STERNE, Laurence, * 24.11. 1713 Clonmel (irische Grafschaft Tipperary), † 18.3. 1768 London, englischer Erzähler (anglikanischer Geistlicher). - St.s Vater Roger (* 1692?), Enkel des Erzbischofs von York Richard St. (1596?-1687), hatte sich außerhalb der Tradition seiner respektablen Familie gestellt, als er 1708 mit 16 Jahren in das 34. Infanterieregiment (Cumberland) eintrat, das auf dem Weg von Spanien nach Schottland war, wo die Invasion des Kronprätendenten James Edward Stuart (1688-1766) drohte. Als Junior Infantry Officer (ab 1710 Fähnrich) focht er in vielen Schlachten des Spanischen Erbfolgekrieges (1701-1714). Während Marlboroughs niederländischem Feldzug, der dem Frieden von Utrecht (11.4. 1713) vorausging, heiratete er am 25.9./6.10. 1711 in Flandern - nach Ansicht seiner Familie törichterweise - die irische Hauptmannswitwe Agnes Hebert (Tochter oder Schwiegertochter eines Marketenders, bei dem er Schulden hatte), die gleichwohl sozial weit unter ihm stand. Nach Großbritanniens Ausscheiden aus dem Krieg kehrte das Regiment nach Irland zurück, wo L. geboren wurde. (Am 10.7. 1712 war in Lille seine Schwester Mary zur Welt gekommen; Ende 1715 folgte Joram, der im vierten Lebensjahr starb; zwei Monate später, am 23.9. 1719, wurde Anne geboren, die nach wenigen Jahren in Dublin starb; der lt. Thomson [Th.] S. 85 etwa im April 1720 geborene Bruder Devijeher müßte demnach ein Sieben-Monate-Kind gewesen sein. Er starb mit drei Jahren in Carrickfergus (nö. Belfast), bald darauf auch sein Schwesterchen Susan; 1723 kam in Londonderry Schwester Catherine zur Welt, die von L. später schmählich behandelt wurde). Seine frühen Jahre verbrachte L., überwiegend in Armut, in verschiedenen englischen und irischen Garnisonen des Vaters, der am 31.7. 1731 auf Jamaica am Fieber starb, nachdem er vier Monate zuvor noch zum Leutnant befördert worden war. Schon lange davor hatte sich die Familie des Vaters L.s angenommen und schickte den Zehnjährigen 1723 auf die Schule in Hipperholme bei Halifax (Yorkshire), wo er bis etwa 1731 blieb. Deren gütiger Lehrer Nathan Sharpe war ein entfernter Verwandter, und L.s wohlhabender Onkel Richard St. (ca. 1680-Okt. 1732), dessen Landgut in der Nähe lag, kümmerte sich um ihn (wenngleich er ihn nicht in seinem Testament bedachte). L. wuchs zu einem langen, dünnen Jungen heran, mit einer langen Nase, aber einem sympathischen Gesicht. Nach des Vaters Tod stand er mittellos dar, und dies ist vielleicht ein Grund dafür, daß zwischen dem Ende der Schulzeit und dem Studienbeginn ein Zeitraum von etwa 18 Monaten liegt, über den uns - wie öfters in St.s Leben - nichts bekannt ist. Durch die Beziehungen seiner Familie und speziell die Unterstützung seines Vetters Richard St. (ca. 1707-1744) konnte er im Juli 1733 in das Jesus College in Cambridge eintreten, dessen Master der Urgroßvater Richard St. einmal gewesen war, dessen Ruf aber (wie der der anderen Colleges in Cambridge und Oxford) inzwischen sehr gelitten hatte; jetziger Master (seit 1701) war der Patrist Dr. Charles Ashton (1665-1752). Obwohl nur "Sizar" (Armenstipendiat, der dafür als Bursche besser gestellter Studenten fungierte), freundete er sich mit dem fünf Jahre jüngeren Großgrundbesitzerssohn John Hall (1718-1785) an, der 1735 in das College eintrat und dem er zeitlebens verbunden blieb. Auf Grund einer angeb-lichen, sehr entfernten Verwandtschaft, die aber auch imaginär gewesen sein kann, redeten sich beide mit "Cousin" an. Hall entwickelte sich zu einem Landedelmann und Poetaster, dessen einziges Lebensziel sein Vergnügen war, einem Dandy und "Wit" also, der mit St. eine Vorliebe für Rabelais'sche Literatur und für derbe Witze und Zoten ("Pornographie" sagen einige Autoren) hatte. (Zu Rabelais [ca. 1490-1533], den beide schon in Cambridge lasen und der St. als Satiriker wie als Stilist beeinflußte, s. BBKL VII). Daher ist es mir ein Rätsel, daß ausgerechnet Hall in dem weisen Ratgeber Eugenius in "Tristram Shandy" ["Tr. Sh."] dargestellt sein soll, wie immer wieder behauptet wird, wenngleich G. Petrie [s. u. Werke] dies als besondere Ironie St.s bezeichnet. Seine Tutoren waren Charles Cannon (gest. 1735) und Lynford Caryl. Auf Grund der bekannten Curricula ist anzunehmen, daß St. Philosophie, klassische Philologie und Theologie studierte; doch war der prägende Einfluß der Universität auf ihn relativ gering. Auch graduierte er nicht in Theologie, sondern schloß das Studium am 14.1. 1737 mit dem Bachelor of Arts (B. A.) ab. Am 6.3. 1737 wurde er vom anglikanischen Bischof von Lincoln, Richard Reynolds (1674-1743), in [dessen Privat-]Kapelle in Buckden Palace (Huntingdonshire) zum Diakon geweiht. Zunächst Kurat in St. Ives (ebd.), erhielt er im Februar 1738 die Kuratie in Catton (7 Meilen südöstlich York). Auf die Priesterweihe (Ordination) am 20.8. 1738 durch den Bischof von Chester in der dortigen Kathedrale folgte vier Tage später die Berufung zum "Vicar" (Pfarrer) in Sutton-on-the-Forest (12 km nördlich York), wobei seine Familienbeziehungen - Onkel Jacques St. (1695/96-1759) war Domkantor und Erzdiakon der Erzdiözese York - möglicherweise eine Rolle spielten. (Die ihm von seiner Familie gewährten Unterstützungen mußte er zurückzahlen, als er in Amt und Würden war). Allerdings führte er nicht das exemplarische Leben eines Landpfarrers, das Oliver Goldsmith (1730-1774) im "Vicar of Wakefield" (1766) beschreiben sollte, sondern gab sich zahlreichen, auch amourösen, Zerstreuungen in York hin. Dennoch erfüllte er seine Funktionen gewissenhafter als viele seiner Amtsbrüder. 1740 erwarb er den Magister Artium (M. A.) in Cambridge (also wiederum keinen theologischen Grad). Im Februar desselben Jahres traute er seinen Freund John Hall, der die reiche Erbin Anne Stevenson heiratete, sich hinfort Hall-Stevenson nannte und nach St.s Erfolg zahlreiche zotige Veröffentlichungen auf den Markt brachte. Er wohnte auf Skelton Castle bzw. Skelton Hall in der Grafschaft Cleveland (östlich Middlesbrough, etwa 56 km nördlich Sutton), das seine Mutter 1745 geerbt hatte und das er "Crazy Castle" nannte. Dort sammelte er einen Kreis lebenslustiger Freunde um sich, der sich "die Besessenen" ("the demoniacks") nannte und deren Hauptbeschäftigung nächtliche Saufgelage und das Erzählen obszöner Witze war. (Ob sie auch schwarze Magie betrieben, wie vermutet wurde, ist ungewiß). St. war dort öfter zu Gast. - Als St.s Onkel Jacques, ein überzeugter Whig, im Zusammenhang mit der Unterhauswahl von 1741/42 als Konkurrenz zu dem sich in Toryhand befindenden Yorker Wochenblatt "Courant" die Zeitung "Gazetteer" gegründet hatte, machte er L., dessen spitze Zunge und literarische Begabung offensichtlich schon bekannt waren, zu ihrem Hauptpropagandisten. Diesem schmeckte jedoch die Parteipropaganda in keiner Weise, so daß er sich bald mit dem Onkel überwarf und sich mit ihm bzw. seinen Anhängern im "Courant" eine ins Persönliche abgleitende Fehde lieferte, in deren Verlauf er 1742 auch politisch die Seiten wechselte. Ein weiterer Grund für das Zerwürfnis mag gewesen sein, daß er in jener Zeit (evtl. vor seiner Heirat) mit einer Geliebten des Onkels (wohl dessen Haushälterin Sarah Benson) eine Tochter zeugte (die 1795 noch lebte); Jacques jedenfalls versöhnte sich nicht mehr mit ihm, obwohl sie in Kontakt blieben. Am 5.1. 1541, knapp drei Monate vor seiner Hochzeit, erhielt L. zu seinem Pfarramt eine Präbende am Yorker Münster (Pfründe von North Newbald), so daß seine jährlichen Einkünfte sich auf gut 150 Pfund beliefen, er also recht gut versorgt war. - Am 30. März 1741 (Ostermontag) heiratete St. im Yorker Münster die um ein Jahr jüngere(?) und nicht besonders hübsche, erst kurz zuvor von der Schwindsucht genesene Elizabeth (Eliza) Lumley, deren verstorbener Vater Robert Pfarrer einer der reichsten Gemeinden der Erzdiözese gewesen war und der er zwei Jahre lang den Hof gemacht hatte; die Trauung nahm Domdekan Richard Osbaldeston (1690-1764) vor, der einer der frühen Erzieher Georgs III. gewesen war und später Bischof von Carlisle (1747) bzw. von London (1762) wurde; 1760 besuchte er den gerade berühmt gewordenen St. in Coxwold. Durch die 2. Ehe ihrer Großmutter mütterlicherseits war Eliza die Kusine des später zu nennenden "Blaustrumpfs" Elizabeth Montagu geb. Robinson (1720 York-1800 London). Elizas Verwandtschaft war von der Verbindung nicht begeistert, denn St. hatte den Ruf eines Wüstlings, der sich der Ausschweifung hingab. Kurz nach der Hochzeit kam seine Mutter, die von der Heirat mit einer vermögenden Frau erfahren hatte, mit seiner Schwester Catherine von Irland nach Liverpool. Um ihre Weiterreise nach York zu verhindern, fuhr er dorthin, konnte sie aber nicht davon überzeugen, daß er nicht für ihren Lebensunterhalt aufkommen könne. (Die Tatsache, daß er 1741 allein für die Renovierung des Pfarrhauses in Sutton und seine Herrichtung für Eheleute 36 Pfund ausgab - zehn Pfund mehr, als die Witwenrente seiner Mutter betrug - zeigt, daß es eher ein Nicht-Wollen als ein Nicht-Können war). Sie zog mit Catherine nach Chester (wo L. ordiniert worden war), und er unterhielt sie dort fünf Jahre lang unter angeblich großen Opfern und ihren fortwährenden Klagen. Durch einen von Elizas einflußreichen Freunden erhielt St. am 14.3. 1742 (Tag der Einführung) zusätzlich zu Sutton die Pfarrei Stillington (3 km nördlich Sutton), die 40 Pfund pro Jahr abwarf und wo er im Hause von Stephen Croft, dem Bruder des Weinkaufmanns und Altertums-kundlers John Cr. (1732-1820; s. u. passim) ein gern gesehener Gast war; später, 1759, zog er nach Stillington um. Seine Mutter, die wohl von diesem seinem zusätzlichen Einkommen erfahren hatte, schickte darauf Catherine nach York, um Unterstützung zu suchen. Das Ehepaar St. empfahl dem äußerst hübschen Mädchen, eine Stelle als Putzmacherin in London oder eine bei einer der ihnen bekannten Adelsfamilien anzutreten (wobei man sie auch finanziell unterstützen wollte), erhielt aber nur die selbstbewußte Antwort, sie sei die Tochter eines Gentleman und wolle als solche leben. Spätere Nachrichten, daß die Mutter auf Grund ihrer Armut ins Yorker Schuldgefängnis geraten und durch Dritte ausgelöst bzw. dort sogar gestorben sei, ohne vom Sohn Hilfe zu erlangen, sind zwar nicht anderweitig erhärtet, liegen aber doch auf der Linie dessen, wie St. seine Mutter behandelt hat. Wenn er sich dabei von seiner Frau beeinflussen ließ, die er ja nicht gerade heiß und innig liebte, dann nur, weil seine Haltung der Mutter gegenüber sowieso von Gefühllosigkeit geprägt war (echter Liebe war St. nicht fähig). Mit ziemlicher Sicherheit jedenfalls ist St.s Mutter die Mrs. St., die am 5.5. 1759 in der kleinen gotischen Kirche St. Michael le Belfrey gegenüber dem Yorker Münster beigesetzt wurde. - Die Ehe war für L. und Eliza nicht glücklich. Schon am Weißen Sonntag soll St. in schockierender Weise von der Kanzel herab vom Mißerfolg seiner Hochzeitsnacht gesprochen haben. Erst 1745 wurde Mrs. St. erstmals schwanger; die am 1.10. geborene Tochter Lydia starb aber noch am selben oder am folgenden Tag. Eine weitere Tochter folgte, evtl. auch ein Sohn (für dessen Existenz es nur das Zeugnis von Richard Greenwood gibt, der in den 1740er Jahren St.s Diener und Mädchenbeschaffer war); beide starben im Kindesalter. Für beider einziges Kind, das - wenngleich Asthmatikerin - das Erwachsenenalter erreichte, die Tochter Lydia (* 1.12. 1747 Sutton), scheint er jedoch eine große Zuneigung gehabt zu haben. Nachdem seine Verliebtheit verflogen war, begann St. eine lange Reihe ehebrecherischer, zumindest aber ehewidriger Affären (von einigen Biographen als sentimentale Liebesgeschichten oder "small, quiet affairs" heruntergespielt), die Eliza schließlich 1758 zeitweilig um den Verstand brachten. Ob ihr xanthippenhaftes Wesen die Ursache der Liebschaften oder deren Folge war, bedarf noch der Klärung. 1751 hatte sie noch einmal ein (totes) Kind zur Welt gebracht. Danach scheinen die ehelichen Beziehungen der St.s abgebrochen zu sein. So schrieb er im Dezember 1760 an Hall-Stevenson, daß er seiner Frau überdrüssiger sei und sie ihn kranker mache denn je; und 1767, veranlaßt durch einen Anfall einer venerischen Krankheit, vertraute er dem Earl of Shelburne an, er "habe in den letzten fünfzehn Jahren keinen Verkehr mit Frauen gehabt, nicht einmal mit meiner Gattin"! Dabei legen seine Äußerungen, die sich auch in seinen Werken widerspiegeln, die Vermutung nahe, daß er nicht ein Draufgängertyp war, sondern einer jener Möchtegerne, die unter zahlreichen Skrupeln, Minderwertigkeitsgefühlen und Impotenz leiden. So sprachen er oder seine Charaktere mit Frauen meist nur in mehr oder minder offener Zweideutigkeit, durch die er aber - uns heute unverständlich - offenbar "einen enormen emotionellen Druck" ausübte. Und "selbstverständlich" stellte er auch seinen weiblichen Dienstboten nach und ließ sich sexuell nur mit sozial unter ihm stehenden Frauen ein. - Seine Tätigkeit als Pfarrer in Sutton geht in etwa aus dem Visitationsfragebogen hervor, den Erzbischof Thomas Herring (1693-1757), ein Graduierter von St.s College (1713), im Jahr seines Amtsantritts 1743 beantworten ließ. Danach gehörten zu der Pfarrei etwa 120 Familien, für die St. sonntags zwei Gottesdienste hielt und fünfmal im Jahr die Sakramente spendete. Der Religionsunterricht war auf die Fastenzeit beschränkt: Katechismus für alle sonntags in der Kirche, Religionsunterricht für Kinder und Dienstboten sonntagabends drei Stunden lang in seinem Hause - insgesamt also eine nur mäßige Belastung, die ihm beträchtliche Freizeit ließ. So las er sehr viel und steuerte gelegentlich Beiträge zu Zeitungen in York und Umgebung bei. Bei den vierteljährlichen Sitzungen des Kriminalgerichts ergriff er häufiger die Partei ärmerer Leute und redete den gegnerischen "Rechtsgelehrten in Grund und Boden" (Th. 220). Daneben betätigte er sich als Landwirt und kaufte 1744 noch ein Gut in Sutton hinzu; doch war sein Erfolg defizitär, und er gab in den 1750er Jahren Teile seines Landbesitzes auf. In der Frage der Privatisierung ländlichen Gemeinbesitzes mittels der berüchtigten "enclosures", durch die das freie Bauerntum (yeomanry) stark reduziert und in soziale Abhängigkeit gebracht wurde, schlug er sich 1756 allerdings auf die Seite der Großgrundbesitzer. Daneben war er ein begeisterter Jäger, der auch mal seine Gemeinde am Sonntag warten ließ, weil er gerade einen Rebhuhnschwarm gesichtet hatte. Auch mit Musik und Malerei beschäftigte er sich und erlangte beim Kopieren von Porträts eine gewisse Fertigkeit. Das beeinflußte auch sein Schreiben, sei es in der häufigen Verwendung der Terminologie der Malerei, sei es in malerisch-beschreibenden Szenen. Sein Lebensstandard war, nicht zuletzt infolge der Honorare für seine Werke, beträchtlich, und sein Einkommen war etwa zehnmal höher als das der meisten Landarbeiter, die aber immer noch so viel hatten, daß es Fremde in Erstaunen setzte. Was Alkohol- und Tabakgenuß betrifft, lebte St. äußerst abstinent, d. h. er rauchte überhaupt nicht und betrank sich trotz seiner Aufenthalte in Skelton nie. Hinsichtlich seines Gesundheits- bzw. Krankheitszustandes müssen wir uns mit dem unscharfen Begriff "Schwindsucht" begnügen, denn wir kennen keinen seiner Ärzte und haben außer von ihm selbst kaum Beschreibungen von Dritten. Dazu gibt es zwischen einem Anfall in Cambridge 1736 und der Pariser Krise von 1762 keinen Hinweis auf einen Blutsturz, wenngleich er jahrelang unter Bronchialbeschwerden litt. - Als nach dem Weggang Osbaldestons 1747 John Fountayne (1714-1802) Domdekan geworden war, suchte St., der ja mit seinem Onkel weiterhin zerstritten war, seine Freundschaft. Er vertrat F. bei Predigten und verfaßte sogar die Ansprache ("Concio ad Clerum"), die F. 1751 anläßlich seiner Promotion zum Doctor of Divinity (= Dr. theol.) hielt. Dafür erhielt St. im August 1751 das Amt des Kommissars am Peculiar Court (von der bischöflichen Jurisdiktion exemtes Pfarrgericht) von Pickering und Pocklington (ca. 20 km ostsüdostlich von York), das zwar finanziell wenig abwarf, ihm aber eine Position von lokaler Bedeutung verschaffte, die ein Sprungbrett nach oben sein konnte. Sein Hauptwidersacher bei dieser Besetzung war der Cambridge-Absolvent und Jurist Dr. Francis Topham (* 1713), der ein Freund von Jacques St. war und behauptete, der Dekan habe ihm dieses Amt versprochen. Es kam zu einem Eklat, aus dem St. als Sieger hervorging. - In den folgenden Jahren muß eine starke Veränderung in St.s Leben gekommen sein, für die es eine ganze Reihe von Anzeichen gibt: seine mißliche (finanzielle?) Lage, die er seinem Freund und Amtsbruder John Blake (1723-1784), anvertraute (Blake wurde 1756 Pfarrer in Catton [s. o.], 1757 Rektor des königlichen Gymnasiums in York), "die körperliche und emotionale Unsicherheit seiner Familie" (Th. 234), die Probleme mit seiner Mutter, sein jahrelanges Fernbleiben von dem gesellschaftlichen Leben Yorks (selbst seinen Clubbeitrag zahlte er 1750-1756 nicht), die Lücken im Kirchenbuch von Sutton 1754 und das vollständige Fehlen von Einträgen 1757 bis 1759 (Jahr des Umzugs nach Stillington), die Vornahme von Trauungen in Stillington durch den Hilfspfarrer von Crayke u.a.m. In diesen Jahren sind dann m. E. auch die geistigen Anfänge des "Tr. Sh." zu suchen, indem St. das Schreiben als "Sublimierung eines unbefriedigenden...Lebens" entdeckte und als "ein Mittel, das es ihm ermöglichte, mit sich selbst zu sprechen" (Th. 235). Wohl ebenfalls in diese Jahre fällt als literarischer Versuch das Prosastück "A Dream", das kaum mehr als ein Bruchstück ist. - Anfang 1759 war der Streit Fountaynes mit Topham in anderer Form wieder aufgeflammt, und St. suchte dem Dekan durch die Satire "A Political Romance" zu Hilfe zu kommen. Die wenig verhüllte Parodie, bei der Fountayne als "John" ("eine Ehre für sein Amt"), Topham als "Trim" ("ein kleiner, schäbiger... doppelzüngiger Geselle") und St. als "Lorry Slim" ("ein unglücklicher Wicht") erscheinen und der Streit um die Erweiterung von T.s Bestallung in York in eine dörfliche Auseinandersetzung um einen guten warmen Wächtermantel verwandelt ist, ließ St. zwar drucken, verbrannte die meisten der 500 Exemplare aber wieder, da vorsichtige Stimmen ihm von der Veröffentlichung abgeraten hatten; erst nach seinem Tod wurde sie unter dem Titel "The History of a Good Warm Watch-Coat" veröffentlicht. Dieses Fiasko hatte ihm zweierlei gezeigt: erstens daß er vom Domdekan keine weitere Unterstützung zu erwarten hatte und zweitens daß er schreiben und seine Leser zum Lachen bringen konnte. So entschloß er sich, fortan "mein Gehirn [nicht mehr] zum Nutzen anderer Leute einzusetzen" (zit. nach Th. 237), und er begann, im Alter von 45 Jahren, mit der Abfassung von "The Life and Opinions of Tristram Shandy, Gentleman". So war das Jahr 1759 für Großbritannien nicht nur politisch-militärisch äußerst erfolgreich (Europa, Afrika, Indien, Kanada), so daß es plötzlich als Weltmacht dastand - es brachte ihm auch literarisch einen Wendepunkt. Das Manuskript, an dem St. im März mit Hochdruck arbeitete, versuchte er schon im Mai 1759 dem Londoner Buchhändler/Verleger Robert Dodsley (1703-1764; Freund und Verleger Popes), der selbst ein Literat war, für 50 Pfund zu verkaufen. Dabei beschrieb er das Werk als "nicht nur die Schwächen der Wissenschaften bespöttelnd, worin die wahre Pointe des Lächerlichen liegt - sondern auch alles andere, das ich auf meine Weise zum Lachen finde" (zit./übers. nach Baugh 1023). Dodsley schlug vor, das Werk in der didaktischen Form des gerade im April von ihm veröffentlichten "Rasselas" des Dr. Johnson (1709-1784) herauszubringen, woraus glücklicherweise nichts wurde. Auch scheint Dodsley den Inhalt kritisiert zu haben, denn im Laufe des Sommers 1759 befragte St. mehrere Freunde nach ihrer Meinung dazu. Einem von ihnen antwortete er auf den Vorwurf der Leichtfertigkeit, er lasse zwar alle Vorsicht walten, sei jedoch nicht bereit, sein Buch dadurch zu verderben, daß er "seine Atmosphäre und Originalität, die dem Verfasser ähneln müssen", aufgebe. Denn er hatte ja bewußt ein Werk geschaffen, das sich "von allen Büchern der gleichen Art unterscheidet" (zit. nach Th. 247). Auszüge aus dem 1. Band las er auch seinen Freunden in Skelton Hall vor, die - obwohl nicht zimperlich - manche Passagen als zu derb kritisierten. Im Oktober teilte er Dodsley mit, er wolle auf eigene Kosten in York eine kleine Auflage in zwei Bändchen herausbringen und hoffe, daß D. diese dann in London vertreiben werde. So erschien denn Ende Dezember (letzte Dezemberwoche?) 1759 der "Tristram" in York und fand reißenden Absatz; in zwei Tagen waren 200 Exemplare verkauft. Dadurch ermutigt, plante St. jedes Jahr zwei Bände, und zwar bis an sein Lebensende. Noch während der Drucklegung, an der sich der Yorker William Phillips mit 100 Pfund beteiligte, hatte St. die Bekanntschaft der jungen französischen Sängerin Mlle. Catherine (Kitty) de Fourmantel aus London gemacht, die sich im Herbst/Winter 1759/60 mit ihrer Mutter in York aufhielt, wo sie Konzerte gab [für ihre adelige Herkunft spricht auch, daß sie lt. Th. 255 ein "Motto" hatte, d. h. eine Wappendevise]. Er hatte sich sofort Hals über Kopf in sie verliebt, ließ sich öffentlich mit ihr sehen und überschüttete sie mit sentimentalen Briefen und Geschenken. Daß sie die "dear, dear Jenny" des "Tr. Sh." sei, wie immer wieder behauptet wird, ist schon deshalb schwer möglich, weil das Manuskript beim Drucker gewesen sein muß, bevor ihre Freundschaft sich entwickelt hatte. (Die in dieser und ähnlichen, das ganze Werk durchziehenden Wendungen vorkommende "Jenny" [z. B. das prosaische "as my Jenny says"] ist wohl auch nicht die "imaginäre Repräsentation der vollkommenen Gefährtin" (Petrie 619), sondern einfach das, was anderswo "mein Schatz" oder "mein Weiberl" genannt wird). Jedenfalls erlitt Mrs. St., die ja schon ein Jahr zuvor einen Zusammenbruch gehabt hatte, gegen Ende 1759 einen Schlag- und Tochter Lydia vor lauter Aufregung einen Fieberanfall. - Am 1. Januar 1760 legte St. ein Briefkopiar an, in das er auch ältere Briefe (in überarbeiteter Form) aufnahm. Gleich aus dem ersten geht hervor, daß er - und das macht ihn trotz allem sympathisch - sich seiner Schwäche, wie Ovid "ingenii sui amator" zu sein, wohl bewußt war. Man kann sogar sagen, daß St., der ja, wie bereits bemerkt, kein Tatmensch war, sich bei jeder seiner Handlungen und Äußerungen gleichsam neben sich selbst stellte und sich registrierte bzw. sezierte; daß er, je älter er wurde, um so schwerer einem Witz aus dem Weg gehen konnte, so banal (um nicht zu sagen: doof) er auch war; und daß er sich wie unter einem inneren Zwang "outete", in dem gleichzeitigen Wissen, sich damit schaden zu können. Ebenfalls am 1. Januar entwarf St. einen Brief, den "Kitty" unter ihrem Namen an den berühmten Londoner Schauspieler, Dramatiker und Theaterleiter (Drury Lane) David Garrick (1717-1779) richten sollte, um das Buch zu empfehlen. Darin wurde St. als Verfasser genannt, was insofern überrascht, als die ersten vier Bände anonym erschienen. Auch wurde Garrick darüber informiert, daß "die ernsthafteren Leute sagen..., daß es sich für junge Damen nicht schickte, sein Buch zu lesen...jedoch der Adel und die großen Leute" es für ein gutes Buch halten, wenn es auch "an manchen Stellen ein wenig seicht" sei (zit. nach Th. 255f.). Der Brief war allerdings nicht unbedingt nötig gewesen, denn eines der von St. nach London gesandten Exemplare wurde noch in der Dezemberausgabe der "Monthly Review" positiv, wenngleich nicht unkritisch, rezensiert, wobei Mr. Shandy als Verfasser angesehen wurde. [Wenn diese Zeitangabe Th.s (256) stimmt, müssen die von St. nach London gesandten Exemplare Vorausabdrucke gewesen sein - es sei denn, die Dezemberausgabe er-schien erst im Januar]. Als einzige Schwäche sah die Review das an, was wir heute als eine der Stärken des Buches betrachten, nämlich die andauernden Abschweifungen und Mr. Shandys Neigung, "seinen Lesern...bei jeder sich bietenden Gelegenheit zu entwischen". Zusammenfassend empfahl die Review Mr. Tr. Sh. als einen Schriftsteller, der "unendlich einfallsreicher und unterhaltender ist als jeder andere" der vielen heutigen Romanschreiber (Th. 257). Auch Garrick lobte das Werk. - Durch dieses vereinte Lob motiviert, brach St. am Montag, den 3. März 1760, in Begleitung von Stephen Croft zu einer Reise nach London auf ("Promotion Tour" würde man es heute nennen). Am Sonntag hatte er noch an der für ihn letzten Sitzung des Yorker Domkapitels teilgenommen, und er hatte auch noch einen am 4. März im Yorker "Courant" veröffentlichten Aufruf zur Subskription der in Kürze erscheinenden "Dramatick Sermons of Mr. Yorick" unter dem Namen Tr. Sh. aufgegeben (getreu der Fiktion des Romans). Am Abend des 4. März trafen die beiden in London ein, wo sie bei Crofts Schwiegersohn in Chapel Street (Belgravia) wohnten. Ungeachtet der Reisestrapazen begab sich St. am nächsten Morgen noch vor dem Frühstück zu Dodsley nach Pall Mall und hörte dort zu seinem Entzücken, daß der "Tr. Sh." ausverkauft sei. Er trat sofort mit James Dodsley (1724-1797), dem jüngeren Bruder Roberts und jetzigem Verlagsleiter, in neue Verhandlungen ein, in die sich auch Garrick zugunsten St.s einschaltete. Sie wurden am 8. März mit einem Vertrag besiegelt, der alle bisherigen Maßstäbe sprengte. St. erhielt die bis dahin unerhörte Summe von 630 Pfund - also das Drei- bis Vierfache seines Jahreseinkommens - für die beiden bisherigen und zwei weitere "Tr.-Sh."-Bändchen und den gesamten Erlös der bisher von Dodsley verkauften Yorker Exemplare (Dodsley hatte 600 Pfund geboten, St. hatte 50 Pfund mehr gefordert. Im Vorjahr hatte Dodsley für "Rasselas", obwohl Dr. Johnson bereits einen Namen hatte, nur 100 Pfund gezahlt). Im Mai, als die "Sermons" vor der Auslieferung standen, wurden die Konditionen nochmals verbessert: St. erhielt 250 Pfund für die Bände I-II, 380 für die Bände III-IV und 200 für die Predigten, also insgesamt 830 Pfund! Die 2. Auflage der Bände I-II (S. 31-101 u. 103-168 der Penguin-Ausgabe) erschien am 3. April 1760 in London, mit einem Stich William Hogarths als Frontispiz und einem kurzen Brief an William Pitt d. Ä. (1708-1778) anstelle einer Widmung. Von März bis Mai war Tr. (der Verfasser wie der Roman) die große Mode der Hauptstadt, und der mit ihm mit einem Schlag berühmt gewordene St. wurde überall "herumgereicht". Er bezog gleich in den ersten Tagen eine Wohnung in der vornehmen Pall Mall und wurde von zahlreichen Persönlichkeiten des Hochadels und des Klerus eingeladen. Unter ihnen waren der Earl of Chesterfield (1694-1773), der nicht nur ein bedeutender Staatsmann, sondern auch ein hervorragender Literat war, und der Führer der sog. Rockingham-Whigs, Charles Watson-Wentworth, Marquess of Rockingham (1730-1782), Lord-Lieutenant des Nord- und Ost-Ridings der Grafschaft York (1782 kurzzeitig Regierungschef), der ca. 16 km von Sutton entfernt eine Liegenschaft besaß und St. in Hofkreise einführte. So durfte St. mit dem Herzog von York, Prinz Edward Augustus (1739-1767, jüngerer Sohn König Georgs II. [† 25. 10. 1760]), speisen, und am Hofe von Prinzessin Augusta von Sachsen-Gotha (1719-1772), der Witwe des Prinzen Frederick Lewis von Wales (1707-1751) und Mutter Georgs III., machte er die Bekanntschaft des 76jährigen Lord Bathurst, der schon Swifts und Popes Mäzen gewesen und ein notorischer Lüstling war († 1775), dem "Tr.s" schlüpfrige Passagen eine helle Freude sein mußten. Noch im März lernte er den Earl of Fauconberg kennen, der das Präsentationsrecht für die Pfarrei Coxwold (knapp 20 km nördlich Sutton) besaß, in der er seinen Wohnsitz hatte. Und da ihr Pfarrer, St.s einstiger Kurat Richard Wilkinson, am 12. März gestorben war, war Fauconberg nichts lieber, als St. als Nachbarn zu gewinnen. (In späteren Jahren machte sich Fauconberg einen Namen als Befürworter einer Parlamentsreform). Bereits am 28. März hatte er seine Ernennungsurkunde in Händen, die er am folgenden Tag seinem in London weilenden Erzbischof John Gilbert zur Bestätigung vorlegte. (Die Stelle, die jährlich etwa 150 Pfund abwarf, erhielt er auf Lebenszeit). Auch machte St. die Bekanntschaft des 1759 zum Bischof von Gloucester ernannten William Warburton (1698-1779), der sich gegen seinen Willen zu St. hingezogen fühlte, obwohl dieser den konservativen Kirchenmann mit Gespött überzog (s. die kleine Episode im 20. Kapitel von Band 4 des "Tr. Sh."). (Nach St.s Tod schrieb W., St. sei "das Idol des höheren Pöbels" gewesen und habe, um "den Spaßvogel für die Menge zu spielen...seinen Charakter als Mann, als Gelehrter und als Geistlicher dafür geopfert" [zit. nach Th. 266]). Auch seine bereits berühmten "Kollegen" Dr. Johnson, Oliver Goldsmith und Thomas Gray lernte St. kennen, die ihn aber aus moralischen wie literarischen Gründen überwiegend ablehnten (wobei sicher auch ihr Neid über St.s immenses Honorar mitspielte, ihr Urteil aber nicht merklich trübte); auch der Romanschriftsteller Samuel Richardson (1689-1761) und Horace Walpole (1717-1797) kritisierten ihn aus denselben Gründen. Der junge Schotte James Boswell (1740-1795) dagegen, nachmals Biograph von Dr. Johnson, fand an St. und dem "Tr." Gefallen. Auch die Unmenge der - literarisch meist wertlosen - "Tr.-Sh."-Imitationen, die schon bald erschienen, zeigt, wie enorm seine Wirkung war [man könnte fast meinen, ihre Manuskripte hätten seit langem in der Schublade geschlummert und nur darauf gewartet, daß ein Buch wie "Tr. Sh." erschien]. Selbst Hall-Stevenson steuerte "Zwei Lyrische Episteln" über Vetter Sh. und die Damen von York bei. Im März und April saß St. dem berühmten Porträtmaler Joshua Reynolds (1723-1792) Modell. Das "Royal Female Magazine" brachte im April in seiner Klatschspalte einen Artikel über St. aus der Feder des Botanikers Dr. med. John Hill (1716?-1775), der ziemlich zutreffend war. Daraus geht auch hervor, daß St. seinen London-Aufenthalt sehr realistisch sah und sich der Kurzlebigkeit seines Ruhms bewußt war. Denn er hatte zwar viele, besonders Frauen, bei den "Parties" zum Lachen gebracht, aber dafür einen hohen Preis zahlen müssen, nämlich den seines guten Rufes. Im Laufe des April muß auch Kitty Fourmantel nach London zurückgekehrt sein; doch St., der sie gedrängt hatte zu kommen und sie seiner großen Liebe versichert hatte, hatte vor lauter Einladungen kaum Zeit für sie und vergaß sie wohl schon bald (wenn es stimmt, daß sie darüber wahnsinnig wurde, hätte St. schon zwei Geisteskranke auf dem Gewissen gehabt). Und während er sich in London, zu Geld gekommen, vergnügte, schrieb seine Frau aus York, sie sei in Geldnot. Nach und nach wurde St. des Londoner Getriebes jedoch überdrüssig, zumal sich die ablehnenden Stimmen mehrten; die "Monthly Review", die ihn einige Monate zuvor noch gelobt hatte, war empört über die Ankündigung der Predigten, und das "Gentleman's Magazine" veröffentlichte im Mai sogar ein Spottgedicht. (Zum Inhalt des "Tr. Sh." s. u. Sp. 65,2-66,1). - Im Mai 1760 erschien der 1. Band seiner Predigten: "The Sermons of Mr. Yorick" (Parson Y. war ein Charakter in "Tr. Sh.", dessen Namen St. auf die Dänen zurückführte und ihn als Nachfahren von "Hamlets" Y. erklärte; die lautliche Verbindung zu "York" zieht St. nicht); weitere Bände folgten 1766 und posthum 1769 und wurden umgehend ins Deutsche übersetzt. Nach Walter Bagehot (1826-1877) veröffentlichte St. die Predigten, "weil er ein anstößiges Buch geschrieben" hatte, d. h. um seinen guten Ruf als Geistlicher wiederherzustellen. (B. übersieht dabei, daß St. einzelne Predigten schon davor zum Druck gegeben hatte). Die 45 publizierten (die längsten: ca. 10 Buchseiten) sind im Stil weit weniger ermüdend als "Tr. Sh." oder die "Sent. Journ.", was die Forschung dazu verleitet hat, in ihnen das, evtl. für den Druck bearbeitete, Originalmanuskript zu sehen. Dabei wird jedoch vergessen, daß die Sammlung bei St.s Abreise aus York Anfang März 1760 zwar geplant war, er sie aber erst von März bis Mai in London "verfassen" mußte (s. Th. 260). Dies kann heißen, daß er die Predigtmanuskripte in seinem Reisegepäck hatte oder daß er aus dem Gedächtnis zitierte, aber auch daß es sich zum Teil um rein fiktive Predigten - die Yoricks eben - handelt, die er in den drei Monaten verfaßte. Die Thematik ist biblisch (AT leicht überwiegend) wie allgemein-moralisch bzw. philosophisch und reicht von der "Suche nach Glück" (Nr. 1) über "Selbsterkenntnis" (Nr. 4), die "Verteidigung der menschlichen Natur" (Nr. 7), die "Pflicht, unseren Begierden Grenzen zu setzen" (Nr. 13), "Selbstprüfung" (Nr. 14), "Über den Verlorenen Sohn" (20), die "Vorteile des Christentums für die Welt" (Nr. 26) bis zur "Undankbarkeit Israels" (Nr. 45). (Die Schweizer Ausgabe von 1766-1769 hat nur 31 Predigten, die z. T. anders angeordnet sind und in der Zählung abweichen). Die Reaktion der Zeitgenossen auf die Predigten war gespalten. Während Lady Sarah Pennington sie der Lektüre junger Damen empfahl und der Dichter Thomas Gray (1716-1771) wenigstens ihre starke Bildlichkeit und das aus ihnen sprechende fühlende Herz lobte, tat Dr. Johnson sie als "'bloßen Schaum auf der Oberfläche' des Kelches der Erlösung" (Th. 218) ab. Und konnte man gegen ihren Inhalt nichts sagen, so stieß sich die "Monthly Review" im Mai 1760 vehement daran, daß St. sie als Predigten des Mr. Yorick ausgab, den man aus "einem unzüchtigen Roman" kannte, so daß er als nichts anderes als ein Possenreißer erschien, "der im Gewand eines Harlekins auf die Kanzel stieg" und "die feierlichen Gebote der Religion" verkünden wollte (Th. 222f.). Dieses Urteil klingt noch bei Bagehot nach, der die Predigten zwar als "wohlformulierte, kraftvolle, moralische Essays" lobte, aber St.s Christentum auf dem Hintergrund des "durch und durch heidnisch[en]" "Tr. Sh." als "ein[en] Scherz und ein[en] Traum" bezeichnete (Th. 223 u. 219). Dagegen ist der Mainzer Anglist F. W. Schulze von St.s religiöser Ernsthaftigkeit überzeugt und weist darauf hin, daß, von einer Ausnahme abgesehen, St. Burleske ("Tr. Sh.") und Predigten streng auseinanderhält. Die Ausnahme ist die in Band II, Kapitel 17 des "Tr. Sh." (Penguin-Ausg. S. 137-158) eingefügte Predigt "Der Mißbrauch des Gewissens", die er, ausgehend von Hebr. 13, 18, zur Eröffnung der "Assizes" 1750 in der Kathedrale von York vor tausend Zuhörern gehalten und im selben Jahr auf Wunsch des Sheriffs und der Grand Jury von Yorkshire publiziert hatte. (In seiner Predigtsammlung erschien sie allerdings erst als Nr. 12 des 4. Bandes, 184-205). Die Predigt, deren durch Korporal Trim erfolgende Verlesung, dem Stil des "Tr. Sh." entsprehend, dauernd von Bemerkungen der Zuhörer unterbrochen wird, bestätigt Schulze durch ihr Engagement und ist noch immer aktuell. So etwa die Darlegung, daß ein ruhiges Gewissen nicht unbedingt ein gutes ist; daß man dem Gewissen allein nicht vertrauen darf, sondern es durch Religion ("Gottesfurcht") und Moral (Verhalten untereinander) geleitet werden muß; daß Moral ohne Religion ebenso fruchtlos ist wie Religion ohne Moral; daß wenn jemand gegen die Religion polemisiert, stets der Verdacht besteht, daß nicht seine Vernunft, sondern seine Leidenschaft dahintersteht, und daß, wenn er sagt, etwas gehe gegen sein Gewissen, er nur seinen Bauch meint; und schließlich, direkt die anwesenden Richter ansprechend, "daß euer Gewissen kein Gesetz ist: - Nein, Gott und die Vernunft haben das Gesetz geschaffen und haben das Gewissen in euch gelegt, um zu entscheiden - nicht wie ein asiatischer Kadi, der nur dem Auf und Ab seiner eigenen Leidenschaften folgt, sondern wie ein britischer Richter in diesem Land der Freiheit und des gesunden Menschenverstandes, der kein neues Gesetz schafft, sondern treu das Gesetz erklärt..." [Übers. d. Vf.]. Daneben wird von Trims Zuhörern eine kontroverstheologische Diskussion mit dem katholischen Arzt Dr. Slop ausgetragen. Über St.s Erfolg als Prediger liegen einander widersprechende Aussagen vor. Laut Croft verließ gewöhnlich die Hälfte der Gemeinde die Kirche, wenn St. die Kanzel bestieg; nach seinem Diener Greenwood war das Yorker Münster bei seinen Predigen überfüllt, und in Sutton rührte er stets die halbe Gemeinde zu Tränen [der Rührung, nicht des Gelächters]. Bei den gut dotierten Predigten im Münster (je 1 Pfund), wo er etwa zwanzigmal im Jahr an der Reihe war, bewegte er sich lt. Thomas Gray oft "hart am Rande des Gelächters". Was die Rhetorik betrifft, predigte St. im Vergleich zu seinen Zeitgenossen sehr kurz (durchschnittliche Länge: 3160 Worte, d. h. 15-20 Minuten; nur Swift predigte unwesentlich länger) und war sich bewußt, daß es nicht darum ging, die eigene Gelehrsamkeit vorzuführen, d. h. sich selbst zu predigen, sondern das Evangelium! - Nach den harschen Londoner Kritiken verließ St. Ende Mai die Hauptstadt in seiner eigenen Kalesche und fuhr nach Hause. Mitte Juni zog er nach Coxwold um; da es dort kein Pfarrhaus gab, mietete er von Lord Fauconberg ein Haus, das er bald "Shandy Hall" nannte. (Vom L.-St.-Trust restauriert, kann es von Mai bis September mittwochs- und sonntagsnachmittags besichtigt werden, der Garten täglich außer samstags). Wenige Tage später traf ein Brief Warburtons vom 15. 6. ein, der ihn ermutigte, mit seinem Talent weiterhin sich und andere zu erheitern, ihn aber warnte, "durch Verletzung der Schicklichkeit und guten Sitten sich und andere zu verletzen". St. antwortete dem Bischof umgehend (19. 6.), daß zwar sein Herz frei sei von der Absicht, Ärgernis zu geben, doch daß es ihm zuweilen schwerfalle, "alles...so stark zu verstümmeln, daß es der prüden Gemütsverfassung eines jeden kleinlichen Menschen gefällt". Er versprach, sein Bestes zu tun - "aber lachen, Mylord, will ich, und zwar so laut ich kann". Dennoch räumte er wenige Zeilen später ein, daß er die Vielzahl der in London über ihn und unter seinem Namen umlaufenden Geschichten als "Schläge aus dem Dunkel" empfand (Th. 276). Zur Zeit des Umzugs arbeitete St. bereits mit Hochdruck an den nächsten Lieferungen des "Tr. Sh.". Schon am 3. August hatte er den 3. Band vollendet, wonach er sich einige Wochen der Gartenarbeit widmete; Ende Oktober schloß er Band 4 ab. Im September war ein dritter Band erschienen, den ein gewisser John Carr verfaßt hatte und von dem St. sich distanzieren mußte. - Es scheint an dieser Stelle angebracht, im Zusammenhang einige Hinweise auf den Inhalt der Bände I-IV des "Tr. Sh." zu geben. Die ersten drei Bände (S. 31-101; 103-168; 169-246 d. Penguin-Ausg.) befassen sich - inmitten vieler Abschweifungen und Exkurse (incl. der von Trim vorgelesenen Predigt über das Gewissen im 2. Band, der großen Exkommunikation des Bischofs Ernulfus von Rochester im 11. Kapitel des dritten und Slawkenbergius' Erzählung zu Beginn des 4. Bandes) mit den Umständen der Zeugung und der Geburt des Titelhelden, wobei von letzterer zwar das "Wann" noch im 1. Band, das "Wie" auf Grund der ständigen Unterbrechungen aber erst im 3. Band geschildert wird (über die Namensgebung und die Taufe wird - in dieser Reihenfolge - auch bereits im 1. Band theoretisiert); auch für sein Vorwort findet der Ich-Erzähler erst im 3. Band (20. Kap.) Zeit. Die Hauptpersonen, allesamt absonderliche Typen, aber durch feine, bis ins einzelne gehende Seelenanalysen lebensecht gestaltet, sind Tr. und sein philosophierender Vater Walter Sh., dessen kriegsversehrter Bruder Captain (Hauptmann) Tobias Sh. - fast nur "my uncle Toby" genannt - dessen zur Passion gewordenes Steckenpferd die Belagerungstechnik und das Nachstellen der Belagerungen von Marlboroughs Kriegszügen in seinem Garten ist (in Art des "Minimundus"), und dessen ehemaliger Korporal und treues Faktotum Trim (beide gehen auf St.s Kindheitserinnerungen zurück). Dazu kommen viele Nebenfiguren wie Parson Yorick, den viele Autoren für ein idealisiertes Selbstporträt St.s halten (s. u. meine Vorbehalte), der Geburtshelfer Dr. Slop (Vorbild: der katholische Arzt Dr. Burton in York) oder Tr.s Mutter. (Sie alle, bis hinunter zum Küchenpersonal, zählten zu den in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts bekannten Gestalten). Einer fixen Idee ähnelt die sich über mehrere Kapitel des dritten und in die ersten Kapitel des 4. Bandes erstreckende Beschäftigung mit "Nasen" (das geplante Kapitel über Nasen wird nie geschrieben), wobei man ständig das Gefühl hat, daß er etwas Unanständiges damit meint, und die ihre Entsprechung in dem Hauptteil des 1. Kapitels des 5. Bandes, "Upon Whiskers", hat. Band 4 enthält neben Slawkenbergius' Erzählung die Inhaltsangabe des herausgerissenen Kapitels 24 im 25. Kapitel, die Wiedereinführung von Yorick (der im 1. Band bereits gestorben war), und am Schluß die Definition des wahren Shandyismus, der gesundheitsfördernd und lebensverlängernd sei. (Einige Autoren behaupten unsinnigerweise, Tr. komme kaum über die Schilderung seiner Geburt hinaus, obwohl er erkennbar als Erwachsener schreibt). Das ganze wird "aufgelockert" durch verrückt erscheinende Besonderheiten wie die zwei schwarzen Seiten am Ende von Kapitel 12 des 1. Bandes, das aus 3 Zeilen bestehende 13. Kapitel des 2. Bandes, die unbedruckte Seite nach dem 10. Kapitel und das marmorierte Blatt im 37. Kap. des dritten oder das ausgefallene 24. Kapitel des 4. Bandes. - Anfang Dezember 1760 reiste St. erneut nach London, wo am 21. die 4. Auflage der Bände I-II und am 28.1. 1761 die Bände 3-4 erschienen. Die Reaktion war geteilt. Von den Zeitschriften war es nur das "London Magazine", das "den wirklichen, den unnachahmlichen Shandy", begrüßte und den Lesern dasselbe Vergnügen versprach wie bei den ersten beiden Bänden. Die "Monthly Review" zieh ihn im Februar der äußersten Langweiligkeit - ein Vorwurf, der St. um so mehr traf, als er immer kurzweilig sein wollte und in den beiden Bänden so viel Humor sah, daß er Garrick schrieb, man könne aus ihnen eine Cervantische Komödie machen. Die "Critical Review" berichtete im April 1761, alle Romanleserinnen, die "den ersten Teil mit einem einzigen gierigen Schluck verschlangen", "wiesen den letzten mit den Anzeichen von Abscheu und Unlust zurück". Dennoch prahlte St., das beste sei, "daß sie es beschimpfen und kaufen" (Th. 280f.). Auch die "Kollegen" waren kritisch: Walpole sah seine frühere Ablehnung bestätigt ("Bodensatz des Unsinns...weit und breit auf die Verachtung gestoßen, die sie verdienen"); und der dem Tode nahe Richardson machte St.s abscheuliche Bücher in einem Brief an Dr. Hildesley (1698-1772), Bischof der Isle of Man (ab 1757) verächtlich. Auch der Klerus lehnte die Bücher ab. Der Bischof von Worcester schrieb nach York, das 3. Buch sei "unerträglich langweilig, ja geistlos", und der Yorker Almosenpfleger berichtete, "daß die Bischöfe und die Geistlichen pfui über St. riefen". Namentlich der Erzbischof von York war empört und sprach von einem Wortbruch St.s (St. hatte bei seinem ersten Londonbesuch mit Ebf. John Gilbert [1693-9.8. 1761, Erzbischof seit 1757] und dessen Tochter Emma gespeist und ihm wohl versprochen, daß die Fortsetzungen besser würden), und er ließ St., als er sich jetzt erneut bei ihm anmeldete, nicht vor. So war es denn auch nicht zu verwundern, daß der junge sittenstrenge König Georg III., als St. ihm bei Hofe vorgestellt wurde, ihn mit einer nur angedeuteten Verbeugung brüskierte. Nichtsdestoweniger behauptete St. in seiner Korrespondenz - sei es aus Überzeugung, sei es aus Angabe - man verstehe in London immer besser seinen wahren Charakter und wo er im Vorjahr einen Freund gehabt habe, der ihm die Ehre gab, da habe er jetzt drei. (Bezeichnenderweise lassen sich kaum Namen für diese Behauptung festmachen oder Anzeichen dafür finden, daß es sich um wirkliche Freundschaften handelte). Seine angeheiratete Base Elizabeth Montagu, die ihn sicher in ihrem Salon empfangen hatte, schrieb später, St. habe seinen Witz in Gesellschaft nie dazu benutzt, andere zu verletzen; vielmehr sei er stets von Freundlichkeit übergequollen und harmlos wie ein Kind gewesen, habe sich aber oft wie ein ungezogener Junge benommen, der gar zu gern seinen Talar beschmutzte. Das tat er dieses Mal auch wieder, z. B. in der Beziehung zu Elizabeth Vesey (1715?-1791), Gattin eines irischen Unterhausabgeordneten und neben E. Montagu ein hervorragender Blaustrumpf. ("Blaustrumpf" meint nicht, wie vielfach angenommen, ein Kleidungsstück der betr. Dame, sondern die Strumpffarbe der informell gekleideten anwesenden Herren). Er hatte, leicht entflammbar wie er war, schon nach kürzester Zeit ihrer beider Zusammengehörigkeitsgefühl entdeckt (bzw. behauptete, es entdeckt zu haben, in der Hoffnung, ihr so näherzukommen) und überschüttete sie mit Liebesergüssen, die z. T. so anzüglich waren, daß sie geradezu infantil wirken. So schrieb er ihr am 20.6. 1761, er gäbe seine zweite Soutane dafür her, sie [intim] zu berühren, wisse aber daß wenn er um dieses Vergnügens willen den letzten Fetzen seines Priestertums preisgebe, nackt, wenn nicht gänzlich in Unordnung sei [ein Sündenbewußtsein wird bei dem ansonsten jede Faser seines Inneren bloßlegenden St. nie offenbar!]. Kontakte hatte St. auch zu dem Schauspieler/Dramatiker Samuel Foote (1720-1777), dem nachmals notorischen schottischen Unterhausabgeordneten John Wilkes (1747-1797), der ebenfalls ein Faible für Obszönitäten hatte, und Francis Delaval. Sein einziger öffentlicher Auftritt war die Predigt über das Gleichnis vom reichen Prasser und dem armen Lazarus im Findlings-Hospital am 3. Mai vor zahlreichen Prominenten, die eine Kollekte von über 55 Pfund zeitigte (Nr. 8 des 3.-4. Predigtbandes). - Nach Yorkshire zurückgekehrt, verbrachte St. den Sommer mit harter Arbeit. Neben den neuen Bänden 5-6 des "Tr. Sh." begann er seine letzte Predigtserie. Auch ließ er die Kirchenbänke in Coxwold neu anordnen, um die Akustik zu verbessern und damit jeder den Pastor von seinem Platz aus sehen konnte. Zu den landesweiten Festlichkeiten zur Krönung Georgs III. und seiner Gemahlin (22.9. 1761) kamen in Coxwold etwa 3000 Menschen zusammen. St. hielt eine Predigt aus dem Stegreif und stiftete einen Bratochsen. Aber die Rückkehr aus dem geschäftigen London in das stille Coxwold bescherte ihm auch Phasen des Trübsinns, in denen er sich den Tod wünschte. Der einzige "Trost im Elend" war ihm - nicht etwa Gott, sondern der ihm von diesem eingeflößte "Geist des Shandyismus, der es nicht zuläßt, daß ich zwei Augenblicke lang über irgendeinen ernsten Gegenstand nachdenke" (an Hall-Stevenson, zit. nach Th. 289). Bald jedoch plante er eine neue, längere Reise, dieses Mal auf den Kontinent, nach Frankreich. Er bestellte Vertreter für Coxwold, Sutton und Stillington und war im Spätherbst bereits wieder in London, wo ihn E. Montagu in seinem Vorhaben bestärkte; bei ihr hinterlegte er auch sein Testament. Mrs. St. war von dem Reiseplan nicht begeistert und schrieb einen bitteren Brief an ihre Cousine. Daraufhin dachte St. kurzzeitig daran, Frau und Tochter nachkommen zu lassen, doch wurde zunächst nichts daraus. - Am 21. Dezember 1761 erschienen in London die Bände 5-6 des "Tr. Sh.", allerdings nicht mehr bei Dodsley, sondern bei dem weit weniger renommierten Thomas Becket, dessen Verlag in der Nähe des Strand lag. Die beiden dünnen Bände (43 bzw. 40 Kapitel: S. 335-396 bzw. 397-455 der Penguin-Ausgabe) waren "John Lord Viscount Spencer" (sic) (1734-1783, 1. Earl of Sp., Urenkel Marlboroughs) gewidmet, einem der reichsten Männer in England und einem der engsten und großzügigsten Bekannten St.s, wobei in der Widmung erstmals auf die schlechte Gesundheit des Autors Bezug genommen wird. Der 5. Band beginnt mit dem amüsant-zweideutigen Kapitel "Upon Whiskers" (Koteletten; Schnurrhaare); an seinem Ende findet sich eine der wenigen Bemerkungen St.s über die Keuschheit, selbstverständlich in ironisierender Form; Kapitel 13 beginnt mit einer die Geschichtlichkeit des biblischen Job in Frage stellenden Bemerkung, die eine Widerspiegelung der rationalistischen Bibelkritik der Aufklärung ist; das 16. Kapitel enthält eine Lobeshymne auf "John de la Casse" [richtig: Giovanni de Casa (1503-1556)], Erzbischof von Benevent, und sein Hauptwerk "Galateo", ein "Lehrb. des gesellschaftl. Anstands" (LThK); über mehrere Kapitel beider Bände verstreut ist die unglückselige Geschichte des Fallfensters (sash window), die eine gute Illustration des derben St.schen Humors ist: Der fünfjährige Tr. wird von dem Kindermädchen Susannah, da kein Nachttopf unter dem Bett steht, auf die Fensterbank gehoben, um aus dem Fenster zu pinkeln. In dem Moment fällt das Fenster, dessen bleierne Gegengewichte Onkel Toby für seine Kriegsspiele gebraucht hat, herunter auf Tr.s "Spätzchen" und zerquetscht es derart, daß auch die vorgenommene Beschneidung nichts hilft und Tr. lebenslang impotent ist. (Dies wird überwiegend in Andeutungen und Auslassungen wie ********* erzählt), so daß ihn seine Eltern jahrelang als Mädchen anziehen. Bd. 6 beginnt mit einem knappen Resumee der bisherigen 5 Bände, dessen Ergebnis ist, daß die Welt aus einem Haufen von Eseln besteht; den meisten Raum nimmt die rührende Geschichte des sterbenden Leutnants Le Fever und seines verwaisten Knaben aus der Kriegszeit Onkel Tobys ein; und er enthält den Bericht über Walter Shandys Entschluß, seinem Sohn Tr. trotz allen Geredes der Leute endlich Hosen (breeches) anzuziehen (komischer Dialog seiner Eltern im Ehebett darüber); gegen Ende des Bandes beginnt die "Romanze" von Onkel Toby und Witwe Wadman, die aber erst im 8. Band zum Abschluß kommt. Die beiden Bände fanden eine bessere Aufnahme als die vorherigen, da sie fast das Niveau der beiden ersten erreichten. - Am 28. Dezember, kurz vor seiner Abreise, richtete St. ein Memorandum an seine Frau für den Fall, daß er im Ausland sterbe. Sein Gesundheitszustand machte ihm nämlich Sorge, nachdem sich ein übler Husten eingestellt hatte, den er auf seine literarischen und homiletischen Anstrengungen im Sommer zurückführte. Auch hatte er zum Jahreswechsel einen leichten Blutsturz gehabt. Anfang Januar 1762 - der Krieg mit Frankreich war noch im Gange - brach St. mit Erlaubnis des neuen Erzbischofs (Okt. 1761) Robert Hay Drummond (1711-1776) in Begleitung von George Pitt (1722?-1803), der 1761 zum außerordentlichen Gesandten in Turin ernannt worden war (bis 1768, 1770 Botschafter in Madrid), und dessen Sekretär Richard Phelps nach Frankreich auf. Sie waren Freunde von Henry Egerton, dem Sohn des gleichnamigen Bischofs von Hereford, bei dem St. vor der Abreise einige Zeit gewesen war. Am 16. Januar trafen sie in Paris ein, wo St. entzückt feststellte, daß Tr. "hier schon fast genauso bekannt wie in London" war - eine massive Übertreibung, denn das Buch war noch nicht ins Französische übersetzt, und Phelps schätzte, daß es höchstene fünf Leute in Paris besäßen und keiner es verstand. Dazu kam, daß St.s Französisch katastrophal war, so daß weder seine Gastgeber ihn noch er sie richtig verstand. Dem jungen angehenden Schriftsteller Jean-Baptiste Antoine Suard (1732-1817), der ihn auf Schritt und Tritt verfolgte, um von ihm zu lernen, erwiderte St. auf die Frage nach den Elementen seines schöpferischen Geistes, vor allem seien Imagination und Sensibilité vonnöten; zum zweiten - und das überrascht doch sehr - die tägliche Schriftlesung (Altes und Neues Testament); drittens: das Studium der Werke von John Locke. Als er am Geburtstag Ludwigs XV. (4. 6.) bei Lord Tavistock speiste, verursachte er Stürme der Heiterkeit, indem er mit seinem Tischnachbarn über einen gewissen Louis Du(n)tens "frotzelte", nicht wissend, daß der Nachbar eben dieser Duntens war. Wie in London traf St. auch in Paris mit vielen bedeutenden Leuten zusammen, aber auch hier ergaben sich kaum dauerhafte Beziehungen. Unter vielen seien der anglophile ehemalige Armeechef Louis François de Bourbon Prince de Conti (1717-1776), François-Martial, Comte de Choiseul (ca. 1726-1792), Denis Diderot (1713-1784), der Begründer, und Paul Henri Baron d'Holbach (1723-1789), der eifrige Förderer der "Encyclopédie", genannt; Generalleutnant Claude Thiard Comte de Bissy (1721-1810), der gerade "Tr. Sh." las, lud St. zu einer Führung durch seine Gemächer ein, damit er die Gemälde des Herzogs von Orléans (s.u.) sehen könne. (Die Unterhaltung ist in die "Sent. Journ." transponiert, wo Bissy zu Yorick sagt, er reise doch wohl nicht in Frankreich herum, um "die Blöße des Landes auszukundschaften", sondern sei doch wohl eher an "der Blöße unserer Frauen" interessiert; worauf Y. - das angebliche Spiegelbild St.s - den schon die leisesten Zweideutigkeiten schockierten, erwidert, "er wolle lediglich 'die Nacktheit ihrer Herzen erkunden'" (zit. nach Th. 302). Mit dem zwölfjährigen Charles James Fox (1749-1806), später britischer Außenminister, der in Begleitung von George Macartney (1737-1805; nachmals britischer Diplomat in Rußland und China) auf Bildungsreise war und dem er zufällig begegnete, besuchte St. die Comédie Française, wo sie die berühmte Mlle. Clairon (Claire-Joseph Léris, gen. Clairon, 1723-1803) sahen, die ihn so beeindruckte, daß er Garrick gegenüber bedauerte, solche Schauspielerinnen nicht in London zu haben. Die Predigten des Père Denis-Xavier Clément (1706-1771), Hofprediger König Stanislaus I. Lesczynskis von Polen († 1766) und mystischer Schriftsteller, besuchte er dreimal und bewunderte seine Theatralik. Da ihm die Ärzte nach seiner Ankunft in Paris davon abrieten, weiter nach Süden zu reisen, wurde St. klar, daß er kränker sei, als er glaubte. Daher freute es ihn um so mehr, daß ihm die Pariser Luft offenbar gut tat und er wieder Farbe bekam. Im April mietete er ein geräumiges Haus in Toulouse, wo auch Lydia ihr Asthma kurieren könnte. - Im Auftrag Herzog Louis-Philippes [I.] von Orléans (1725-1785) malte Louis Carrogis gen. Carmontelle (1717-1806) ein Aquarell von St., das vor allem durch die Accessoires eine bessere Charakterisierung bietet als das von Reynolds. Anfang Juli trafen Elizabeth und Lydia St. in Paris ein, wo es inzwischen sehr heiß war. St. hatte ihnen eine von Thomas Thornhill gekaufte Kalesche nach Calais entgegengeschickt, mit der sie dann Mitte des Monats zu dritt nach Toulouse aufbrachen. Es hat den Anschein, als habe die Entfernung und seine Krankheit ihm seine Frau liebenswerter gemacht; jedenfalls war er jetzt besorgter um sie. Im Gegensatz zu Mr. Yorick in der "Sent. Journ." war St.s Verfassung bei seinem Aufbruch nicht gerade ausgeglichen. Im Mai hatte er von Becket erfahren, daß von den 4000 Exemplaren des 5. u. 6. Bandes nur 2827 verkauft worden waren (1763 wurde der Absatz noch geringer). Und die über Lyon und Montpellier führende Reise war dank der Kleinheit der Kalesche, die für zwei Personen ausgelegt war und für eine dritte nur einen Notsitz hatte, auf den staubigen Straßen in der sommerlichen Hitze alles andere als bequem; dazu kam das Ungeziefer in den Gasthäusern, in denen sie übernachten mußten. Kaum war er einige Wochen in Toulouse, waren die überschwenglichen Erwartungen, die er in die Reise gesetzt hatte, verpufft, und er schrieb am 12. 8. an Hall-Stevenson, er habe "den Spaß an Frankreich und den Franzosen verloren" (Th. 313). Dennoch nahm er am Zeitvertreib der kleinen englischen Kolonie in Toulouse regen Anteil und wollte das Theaterstück, das sie am 2. Weihnachtstag aufführen wollten ("The provok'd husband; or a Journey to London" von dem Architekten/Dramatiker John Vanbrugh [1664-1726] und dem Schauspieler/Dramatiker Colley Cibber [1671-1757], in eine Reise nach Toulouse umarbeiten; doch hinderten ihn seine knappen Geldmittel daran. Kurz nach Weihnachten begann St. dem jungen Landsmann George Oswald, der im letzten Stadium der Schwindsucht war, am Krankenbett Gesellschaft zu leisten. Er war der Sohn des reichen schottischen Kaufmanns und Politikers Richard O. (ca. 1705-1784), der in Virginia und Jamaica Besitzungen hatte. Er starb am Abend des 1. März 1763, gottergeben, in St.s Armen, nachdem er ihn gebeten hatte, seine letzten Angelegenheiten zu regeln. Der Krankendienst hatte St. körperlich wie seelisch sehr mitgenommen, so daß er wieder "Blut spuckte und fieberte". Bei der von George gewünschten Obduktion war er anwesend und sah handgreiflich sein eigenes Schicksal voraus. - Da ihn Toulouse langweilte, beschloß St. im Frühjahr 1763, den ca. 120 km südwestlich Toulouse gelegenen Kurort Bagnères de Bigorre am Fuße der Pyrenäen aufzusuchen, wo er "Gesundheit und mancherlei Erheiterung durch das Zusammenströmen von Abenteurern aus allen Weltteilen zu finden" hoffte. Doch erwies sich der im Sommer getätigte Ortswechsel als ein Fiasko, und er machte die dünne Pyrenäenluft dafür verantwortlich, daß ihm dauernd Gefäße in der Lunge platzten (St. an John Mill, 24. 11. 1763). Daher verließen sie den Ort im Spätherbst wieder und landeten schließlich in Montpellier, das Schwindsüchtigen von überall her als Zufluchtsort diente. Als nach dem Pariser Friedensschluß (März 1763) wieder weit mehr Engländer in Frankreich reisten, trieb das die Preise merklich in die Höhe, wodurch Montpellier zu einem der teuersten südfranzösischen Orte wurde, wie der zwei Monate später dort eintreffende Chirurg und Romanschriftsteller Tobias Smollet (1721-1771) feststellte. Da ihm die Geschichte des jungen Oswald bekannt war, die ihm eine "Mrs. St-e" erzählt hatte, ist es sicher, daß Smollett St. dort getroffen hat. Anfang Januar 1764 erkrankte St. erneut und "litt schrecklich bei diesem Kampf mit dem Tod", wie er am 9. 1. seinem Pariser Bankier John Foley schrieb. Da ihm Südfrankreich nicht die erhoffte Besserung gebracht hatte und das Geld knapp wurde, beschloß er nach England zurückzugehen. Frau und Tochter hatten jedoch entschieden, nicht mitzukommen, was St. auch lieber war. So war er vermutlich Ende Februar wieder in Paris, wo er sich erneut Thomas und George Thornhill anschloß, die in der Nähe des Luxembourg wohnten. Der Plan, mit ihnen Mitte April nach London zurückzukehren, zerschlug sich aber, da St. sich wieder dem gesellschaftlichen Leben widmete. Allerdings fand er bei den Franzosen nicht mehr dieselbe Aufmerksamkeit wie bei seinem ersten Aufenthalt, da nun, wie gesagt, zahlreiche Engländer in der Stadt waren. Und mit David Hume (1711-1776; s. BBKL II), der 1763 als Sekretär des außerordentlichen britischen Gesandten Francis Seymour Conway, Viscount Beauchamp und Earl of Hertford (1719-1794) nach Paris gekommen war, konnte sich St. nicht mehr messen. Immerhin betraute Lord Hertford St. mit der Predigt zur Eröffnung des verschwenderisch ausgestatteten Botschaftsgebäudes in der dortigen Kapelle im Juli 1764. Boshaft wie er war, wählte er als Predigttext den Passus aus dem 4. Buch der Könige, in dem der König Ezechias (BBKL II 900f.: Hiskia) dem Propheten Isaias berichtet, daß er den babylonischen Gesandten alles gezeigt habe, was in seinem Palast und in seinen Schatzkammern ist, worauf ihm der Prophet ankündigt, daß dies alles bald nach Babylon weggeschleppt werde (4 Kg. 20, 14-18). St. paraphrasierte den biblischen Text allerdings, seinem Zweck entsprechend, dahingehend, daß er den König aufzählen läßt, was sie sahen: die goldenen Gefäße und die silbernen, seine Frauen und seine Nebenfrauen, seine Spezereien und alles andere. Nach diesem verblüffenden Anfang entwickelte St., sich von dem Text lösend, eine bemerkenswerte psychologische Analyse der ganzen Geschichte, wobei er (sich selber implizierend) v.a. den Unterschied zwischen äußeren, vorgeschobenen, und inneren, eigentlichen Beweggründen des menschlichen Handelns darlegte. (Die Predigt wurde als Nr. 2 im 3. Band der "Sermons" gedruckt, wobei die von Th. 332 gen. Paraphrase fehlt). Beim anschließenden Dinner machte Hume, der sich als Atheist ansah, einige stichelnde Bemerkungen, denn er hatte mit Sicherheit "St.s Fassade... durchschaut(e)" und seine Methode begriffen, sich mit dem Sermon auch selber in Bezug auf sein Sexualleben zu entlarven, und es kam zu einem geistreichen Wortgefecht zwischen dem Landpfarrer und dem Ungläubigen, den St. offenbar mit Vornamen anredete. Die Predigt, "eine der raffiniertesten und durchdringendsten in St.s Sammlung" (Th. 332) ist gleichzeitig eine der letzten, die er gehalten hat. Denn im Oktober 1764 mußte er seinem Erzbischof mitteilen, "er müsse wegen seiner körperlichen Schwäche das Predigen aufgeben" (ebd. 333). Mit John Wilkes, den er im Vorjahr in London kennengelernt und der sich im Dezember 1763 nach seiner Inhaftierung im Tower nach Paris abgesetzt hatte, traf sich St. häufiger, und er war praktisch der einzige Engländer in Paris, dem dies nichts ausmachte. Daß er so lange in "dieser Stadt der Versuchungen" blieb, hatte seinen Grund auch und vor allem darin, daß er seit März wieder einmal "von der zärtlichsten Leidenschaft besessen [war], die jemals ein zärtlicher Bursche erlebt hat" (an Hall-Stev., Mai 1764), so daß er mehrmals am Tage von seinem Hotel zu dem der Angebeteten ging und am liebsten zu ihr gezogen wäre, zumal "die Feinde des Herrn" dies ihm sowieso unterstellten. Und als sie dann im Mai nach dem Süden reiste, hatte er prompt wieder einen schweren Blutsturz. Lydia, die sich mit seiner Frau inzwischen in Montauban (Dép. Tarn-et-Garonne) aufhielt, riet er, "keine Freundschaften mit den Französinnen zu schließen" - obwohl manche von ihnen "Frauen mit den besten Grundsätzen", und gerade deswegen "die anziehendsten" waren (zit. nach Th. 338f.). - Ende Mai 1764 wieder in London eingetroffen, wo die Saison bereits zu Ende war, saß St. Reynolds kurz für ein weiteres Porträt und wurde von dem 84jährigen ehemaligen Oberbefehlshaber und Aide-de-Camps des Königs, John Viscount bzw. Baron Ligonier (1680-1770), empfangen. Seinen Verleger suchte er nicht auf, der ihm sowieso nur Niederschmetterndes über den Verkauf hätte sagen können. Auch dem Salon von Mrs. Montagu blieb er fern. Im Juni nach Coxwold zurückgekehrt, wo er eigentlich fleißig an der Fortsetzung des "Tr. Sh." hätte arbeiten müssen, um Geld für Frau und Tochter in Frankreich zu haben, tat er zunächst nur wenig daran. Im Juli fuhr er für eine Woche nach Harrogate (ca. 28 km westl. York), das wegen seiner Mineralquellen aufgesucht wurde, und im August zu den Pferderennen in York. Dort lernte er die Tochter eines regelmäßigen Rennbahnbesuchers, Miss Sarah Tuting, kennen, die auf dem Weg nach Italien war. So empfahl er seinem Pariser Bankier die rassige Lady, und ihr selbst schrieb er am 27.8. einen Abschiedsbrief, worin er der "zärtliche/n/ Sally" neben dem Segen Gottes eine angenehme Reise wünschte und daß die Kissen, auf denen sie ruhe, "so weich sein [möchten] wie Ihre Brust". (Diese auch für St. ungewöhnlich direkte Anzüglichkeit läßt einen fragen, ob er wirklich mit ihr so intim gewesen war, daß er das beurteilen konnte, oder ob es nur eine seiner spätpubertären Angebereien war, die ihn dazu veranlaßte). Um die Peinlichkeit wieder wettzumachen, versicherte er, daß er versucht habe, "den empfindsamsten Brief, den wahre Galanterie jemals komponiert hat", zu verfassen. Anfang September war er dann wieder bei den Liebesabenteuern des Onkel Toby und hoffte, in sechs bis sieben Wochen den Band beendet zu haben. Zuvor aber, solange das Wetter noch schön war, begab er sich für 14 Tage in das Nordseebad Scarborough, um "den netten Burschen spielen" (Th. 344) und neue Kräfte für den Winter zu sammeln. Er war dort in Gesellschaft von Generalleutnant Gardeoberst John Manners, Marquess of Granby (1721-1770), und dem Earl of Shelburne (1737-1805; 1766-1768 Kolonialminister). Ende September war er wieder zuhause, um den "Tr." abzuschließen, der um die Weihnachtszeit erscheinen sollte. Im Oktober hatte er abermals einen Fragebogen Erzbischof Drummonds zu beantworden, aus dem hervorgeht, daß die Zahl der Familien in Coxwold seit 1743 um über zehn abgenommen hatte; auch die Zahl der Kommunikanten war von über 300 auf 245 gefallen. In James Kilner hatte er seit 1761 einen Kuraten, der noch nicht zum Priester ordiniert war. Dies wurde am 4. November nachgeholt, so daß St. den Winter wieder guten Gewissens in London verbringen konnte. Sein anderer Kurat, für Sutton und Stillington, war seit einigen Jahren Marmaduke Callis. - St., der im Laufe der "Tr."- Sequenzen immer stärker die Grenze zwischen Autor und Romanfigur verwischte und sich mit Tr. bzw. Tr. mit sich identifizierte, ließ in die Arbeiten am 8. Band eine Klage über seine finanzielle Notlage einfließen, da er nicht wußte, wie er die "zehn Karrenladungen" (Th. 435) des 5. u. 6. Bandes an den Mann bringen sollte. So konnte er nur hoffen, daß der Erfolg der Bände 7 und 8, die am 23.1. 1765 ausgeliefert wurden, den Verlust wettmachten. Band 7 stellt eine dichterische Verarbeitung der Frankreichreise dar und ist in 43 Kapiteln (457-513) der Reise Tr.s, seines Vaters und seines Onkels nach und in Frankreich gewidmet. Darin eingestreut ist u.a. die pseudodelikate Geschichte der Äbtissin von Andouillets (Kap. 21-25), die mit ihren am Rande des Schicklichen sich bewegenden Schilderung amüsant sein will, im Grunde aber nur zeigt, daß St.s primäres Ziel beim Schreiben war, sich selbst zu unterhalten, und daß er glaubte, worüber er lacht, müsse auch die ganze Welt lachen; den Schluß bildet die Episode der "nut-brown maiden", in der St./Tr. sich als Möchte-gern-Voyeur offenbart. Daß St., worüber sich Thomson wundert, nicht einen normalen Reisebericht veröffentlicht hat, der einen Markt hatte und Geld gebracht hätte, mag auch daran gelegen haben, daß ein humorvoller Reisebericht, wie St. ihn geliefert hätte, bereits seit zehn Jahren in Form zweier erfolgreicher Theaterstücke existierte, die sein Bekannter S. Foote 1753 und 1756 im Londoner Haymarket-Theater aufgeführt hatte: "The Englishman in Paris" und "The Englishman Returned from Paris". Der 8. Band (35 Kap., S. 514-566, darunter das aus nur zwei Zeilen bestehende Kapitel 12), der "the amours of my uncle Toby" (Ende des 7. Bandes) schildern sollte, bringt in reverso die Geschichte der Wwe. Wadman, die in ihren Nachbarn Tobias Shandy verliebt ist, ohne daß er etwas davon weiß. Die Erzählung wird natürlich von allem möglichem unterbrochen, u.a. der Geschichte des Königs von Böhmen und seiner sieben Burgen, die Korporal Trim aber nicht beenden kann, da es ihm ergeht wie dem Buluk Emini Ifra in Karl Mays "Durchs wilde Kurdistan", d. h. er dauernd an der entscheidenden Stelle unterbrochen wird. Das Publikum begrüßte zwar die darin erfolgte Rückkehr zur Geschichte der Familie Shandy, doch fanden sich auch Stimmen, die meinten, St. solle nun mit "Tr. Sh." Schluß machen. Die "Monthly Review" parodierte die beiden neuen Bände mit einem erfundenen Zwiegespräch eines Kritikers mit "Mr. Sh." und forderte darin St. auf, mit seinen Grillen, Sottisen und Schlüpfrigkeiten endlich aufzuhören und seinen Lesern Gestalten zu schenken, "die nichts als liebenswert oder verehrungswürdig oder beispielhaft sind oder...deren Humor der Unschuld entspringt". Ziel sollten "die Beförderung der Tugend [und] die Hebung der Moral" sein, "Witz, Humor, Eleganz und Pathos" die Mittel dazu (Th. 347f.). St. änderte wegen dieser Kritik zwar nicht seinen Plan für die "Tr."-Fortsetzungen, aber sie ist möglicherweise der Anstoß für ihn und Verleger Becket gewesen, zwei weitere Predigtbände zu planen (nach dem Motto: denen zeige ich, daß ich auch anders kann). Dies sollte ihm 300 Pfund zusätzlich zum Verkauf der Auflage einbringen. - Anfang April, d. h. über Ostern, war St. für wenig mehr als 14 Tage in dem mondänen Bath in Somersetshire, wo er einmal wieder "den Teufel spielte", wie er am 6. 4. (Karsamstag) an Garrick schrieb. (Garrick hatte die 20 Pfund angemahnt, die St. ihm seit 1761 schuldete, und St. besaß die Frechheit, ihm zu sagen: "Denn ich bin der Ihre (das heißt, wenn Sie nie wieder ein Wort über diese niederträchtigen zwanzig Pfund verlieren)." (Zu "Teufel" vgl. die Bezeichnung "demoniacks" des Kreises um Hall-St.). Mrs. Montagu, deren Schwester in Bath lebte und die ihn zu dem Aufenthalt um seiner Gesundheit willen veranlaßt hatte, zog sich allerdings etwas von ihm zurück, ja sie schämte sich geradezu, sich mit dem Verfasser eines so geschmacklosen Buches zu unterhalten. Aber St. kam in Bath voll auf seine Kosten - zuerst war es eine Mrs. Cutts, von der er schließlich glaubte, sie wären unter anderen Umständen füreinander geschaffen gewesen, dann die "bezaubernde Witwe Moor, wo ich mich, besäße ich nicht selber ein Stück legaler Weide, für den Rest meiner Tage mit Freuden mästen würde" (St. an William Combe [1741-1823], 11.6. 1765; nach Th. 350). Und Lady Anne Warkworth, der schönen neunzehnjährigen Tochter des mächtigen Earl of Bute (1713-1792, Günstling Georgs III.) und Enkelin Lady Mary Wortley Montagus (1689-1762), die er im Vorjahr kurz nach ihrer Hochzeit bei den Rennen in York kennengelernt hatte, klagte er am 23. April 1765, sie habe ihn, "den alle anderen in der Stadt [London] als einen Mann von Geist umwerben", durch "Deine Augen und Deine Lippen...in einen Narren verwandelt" (ebd.). St. war nämlich von Bath nach London und von dort erst nach York zurückgekehrt, von wo aus er ihr noch einmal einen innigen Brief schrieb. (Da sie in späteren Jahren eine Reihe heimlicher Affären hatte, ist anzunehmen, daß sie auch schon damals Gefallen daran fand, mit St. zu spielen). Bald nach seiner Rückkehr brannte am 1. und 2. August das Pfarrhaus von Sutton nieder, was er der Sorglosigkeit der Frau des Kuraten zuschrieb. Das für September angekündigte Erscheinen des 3. und 4. Predigtbandes ließ sich nicht einhalten, vielmehr war St. im Spätsommer noch mit der Abfassung beschäftigt. (Sie kamen erst am 22.1. 1766 heraus, als St. in Italien war). - Bereits im Juli hatte St. eine neue Reise auf den Kontinent geplant, dieses Mal nach Italien. Anfang Oktober war er in London, wo er sich eine neue Perücke kaufte und bei Becket 600 Pfund für Foley u. Mrs. St. bereitstellte. Fünf Tage später war er in Paris, wo er aber nur wenige Tage blieb. Er traf mit Wilkes und Foote zusammen; von Horace Walpole, der ihn nicht zum Lachen fand, wurde er gemieden. In Lyon traf er mit John Horne Took (1736-1812) zusammen, einem abtrünnigen anglikanischen Geistlichen wie Charles Churchill und ein Freund von Wilkes. Am 7. November war St. in Beau Pont Voisin, wo sich die Weiterreise (Überquerung der savoischen Alpen) durch zwei angeschwollene Flüßchen verzögerte. Acht Tage später war er in Turin, wo er wiederum, wegen Überflutung der Straße nach Mailand, festsaß. Während der 14tägigen Wartezeit wurde er u.a. dem inzwischen zum König von Sardinien avancierten Karl Emanuel von Savoyen (1730-1775) vorgestellt. Auch fand er dort in dem 23jährigen Sir James Macdonald († Juli 1766 in Frascati) einen Reisegefährten, mit dem er gemächlich durch Lombardei und Emilia - Mailand, Piacenza, Parma und Bologna - nach Florenz reiste. Die dortigen drei Tage widmete er weniger den Sehenswürdigkeiten als dem Zweck, mit dem britischen Gesandten und Generalbevollmächtigten am großherzoglichen Hof, Sir Horace Mann (1701-1786), zu speisen, bei dem der Maler Thomas Patch († 1782) wohnte, der St. "in einer entsetzten Konfrontation mit dem geduldigen Tod" malte (Th. 370; Abb. ebd. 373). Auf Florenz folgten zwei Wochen in Rom, wo St. "den Vatikan betreten und allen Heiligen im Pantheon vorgestellt werden" wollte (zit. nach Th. 361). Er traf hier den etwa 25 Jahre jüngeren Henry Errington aus Northumberland wieder, den er drei Jahre zuvor kennengelernt hatte. Beider Ziel war Neapel, von dessen mildem Winterklima St. sich Besserung und eine Verlängerung seines Lebens um zehn Jahre erhoffte. Anfang Februar 1766 war er dort, wo er den Karneval mit seinen Opern, Pulcinellos und Maskeraden mitmachte (obwohl am 12.2. Aschermittwoch war, schrieb St. am 14.2.: wir machen Karneval mit). Gesellschaftlicher Mittelpunkt war das Haus des britischen Gesandten Sir William Hamilton (1730-1803), der seit 1764 hier residierte und zusammen mit seiner Gemahlin († 1782) St. viele Aufmerksamkeiten erwies. Sein Vater war Gouverneur von Jamaica gewesen, wo St.s Vater gestorben war. (Hamiltons 2. Gemahlin war Nelsons notorische Mätresse Lady Emma Hamilton). Auch einen der Maskenbälle von Prinz und Prinzessin Francavilla besuchte St., und bei Baron d'Holbach, den er ja von Paris her kannte, war er ebenfalls zu Gast. Und er sah mit Sicherheit die weichbrüstige Miss Tuting wieder, die zu der Zeit ebenfalls in Neapel war. Mitte März verließ er in Erringtons Begleitung Neapel wieder und fuhr über die Abtei Monte Cassino, wo sie wie die Fürsten empfangen wurden, nach Rom zurück, um dort die Karwoche (23.-29. März) zu begehen. In der Zeit saß er auch dem englischen neoklassizistischen Bildhauer Joseph Nollekens (1737-1823), der 1760-1770 in Rom weilte, Modell für eine Büste, die "von St.s in Neapel verbesserter Gesundheit" zeugt (Th. 365; s.u. Porträts). Da der Plan, mit Errington über Venedig, Wien, Berlin, Hannover und die Niederlande nach England zurückzukehren, sich zerschlug, kam St. auf seine ursprüngliche Absicht zurück, Frau und Tochter in Frankreich zu besuchen. Nach langem Suchen in fünf oder sechs Städten fand er sie etwa Mitte April in der Nähe von Dijon und verbrachte ein paar unbeschwerte Wochen mit ihnen. Er fühlte sich neu zum Schreiben gedrängt und glaubte, noch zehn Jahre zu leben und mit der Feder in der Hand zu sterben. (Seine Frau sah das realistischer und war beim Abschied sehr melancholisch). Über Paris, Calais, London und York kehrte St. nach Coxwold zurück, wo er spätestens Anfang Juli ankam, um sich Band 9 des "Tr. Sh." zu widmen. Unterbrochen wurden die Arbeiten durch die Yorker Rennen, für die dieses Mal der Herzog von York die Schirmherrschaft übernommen hatte (Frederick Augustus, Herzog von York und Albany, 1763-1827, war noch ein Kind), und St. hatte die Ehre, vor dem Herzog zu predigen. Überschattet wurde die Zeit nicht so sehr von St.s eigener schlechter Gesundheit, sondern der seiner Frau, die im Herbst 1766 in [Fontaine de] Vaucluse (bei Avignon) erkrankt war, wo sie jetzt mit Lydia in einer Sieben-Zimmer-Wohnung lebte. - Die im November gehegte Absicht, an Weihnachten "in London zu sein, um sich 'mit einem weiteren Kind der shandyischen Fortpflanzung ins Kindbett zu legen'" (Th. 371), ließ sich nicht realisieren, aber in den ersten Januartagen 1767 reiste St. in einem furchtbaren Schneegestöber nach London, das er demzufolge erst nach vier Tagen erreichte. Er bezog eine Wohnung in der Old Bond Street im Stadtteil Mayfair, wo er auch ein Jahr später sterben sollte (1904 abgerissen). Es war das Haus der Königlichen Perückenmacherin Mrs. Mary Fourmantel, also höchstwahrscheinlich der Mutter seines einstigen Schwarmes Kitty (St. verliert über eine evtl. verwandtschaftliche Beziehung kein Wort). Trotz des ungesunden Tauwetters besuchte er im Theatre Royal Garricks neues Stück "Cymon" und auch ein ausgezeichnetes Konzert in Carlisle House in Soho. Auch verkehrte er in dem anglo-indischen Salon des Ehepaares Kommodore Sir William James (1721-1783) und Anne Goddard in Soho (Gerrard Street), die seine Freunde wurden. Am 29. Januar erschien der 9. (und letzte) Band von "Tr. Sh." (S. 567-615), von dem St. wußte, daß er ihm "auf Grund eines heftigen Fiebers" mißglückt war, von dem er aber andererseits sagte, er "sei von allen [seinen] Büchern in London am besten aufgenommen worden" (Th. 376). Er beginnt mit der "Widmung an einen großen Mann", nämlich "Lord********", d. h. den 1766 zum Premierminister aufgestiegenen und zum Earl of Chatham kreierten William Pitt d. Ä. (Th. 569f.). Seine 33 Kapitel enthalten hauptsächlich die Liebesgeschichte von Onkel Toby, dem Witwe Bridget Wadman erfolgreich den Hof macht, aber auch in Kapitel 6 (578f.) die "zärtliche(n) Geschichte über die Leiden eines einsamen armen Negermädchens" (St. lt. Th. 368), zu der er wahrscheinlich durch den Briefwechsel mit einem seiner Verehrer, dem schwarzen Diener des Herzogs von Montagu, Ignatius Sancho, veranlaßt worden war, sowie die beiden leeren Kapitel 18 und 19, die zwischen dem 26. und 27. Kapitel nachgeholt werden. Ansonsten enthält der Band wieder viele nichtssagende Dinge und einen erbärmlichen Platituden-Realismus, den St. für lustig hielt. Und: Tr. ist über seine Jugendjahre immer noch nicht hinausgekommen! Das Urteil der Kritik war ziemlich niederschmetternd. Die Monthly Review bedauerte, "daß die Natur die ausgesuchtesten Blumen des Geistes auf so launenhafte Weise einem nichtswürdigen Humus von Possenreißerei entsprießen läßt" (zit. nach Th. 376), und bezeichnete St. schlichtweg als "Harlekin". - In James' Salon hatte St. die letzte Liebe seines Lebens kennengelernt, die 22jährige Mrs. Eliza Draper (1744-1778), Ehefrau eines Beamten der Ostindischen Kompanie, und sich mit ihr in eine von seiner Seite aus leidenschaftliche, wenngleich platonische, Liebesaffäre eingelassen. (Die als Tochter eines Angestellten der Ostindischen Kompanie an der Malabarküste geborene E. Sclater war mit 4 Jahren verwaist und in England erzogen worden. 1757 kehrte sie nach Bombay zurück und wurde im folgenden Jahr, mit erst 14 Jahren, mit Daniel Draper verheiratet, von dem sie mit 18 bereits zwei Kinder hatte. Sie wurde des "grämlichen, reservierten" Mannes sowie des Landes jedoch bald überdrüssig und hielt sich, als St. sie kennenlernte, "in London auf, während ihre Kinder zur Schule gingen und ihr Gatte nach Bombay zurückkehrte"). Wenngleich sie in den Augen anderer Frauen nichts besonderes an sich hatte und "eine Frau wie jede andere" war (Mrs. Thrale, nach Th. 377), war St. sofort "halb verliebt" in sie und wünschte, es ganz zu sein, "denn ich habe nie eine Vertreterin Deines Geschlechtes höher geschätzt (oder mehr schätzenswerte gute Eigenschaften gefunden) und mehr geachtet als Dich" (zit. nach ebd.). Er war sich offenbar nicht bewußt, daß er so oder ähnlich bei jeder Frau formulierte, die ihm gefiel; aber wahrscheinlich entdeckten auch junge Frauen hinter dieser Fassade die um Liebe bettelnde Hilflosigkeit, die ihren Mutterinstinkt weckte. Im übrigen wird Eliza ihn zwar "als einen Mann von Geist" bewundert und sein Bemühen um ihre geistige Entwicklung geschätzt haben, aber nichts weiter. St. sagte ihr zwar ins Gesicht: "Du bist nicht schön, Eliza", aber er wollte "nie ein klügeres, beseelteres und gütigeres Gesicht gesehen" haben als das ihre. "Du hast etwas Gewinnenderes in Deinen Augen und Deiner Stimme als alle Frauen, die ich je gesehen habe und von denen ich je gelesen und gehört habe. Aber es ist jene bezaubernde Art geheimnisvoller Eigenschaften, die nur sehr feinfühlige Männer zu rühren vermag". Von der Affäre hatte Mrs. St. in Vaucluse bereits Mitte Februar erfahren, denn St. spielte die Sache in einem Brief an seine Tochter vom 23. 2. als Freundschaft, die aber keine blinde Leidenschaft sei, herunter. Und in seinem Schreiben vom 9. März drängte er sie, ihre Mutter zur Rückkehr zu überreden, "denn das Leben ist zu kurz, um in der Trennung verschwendet zu werden" (Th. 382f.). Richtig kam St.s "Liebe" aber erst zum Durchbruch, als Eliza nach Bombay zurückgefahren war (das Schiff lief am 3. April aus). Vom 12. April bis zum 1. November 1767 führte er, wie mit ihr verabredet, ein an sie adressiertes Tagebuch: "The Bramine's Journal" (das Tagebuch war umfangreicher, doch nur die gen. Zeitspanne ist erhalten), das er ihr in Fortsetzungen schickte. Als literarisches Vorbild diente ihm wahrscheinlich das im Vorjahr erschienene "Tagebuch für Stella" von Jonathan Swift, das er kannte. St.s Schöpfung "ist das Werk eines kranken Mannes", wobei die Krankheit wohl von seinem körperlichen Zerfall bedingt, an sich aber ein "Fieber des Herzens" war, begleitet von Selbstmitleid und einer sich verzehrenden Sehnsucht nach Eliza (zit. n. Th. 386). In der Art, wie es St.s "Zusammenbrüche und seelischen Erschütterungen" beschreibt, nimmt es die Romantik vorweg. Dem Tagebuch - und damit Eliza - vertraute er auch die peinliche Geschichte an, die ihm in der zweiten Aprilhälfte zustieß: eine heftige Entzündung des "empfindlichsten...schmerzhaftesten und heikelsten" aller Körperteile, gegen die Tristrams Nase, sein Name und das Fallfenster nichts waren, wurde von den herbeigerufenen beiden Ärzten als Spätfolge einer venerischen Krankheit diagnostiziert und mit einem Quecksilberpräparat behandelt - trotz St.s heftigem Gegenargument, daß er schon 15 Jahre lang "nicht den geringsten [Geschlechts-]Verkehr mit dem schönen Geschlecht gehabt..." habe (Th. 388). Die Behandlung hat aber anscheinend gewirkt, und St. konnte am 1. Mai schon wieder einen Spaziergang im Park unternehmen. Parallel zu dem Tagebuch führte St. mit Eliza einen intensiven Briefwechsel, der auch "neckisch-sexuelle(n) Untertöne" enthielt. Nachdem er am 21. Mai noch mit Lord und Lady Spencer gespeist hatte, trat er am 22., noch stark geschwächt, die Rückreise nach Coxwold an, wobei er in York zwei Tage beim Erzbischof blieb. Kurz darauf kündigte Lydia die Absicht ihrer Mutter an, im Oktober zu kommen, wenn St. sie nicht über den April 1768 festhalte. Er war jetzt nicht mehr davon entzückt und war sich sicher, daß sie nur kämen, um ihn "auszuplündern, so gut sie können". Bei ihrer Ankunft am 1. Oktober erschien ihm Lydia "herzlich und körperlich und geistig höchst anmutig", "ein kultiviertes kleines Luder" (nach Th. 402). Zunächst hoffte er, beide mit einem mäßigen Betrag befriedigen zu können, doch schließlich mußte er seiner Frau eine Leibrente von 300 Guineen und Lydia 2000 Pfund zubilligen und war damit praktisch mittellos. Dafür verpflichtete sich Mrs. St., bis zu seinem Tod in Frankreich zu bleiben. - Als sich die scharfen Nordostwinde im Juni gelegt hatten, begann St. mit der Niederschrift seines letzten Werkes, der "Sentimental Journey". Am 27. Juli erhielt er einen Brief Elizas, den "liebevollsten Bericht ... der je die Zärtlichkeit eines Mannes auf die Probe gestellt hat", und er las ihn unter Tränen immer wieder, bis er richtig krank wurde. Anfang August wurde ihm eine weitere Pfründe in der Grafschaft Surrey angeboten, die jährlich 350 Pfund einbrachte. Am 11. August teilte er Hall-Stevenson mit, er habe sich nie so wohl gefühlt, seit er das College verlassen habe, und tatsächlich zeigte er sich den ganzen Sommer über "körperlich und geistig zufriedenstellend erholt" (Th. 397). Er reiste nach York, Scarborough und Skelton und machte eine weitere Kur in Harrogate. Dort lernte er den Bischof von Cork und Ross (Irland) Dr. Jemmett Browne kennen, der ihm weitere Pfründen in Aussicht stellte. Beide Pfründenangebote lehnte er nach einigen Wochen mit der Begründung ab, daß seine Familie nach Frankreich zurückkehren müsse. Browne machte ihn auch mit Richard Griffith († 1788) bekannt, der in seinem Buch "The Triumvirate" offen seine Ablehnung der St.schen "Plaisanterien" kundtat: "Es ist leichter, jemanden zum Lachen zu bringen als zum Lächeln; und wenn Dummheit geistreich sein will, verlegt sie sich aufs Zotenreißen... Schlüpfrige Ausdrücke bei einer Frau sind doppelt lasterhaft, weil sie sowohl die Schicklichkeit wie die Tugenhaftigkeit kränken; doch bei einem Geistlichen sind sie es dreifach, weil sie auch die Religion verletzen" (zit. nach Th. 398). Dies hielt St. jedoch nicht davon ab, sich um Griffiths Gunst zu bemühen, den er jeden Tag aufsuchte und dabei Einblick in seine Manuskripte nehmen durfte, wie er umgekehrt Griffith das Manuskript der "Sent. Journ." zeigte, das er als seine "Wiedergutmachtung" bezeichnete. (Griffith veröffentlichte 1770 die vorgeblich von St. verfaßten "The Posthumous Works of a Late Celebrated Genius", die zwar nur "eine schlechte Nachahmung" von St.s Humor darstellen, aber wegen ihrer Bemerkungen über die Beziehungen von St. und seinem Onkel Jacques von Interesse sind, da sie möglicherweise auf G.s Gespräche mit St. zurückgehen. Sie fanden auch in der ersten Gesammelten Ausgabe Aufnahme, die 1779, ohne St.s Briefe, erschien). Im September, als St. die Ankunft seine Frau erwartete, verfaßte er einige Briefe an eine geheimnisvolle Hannah, wobei nicht sicher ist, ob dahinter eine reale Frau oder nur seine Einbildungskraft und das Spiel seiner Feder stand. Sie soll ihn "mehr besessen haben als jede andere Frau - deshalb müssen Sie mich, H., sowohl im Geiste als auch im Körper besessen haben" (Th. 400); aber ob sie die Dame aus der Bond Street oder der Grosvenor Street, vom Square oder aus der Pall Mall war, wußte er nicht. Für die Realität spricht die Tatsache, daß St. um diese Zeit keine Briefe an Eliza schickte und ihr zur Entschuldigung die Lüge sagte, seine Familie sei Anfang September eingetroffen. - Die ihm noch verbleibende Kraft - er sah aus wie ein Gespenst - widmete St. der Veröffentlichung der "Sent. Journ." und der Ordnung seiner Angelegenheiten. Er begab sich wieder nach London (Old Bond Street), das einen zweiten frostigen Winter sah. Ende des Jahres verfaßte er ein Memorandum betr. die Fundorte (Korrespondenzpartner) seiner Briefe. Die ihn bedrängenden Verabredungen und Einladungen reizten ihn nicht mehr. Das Ehepaar James hätte er gerne besucht, aber nach dem Frost war Tauwetter mit Schneematsch. Im Februar 1768, als er auf das Erscheinen der "Sent. Journ." wartete, beklagte er sich bei dem Arzt Dr. John Eustace in North Carolina, einem Verehrer, der ihm einen originell geschnitzten Spazierstock geschickt hatte (Letters, Nr. 124), über die "schwere Aufgabe, Bücher zu schreiben und Köpfe zu finden, die sie verstehen". (Th. 404). Als am 27. Februar endlich "A Sentimental Journey Through France and Italy" erschien, hatte St. noch kaum drei Wochen Zeit, sich an ihrem Erfolg zu freuen. Der fertiggestellte Teil (zwei von vier geplanten Bänden) enthält nur die französische Tour, beginnend in Calais (2-32), über Montreuil (32-43), Nampont (43-47), Amiens (u. Rouen) (47-52) nach Paris (45-82, 95-96), Versailles (82-89, 92-95, 96-102), Rennes (90-92), dann über Paris (102-127) nach Moulins (Bourbonnais) (127-132), um auf der Straße nach Lyon zu enden (Seitenangaben: dt. Ausg. v. 1853). Gemäß St.s Definition des Sentimentalen werden auch hier seine Gefühlsregungen in den Vordergrund gestellt. So ist es nicht zu verwundern, vielmehr geradezu bezeichnend, daß die gen. Städte stets nur den Untertitel von Überschriften bilden, deren Haupttitel ein Frauenname, ein - überwiegend triviales - Ereignis oder eine Sache ist, wobei meist ein zumindest leicht erotischer "Touch" gegeben ist. Das Pseudonym Mr. Yorick war St.s Lesern aus "Tr. Sh." und den Predigten bekannt, und auch auf andere Charaktere aus "Tr." weist St. in der "Journ." hin. So erinnert er bei Moulins an Maria, die "disordered maid" von Moulins, aus Band 9. Was das Büchlein trotzdem so lebendig und anziehend macht(e), ist St.s Fähigkeit, "Gefühlsschattierungen" zu schildern. So ist es nicht zu verwundern, daß selbst Horace Walpole das Werk "sehr gefällig, wenn auch allzu weitschweifig" bezeichnete. Er erkannte "eine große Güte darin" und "Passagen von Feingefühl". Und die Monthly Review nannte die beiden Bände "unterhaltsam, erquicklich und satirisch". Seine Genugtuung darüber drückte St. in einem Brief an Lydia aus, trotz seiner schlechten Gesundheit und elenden Grippe. Diese Art des Reiseberichts fand lebhaften Widerhall (Goethe) und wurde oft nachgeahmt, in Deutschland von Moritz August von Thümmel (1738-1817) in seinem zehnbändigen Hauptwerk "Reise in die mittäglichen Provinzen von Frankreich" (1791-1805), in Rußland v.a. von Nikolaj M. Karamsin (1766-1826) in "Briefe eines russischen Reisenden" (1791/92; dt. 1799-1802), wie überhaupt St.s "kühner Subjektivismus des Stils" u. sein Humor stark nachgewirkt haben (Jean Paul). Aber es gibt auch kritische Stimmen: A. Alvarez, der Herausgeber der Penguin-Ausgabe, bemerkt, die Wirkung der "Sent. Journ." liege allein in St.s Fähigkeit, seine Leser "einzuwickeln"; und Thomson 399 stellt gar fest: Sie grenzt durch ihre "Fixiertheit auf Tändeleien fast an Geschmacklosigkeit. Es ist absurd, dieses Buch einfach bezaubernd...zu nennen und die voyeuristische Überempfindlichkeit, in der es schwelgt, nicht zur Kenntnis zu nehmen. Es umschreibt St.s Erkenntnis, daß es vielleicht überwältigender war, vom Geschlechtsakt zu träumen als ihn auszuführen". - St.s Gesundheitszustand wechselte nun zwischen morgendlicher Euphorie und dem Bewußtsein, sehr krank zu sein. Er begann mit der Niederschrift einer komischen Erzählung. Viele seiner Bekannten, auch Damen, besuchten ihn am Krankenbett. Am 15. März schrieb er Mrs. James, daß er kaum noch schreiben könne und eine Rippenfellentzündung ihn "an die Schwelle des Todes gebracht hätte" (Th. 405); in der Woche zuvor war er dreimal zur Ader gelassen und mit Spanischen Fliegen behandelt worden. Lydia, die gerüchteweise gehört hatte, er wolle sie nach seinem Tod Eliza anvertrauen, beruhigte er mit dem Hinweis, er werde sie Mrs. James anvertrauen, von der sie lernen werde, "eine zärtliche Ehefrau, eine liebevolle Mutter und eine aufrichtige Freundin zu sein" (Dinge, die St. an seiner Frau nie erfahren hatte). Sein letzter Brief war an Mrs. James gerichtet, ein Abschied mit guten Wünschen und der Bitte, ihn in guter Erinnerung zu behalten und die Torheiten zu vergessen, die sie immer gerügt habe und zu denen ihn sein Herz, nicht sein Kopf, getrieben hätten. Bei all dieser bewußten Todesnähe ist kein Zeugnis bekannt, daß St. sich spirituell auf die Gottesbegegnung im Sterben eingeübt hätte, es sei denn daß der Besuch eines Mitbruders zwei Tage vor seinem Tod einen geistlichen Zweck hatte. Als eine Gesellschaft von Freunden am 18. März bei John Crauford zu Tische war - Garrick, Hume, James, der Duke of Roxburgh (wohl John Ker, 1740-1804), der Earl of March (William Douglas, 1724-1810) und andere - und sie einen Diener zu St. schickten, um sich nach ihm zu erkundigen, traf dieser ihn im Sterben an; sein letztes Wort war "Jetzt ist es soweit" - ein Anklang an "Es ist vollbracht"?!? Die Nachrichten über St.s Beerdigung auf dem St.-George's-Friedhof in Paddington (zur St.-Georgs-Pfarrei beim Hanover Square gehörend) sind karg. Der Tag ist nicht bekannt, und keiner der an ihr Teilnehmenden hat einen Bericht darüber hinterlassen. Es hatten sich gerade vier Personen eingefunden, angeführt von dem Kaplan des verstorbenen Prinzen von Wales; die anderen waren St.s Verleger Becket, Kapitän James und wohl St.s Schwager John Botham, Pfarrer in Surrey. Von den übrigen "guten" Freunden nahm niemand teil: Hall-Stevenson und Fauconberg waren in Yorkshire, Garrick, Crauford, Hume und Mrs. Montagu blieben zuhause. Und für Frau und Tochter in Frankreich war der Weg zu weit. Der genaue Platz des Grabes ist unbekannt, und der seit langem verwilderte Friedhof wurde durch Gesetz von 1964 aufgelassen und mit Wohnblocks überzogen. Durch Grabungen, die der L.-St.-Trust am 4.6. 1968 in der Umgebung der 1769 und 1893 gesetzten Grabsteine durchführen ließ, will man mit einiger Sicherheit St.s Schädel gefunden haben, den man in der Folge auf dem Friedhof in Coxwold beisetzen ließ. (Th. 415f. bezweifelte die Echtheit, u.a. in einem Leserbrief an die Times vom 8.6. 1968; aber auch er übernahm die von dem Befund nicht gedeckte Behauptung des Trust, die Nollekens-Büste und die anderen Porträts zeigten, daß St. einen "extrem kleinen Kopf" gehabt habe). Nach der Beerdigung verbrannten der gen. Kaplan bzw. Botham St.s lose Papiere in der Old Bond Street, darunter einen großen "Packen Liebesbriefe von Damen der ersten Gesellschaft" (Th. 411). - St. hatte zwar einige Vorkehrungen für den Fall seines Todes getroffen, ein Testament aber hatte er nicht verfaßt, und das Abkommen, das er im Herbst zuvor mit Frau und Tochter getroffen hatte, war nun hinfällig. Obwohl Mrs. St. erst am 4. Juni 1768 vom Nachlaßgericht in York als Nachlaßverwalterin bestätigt worden war, hatte sie schon am 12. April im "York Courant" den Verkauf des Haushalts in Coxwold annonciert und einen Yorker Anwalt mit der Abwicklung beauftragt. Viele Bekannte glaubten, daß den Damen St. nun das Elend drohe. Schon am 26. März, schrieb der Erzbischof von York an Mrs. Montagu, Frau und Tochter seien "höchst besorgt" über ihr unglückliches Schicksal..."; doch zehn Tage später prahlte Lydia Mrs. Montagu gegenüber, daß ihrer Mutter persönliches Vermögen ausreiche, alle Schulden zu bezahlen und sie mit einem Überschuß von 1500 Pfund davonkämen. Im Sommer 1768 wurde in York eine Sammlung veranstaltet, deren Einnahmen Lydia zu einer Leibrente verhelfen sollten; für die in der Stadt wenig geschätzte Mutter wurde nichts gespendet. Die Sammlung erreichte ihren Höhepunkt bei der Rennwoche im August, und insgesamt kamen 800 Pfund zusammen! Am 23. August wurde St.s Bibliothek bei Todd & Sotheran in York für ca. 80 Pfund verkauft, und ihr Corpus noch im selben Jahr in einem Sammelkatalog aufgelistet, der allerdings St.s Bücher nicht eigens bezeichnete (s. u. Lit.). Im Herbst befand der Erzbischof, daß St.s Erben verpflichtet seien, dem neuen Pfarrer von Sutton die Wiedereinrichtung des abgebrannten Pfarrhauses zu bezahlen; für die Gesamtkosten von 576 Pfund erhielt er schließlich von ihnen 60 Pfund. So arm, wie sie taten, können Mrs. St. und Lydia nicht gewesen sein. Denn der Erfolg der "Sent. Journ." wurde durch St.s Tod vermehrt, und Becket, der bis Ende März eine 2. Auflage herausgebracht hatte, konnte noch im selben Jahr eine dritte veranstalten. Um aus St.s literarischem Nachlaß möglichst viel Kapital zu schlagen, machte sich die zwanzigjährige Lydia, beraten von Hall-Stevenson, daran, achtzehn weitere "Sermons" in drei Bänden herauszubringen. Becket bot ihr für das Copyright zunächst 400 Pfund an, machte dann aber weitere Einschränkungen, so daß Lydia sich Anfang 1769 an den Drucker/Buchhändler William Strahan (1715-1785) wandte. Ihr Vorgehen hatte Erfolg: Becket, Strahan und sein Partner schlossen sich zur Veröffentlichung der Predigten zusammen, die am 3. Juni in London in Gegenwart Lydias und ihrer Mutter erschienen (bis dahin hatten sich schon 729 Subskribenten gefunden). Schon am 25. Mai hatte Hall-Stevenson "seine langweilige Fortsetzung" der "Sent. Journ." veröffentlicht ("Yorick's Sentimental Journey Continued"), die nicht nur literarisch wertlos ist, sondern ihn auch als einen schlechten Freund offenbart. Im Vorwort machte er die später von ihm als Erfindung bezeichnete Mitteilung, St.s Leichnam sei "kurz nach der Bestattung ausgegraben, vermutlich nach Oxford geschafft und von einem dortigen bedeutenden Anatomen seziert worden" (Th. 413). Lydia, die "eifrig um den guten Ruf ihres Vaters bemüht" war, suchte den wieder inhaftierten Wilkes im Gefängnis auf, der ihr anbot, in Zusammenarbeit mit Hall-Stevenson eine Biographie St.s zu verfassen. Hoch erfreut über dieses Projekt, begaben sich die beiden Frauen wieder nach Frankreich, wo sie zunächst in Angoulême lebten und Lydia an den Zeichnungen arbeitete, die auf Wilkes' Vorschlag den Gesammelten Werken beigegeben werden sollten. Im Frühjahr 1770 verlegten die beiden kränkelnden Frauen ihren Wohnsitz weiter nach Süden, nach Albi, wo es ihnen allerdings an passender Gesellschaft mangelte. In der Folge erlitt Mrs. St. einen epileptischen Anfall und war in der Folge stets krank. Spätestens im Herbst 1771 lernte Lydia Jean-Baptiste-Alexandre-Anne Medalle kennen, den Sohn eines Zollbeamten aus Albi, der ihr "durchaus nicht übel" gefiel; und spätestens als sie erkennbar von ihm schwanger war, machte er ihr einen Heiratsantrag. Sein Vater hatte allerdings die Bedingung gestellt, daß Lydias Mutter nach französischer Sitte auf ihr Vermögen verzichte, was beiden schwer ankam. Mrs. Montagu half insofern aus, als sie die bisher Lydia gezahlten jährlichen 20 Pfund auf ihre Mutter übertrug. Nachdem sie zum Zwecke der Heirat am 28. April 1772 zum katholischen Glauben übergetreten war, fand die Trauung in der Kapelle des Provosts in Albi statt; am 6. August gebar Lydia einen Sohn, der auf die Namen Jean-François-Laurent getauft wurde. Elizabeth St. starb am 13. Januar 1773 in Albi im Alter von 58 oder 59 Jahren. Am 21. Dezember 1773 schenkte Lydia einem weiteren Sohn, Jacques-François Guillaume, das Leben. Kurz darauf starb ihr Ehemann. Lydia Medalle kehrte 1775 nach England zurück, um die "Letters of the Late Rev. Mr. L. St.", zusammen mit seinem "Memoir", herauszubringen. Das Buch wurde von Becket am 25. Oktober veröffentlicht, geziert mit einem Frontispiz (Stich nach einem Original von Benjamin West), "das eine entzückende Lydia..zeigte", die "schützend eine lorbeerumkränzte Büste ihres Vaters umklammerte" (Th. 427); bei dem Neudruck 1776 ließ Becket das Frontispiz weg. Die David Garrick gewidmete Ausgabe (insgesamt 132 Briefe) gibt die Empfänger(innen) überwiegend nur mit ihren Initialen an; einige sind an Garrick, an Frau und Tochter und an Eliza gerichtet. Über Lydias weiteres Schicksal wissen wir nichts, außer daß sie beim Tod eines ihrer Söhne 1783 in der Militärakademie der Benediktiner in Sorèze (Dep. Tarn) bereits verstorben war. - Eliza Draper, die 1768 mit ihrem Mann von Bombay nach Tellicherry (Kerala) gezogen war, hatte einige Sorge, was die Damen St. aus ihrem Briefwechsel mit Laurence machen würden. Im Laufe ihrer Korrespondenz mit Lydia, die sie sehr enttäuschte, wandelte sich auch ihre Einschätzung St.s, dessen Tugenden sie fast einmal angebetet hatte, den sie jetzt aber als "mit den Lastern der Ungerechtigkeit, Gemeinheit - und Torheit behaftet" ansah. Um einem Skandal zu entgehen, schlug sie Becket vor, St.s Briefe gegen Bezahlung zu unterschlagen und sie Mrs. James auszuhändigen. Gleichzeitig organisierte sie jedoch zur Unterstützung von Witwe und Tochter in der indischen Gesellschaft Sammlungen. Nachdem sie im Januar 1773 ihren Mann verlassen hatte und mit einem Marineoffizier durchgebrannt war, kehrte sie 1774 als Dreißigjährige nach London zurück und sonnte sich in dem Ruf, St.s Eliza zu sein. Schon 1773 waren seine Briefe an sie ("Eliza", "Bramine") unter dem Titel "Letters from Yorick to Eliza" veröffentlicht worden - zwar ohne Vorwort, doch sicherlich nicht ohne ihre Zustimmung. Das "Journal to Eliza" wurde erst 1904 publiziert. Die "Letters from Eliza to Yorick", 1775, und die "Letters Supposed to Have Been Written by Yorick and Eliza", 1779, sind Fälschungen, letztere von St.s Freund William Combe, der einer der Londoner Verehrer von Mrs. Draper war. Deren seriösester war jedoch der französische Historiker und Philosoph Abbé Guillaume Raynal (1713-1796, Exjesuit), der sie dazu veranlaßte, nach Bristol umzuziehen, wo sie am 3. August 1778 starb und in der Kathedrale unter einem üppigen Grabmal beigesetzt ist.
Zusammenfassende Bemerkungen: Auf Grund von nur zwei Werken - eines davon unvollendet - wurde St. eine der Schlüsselfiguren des englischen Romans. Und obwohl er in der Literaturgeschichte weitgehend als der Begründer des sentimentalen Romans, zumindest aber als dessen hervorragendster Vertreter gilt, war er in Wahrheit der erste, der in "Tr. Sh." einen wirklich realistischen Roman, und eines der namhaftesten Werke der englischen Literatur, vorgelegt hat. Denn das, was wir normalerweise unter Realismus verstehen - Henry Fielding, Samuel Richardson, Tobias Smollett - mag für die an die Wirklichkeit angenäherte Handlung und Situationen (Sittenroman) dieser Autoren gelten, nicht aber für ihre Dialoge, die im Vergleich mit St. wirklichkeitsfremd sind und ihre Werke trotz allem Realismus gegenüber St. behaglich erscheinen lassen. (St.: "Schreiben, richtig beherrscht, ist nur ein anderer Name für Konversation". Er hätte auch sagen können, daß authentische Konversation etwas anderes ist als ihre Wiedergabe im Drama und in den meisten fiktiven Werken). Im Vergleich dazu kommt das Sentimentale erst an zweiter Stelle, wobei unbedingt zu beachten ist, daß damit nicht Rührseligkeit gemeint ist (vgl. das gängige Mißverständnis von "Romantik"), sondern die Präponderanz der Gefühlswelt im weitesten Sinne, d. h. daß St., anders als Fielding oder Richardson, "seinen Ruf, seine Gefühle, seine Identität restlos in den Roman einfließen" läßt und dadurch, aber erst als finis secundarius, auf das Gemüt des Lesers einwirken will. Diese, das Gefühl ansprechende Darstellung, die eine "Kenntnis des Herzens" voraussetzt, nannte St. "sentimental" und erwies sich so - im Gegensatz zu der herrschenden Aufklärung und im Vorgriff auf die Romantik - als bewußter Gegner der Verstandesrichtung. "War Fielding der große Vollender des englischen Romans..., so können wir in St. den neben Joyce vielleicht größten Gaukler der Gattung sehen", bei dem das Jonglieren mit der Form "fast zum Selbstzweck, wenn nicht gar zur bewußten Absurdität um der Freiheit...des individuellen Welterlebnisses willen" wird. (Wolff). Der "Umstand, daß St. um eines einzigen Werkes...willen in die Romangeschichte eingegangen ist," zeigt, daß er etwas völlig Neues geschaffen hat. Es ging ihm "weniger um die Erfüllung eines bestimmten...Gattungstypus...als um den angemessenen Ausdruck seiner individuellen, ja individualistischen Persönlichkeit." Insofern ist für Wolff zwar "die Bekanntschaft mit dem Charakterbild des Autors unumgänglicher als bei anderen Romanautoren", doch hält er es für falsch, "dabei...großen Wert auf die Registrierung 'autobiographischer Elemente'" zu legen. Da diese sich aber auf Schritt und Tritt feststellen lassen und St. sich mit seinem Helden Tr. oder Yorick weitgehend identifizierte, ist diese im allgemeinen bei Kunstwerken gültige Forderung im vorliegenden Falle falsch. Als Beispiel der vorhandenen autobiographischen Elemente nennt Wolff die "Figur des liebwerten Pfarrers Yorick, die bis zu einem gewissen Grade ein Selbstporträt...darstellt." Diese immer wieder reproduzierte Behauptung, die von keinem Autor durch Vergleiche belegt wird, beruht auf der naiven Annahme, daß wenn ein Pfarrer einen anderen Pfarrer schildert, es notwendigerweise ein Selbstporträt sein müsse. Im Falle Y.s kann es genausogut die Persiflage eines Kollegen oder eine freie Erfindung sein. Wolff möchte nämlich - an der Realität des "Tr." vorbei - Autor und Werk stärker trennen und zeigen "daß Tr. Sh., der exzentrische, auf dem Strom seiner Ideenassoziationen schwimmende Erzähler..., nichts anderes darstellt, als den Protagonisten eines individualistischen Welterlebens", das nur insofern St.s eigenem Welterlebnis entspricht, als auch er "ein Exzentriker und Individualist war". St.s revolutionäre Darstellungsweise ist das Ergebnis einer bemerkenswerten Fähigkeit und einer mühevollen Sorgfalt, eine scheinbar ungeordnete Erzählung in eine - wie auch immer geartete - Ordnung zu bringen. Sie hätte aber wohl nicht diese große Wirkung gehabt, wäre sie nicht verbunden gewesen mit seiner humorvollen Weltsicht und der Fähigkeit, Schattierungen des Gefühls mit großer Subtilität auszudrücken. Obwohl er sich so bewußt mit dem Kastrationskomplex und der Impotenz beschäftigt, daß sie fast Embleme der menschlichen Beschaffenheit überhaupt werden, vermeidet er - nicht untypisch für die 1760er Jahre - Entführung, Vergewaltigung und eine intensive Beschäftigung mit der Keuschheit. (Vor ihm wäre ein Roman ohne Entführung wie ein Western ohne Schießerei gewesen). Mit ähnlichem Bestreben zum ernsthaften "Sentimentalen" erschienen zur gleichen Zeit zahlreiche Romane, von denen Mrs. Frances Sheridans (1724-66) mit weiblichen Herzensregungen angefüllten "Memoirs of Miss Sidney Bidulph" (1761) und Henry Brookes (ca. 1703-83) "Fool of Quality" (1766; erster wichtiger englischer Erziehungsroman) sowie "The Man of Feeling" (1771) des Schotten Henry Mackenzie (1745-1831) nennenswert sind. Ihr plötzliches Aus-dem-Boden-Schießen legt nahe, daß sie nicht einfach Imitationen von St. sind, daß vielmehr die Zeit reif dafür war und es nur des Anstoßes von St. bedurfte, das Verborgene ans Tageslicht gelangen zu lassen. Der weitere Einfluß St.s auf die Literatur des ausgehenden 18., des 19. und des 20. Jahrhunderts ist mannigfaltig, und es können hier nur einige Beispiele genannt werden. Jane Austen (1775-1817) hat Anklänge an St., die nahelegen, daß sie "Tr. Sh." od. "Sent. Journ." gelesen hat. Christoph Martin Wieland (1733-1813) befaßte sich eingehend mit St.s Schriften, deren Einfluß sich in zehn seiner Werke nachweisen läßt, z.B. in den "Beitraegen zur geheimen Geschichte des menschlichen Herzens", in "Der goldene Spiegel...", der ganz in St.schen Humor getaucht ist, oder in dem satirischen Prosaroman "Die Geschichte der Abderiten". Seine Weigerung, sich irgendwelchen Gliederungsregeln zu unterwerfen, machte St. bis heute zu einer Fundgrube für avantgardistische Romanautoren, und mit seiner Darstellung des Lebens als eines Flusses von Geschehnissen, deren einzige Verknüpfung im Bewußtsein des Erzählers liegt, nahm er den Impressionismus geradezu vorweg. Seine wahren Nachfolger in der Entwicklung der von ihm aufgezeigten Möglichkeiten des Romans brachte jedoch erst das 20. Jahrhundert. Hier sind es v.a. James Joyce (1882-1941) und Virginia Woolf (1882-1941!), deren "Bewußtseinskunst" in St. ihren Vorläufer hat. Bei Joyce kommt noch die Parallele hinzu, daß er wie St. großen Einfluß auf zeitgenössische Romanciers ausübte, ohne indessen wirkliche Nachfolger zu haben; und V. Woolf betätigte sich auch als St.-Herausgeberin und -Kritikerin (s.u. WW u. Lit.). Literarische Parallelen zu St. hat Th. 339 auch bei Ernest Hemingway (1898-1961) festgestellt, einschließlich des ständigen Einbringens des eigenen Lebens in das Werk und das emsige Bemühen, den eigenen Ruf zu begründen. Rezensionen bzw. Kommentare liegen auch vor (u.a.) von Diderot, Voltaire, Mme. de Staël, Herder, Goethe, Novalis, Schlegel, ja sogar Puschkin. Selbst der amerikanische Politiker Thomas Jefferson (1743-1826) äußerte sich zu ihm. Erstaunlich vielfältig sind Bezüge zu St. in Werken verschiedenster Art. So etwa im 26. Kapitel von J. F. Coopers "The Prairie" (1827) auf "jenes hochberühmte Anathema der Kirche [i. e. die Exkommunikation des Bischofs Ernulfus], dessen Kenntnis die meisten...Protestanten den frommen Nachforschungen des ehrenwerten Tristram Shandy verdanken" (S. 1202); in G. M. Trevelyans "History of England" (1942); oder in dem packenden Roman "The Winged Horse" von Pamela Frankau (1954), wo der junge Tobias (Toby) Baron von seinem kleinen Neffen partout nicht "Uncle Toby" genannt werden will und ihm erklärt: "Wenn du ein Mann wirst, wirst du 'Tr. Sh.' lesen, dann weißt du's." - Trotz allem Gesagtem sind Autor und Werk bis heute kontrovers. Zeitgenossen wie Griffiths (in seiner "Monthly Review") und Goldsmith beschuldigten ihn, die Leidenschaften anzuregen durch lüsterne Ideen und absurden Geschmack am Obszönen und Kecken. David Hume, der St. ja persönlich gekannt hatte, beklagte 1773, daß England weit und breit keinen guten Schriftstelle mehr habe und stellte fest: "Das beste Buch, das im Lauf der letzten dreißig Jahre...geschrieben wurde, ist Tr. Sh., so schlecht es auch ist." A. Gelbcke (s.u. Werke) schrieb 1869, "Tr. Sh." sei wie der Dekameron "ein Buch für Männer und nicht für Frauen" (obwohl St. immer wieder auch Frauen - "Madam" - anredet) und eigne sich "für das reifere Alter und nicht für die Jugend". Ein moderner Kritiker betont dagegen, die Zensur der Zeitgenossen sei von der damaligen moralischen Atmosphäre diktiert gewesen und verkenne, daß St.s schmutzige Phantasie Teil eines Romanciers von Genie sei; er sei zwar unzüchtig, aber wenn er kritisiert werden könne, dann nicht deswegen. Der als Schriftsteller wie Literaturtheoretiker bedeutende Edward Morgan Forster (1879-1970) sagt: Ein Gott ist in "Tr. Sh." verborgen, und sein Name ist "Muddle", und einige Leser können ihn nicht akzeptieren. Auch meine Haltung ist ambivalent. Neben der unbestreitbaren Leistung und der einzigartigen, nie wieder erreichten Qualität steht die absolute Banalität, ja sie sind so ineinander verwoben, daß man behaupten könnte, der große literarische Wurf sei St. nur indirekt, mehr zufällig, gelungen und sein Hauptzweck sei das durch das Schreiben erzeugte eigene Vergnügen gewesen, verbunden mit einem Auffallen-Wollen um jeden Preis, selbst den von Frivolität und pubertärem Verhalten, Obszönität und Langeweile. Das Werk ist dabei ein Spiegelbild von St.s Leben. Zudem erweckt er auf weiten Strecken den Eindruck des Impotenten oder Ängstlichen, der nicht kann, wie er will. Dazu kommt, daß viele Autoren St.s Werke und va den "Tr. Sh." nur oberflächlich gelesen haben, was auf Grund seines Stils erklärlich, aber nicht entschuldbar ist. Denn St.s Technik verlangt "vom Leser eine geistige Anstrengung, wie sie" bisher "nur die Versdichtung voraussetzen durfte" (Fickler 37).) Demzufolge werden in der Literatur, besonders in den zusammenfassenden Arbeiten, immer wieder Behauptungen aufgestellt, die vom Werk in keiner Weise gedeckt sind. St.s Lateinkenntnisse, wie sie sich im "Tr. Sh.", aber auch in seinen Briefen darbieten, sind stümperhaft; sowohl mit dem grammatischen Geschlecht, als auch mit den Fällen, der Konjugation und der Idiomatik steht er auf Kriegsfuß. Der Kommentator der von mir benutzten Penguin-Ausgabe, Graham Petrie, hat dieses Phänomen allerdings nicht erkannt, Thomson tut es mit "Küchenlatein" (279) ab, Schulze bezweifelt es überhaupt. Auch andere kommentarwürdige Passagen und Begriffe berücksichtigt Petrie nicht oder erläutert sie falsch. So ist ihm nicht die irrige Bezeichnung Johanns v. Salisbury als Bf. v. Lyon ("Lugdun.") im Motto zu Bd. III aufgefallen, wo er doch Bf. v. Chartres [Carnuten.] war; das "Te Deum" ist keine "Dankeshymne für einen Sieg" (620), sondern ein Lobgesang für alle Anlässe; "hafen" ist nicht deutscher Slang für "Nachttopf" (634), sondern ein regional-hochdeutsches Wort für jegliches irdene Gefäß; die hl. Radegunde gründete in Poitiers kein Doppelkloster (635), sondern nur ein Frauenkloster; die Franziskaner-Tertiaren, von denen P. nur die weltlichen, nicht die regulierten kennt, waren keine Büßergemeinschaft (636); die Übersetzung des Erasmuszitats (640) ist ungenau, die des Cardanzitats (650) falsch; hinter "Heinrich Maastricht", Count Solms (642) verbirgt sich der niederländische General der Infanterie Heinrich Graf Solms-Braunfels, der den Beinamen "Trajectinus" hatte, was aber Utrecht, nicht Maastricht, meint. Auch wurde er 1638, nicht 1636, geboren (gef. 1693); bei der Erklärung der Herstellung von "geneva" (644) hätte der Hinweis geholfen, daß es sich um Gin handelt; zum Lachen ist die Erläuterung, daß "in your next birthday-suits" Kleider meint, die bei Geburtstagsfeiern getragen werden (651), denn selbstverständlich ist Nacktheit gemeint (eine von St.s beliebten Zweideutigkeiten); Karls IV. Sohn Wenzel regierte das Reich zwar ab 1378 als Römischer König, war aber nie Kaiser (656); und schließlich, um diese Beispielsammlung zu beenden, macht P. sich auch keine Gedanken über die konfuse Geographie in der Schilderung des Marsches Marlboroughs von der Maas bis Blenheim und Höchstädt (Bd. 8 Kap. 19, S. 538f.) mit ihren nur zum geringen Teil verifizierbaren, in der Mehrzahl aber verballhornten Ortsnamen). - L. St. war kein einfachhin guter Mensch, vielmehr ein "Zerrissener" - großzügig und anständig zwar, wenn er es für nötig hielt - aber abgrundtief selbstsüchtig. Das zeigt nicht nur das Verhältnis zu Mutter und Ehefrau, das wird auf Schritt und Tritt offenbar. So exkommunizierte er - ausgerechnet er - ein Pfarrkind in Stillington, das sich weigerte, die ihm als angeblichem unehelichem Kindsvater auferlegte Geldbuße zu zahlen, obwohl (oder gerade weil) St. selbst der Kindsvater hätte sein können. Dazu kommt die Fähigkeit zur Selbsttäuschung, die er in verschwenderischem Maße besaß und kultivierte.
@Lit-oben unten:Porträts: Sir Joshua Reynolds, März-April 1760 (PrivatSmlg., hier: EBrit.); ders., Juni 1764; ders., Febr. 1768 begonnen, unvoll.); Louis Carmontelle, Paris 1762 (Th. 251); - Büste v. J. Nollekens, 1765-66 in Rom modelliert (Metropolitan Mus. of Art, NY, hier: Europ. Kunst 1750-1850 [im Metropol. Mus.], 1988, S. 96 m. Abb. 67).
@Lit-ohne:Zu den angegebenen Daten ist zu beachten, daß Großbritannien erst im September 1752 den Gregorianischen Kalender einführte; d. h. alle früheren Originaldaten liegen um 12 Tage zurück.
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Werke: Works, 5 Bde., 1773 [o. 1779!?] (ohne Briefe, aber mit Griffiths "Posthumous Works"); 1780 (beste frühe Ausgabe d. Ges. WW, mit den Briefen u. Hogarths Stichen); The Works of L. St. With a Life of the Author, Written by Himself, 4 Vols., London [Lo.] 1823 (I: Tr. Sh., vol. I; II: Tr. Sh., vol. II - The History of a Good Warm Watch-Coat - The Fragment; III: Sermons. An New Ed.; IV: A Sentimental Journey; ed. by Browne, 4 Bde., Lo. 1873. Neue Aufl. 1884; - The Complete Works and Life of L. St. Ed. by Wilbur L. Cross, 12 Vols., New York [NY]: Taylor, 1904. Cambridge, Mass., 1906. (I-IV: Tr. Sh.; V: A Sentimental Journey; VI-VII: Letters; VIII: Journal to Eliza - Letters; IX-X: Sermons; XI-XII: Fitzgeralds "Life" [s. u. Lit.]); - The Writings of L. St., 7 Vols., Oxford: Shakespeare Head Press, 1926-1927. [Cross u. Shakesp. Head: Standardeditionen, letztere allerdings ohne Einleitung u. Kommentar); - Everyman's Library [EL] No. 796 (Sentimental Journey; Journal to Eliza; Letters to Eliza); - Douglas Grant (Ed.), Selected Works (Reynard Libr.), 1950; ders. (Ed.), St.: Memoirs, Tr. Sh., A Sentimental Journey, Sermons and Letters, Lo.: Davis, 1951; - Ian Jack (Ed.), A Sentimental Journey, The Journal to Eliza, A Political Romance, Oxford: Oxf. Univ. Press, 1968.
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Predigten: The Sermons of Mr. Yorick, 4 Bde., 1760-1766; - Sermons by the Late Rev. Mr. St., 3 Bde., 1769; die 7 Bde. dt. 1770; - Predigten v. Laurenz St., (oder Yorick). Aus dem Engl. übers. 3 Bde. Zürich: Füeßlin, 1766-1769.
Briefe: Letters of the Late L. St. to His Most Intimate Friends, 3 Bde., Lo. 1775; - St.'s Letters to His Friends on Various Occasions; to which Is Added His History of a Watch-Coat, with Explanatory Notes, Altenburgh 1776 [Titelangabe lt. Roman Holzner, M.A., Mainz]; - The Letters of L. St. Ed. by Lewis P(erry) Curtis, 3 vols., Oxf. 1935 (beste, voll annotierte Ausg. d. Briefe u. Erinnerungen), Nachdr. 1965; - Letters from Yorick to Eliza, ed. by Eliza Draper, Lo. 1775; dt.: Yorick u. Elisa, 1927; - Earl R. Wasserman (Hrsg.), Unedited Letters by St., Hume and Rousseau, in: M(odern) L(anguage) N(otes) 66, 1951; - Kenneth Monkman - James Diggle [Hrsgg.], Yorick and His Flock: A New St. Letter, in: The Times Literary Literary Supplement [TLS], 14.3.1968; - Letters s. auch u. Biogrr., Melville.
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Lit.:
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Hugo Altmann
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