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Band IX (1995)Spalten 1512-1513 Autor: Johannes Madey

SEVEROLI, Antonio Gabriele Graf von (Conte di), Kardinal. * 28.2. 1757 in Faënza, + 8.9. 1824 in Rom. Er machte seine Studien an der Accademia ecclesiastica in Rom. Im Jahre 1779 kehrte er nach Faënza zurück, wo er die Priesterweihe empfing. Danach wurde er bald bischöflicher Generalvikar. Am 23.4.1787 erwählte ihn Papst Pius VI. zum Bischof von Fano. Papst Pius VII. lernte S. nach seiner Wahl zum Papst auf der Reise von Venedig nach Rom kennen. Im Jahre 1801 ernannte er ihn zum Nuntius in Wien und verlieh ihm die Würde eines Titularerzbischofs von Petra. S. begab sich 1802 in die Kaiserstadt, wo er es schnell mit sehr schwierigen und delikaten Problemen zu tun bekam. Der Wiener Hof, vor allem der Minister Graf Cobenzl, war vom Josephinismus geprägt und duldete keinerlei Einmischung Roms in kirchliche Angelegenheiten. Da S. in dieser Beziehung nach Auffassung des Ministers zu aktiv war, verlangte er seine Ablösung, worauf der römische Apostolische Stuhl allerdings nicht einging. Nach der Ablösung Cobenzls im Jahre 1805 verbesserte sich die Lage für S., vor allem, nachdem C.W.L. v. Metternich 1809 an die Macht gekommen war. Obwohl S. im Jahre 1808 zum Bischof von Viterbo ernannt worden war, blieb er in Wien auf Wunsch v. Metternichs. Er führte Verhandlungen über die kirchliche Neuordnung in Deutschland nach der Säkularisation, über die Lage der polnischen Katholiken im russischen Teilungsgebiet Polens sowie über die Ehe Napoleons mit Marie Louise. Auch während der Zeit der Deportation von Papst Pius VII. wirkte S. in Wien. Es gelang ihm jedoch nicht, sich dem Einfluß gewisser Kreise des kaiserlichen Hofes zu entziehen, die unter dem Vorwand einer stärkeren Verbindung von Thron und Altar rein politische Ziele verfolgten, die auf eine völlige Unterordnung der kirchlichen unter die staatliche Gewalt sowie auf eine Stärkung des österreichischen Einflusses in Italien abzielten. Auch nach der Veröffentlichung des Motu proprio von 1816 blieb S. zum Verdruß des Kardinals Consalvi ein Sprachrohr mancher Kritik der kaiserlichen Kanzlei an der Politik der römischen Kurie. Dies führte zu einer starken Abkühlung der Beziehungen S.s mit dem päpstlichen Staatssekretariat. Am 8.3.1816 wurde S. zum Kardinal erwählt. Er verließ deshalb 1817 Wien und übernahm die vereinigten Bistümer Viterbo und Toscanello. Im Konklave von 1823 war er der Kandidat der Partei der »Zelanti«, die im Gegensatz zu Consalvi stand, jedoch ein kaiserliches Veto, das seine Begründung sicherlich in S.s. Widerstand gegen die josephinische Kirchenpolitik hatte, schloß ihn als Papstwahlkandidat aus; es gelang ihm aber seinen Kandidaten, Annibale della Genga, der den Papstnamen Leo XII. annahm, durchzusetzen.

Lit.: G. Moroni, Dizionario di erudizione storico-ecclesiastica da S. Pietro ai nostri giorni, Venedig 1840-1861, LXV, 48-54; - I. Rinieri, La secolarizzazione degli Stati ecclesiastici di Germania, Rom 1906, passim; - E. Eisler, Das Veto der katholischen Staaten bei der Papstwahl, Wien 1907, 225-232; - A. Boudon, Le Saint-Siège et la Russie, Paris 1922, I, passim; - J. Schmidlin, Papstgeschichte der neueren Zeit, München 1933, I, passim, bes. 369-373; - M. Petrochhi, La Restaurauzione, il card. Consalvi e la riforma del 1816, Florenz 1941, bes. 81-106; - E. Winter, Der Josephinismus und seine Geschichte, Brünn-München-Wien 1943, 283-288, 297 ff., 307.; Berlin 21962, 213-216, 222 ff., 230; - A. Hudal, Der Wiener Nuntius S. und der Spätjosephinismus, in: Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung 63 (1955), 484-499; - F. Maaß, Der Josephinismus, Quellen zu seiner Geschichte in Österreich, Wien 1961 ff., IV, 52-74, 101 f.; V, 17; - H. Jedin (Hrsg.), Handbuch der Kirchengeschichte, Freiburg-Basel-Wien 1971/1985, VI/1, 117, 119, 125, 265; - ECatt XI, 467-469; - LThK 2IX, 701 f.; - Encyclopedic Dictionary of Religion, Philadelphia-Washington, D.C., 1979, 3271 f.

Johannes Madey

Letzte Änderung: 15.03.1999