SFORZA, Ascanio Maria, Kardinal, * 3. März 1455 als sechster Sohn Francesco Sforzas und Bianca Maria Viscontis. + 27. Mai 1505 in Rom. - Im September 1479 wurde er zum Administrator von Pavia, im Oktober 1484 und erneut 1504 von Novara, im August 1486 von Cremona und 1487 von Pesaro bestellt. Am 6./ 17. März 1484 verlieh ihm Sixtus IV., nachdem seine Ernennung bereits seit 1476 betrieben worden und er schon 1477 Anwärter gewesen war, als erstem Mitglied der Familie Sforza den Kardinalshut. Damit war in seiner Person die Familie Sforza auch im kirchlichen Bereich in der obersten Spitze vertreten und hatte damit auch in dieser Hinsicht mit den führenden italienischen Adelsfamilien gleichgezogen. A. M. S. zählte zu den politisch einflußreichsten Kardinälen an der Kurie und stand bei den Papstwahlen der folgenden Zeit selbst mehrmals als möglicher Kandidat zur Debatte. 1492 war er maßgeblich an der Wahl Alexanders VI. beteiligt und wurde von diesem zum Dank dafür zum Vizekanzler der Kirche ernannt. Dadurch stieg er zum einflußreichsten Mann nach dem Papst an der Kurie empor und hielt in Rom im Stil der Renaissance prunkvoll Hof. In politischer Hinsicht kooperierte er aufs engste mit seinem Bruder Ludovico Maria Sforza. Er unterstützte ihn 1479 in seinem Bestreben, in Mailand die Regentschaft für den unmündigen Gian Galeazzo Sforza an sich zu reißen. Er war das Instrument, mit dem Ludovico Maria Sforza seinen Einfluß an der Kurie geltend machte. Aufgrund dieser engen Verbindung wurde A. M. S. auch mit in den Untergang Ludovico Maria Sforzas hineingerissen. Im September 1499 floh er mit ihm vor den Mailand erobernden Franzosen nach Innsbruck, am 2. Februar 1500 zog er wieder in Mailand ein und übernahm das Kommando über die Stadt. Nach der Gefangennahme Ludovico Maria Sforzas durch die Franzosen wurde A. M. S. im April 1500 bei Piacenca von den Venezianern gefangen und an die Franzosen ausgeliefert, die ihn bis 1503 in Bourges gefangenhielten und nur gegen das Versprechen freiließen, im bevorstehenden Konklave dem Kardinal George d'Amboise die Stimme zu geben. A. M. S. kann als Typ der hochkultivierten, aber verschwenderischen und sittlich korrumpierten Renaissanceprälaten gelten.
Lit.: Ludwig von Pastor, Geschichte der Päpste seit dem Ausgang des Mittelalters, Bd. 3, 8-91926; - Storia di Milano, Bd. 7, 1956; - Klaus Schelle, Die Sforza. Bauern-Condottieri-Herzöge. Geschichte einer Renaissancefamilie, 1980; - Gary Ianziti, Sforza, in: Volker Reinhardt (Hrsg.), Die großen Familien Italiens (Kröners Taschenausgabe 485), 1992, 501-515; - EItal, XXXI, 575; - Lessico Universale Italiano di lingua lettere arti szienze e tecnica, XX, 1978, 668-670.