der Weimarer Zeit entstehen. S.s Werke sind Teil des konservativ-nationalistischen Gegengewichts gegen die aufklärende Frauenbewegung dieser Zeit und werden schon von zeitgenössischen Rezensenten als Bekenntnisse zu Deutschtum, Religion und Frauentum erkannt (van Randenborgh, Die Mutter, 1931). Entsprechend positiv gestaltet sich die Rezeption ihres Werkes im »Dritten Reich«, zumal sie dem Nationalsozialismus gegenüber positiv eingestellt ist: so begrüßt sie - zusammen mit Karl Wolfskehl und Ernst Schulte-Strathaus - die Übrnahme der Macht durch Adolf Hitler 1933 u.a. mit der Unterschrift zu einem Treuegelöbnis im Oktober des Jahres (also nach den Bücherverbrennungen und dem Ausschluß von Schriftstellern jüdischer Herkunft aus den Verbänden!) zusammen mit 87 weiteren Kollegen. Für sie erscheint die neue Politik als die angemessene (»natürliche«) Form staatlich-gesellschaftlichen Lebens. Ihre Ansichten schlagen sich auch in der literarischen Arbeit nieder, von Publikationsverboten ist sie nicht betroffen - im Gegenteil: ihre Kriegsgedichte aus dem 1. Weltkrieg gelten als vorbildhafte nationalsozialistische Dichtung. Als aufgrund seiner Kritik an der Politisierung der Kirche (auch an der Bekennenden Kirche) ihr Mann 1934 sein Pfarramt niederlegt, siedelt S. mit ihm nach Tutzing (Ottostr. 16) am Starnberger See in Bayern über. Sie beziehen das Haus, das die Großeltern dort erworben hatten, der Umzug wird geradezu als »Heimkehr« empfunden, kann man sich doch auf einem Stück »eigener Scholle« niederlassen. Den plötzlichen Tod des innig geliebten Bruders 1934 verkraftet sie allerdings nur schwer. - Im »Lennacker« von 1938 stehen die Reflexionen über das protestantische Christentum anhand einer Familiengeschichte seit der Reformation im Vordergrund und münden in einer gewissermaßen mystischen Hinwendung zu Christus. Ein Oberleutnant und Medizinstudent durchlebt nach dem Ende des 1. Weltkrieges 1918 in Fieberträumen das Schicksal seiner Vorfahren von 1500-1898. Die Intention des Romans manifestiert sich u.a. in folgendem Zitat: »Das Gesetz des Körpers wird von der Masse als Diktatur anerkannt, immer sind es nur einzelne, die unmittelbar vom Geist ergriffen werden und ihn zu verwirklichen streben. Zählbar sind die, die ihnen in Wahrheit Gefolgschaft leisten und ganz selten erhebt sich ein ganzes Volk im Dienst eines großen Gedankens. Dann aber ist für diese Menge niemals der Gedanke selbst, sondern ein von der Durchführung dieses Gedankens abhängiger Erfolg auf der Ebene irdischer Bedürftigkeit letztlich maßgebend. Die Opfer werden allein von den Führern gebracht.« In einer solchen Gesellschaftssicht steht der Wunsch nach einer die Massen begeisternden Führer-Persönlichkeit natürlich an zentraler Stelle - und dies in einer Zeit, in der sich Adolf Hitler höchster Popularität gewiß sein konnte. Es ist wohl kaum übertrieben, in S. eine Wegbereiterin der völkisch-ideologischen Anschauung des Nationalsozialismus zu sehen. Der Roman endet mit den Worten: »Der Tag wird kommen - und er muß kommen, da die Tränen der Frau stark genug sein werden, um gleich einer Flucht das Feuer des Krieges für ewig zu löschen. Der Tag da der Geist - die Taube - unter dem heiligen Regenbogen über der wiedergeborenen Erde schwebt - und dann ... dann setzt der Sohn der Mutter die Krone aufs Haupt« (Seidel, Lennacker, 1938). Daß man das Buch als »Trutzbuch der evangelischen Kirche« (Wien, Die ersten, 1966, 15) verstanden hat, kann aus heutiger Sicht nur verwundern. Als typische, aber eben vollkommen wirklichkeitsverfremdende Beurteilung des »Lennacker« sei hier (stellvertrend für andere) Werner Wien zitiert: »Lennacker war als Zeugnis des Protestantismus gewißlich auch ein Akt des Protestes gegen den Ungeist der dreißiger Jahre, im Namen der Väter, der Söhne und des heiligen Geists, These der Behauptung des getreuen Worts lutherischer Tapferkeit gegen jene, die die Macht ergriffen hatten, um das Regiment der Welt an sich zu reißen» (Wien, Die ersten, 1966, 16). 1939 (wenige Monate nach der Reichpogromnacht in der Zeit kriegerischer Drohgebärden) verfaßt sie ein emphatisches Gedicht anläßlich des 50. Geburtstages des »Auserwählten der Generation« Adolf Hitler. U.a. heißt es da: » ... In Gold und Scharlach, feierlich mit Schweigen,/ ziehen die Standarten vor dem Führer auf./ Wer will das Haupt nicht überwältigt neigen?/ Wer hebt den Blick nicht voll Vertrauen auf?/ Ist dieser Dom, erbaut aus klarem Feuer,/ nicht mehr als eine Burg aus Stahl und Stein,/ und muß nicht ein Heiligtum, uns teuer,/ ewigen Deutschtums neues Sinnbild sein? ...« (zitiert nach Ferber, Die Seidels, 1979, 306 f.). Augenscheinlich gelang es S. in ihrer Geisteswelt nicht, die Realität des »Dritten Reiches« zu durchschauen: hätte sie doch nur reflektieren müssen, wie es ihrem Stiefgroßvater Georg Ebers, der jüdischer Herkunft und seinerzeit schon von Theodor Storm aufgrund seiner Kritik an der Novellistik als »frecher Jude« bezeichnet worden war, in dieser Zeit ergangen wäre. - 1939 mieten S., ihr Mann und die Mutter Emmy eine Stadtwohnung in München, die vier Winter über zum Ausweichquartier wird. Dadurch ist Gelegenheit gegeben, in verschiedenen Bibliotheken zu arbeiten. Das Schreiben ist wie eine Flucht vor der Realität - besonders der des Krieges; der Sohn Georg ist seit 1940 Soldat. Mittlerweile ist S. Mitglied des Ehrensenats des Reichsverbandes Deutscher Schriftsteller und in der Notgemeinschaft der Deutschen Schriftsteller; 1941 erhält sie für ihr Werk den Dichterpreis (Grillparzer-Preis) der Stadt Wien. U.a. um ihren Sohn sehen zu können, hält sie im Herbst 1941 eine Lesung vor deutschen Soldaten, die in Paris stationiert sind. Als Rudolf Hess 1941 nach England flieht und sein Mitarbeiter Schulte-Strathaus, S.s Schwiegersohn, verhaftet wird, setzt sie sich für ihn ein. Die hier gemachten Erfahrungen spielen in dem Roman »Michaela« eine gewisse Rolle (vgl. Ferber, Die Seidels, 1979, 326 f.). - Eine problematische Geschwisterliebe wird unter Zuhilfenahme subtiler Metaphorik in dem Roman »Der Weg ohne Wahl« (1933) beschrieben, in der Novellensammlung »Spuk in des Wassermanns Haus« (1934) ist außer der Titelnovelle eine Kindernovelle und ein autobiographischer Lebensbericht enthalten. Autobiographischen Charakter (der im übrigen auch den meisten anderen Romanen kaum abzusprechen sein dürfte) hat insbesondere die bereits 1935 veröffentlichte Schrift »Meine Kindheit und Jugend«. In der Erzählung »Peregrin« (1940) werden verklärend-romantische Elemente mystisch überhöht, der Tod des Bruders verarbeitet, der in dem Roman als mit Novalis vergleichbare Gestalt geradezu wiederaufersteht: hier und an weiteren Stellen zeigt ein Vergleich mit den frühen Gedichten eine enge Stilverwandtschaft. In den Biographien über Achim von Arnim, Bettina von Arnim und Clemens von Brentano, die 1944 entstehen, will sie Verteter »deutschen Geistes« porträtieren. Der Roman »Das Wunschkind« hat inzwischen eine Auflagenhöhe von 450.000 erreicht und noch unter erschwerten Produktionsbedingungen Anfang 1945 erscheint die 9. Auflage, nachdem Übersetzungen für die von Deutschland besetzten Länder (Finnland, Frankreich, Tschecheslowakei, etc.) bereits verlegt, Dissertationen und zahleiche Aufsätze (u.a. in den Zeitschriften »Nationalsozialistische Monatshefte«, »Deutsches Volkstum«) über ihr Werk erschienen sind. Während andere Schriftsteller aus dem Deutschunterricht verbannt und mit Druckverboten belegt sind, werden S.s Bücher gern verwendet (Rosendahl, 1939). Für die Herausgabe einer Kriegsbrief-Sammlung schreibt S. noch 1942 ein Vorwort, wobei sie »neben dem grenzenlos menschenverachtenden Gestus des Herrenmenschen, mit dem Seidel die nationalsozialistische Vernichtungsmaschinerie legitimiert, eine für den `totalen Krieg' instrumentalisierte `deutsche' Weiblichkeit, welche sich für sie, unter dem Begriff der Mütterlichkeit subsumiert, aus dem Dreigestirn von Dienst, Demut und Opfer zusammensetzt« proklamiert (Dackweiler, Rezeptionsgeschichte, 91). Es kann deshalb nicht behauptet werden, sie habe die Jahre bis 1938 darauf verwendet, ein Werk zu schaffen, »das den nationalsozialistischen Bemühungen um deutsche Bewußtseinsbildung zuwiderlief«, bzw. zu suggerieren, S. habe in den Zeiten der Papierknappheit unter »unauffälliger Selektion« zu leiden gehabt (so Ferber, Die Seidels, 1979, 308). - Kurz nach Ende des Krieges stirbt S.s Mutter Emmy, am 22.9. 1945 ihr Mann Heinrich Wolfgang nach monatelangem Krankenhausaufenthalt. Ihr Sohn überlebt den Krieg als Soldat, zuletzt in englischer Gefangenschaft. Ungebrochen ist hingegen die Erfolgsgeschichte ihrer Romane, die bereits 1946 in neuen Auflagen - trotz strenger alliierter Publikationsbedingungen - erscheinen (vgl. G. Schäfer, Bibliographie 1956). - Die Familiensaga »Lennacker« von 1938 findet ihre Fortsetzung in dem 1954 erschienenen Roman »Das unverwesliche Erbe«: diesmal stehen aber nicht die väterlichen, sondern die mütterlichen Vorfahren des Protagonisten im Mittelpunkt. Scheinbar bruchlos setzt S. ihr Werk auch nach 1945 fort. Schon bald nach dem Ende des »Dritten Reiches« scheint sie rehabilitiert, 1948 erhält sie den Raabe-Preis der Stadt Braunschweig; ein Jahr zuvor war sie als (Gründungs-)Mitglied der Bayerischen Akademie der Künste gewählt worden. 1955 ernennt auch die »Berliner Akademie der Künste« (als Nachfolgeinstitution der Preußischen Akademie) S. zu ihrem Mitglied. - Geradezu zwingend logisch erscheint es, daß sie auch nun wieder auf die Naturmystik als wichtigstes Stilmittel zurückgreift, ohne sich selbst mit der jüngsten Vergangenheit kritisch zu konfrontieren. Eine Auseinandersetzung mit ihrer Rolle während des Nationalsozialismus findet nicht statt, stattdessen fragt sie schon 1946: »Was bedeutet uns Menschen von heute noch die Natur? Könnte und sollte sie uns nicht mehr, nicht Größeres und Tieferes sein?« (Die Vogelstube, 1946). 1954 wird ihr das Bundesverdienstkreuz verliehen und 1958 erhält sie den großen Kunstpreis des Landes Nordrhein-Westfalen - als »Hüterin unvergänglicher Werte« (nach Dackweiler, Rezeptionsgeschichte, 96). - S. verarbeitet ihr Erleben und die Zeitgeschehnisse auch in den 50er und 60er Jahren unter Zuhilfenahme erprobter Stilmittel: 1949 erscheint noch einmal ein Gedichtband, 1959 der Roman »Michaela. Die Aufzeichnungen des Jürgen Brook«, in dem die aktuelle Zeitgechichte reflektiert wird. In der 1960 veröffentlichten Chronik »Drei Städte meiner Jugend« stellt sie rückblickend Ausschnitte ihres eigenen Lebens dar. In den nächsten Jahren folgen weitere Bände mit Berichten und Erzählungen (»Vor Tau und Tag«, 1962, »Quartett«, 1963, »Die alte Dame und der Schmetterling«, 1964, etc.). - In verschiedenen Essays (u.a.: »Dichter, Volkstum und Sprache«, 1934; »Frau und Wort«, 1965) hat sie sich auch theoretisch zu Problemen der Literaturwissenschaft geäußert. Über ihre Arbeit als Schriftstellerin schreibt sie u.a.: »Geschichten erzählen heißt, in der zuckenden, pulsierenden Einheit des Lebens die Spanne des Weges etwelcher von Unendlichkeit her rollender Kugeln herauszulösen und beobachten, wo dieser Weg Höhepunkt und Bedeutsamkeit des Symbols erreicht - wo er zum Gleichnis und Spiegel werden kann«. - Bis in die 80er Jahre hinein bleibt sie - von Verlegern, Rezensenten und Rezipienten (fast) unumstritten - eine angesehene und bewunderte Schriftstellerin, gelobt wegen ihrer »so typischen Zurückhaltung«, aufgrund einer »zurückgezogene[n], unauffällige[n] Individualität«, welche bedeute: »diese Dichterin hat nicht nur im Wort gelebt, sondern im Schweigen« (Wien, Die ersten, 1966, 6). So verblüffend richtig dies vor dem Hintergrund mangelnder Konfrontation mit der Zeit vor 1945 klingt, so ernst und anerkennend ist es vom Bewunderer gemeint: dieses Schweigen ist kollektiv und transportiert zudem Wirklichkeitsbilder (besonders das einer »Bewegung des fraulichen Geistes, des Weiblichen, gegen eine allzu vermännlichte, zerdachte, vertechnisierte Welt der Ratio als des einhelligen Ordnungsprinzips unseres Lebens« [ebd., 8; vgl. die Interpretation bei Horst, 1956; insgesamt: Dackweiler, Rezeptionsgeschichte]) mit einer erschreckenden Kontinuität von den 20er Jahren bis in die 80er Jahre des 20. Jhds. hinein. Eine neue, unveränderte Ausgabe des »Wunschkindes« erscheint 1987 im Ullstein-Verlag. - S. ist 89jährig 1974 in Ebenhausen bei München gestorben. Ihr lange Zeit unumstrittenes als »durch exakte Detailwiedergabe und psychologische Durchdringung« (dtv-Lexikon, Bd. 16, 1980, 300), bzw. »in allen Teilen christlichen Geist« atmende Dichtung (von Arnim, Christliche Gestalten, 1972, 177) charakterisiertes Werk hat deutlich autobiographische Züge und verarbeitet kompatible Sehnsüchte und mystisch-religiöse Ansichten stellvertretend für einen großen Teil einer zum Ende des 19. Jhds. geborenen Generation.
Werke: Gedichte, Berlin 1914 2Berlin/Stuttgart 1919; Familie Mutz. Verse zu Bildern von Eugen Osswald, Mainz 1914, 21936, 31947; Neben der Trommel her, Gedichte, Berlin/Stuttgart 1915; Organisierte Mütterlichkeit, in: Die Tat, 7. Jg. 1915, Bd. 2, 975 ff.; Der Lyriker Albrecht Schaeffer, in: Die Tat, 8. Jg. 1916; Das Haus zum Monde. Roman, Berlin/Stuttgart 1917, 21931 (wieder veröffentlicht mit »Sterne der Heimkehr« unter dem Titel »Das Tor der Frühe«, Stuttgart 1952); Weltinnigkeit, Gedichte, Berlin 1919, 21921; Hochwasser, Berlin/Stuttgart 1920; Das Labyrinth, Ein Lebenslauf aus dem 18. Jahrhundert, Jena 1922, 21924, 3Stuttgart 1931, 4 ff. 1936 ff., neue Auflagen 1940, 1943, 1944, 1949, 1950, 1954 ff., engl. Übers. von Oakley Williams, London/New York 1932; Sterne der Heimkehr. Eine Junigeschichte, Stuttgart 1923, 21924; W. von Scholz als Erzähler, in: Das literarische Echo, 26. Jg. 1924, 260 ff.; Planetenspiel zur Erdenfeier der Sonnenwende. In drei Tanzkreisen, in: Die Tat, 16. Jg. 1924, H. 3, 161 ff.; Ricard Huch, in: Vossische Zeitung, 18.7.1924; Das wunderbare Geißleinbuch. Neue Geschichten für Kinder, die die alten Märchen gut kennen (mit 30 Illustrationen von Wilhelm Scholz), Stuttgart 1925, 21935, neue Auflagen: Reutlingen 1949, 1950, Stuttgart 1953; Revolution in Mainz, in: Die Bergstadt, 1925; Die Fürstin reitet, Stuttgart 1926, 2Berlin 1929, 31935, 4Stuttgart 1942, 1943, neue Auflagen Hameln 1948, Sollham/Berlin 1948 ff., finnische Übers. von Helka Varho, Porvoo 1944; Neue Gedichte, Stuttgart 1927 (erweitert abgedr. unter dem Titel »Die tröstliche Begegnung«, Stuttgart 1933, 21934, 31935; eine Auswahl Leipzig 1932); Brömseshof. Eine Familiengeschichte, Stuttgart 1928, 21930, 31933, 41940, 51944 6(mit einem Nachwort von H.M. Elster) Düsseldorf 1949, finnische Übers. von J.A. Hollo, Helsinki 1942, französische Übers. von Edith Vincent, Paris 1944; Renée und Rainer, Erzählung, Weimar 1928, 2Stuttgart 1930, 31933, 41938; Die Brücke, Erzählungen, Berlin 1929; Der volle Kranz. Gedichte (ausgewählt und eingeleitet von Karl Plengat), Leipzig 1929; Der vergrabene Schatz. Drei Erzählungen, Berlin 1929, 21937, 3München 1951; Die Brücke und andere Erzählungen (hrsg. und eingeleitet von Regina Tieffenbach), Leipzig 1930; Das Wunschkind. Roman (2 Bde), Stuttgart 1930, (in einem Band) 2 ff1931 ff., neue Auflagen: Köln 1934, Berlin 1934, Stuttgart 1936, 1939, 1940, 1941, 1942, 1944 (auch als Frontbuch-Ausgabe), 1945, 1946, Köln 1948, Stuttgart 1949, Stuttgart/Gütersloh 1950, 1951, Gütersloh 1952, Stuttgart/Hamburg 1953, Köln 1953, Stuttgart/Darmstadt 1955 ff., Frankfurt/Berlin 1987, engl. Übers. von G. Dunning Gribble, London/New York 1935, finnische Übers. von Lauri Hirvensalo, Porvoo 1+21942, 31953, 41954, französische Übersetzung von Edith Vincent, Paris 1942, Verviers 1954, ital. Übers. von Marietta Frangelo, Mailand 1942, niederl. Übers. von T. de Ridder, Amsterdam 1933, 21938, 31943, norweg. Übers. von Stephan Tschudi, Oslo 1942, tschech. Übers. von Jarmila Urbánková, Prag 1941, 21941/42, ungar. Übers. von Kosáryné Réz Lola, Budapest 1941, 21942; Albert Talhoffs »Totenmal«. Zur Münchener Uraufführung, in: Münchener NN, Juli 1930; Osel, Urd und Schummei, Skizze, in: Velhagen und Klasings Monatshefte, 45. Jg. 1930, Bd. 2, 393 ff.; Das Geheimnis, Berlin 1931; Das Wunschkind. Vorspiel zu einem Roman, in: Haushalt, Wirtschaft, Lebensführung 1931; Die Entwicklung der Friedensbewegung in Europa bis zur Entscheidungsstunde der Gegenwart, in: Die Frau, 39. Jg. 1932, 193 ff.; Goethe und die Frau, in: Die Frau, 39. Jg. 1932, 735 ff.; Sinn und Berechtigung des Preußentums im deutschen geistigen Raum, in: Deutche Rundschau, 58. Jg. 1932, H. 8, 83 ff.; Der Weg ohne Wahl, Roman, Stuttgart 1933, 2 ff1935 ff., 1940, Hamburg/Berlin 1954, niederl. Übers. von T. de Ridder, Amsterdam 1935, 21938, ungarische Übers. von Lány Viktor, Budapest 1944; Lulu von Straß und Torney und ihre Welt, in: Diederichs Löwe, 5. Folge 1933, H. 6, 156 ff.; Mein Erlebnis mit Adalbert Stifter, in: Eckart, Bd. IX, 1933, 209; Die Gemeinschaft der geistig Schaffenden Deutschlands. Eine Rundfrage zum Tag des Buches, in: Die literarische Welt, 9. Jg. 1933, Nr. 11/12, 17.3.1933; Dichter, Volkstum und Sprache. Ausgewählte Vorgänge und Aufsätze, Stuttgart 1934; Luise, Königin von Preussen. Bericht über ihr Leben, Königstein 1934; Die zwiespältige Beschaffenheit des buchhändlerischen Berufes, in: Börsenblatt für den deutschen Buchhandel, Leipzig 101. Jg. 6.1.1934; Wege zu Gott, in: Eckart, Jg. 1934, 372; Irene Forbes-Mosse, Zum 70. Geburtstag der Dichterin am 5. August 1934, in: FZ, 4.8.1934; Erinnerung, in: Die Literarische Welt, 10. Jg. 1934, Nr. 32, 13; Posthumes Portrait (Susanne Trautwein), in: Die Literatur, 36. Jg. 1934, 558 ff.; Dichter, Volkstum und Sprache, in: Die Literatur, 36. Jg. 1936; Das Russische Abenteuer und ausgewählte Gedichte (mit einer Einführung von Wilhelm Dietrich), Paderborn 1935, 21954; Meine Kindheit und Jugend. Ursprung, Erbteil und Weg, Stuttgart 1935, 21941; Wie mein Roman »Das Wunschkind« entstand, in: Schule der Freiheit, II. Beilage 1935, 40 ff.; Spuk in des Wassermanns Haus. Novellen, mit einem autobiogr. Nachwort, Leipzig 1936, 2Stuttgart 1950; Willy Seidels letztes Jahr, in: Die Literatur, 38. Jg. 1936, 512 ff.; Die Stunde des Christentums, in: Die Gemeinde, Jg. 1936, 287 ff.; Gesammelte Gedichte, Stuttgart 1937; Lennacker. Das Buch einer Heimkehr, Stuttgart 1938, 21939, 31940, 41941, 51946, Auswahl: London 1947, neue Auflagen: Stuttgart 1948, 1951, 1952, 1955, dänische Über. von Ingeborg Gad, Kopenhagen 1943, 21944, finnische Übers. von Helka Varho, Porvoo 1943, 21955, niederl. Übers. von A. Tielemann, Kampen 1941, 21946, norweg. Übers. von Olof Lagercrantz und Inga Lindholm, Stockholm 1940, 21941; Verse, in: Das Gedicht, 4. Jg., 1938, 6. Folge; Lesen ein Leben lang, in: Der Bücherwurm, 24. Jg. 1939, 100 ff.; Unser Freund Peregrin. Aufzeichnungen des Jürgen Brook, Erzählungen, Stuttgart 1940, 21943, 31946, 41950, 5Berlin/Darmstadt 1954, Neue Auflagen Stuttgart 1955 ff., flämische Übers. von Remy de Mynck, Antwerpen 1942, franz. Übers. von Edith Vincent, Brüssel 1944, niederl. Übers. von R. de Mynck, Antwerpen 1943, schwedische Übers. von Olof Lagercrantz, Stockholm 1941; Gedichte, München 1941; Clemens Brentanos Münchener Jahre, in: Die Propyläen, 39. Jg. 1941, 81 ff.; Achim von Arnim (Die Dichter der Deutschen), Stuttgart 1944; Bettina (Die Dichter der Deutschen), Stuttgart 1944, 21948; Clemens Brentano (Die Dichter der Deutschen), Stuttgart 1944, 21948; Gedichte, in: Der Burglöwe, Jg. 1944, H. 16; Die Vogelstube, Stuttgart 1946; Hermann Seidel, Tagebuch einer Jugend, in: Rheinischer Merkur, 2. Jg. 1947, Nr. 40, 5 ff.; Bei den Sybillen, den Königinnen. Über Annette von Droste-Hülshoff und Ricarda Huch, in: Jb der Droste-Gesellschaft, Bd. 2, 1948, 17 ff.; Der traurige Jahrmarkt. Begegnungen mit Würzburg, in: Merian, Jg. 1948, H. 1, 25 ff.; Die Volksdichterin Anna Luise Karsch, in: Schlesisches Himmelreich, Jg. 1948, 68; Gedichte. Eine Auswahl, Stuttgart 1949; Der vergrabene Schatz, München 1949; Bekränztes Jahr, in: Kiepenkerk-Jb, Jg. 1949, 103 f.; Osel, Urs und Schummei, Fragmente einer Kindheitsgeschichte, Gütersloh 1950 (wieder veröffentl. und erweitert unter dem Titel »Vor Tau und Tag«, Stuttgart 1962); Philippus Sebastian Lennacker (Ausschnitte), Paderborn 1950; Meine Vaterstadt (Braunschweig), in: Merian, 3. Jg. 1950, H. 3, 3 ff.; Stationen meines Lebens, in. NZ, Hannover, 15.9.1950; Das Tor in der Frühe. Roman einer Jugend, Stuttgart 1952; Die Geschichte einer Frau Berngruber. Erzählung, Gütersloh 1953, 21955; Die Versuchung des Briefträgers Federweiß. Erzählung, München 1953, 2Graz/Wien 1954; Ein erratischer Mensch: Ernst Lissauer zum Gedächtnis, in: Freude an Büchern, 4. Jg. 1953, 80 f.; Irene Forbes-Mosse, in: Welt und Wort, 8. Jg. 1953, 294 ff.; Das unverwesliche Erbe. Roman, Stuttgart 1954, 21955; (mit H.W. Seidel). Die Orange, Düsseldorf 1954; Vorbemerkung zu dem Tagebuch aus dem Nachlaß von Willy Seidel, in: Akzente, Nr. 3, 1954, 257; Die Fahrt in den Abend, in: Merkur, H. 74-76, 1954; Dank an Bayern. Lesung anläßlich ihres 70. Geburtstages, Starnberg 1955; Die Fahrt in den Abend. Erzählung, Stuttgart 1955; Gedichte. Festgabe zum 70. Geburtstag der Dichterin, Stuttgart 1955; Der verlorene Garten, Braunschweig 1955; Über die Entstehung meines Buches Lennacker, in: Die Gemeinde, Lübeck, 18.9.1955; Frühe Begegnung (Marburg), in: Merian, Jg. 1955, H. 5; Michaela. Die Aufzeichnungen des Jürgen Brook, Stuttgart 1959; Drei Städte meiner Jugend, Stuttgart 1960; Berlin, ich vergesse dich nicht, Stuttgart 1962; Quartett. Erzählungen, Stuttgart 1963; Die alte Dame und der Schmetterling, Stuttgart 1964; Ricarda Huch. Rede zum hundertsten Geburtstag (Festvortrag zur Jahressitzung der Bayerischen Akademie der Schönen Künste im Prinz Carl-Palais München, 10. Juli 1964, hrsg. von der Bayerischen Akademie der Schönen Künste, München 1964; Frau und Wort, Ausgewählte Betrachtungen und Aufsätze, Stuttgart 1965; Lebensbericht 1885-1923. Eine Autobiographie, Stuttgart 1970; Sommertage, Stuttgart 1973; Trost. Mit einer Interpretation von Peter Wapnewski, in: FAZ, Nr. 243, 19.10.1974; Aus den Schwarzen Wachstuchheften. Monologe, Notizen, Fragmente (hrsg. von Christian Ferber [= Georg Seidel], Stuttgart 1980.
Herausgeberin: Herz zum Hafen. Frauengedichte der Gegenwart, hrsg. mit E. Langgässer, Leipzig 1933; Die Lyrikerin Ricarda Huch. Ricarda Huch in Darstellungen ihrer Freunde, Berlin 1934; Willy Seidel, Der Tod des Achilleus und andere Erzählungen. Nebst Briefen und Gedichten aus dem Nachlaß mit einer biographischen Einleitung, Stuttgart 1936; Deutsche Frauen. Bildnisse und Lebensbeschreibungen, mit einer Einleitung hrsg. von I. Seidel, Berlin 1939; Dienende Herzen, Kriegsbriefe von Nachrichtenhelferinnen des Heeres, mit einem Vorwort von Ina Seidel, Berlin 1942; Briefe der Deutschen aus einem Jahrtausend, mit einer Einführung von Ina Seidel, Leipzig 1944; Heinrich Wolfgang Seidel, Aus dem Tagebuch der Gedanken und Träume, München 1946; Clemens Brentano und Bettina von Arnim. Geschwisterbriefe, München 1948; Andreas Gryphius, Gedichte, mit einem Nachwort hrsg. von Ina Seidel, Stuttgart 1949; Thomas Wolfe, Briefe an die Mutter, übersetzt und hrsg. von Ina Seidel, München 1949; Heinrich Wolfgang Seidel, Drei Stunden hinter Berlin. Briefe aus dem Vikariat 1902, Gütersloh 1951, 2Göttingen 1954, 31961; Ders., Um die Jahrhundertwende. Jugendbriefe, Gütersloh 1952; Emmy Seidel, Unvergeßliches Riga, hrsg. und eingeleitet von Ina Seidel, Bovenden 1955; Ricarda Huch, Die großen Deutschen, Bd. 4, 1957; Heinrich Wolfgang Seidel, Briefe 1934-1944, Gütersloh 1964.
Bibliographie: Ernst Mettmann, in: Hans Brandenburg, Ina Seidel, in: Die neue Literatur 32, August 1931, 358-367; Ina Seidel. 15. IX. 1885. Festgabe der Deutchen Verlagsanstalt zum 65. Geburtstag. Lebensbericht, Buchanzeigen und Bibliographie, Stuttgart 1950; Gerhard Schäfer, Bibliographie, in: Karl August Horst, Ina Seidel, Wesen und Werk, Stuttgart 1956, 167-194; Kürschners Literaturkalender 56, 1973.
Lit.: B. von Münchhausen, Eine neue Dichterin, in: Leipziger Neueste Nachrichten, August 1914; - K. Busse, Stimme im Sturm: Ina Seidel, in: Neue Freie Presse, Wien, 31.8.1915; - Ernst Lissauer, Ina Seidel, in: Neues Frauenleben 1916, 190 ff.; - Julius Bab, Ina Seidel, in: Die Neue Rundschau, 27. Jg. 1916, 1149 ff.; - A. Biese, Weltinnigkeit, in: Konservative Monatsschrift, 76. Jg. 1919, H. 10; - Two German women poets: Lulu von Strauss und Torney and Ina Seidel, in: The Athenaeum, Jg. 1920, Teil II, London 1920, 190; - P. Friedrich, Ina Seidel. Eine neue lyrische Dichterin, in: Deutsche Zeitung, Berlin 7.3.1922; - P. Bauer, Ina Seidel, in: Bücherwelt, 21. Jg. 1924, 94 ff.; - Heinrich Spiero, Ina Seidel, in: Eckart, 1. Jg., H. 1, 1924, 12; - A. Alverdes, Ina Seidel, in: Der Vorhof, 21. Jg. 1924, H. 8, 33 ff.; - W. Kühlborn, Ins Seidel, in: Der Bergfried, Jg. 1925, H. 5, 89 ff.; - M. Roehl, Ina Seidel, in: Hannoverscher Kurier, Literarische Beilage, 6.9.1925; - L. 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Zu Ina Seidels Büchern »Lennacker« und »Das unverwesliche Erbe«, in: Informationsblatt für die Gemeinden in den Niederdeutschen Lutherischen Landeskirchen, o.J. [1958]; - K. Ihlenfeld, Zeitgesicht, 1961, 442-447; - Wilhelm Jacobs, Art. »Seidel, Ina«, in: RGG3, Bd. 5, Tübingen 1961, 1654; - Ina Seidel, in: Albert Soergel/Curt Hohoff, Dichtung und Dichter der Zeit, Düsseldorf 1963, 790; - Joseph Wulf, Literatur und Dichtung im Dritten Reich. Eine Dokumentation, Gütersloh 1963 (bes. 352 f.); - »Ina Seidel«, in: Willi Fehse, Von Goethe bis Grass. Biographische Portrais zur Literatur, Bielefeld 1963, 112; - Art. »Seidel, Ina«, in: Kindlers Literaturlexikon, Bd. 4, Zürich 1964, 1235 f.; - Werner Wien, Die ersten und die letzten Bilder. Ina Seidel zum 80. 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Zum Tod der Schriftstellerin Ina Seidel, in: Presse, Nr. 7955, 7.10.1974, 5; - Curt Hohoff, Die heilbare Welt. Zum Tod der Dichterin Ina Seidel, in: Rhein. Merkur, Nr. 41, 11.10.1974, 16; - A. Brinkmann, Nachruf auf eine Dichterin. Ina Seidel, in: BK, Nr. 41, 12.10.1974, 21; - Art. »Seidel, Ina«, in: Gero von Wilpert (Hrsg.), Lexikon der Weltliteratur, Bd. 1 (Autoren), Stuttgart 21975, 1474; - Christian Ferber [= Georg Seidel], Die Seidels. Geschichte einer bürgerlichen Familie 1811-1977, Stuttgart 1977; - Klaus Harpprecht, »Auf chronische Weise deutsch« (über Ina Seidels Roman »Das Wunschkind«), in: FAZ, 14.11.1980; - Art. »Seidel, Ina«, in: dtv-Lexikon, Bd. 16, München 1980, 300; - Annemarie Weber, Zeit-Zeichen (Rundfunksendung des WDR): Ina Seidel, 2.10.1989; - Irmgard Hölscher, Geschichtskonstruktion und Weiblichkeitsbilder in Ina Seidels Roman »Das Wunschkind«, in: Barbara Determann, Ulrike Hammer, Doron Kiesel (Hrsg.), Verdeckte Überlieferungen. Weiblichkeitsbilder zwischen Weimarer Republik, Nationalsozialismus und Fünfziger Jahren (Arnholdshainer Texte, Bd. 68), 41-81; - Regina Dackweiler, Rezeptionsgeschichte von Ina Seidels Roman »Das Wunschkind«, in: Barbara Determann, Ulrike Hammer, Doron Kiesel (Hrsg.), Verdeckte Überlieferungen. Weiblichkeitsbilder zwischen Weimarer Republik, Nationalsozialismus und Fünfziger Jahren (Arnholdshainer Texte, Bd. 68), 83-104.
Peter Noss
Literaturergänzung:
Jan-Pieter Barbian, Inneneinsichten aus d. Dritten Reich. I.S.s Roman "Michaela. Aufzeichnungen des Jürgen Brook" (1959), in: Aus d. Antiquariat 2006, Nr.1, S. 15-28.
Letzte Änderung: 23.02.2006