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Band XI (1996)Spalten 54-56 Autor: Norbert Werner

STRIGEL, Bernhard, dt. Maler. * 1460 in Memmingen, + 1528 ebda. - B. S. ist letztes Mitglied einer seit 1430 in Memmingen tätigen Künstlerfamilie, die eine Vielzahl von Altären anfertigte und weit über den lokalen Bereich hinaus, bis nach Graubünden lieferte. Ausgehend von dem spätgotischen Stil der heimatländischen Werkstatt entwickelt sich S. unter dem Einfluß der niederländischen Malerei zu einem bedeutenden Maler der dt. Renaissance. Blieb anfangs noch der Goldgrund bestimmend, so gewinnt zunehmend der landschaftliche Hintergrund, der in seiner Charakteristik sicher von der Donauschule her abzuleiten ist, eine gesteigerte Aussagekraft. Dramatisch erzählende Elemente werden über den malerischen Kolorismus stimmungsvoll kombiniert. Mit einer erweiterten Raumvorstellung erweist sich S. darüber hinaus als Künstler, dessen Kompositions- und Gestaltungsprinzipien deutlich Formvorstellungen des 16. Jahrhunderts entsprechen. - Die Vielfältigkeit seiner Auftraggeber bestimmt nachhaltig seine beiden bevorzugten Gattungen: das Altarretabel und das Porträt als Einzel- und Gruppenbildnis. Als wohlgeachteter Bürger der im 15. Jh. wirtschaftlich aufstrebenden Reichsstadt Memmingen nahm S. eine Reihe von Ämtern wahr: 1512 Schiedsrichter bei der Gerichtsbarkeit, 1516 Beisitzer des Dreizehnergerichts, 1517 Ratgeb der Kramerzunft, zu der auch die Maler gehörten, 1518 deren Zunftmeister, später Abgesandter der Stadt in Ulm, Augsburg u. a. Orten und am Hof von Innsbruck, sowie als Vermittler in der Reformation zwischen der Stadt und dem Bischof von Augsburg. Schließlich förderte die Stellung als Hofmaler Kaiser Maximilians I die künstlerische Tätigkeit S.'s ganz wesentlich. - Ausgehend von der hochbedeutenden Inschrift auf der Rückseite des Familienbildnisses des Humanisten Johannes Cuspinian hat die Forschung durch stilistische Untersuchungen ein heute für S. relativ gesichertes umfangreiches Œuvre zusammengestellt. Bedauerlicherweise finden sich einst zusammengehörige Altarflügel heute auf verschiedene Sammlungen verteilt, so z. B. die Altäre für St. Nikolaus in Isny (Berlin, Karlsruhe), für die Frauenkirche in Memmingen (München, New York) oder für die Liebfrauenkapelle in Salem (Salem, Karlsruhe).

Werke: Augsburg, Staatl. Gemäldegalerie: Kaiser Maximilian I im Harnisch; Baltimore, Walters Art Gallery: Passionsszenen; Berlin, Staatl. Museen Preußischer Kulturbesitz, Gemäldegalerie Dahlem: Christi Abschied von Maria; Entkleidung Christi; Votivbild mit Hll. Agnes und Konrad; Kaiser Maximilian in Schaube; Blaubeuren, ehem. Klosterkirche: Außenflügel des Hochaltars; Donaueschingen, Fürstl. Fürstenberg. Sammlungen: Szenen aus der Legende des hl. Vitus; Dublin, Nat. Gallery of Ireland: Johannes d. J. von Montfort-Rotenfels; Innsbruck, Tiroler Landesmus. Ferdinandeum: Maria von Burgund; Karlsruhe, Kunsthalle: Verkündigung; Fußwaschung; Verspottung, Beweinung; Johann Caspar von Laubenberg; Schloß Königswart bei Marienbad: Vier Tafeln des Kreuzaltars aus S. Paolo fuori le mura; Memmingen, Städt. Museum: Dreikönigsaltar; München, Alte Pinakothek: David mit dem Haupt Goliaths; Conrad Rehlinger d. Ä. und Gruppenbild seiner acht Kinder, dat. 1517; 3 Tafeln mit schlafenden Grabwächtern; New York, Metropolitan Museum of Art: Bildnis einer Frau; Nürnberg, Germanisches Nationalmuseum: Sippenaltar aus Mindelheim; Prag, Nationalgalerie: Kreuzigung; Salem, Markgräfl. Badisches Schloßmuseum: Passionstafeln des Klosters; Schloß Seebarn (Niederösterr.): Gruppenbildnis Johannes Cuspinian und Familie; Stuttgart, Staatsgalerie: Zwei Büsten (Prophet, David); 4 Tafeln eines Marienaltars; Hl. Antonius Eremita; Vaduz, Slg. der Fürsten Liechtenstein: Bildnis eines Ehepaares; Washington, Nat. Gallery, Kress Coll.: Hans Rott und Ehefrau Margarethe Vöhlin; 2 Tafeln der hl. Sippe mit Maria Kleophas und Maria Salome; Wien, Kunsthistor. Museum: Kaiser Maximilian I mit Familie; Kaiser Maximilian I in Schaube; York, City of York Art Gallery: Schlafender Grabwächter; Zürich, Schweizer Landesmuseum: Altarflügel aus Splügen (Graubünden).

Lit.: J. Baum, Der Mindelheimer Altar des B. S., in: Jahrb. d. Preuß. Kunstsammlungen 35, 1914, 9 ff.; - G. Otto, Die Künstlerfamilie S., Lebensbilder aus dem bayer. Schwaben II, München 1933; - A. Schädler, B. S.'s Devotionsdiptychon in der Alten Pinakothek, in: Münchner Jahrb. V, 1954, 120 ff.; - A. Stange, Dt. Malerei der Gotik, Bd. 8, München-Berlin 1957, bes. 126 ff.; - B. Bushart, `Meister des Pfullendorfer Altars' oder B. S., in: Zeitschr. f. Kunstgeschichte 21, 1958, 230 ff.; - G. Otto, B. S., München-Berlin 1964; - E. Rettich, B. S. Herkunft und Entfaltung seines Stils, Diss. Freiburg i. Br. 1965; - E. Rettich, B. S.'s Handzeichnungen, in: Festschrift Kurt Bauch, München-Berlin 1967, 101 ff.

Norbert Werner

Letzte Änderung: 24.02.2003