SERGIUS IV., Papst, (1009-1012), als Sohn des Schuhmachers Petrus und dessen Frau Stephania geboren in Rom/Bezirk Ad Pinea, + 12.5. 1012, hieß selbst ursprünglich Petrus mit dem Spitznamen Bucca Porci (»Schweineschnauze«). Als S. 1009 Papst Johannes XVIII. nachfolgte, war er bereits fünf Jahre Bischof von Albano gewesen. Zwar bleiben die Umstände seiner Berufung unklar, doch verdankte er sie - wie schon sein Vorgänger Johannes XVIII. - dem römischen Patrizier Johannes II. Crescentius, der 1003-1012 als absoluter Herrscher in Rom regierte. Aus Ehrfurcht vor dem hl. Petrus legte S. seinen Geburtsnamen ab. - S. unterhielt Beziehungen zu Heinrich II. von Deutschland (1002-1024) und schickte im April 1012 eine Delegation zur Teilnahme an der Weihe des Bamberger Doms. Ebenso ratifizierte er die Privilegien, die Johannes XVIII. der Stadt Bamberg zugesprochen hatte. Ein Besuch Heinrichs II. auf Einladung des S. scheiterte nicht nur an der politischen Situation in Deutschland, sondern auch an dem kompromißlosen Widerstand des Patriziers Crescentius. Auf Wunsch des Merseburger Bischofs Thietmar (975- 1018) bestätigte S. 1009 die Besitzungen der kurz zuvor wiederhergestellten Diözese Merseburg. - Weitere verläßliche Informationen über die Tätigkeit des S. sind nicht bekannt. Gemäß einer Überlieferung entfernte zwar der byzantinische Patriarch Sergios II. (1001- 1019) nach vorübergehender Anerkennung Johannes XVIII. den Namen des Papstes aus den Diptychen in Konstantinopel; die These jedoch, daß S. selbst dafür verantwortlich gewesen sei, weil er im Zusammenhang mit der Ankündigung seiner Wahl ein Glaubensbekenntnis mit der Formulierung Filioque nach Konstantinopel sandte, ist nicht ernstzunehmen. Um eine Fälschung handelt es sich bei einer Enzyklika, in der S. zu einem Vergeltungsfeldzug für die Zerstörung des Grabes Christi in Jerusalem durch den Kalifen al-Hakim (18.10. 1009) aufgerufen haben soll. Wahr ist lediglich, daß während des Pontifikats des S. die Nachricht von der Zerstörung des Hl. Grabes Rom erschütterte; davon unabhängig bemühte sich S., die italienischen Staaten zur Vertreibung der Araber aus Sizilien zu bewegen. - Der Tod sowohl des S. als auch des Patriziers Crescentius (18.5. 1012) innerhalb einer Woche, die politischen Unruhen der Zeit sowie die unmittelbar darauf folgende Wahl eines Papstes aus einer rivalisierenden tuskischen Familie legen den Verdacht nahe, daß S. wie auch Crescentius ermordet worden sein könnten. Sein Pontifikat währte vom 31.7. 1009-12.05. 1012. Der Leichnam S.' liegt in der Lateranbasilika in Rom begraben.
Lit.: LibPont Bd. 2, 266-267; - Jaffé Bd. 1, 504-505; - H. Zimmermann, Papstregesten 911-1024, in: J.F. Böhmer, Regesta Imperii, Graz u.a. 1969, 409-424; - MPL Bd. 139, 1499-1528; - A. Gieystor, The Genesis of the Crusades. The Encyclical of Sergius IV., in: Medievalia et Humanistica 5 (1948) 3-34; - Mann Bd. 5, 142-154; - J. Gay, Les papes du XIe siècle et le chrétienné, Paris 1926; - C. Erdmann, Die Entstehung des Kreuzugsgedankens, Stuttgart 1965, Nachdr. 1955, 102-106; - Seppelt Bd. 2, 401-402; - J.N.D. Kelly, Reclams Lexikon der Päpste, Stuttgart 1988, 155-156; - DThC XIV, 1921-1922; - LThK IX, 689.