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Band XI (1996)Spalten 57-83 Autor: Wolfdietrich von Kloeden

STRINDBERG, Johann August, * 22.1. 1849 in Stockholm, † 14.5. 1912 ebd., weltberühmter sozialkritischer Dichter und Dramatiker, Wegbereiter des modernen Theaters. - A.S. wurde am 22. Januar 1849 als viertes von insgesamt elf Kindern in Stockholm geboren. Er war das erste eheliche Kind. Sein Vater war der Kolonialwarenhändler und Dampfschiffkommissionär Carl Oskar Strindberg. Er gehörte dem Mittelstand an. Ein späterer Konkurs stürzte die Familie in eine vorübergehende Krise. Die Mutter war eine Schneiderstochter und vor der Eheschließung Kellnerin und Magd gewesen (vgl. Titel und Inhalt des schonungslos kritisch gehaltenen autobiographischen Romans »Tjänstekvinnans son« [»Sohn einer Magd«], 1886). Durch die mütterliche Linie stammte A.S. von deutschen Vorfahren, nach Schweden eingewanderten Handwerkern ab. Im Hause Strindberg herrschte patriarchialische Strenge. Dabei war der Vater dem kulturellen Leben sehr aufgeschlossen. A.S. litt unter dem Unverständnis des Vaters, der dessen Phantasieerlebnisse und ambivalent gerichtete Gefühlswelt nicht verstand. Gegenüber solcher Abwehr suchte der Knabe, Liebe bei der Mutter zu erhalten, was ihm nicht gelang. Dagegen gaben ihm seine Geschwister einen gewissen Halt. Die erlebten Kümmernisse des hochsensiblen Jungen, bildeten die Basis für die hohe Empfindsamkeit des späteren großen Dichters. Solche Erfahrungen wie vor allem die starken seelischen Krisen im Erwachsenenalter wurden in den Prosawerken »Inferno«, »Legenden« und in dem Fragment »Jakob brottas« (»Jakob ringt«, 1897 ff.) verarbeitet. Als A.S. dreizehn Jahre alt war, starb die Mutter an Lungentuberkulose. Carl Oskar S. heiratete nun die Haushälterin, was zu schweren Zerwürfnissen zwischen A.S. und dem Vater führte. 1856 kam A.S. in die Klara-Schule, danach in die Jakobsschule und in eine Privatschule. Schon vor dem Abitur nahm A.S. eine Hauslehrerstelle auf einem Gutshof in Sotaskär 1865 an. Er erlebte intensiv die vor Stockholm gelagerte Inselwelt der Schären. Diese ließen ihn das Leben lang nicht mehr los (vgl. seine späteren Schärenromane und -erzählungen wie die »Hemsöboerna«, dt. »Die Leute auf Hemsö«, 1887). In diese Zeit fiel auch seine erste Predigt, die er auf Bitten des Ortsgeistlichen mit Erfolg vor der kleinen Gemeinde gehalten hatte. Hier brach auch die neu erworbene, religiöse Position durch: Vom Pietismus in der Prägung eines Carl Olof Rosenius zur religiös-liberalen Anschauung mit pantheistischen Zügen! Der nunmehrige Einfluß des amerikanischen Unitariers Theodor Parker ist unverkennbar. Am 25. Mai 1867 machte A.S. das Abitur und begann in Uppsala Medizin, aber auch Literaturwissenschaft zu studieren. Frühjahr 1868 brach er erst einmal das Studium ab und wurde stellvertretender Volksschullehrer in Stockholm. Herbst 1868 wurde er Hauslehrer bei Axel Lamm. Danach versuchte er sich weiter im Medizinstudium, unterbrach es aber erneut im Frühjahr 1869, um sich als Schauspielaspirant am Dramatischen Theater in Stockholm zu versuchen. Das war ein großer Reinfall. A.S. wollte sich das Leben nehmen. Anfang November schrieb er nun im Bewußtsein, daß er nicht zum Schauspieler, aber zum Dramatiker geboren wäre, seinen ersten Zweiakter »Eine Namentagsgabe«. Das Stück wurde vom Intendanten des Dramatischen Theaters abgelehnt. Es ist verschollen. A.S. machte sich nun daran, noch im selben Jahr ein neues Stück, ein Familiendrama zu schreiben: »Fritänkaren« (»Der Freidenker«, 1869). Auch dieses Stück wurde abgelehnt. Für die innere Entwicklung A.S.s wurde es aber bedeutsam: In den Duktus der Szene flossen A.S. eigene religiöse Anschauungen. Die Hauptfigur des Stückes ist Karl. Er agiert als Freidenker und trägt stark autobiographische Züge des jungen Dichters. Vor allem ist es die religiöse Seite, die hervorgehoben wird: A.S.s innere Verfassung sah damals so aus, wie sie bei Karl dann formuliert wird: Jesus Christus ist nicht als Gottessohn anzusehen, sondern als ein von Gott gesandter Idealmensch. Es kann also nicht um die Bestätigung einer Sündentheologie gehen, sondern herausgestellt werden muß eine religiös gefärbte Humanität. Dabei ist ein primitiver Atheismus abzulehnen. Karl kämpft also nach zwei Seiten: a) gegen den Vulgäratheismus, b) gegen den Pietismus, vorgetragen bzw. vorgegeben durch engstirnige Geistliche. Dazu taucht ein weiteres Element auf, das zu kritisieren ist: das Gewohnheitschristentum. Hier ist es ein vorgetäuschtes Glaubensleben, das zu entlarven ist. A.S. berührt sich mit Sören Kierkegaards Kritik am Gewohnheitschristentum. Zu der Zeit war es dem jungen A.S. noch nicht ganz klar, welchen Bundesgenossen er in Kierkegaard finden würde. Mit dem Instikt des das Große im Reich des Denkens Verstehenden las A.S. wenige Zeit später S. Kierkegaards Erstlingsroman »Entweder-Oder« (1843). Damals bewunderte er die Schärfe der geistigen Kraft des Dänen, die ihn auch späterhin begleitete. Die Entlarvung der schlechten Gesellschaft führt im »Freidenker« dazu, daß Karl, der Volksschullehrer geworden war, wegen Ketzerei abgesetzt wird. Auch seine Familie trennt sich von ihm. Daraufhin gibt es für den Freiheitshelden Karl nur einen Weg: Er muß auswandern. Das Ziel ist ein freies Land, Amerika. 1869 schrieb A.S. noch weitere Stücke: »Hermione«, wo es um das vergehende Hellas geht, - ein historisches Schauspiel in drei Akten. Es wurde später neu gefaßt. Begonnen wurde außerdem ein Jesus-Drama in Versen. Anfang 1870 folgte ein Dramenentwurf »Erik XIV.«, das in fünf Akten geplant war. A.S. verbrannte es. 1870 kehrte A.S. abermals an die Universität in Uppsala zurück und gründete die literarische Gesellschaft »Runa«, wo regelmäßig literarische, philosophische und religiöse Probleme mit Gleichgesinnten durchdiskutiert wurden. Ausführlich Auskunft darüber gibt »Der Sohn einer Magd« (vgl. deutsche Ausgabe in der Übersetzung von Schering, Ges. W. IV. Abt. Bd. 1, 1909, 373 ff.). A.S. schrieb Ende März 1870 den Einakter »In Rom« in Versen. Die Uraufführung dieses, auf den dänischen Bildhauer Bertil Thorwaldsen bezogenen Stückes wurde am 13.9.1870 am Dramatischen Theater in Stockholm gewagt. Es gab wohlwollende Kritiken. Das kleine Drama wurde elfmal gespielt. Gleichzeitig, im September 1870, begann A.S. ein neues, nun historisches Drama in fünf Akten zu schreiben mit dem Titel »Blot-Sven«. Nach wenigen Wochen war er über diese Arbeit so unmutig geworden, daß er das vorliegende Drama verbrannte. Er gab aber nicht auf: Anfang 1871 wurde das Stück in vierzehn Tagen zum Einakter »Den fredlöse« umgeformt. Das Drama ist dem deutschen Titel »Der Geächtete« ist angesiedelt in der isländischen Sagawelt. Es geht um den mittelalterlichen, eigenwilligen Helden Karl Thorfinn, der gegen die christliche Lehre streitet und dafür von Gott gestraft wird. Nach vielen Rückschlägen - (seine eigene Tochter Gunlöd tritt zum Christentum über!) - bricht er zusammen und erkennt den neuen Glauben an. Daß es hier um eine tiefe Leidenserfahrung geht, durch die der Mensch hindurch muß, um christlich geläutert zu werden, ist sicherlich auch ein Ergebnis der Kierkegaardlektüre 1870. Das Stück wurde am 16.10.1871 am Dramatischen Theater in Stockholm uraufgeführt und brachte A.S. ein Stipendium durch König Karl XV. ein. Jedenfalls wurde es nun möglich, ohne Geldprobleme zu studieren. Im Jahr 1871 zog sich A.S. auf die Schäreninsel Kymmendö zurück, um sich mit einigen Freunden zu erholen. Diese Insel wurde auch später ein Lieblingsort des Dichters. März 1872 gab er endgültig sein Studium und sein Ziel zu promovieren auf und kehrte nach Stockholm zurück. Er schrieb nun als Rezensent für verschiedene Zeitungen, vor allem über kulturelle Probleme und tagepolitische Fragen. Darüber hinaus mußte er Gelegenheitsarbeiten übernehmen, um sich über Wasser zu halten. Er arbeitete hier aber auch an seinem ersten großen Wurf aus der schwedischen Reformationsgeschichte. Im Mittelpunkt stand für ihn die Gestalt des Olaus Petri (vgl. die Artikel »Laurentius Petri«, »Olaus Petri« in BBKL VII, 287-293, 296-307). Am 8. August wurde die Prosafassung von »Mäster Olof« (»Meister Olof«) abgeschlossen. Um es vorwegzunehmen, 1874/75 folgte eine Umarbeitung des Dramas, Mai 1876 wurde der Stoff in Versform gesetzt. Es war sehr mutig, einen historischen Stoff der fernen Vergangenheit zu nehmen. Das Theaterpublikum zur Zeit des jungen A.S. erwartete Szenen über zeitgenössischer, historischer Figuren. »Meister Olof« eröffnete in dem sicheren, dramatischen Aufbau neue Perspektiven für das Theater. Die Sprache im Stück ist klar, die Grundlinie weist auf einen Idealisten, der die Freiheit des Geistes gegen die verstaubte Kirche brachte. In der ersten Fassung ist es allerdings »Gert«, der seiner Linie treu bleibt, während »Meister Olof« am Ende doch den Stolz aufgibt und Abbitte leistet. Dennoch ist die Absicht des Autors klar: Keinen Zwang, keine Willkür darf es geben, wenn es um die wahre Existenz geht. Herbst 1874 erging es A.S. finanziell insofern besser, da er Assistent an der Königlichen Bibliothek in Stockholm wurde. Um sich aber abzusichern gab er noch Privatstunden. Außerdem übersetzte er und schrieb weiter an Zeitschriftenartikeln. Intensiv vertiefte er sich zu dieser Zeit in die chinesische Kultur und Sprache. 1875 begegnete er Siri von Essen, seiner späteren Frau. 1876 reiste A.S. über Norwegen nach Frankreich, das ihn immer wieder zurückholen sollte. Am 30. Dezember 1877 wurde die Hochzeit mit Siri von Essen gefeiert. 1879 erschien »Röda rummet« (»Das rote Zimmer«). Dieser kritische Roman machte A.S. auf einen Schlag bekannt. Das Werk stellt einen großen, gesellschaftskritischen Wurf dar. Beeinflußt von Zola versuchte sich A.S. mit Erfolg an der Entlarvung des erstarrten schwedischen Bürgertums. Satirische Abschnitte wechseln mit tiefsinnigen Analysen. Es ist ein Meisterwerk sozialkritischer Durchdringung einer überlebten Gesellschaftsschicht. Durch die satirischen Einblicke geht der Roman über Zolas Analysen weiter hinaus. A.S. verschonte auch die Kirche nicht: Die Verflechtung von Kapital und kirchlicher Geschäftigkeit wird im »Roten Zimmer« schonungslos aufgedeckt. Bewegend ist, daß der Journalist Arvid Falck, die Hauptfigur des Romans, selbst sich am Ende anpaßt und ein braver Bürger wird. Es ist verständlich, daß das Buch auch vehemente Kritik erfuhr. 1880 wurde die Tochter Karin geboren, 1881 folgte die zweite Tochter Greta. Die Kritik an A.S.s Roman wurde in Schweden so stark, daß sich der Dichter gezwungen fühlte, aus Schweden zu fliehen. 1883 reiste er nach Frankreich. Im selben Jahr wurden seine Gedichte gedruckt. 1884 übersiedelte die Familie in die Schweiz, wo der Sohn Hans geboren wurde. Während der unruhigen Heimstattsuche schrieb A.S. unermüdlich weiter. So erschienen 1884 die berühmten Ehegeschichten: »Giftas« I (»Heiraten« I). Eine der Geschichten »Lohn der Tugend« behandelt die psychische Verfassung eines pubertierenden Jugendlichen. Die berechtigte Kritik an der damaligen Abendmahlsfeier - und -gebräuchlichkeit brachte A.S. eine Anklage wegen Gotteslästerung eien. Er wurde freigesprochen. Der Prozeß erregte großes Aufsehen. A.S. reiste viel. Nach dem Erfolg mit dem gesellschaftskritischen Roman »Röda rummet«, s.o.), aber auch nach der sich daraus ergebenden massiven Bloßstellung A.S.s durch angehende Kreise des Stockholmer Bürgertums, nach der Frankreichreise und während des freiwilligen »Exils« in der Schweiz ging es dem Dichter seelisch schlecht. Auch der oben behandelte Prozeß stürzte A.S. in eine tiefe Krise, die am Selbstbewußtsein nagte. Die ganze Debatte um das Verfahren bestätigte ihm aber die tiefen Sexualängste der Gesellschaft, die verschärft herausgehobene Rivalität der Geschlechter. Neben der Sozialkritik bzw. besser durch diese, versuchte A.S., die psychologischen Erkenntnisse seiner Zeit zu nutzen und den Einfluß der Gesellschaft auf das Individuum herauszuarbeiten. 1886 befand sich A.S. auf Reisen und bereitete seinen ersten großen Entwicklungsroman, den ersten Teil auch der eigenen Biographie vor. Seine Lebensgeschichte als »Tjänstequinnans son« (»Der Sohn der Magd«) mit dem Untertitel »En själs utvecklingshistoria« (»Die Entwicklung einer Seele«) behandelt die Jahre 1849-1867 (s.o.). Bestechend klar wird der Milieueinfluß auf die eigene Kindheit und Jugend herausgearbeitet. Die religiöse Entwicklung der jugendlichen Seele nimmt einen breiten Raum ein. Entwicklungspsychologie und Religionspsychologie treffen aufeinander, werden miteinander verwoben. A.S. selbst fühlte sich zu der Zeit der Abfassung des Entwicklungsromans in der Phase eines geistigen Anarchisten. Er stellte alles, auch seine Ehe infrage. Der Schritt zum naturalistischen Meisterdrama »Fadren« (»Der Vater«, 1887) war somit getan. »Der Vater« ist eines der großen naturalistischen Dramen A.S.s. Es ist die Tragödie des Geschlechterkampfes, wie in der Literaturgeschichte immer wieder betont wurde und wird. Hinter A.S.s »Vater«-Konzeption liegt aber mehr: In der Gestalt des hochnervösen Rittmeisters wird die Angst des Mannes aufgedeckt. Das ist ein Novum mitten in der spätbürgerlich-patriarchalisch gebundenen Gesellschaft, nur noch vorweggenommen durch die Angstanalysen in des Dänen S. Kierkegaards Buch »Der Begriff Angst« (1844). Folgende Linien inneren Erlebens A.S.s führten zur Charakterisierung von Mann und Frau im obigen Drama (1.) A.S. wollte ursprünglich eine Trilogie schreiben: Nach »Kameraden«, wollte er als weiteres Stück, geplant für den ersten Teil der Trilogie, über den Vater »Berthas« und deren Kindheit dichten. »Bertha« ist die Hauptfigur im Schauspiel »Kameraden« (1887 vor »Der Vater«!). (2.) Die Überreiztheit A.S.s war für die Ehefrau Siri ein Alarmsignal. Sie hatte Angst um ihren Mann und damit um ihre Familie. Sie suchte einen schweizer Arzt auf. Davon erfuhr der übernervöse Dichter. Mißtrauisch, wie er war, dachte er, man würde vorhaben, ihn in eine Irrenanstalt zu bringen (vgl. den Schluß vom »Vater«!). Es waren Verfolgungsängste, die ihn immer wieder heimsuchten. (3.) A.S. hatte sich eingehend mit der Suggestionspsychologie beschäftigt, wie das auch im zweiten Drama »Fröken Julie« (Dt. »Fräulein Julie«, 1888) zum Ausdruck kam. (4.) Die Enttäuschung nach der Kritik an den Erzählband »Giftas« (»Heiraten«, 1884) führten A.S., der sich für die Gleichberechtigung der Frau in diesem Band ausgesprochen hatte, nun zur Gegenposition. Er kritisierte jetzt die Frauenemanzipation. Im abrollenden Drama wurde das dann zur schonungslosen Aufdeckung der Machtgelüste von Laura, der Ehefrau des Rittmeisters: Laura wird mit allen Tricks, auch der suggestiven Überredungskunst (Zweifel an der Vaterschaft des Rittmeisters säend!), arbeiten, um ihren Mann psychisch und physisch zu vernichten. Die Ohnmacht des Mannes wird noch dadurch gesteigert, daß er Uniform trägt. Der äußere Glanz, die gesteigerte Pose auf der einen Seite, das innere Elend auf der anderen wird hier - auch zeitkritisch - demonstriert. Die Totalniederlage des männlichen Geschlechts ist perfekt. »Laura« wurde 1908 von A.S. als »Höllenweib« bezeichnet. Alle Nebenfiguren sind deutlich gezeichnet. Der Untergang des Mannes in der Zwangsjacke vollzieht sich durch den Tod am Schlaganfall. Steht in »Der Vater« die Frau als Siegerin da, so wird im späteren Drama »Dödsdansen« (»Der Todestanz«, bzw. »Totentanz«, 1900) die Haßverschlingung der beiden Partner gezeigt: Hier ist es der Fluch der ständigen Nörgelein im Festungsturm zwischen dem Festungskommandanten und seiner Frau, eine Hölle auf Gegenseitigkeit. Im zweiten bedeutenden naturalistischen Drama »Fröken Julie« (»Fräulein Julie«, 1888), kurz nach dem »Vater«-Stück geschrieben, spielt in das Psychodrama die Klassenkritik hinein: Der Diener »Jean« liebt das adlige »Fräulein Julie« auf seine Weise. Besser, er wird dazu getrieben durch die triebhafte Laune des adligen Mädchens. Der Diener ist körperlich stark, wirkt sehr anziehend auf Julie. Er wird schließlich zudringlich, und es kommt zur Verführung: Der Mensch der Unterklasse unterwirft sich sexuell die Vertreterin der Oberklasse. Darin geht er über sich hinaus: Aus einem stillen, bewundernden Diener wird ein »exaltierter« Liebhaber. Das ganze Drama ist glänzend aufgebaut. Klar heraus kommt die Anziehung der Körper bei völliger Distanz der Seelen. Es ist der Triumph des Triebes, aber psychologisierend vermittelt. Das aber ist ohne jede verfeinerte Konstruktionstechnik konzipiert. Der gesamte Ablauf wirkt natürlich. Eigene Erlebnisse A.S.s in »Skovlyst« nahe Kopenhagen 1887 haben die Dramenkonzeption beeinflußt. Am 14. März 1889 wurde das Drama in einer geschlossenen Vorstellung des Studentenvereins in Kopenhagen uraufgeführt. Die Titelrolle wurde von A.S.s Frau Siri von Essen gespielt. Wie brisant das war, läßt sich daraus entnehmen, daß zum Zeitpunkt der Uraufführung A.S.s Ehe schon zerrüttet war. Die geschlossene Vorstellung war nötig geworden, da das Stück der Zensur verfallen war. Am 3. April 1892 war übrigens die erste deutsche Aufführung am Residenztheater Berlin innerhalb des Programms der Freien Volksbühne. In Berlin waren die Publikumsangriffe auf die Darbietung des Schauspiels so stark, daß eine zweite Vorstellung nicht mehr zustande kam. Auch die erste schwedische Aufführung im Gildesaal zu Uppsala fand geschlossen statt. Und das geschah erst zwölf Jahre nach der ersten deutschen Aufführung. Das alles zeigt die Auswirkung der sozialkritischen Handlung im Drama, gepaart mit dem schonungslosen Aufdecken der Triebkräfte. Wie wichtig das Stück auch noch in den sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts für das deutsche Publikum war, zeigt die kongeniale Übersetzung von Peter Weiss (vgl. »A.S.: Fräulein Julie. Ein naturalistisches Trauerspiel, dt. von Peter Weiss«, in: Spectaculum 10, 1967, 167-197). Im Jahre 1887, wo A.S. mit seiner Frau und den drei Kindern von der Schweiz nach Dänemark übersiedelte hatte sich noch etwas Wichtiges ereignet: A.S. schrieb die »Hemsöboerne« (»Die Leute vom Hemsö«), jenen schon erwähnten Roman, der in einzigartiger Weise Landschaft und Menschen der Schärenwelt schildert. Gleichzeitig fand ein intensiver Briefwechsel mit Émile Zola statt. »Die Leute von Hemsö« sind Zeichen der Erzählfreude A.S.s, deren einer Höhepunkt in der intensiven Naturschilderung der der Hauptstadt Stockholm vorgelagerten Inselwelt der Schären bildet. Beleg dafür sind auch die Erzählungen nach der »Infernokrise« und die in der Sammlung »Fagervik och Skamsund« (»Heiterbucht und Schmachsund«, 1902, geschrieben vor allem 1898 und 1899 in Lund und später in Stockholm, vgl. auch dt.: »A.S. Meistererzählungen«, manesse im dtv Nr. 24009, 1992, vgl. dazu auch dt.: A.S. Gesamtausgabe durch Schering, Abt. Novellen 3. und 4. Band., vgl. auch dt.: A.S., »Der Elch des Pastors und andere Erzählungen«, Diogenes 1965). In den Pflanzenbeschreibungen der verschiedenen Erzählungen erreichte A.S. einfühlsame Meisterschaft und erwies sich hier als Schüler seines großen Landmannes Linné. Von 1888 bis 1892 folgten zuammen mit »Fräulein Julie« elf Einakter, die zum Teil die notvollen Erlebnisse des Dichters widerspiegeln. Mehrere dieser Schauspiele wurden nicht in Schweden, sondern in Berlin uraufgeführt; manche davon erst zehn bis zwölf Jahre danach. Das Stück »Bandet« (»Das Band«, 1892) wurde erst am 11. März 1902 am Kleinen Theater in Berlin unter der Regie von Max Reinhardt uraufgeführt. In die Berliner Uraufführungen teilten sich dieses Theater mit dem Lessingtheater und Residenztheater. So wurde »Inför döden« (»Vor dem Tode«, 1892) 1893 zusammen mit »Gläubiger« (s.u.) und »Första varningen« (»Die erste Warnung«, 1892) am Residenztheater uraufgeführt. Nur das Schauspiel »Gläubiger« von 1888 war schon am 9. März 1889 im Dagmartheater zu Kopenhagen uraufgeführt worden. Letzteres Drama mit dem Originaltitel »Fordringsägare« wurde nach »Fräulein Julie« geschrieben. Es beinhaltet wieder den Geschlechterkampf in der Ehe. Auch hier ist die Ehefrau, die Schriftstellerin Thekla, der negativ agierende Teil. In ihrem Roman hat sie ihren früheren Mann Gustav als »Idioten« beschrieben. Gustav rächt sich und setzt vor ihrem jetzigen Mann Thekla in fataler Weise herab: »Weißt du, worin dieses Unfaßbare, Sphinxartige, die Tiefe bei deiner Frau besteht? Die bare Dummheit ist's« (dt. Übers. von E. Holm, Leipzig Reclam alt 4103, 21). Aber im Gegenzug wird die Frau als gefährlich eingestuft: Sie erledigt die Männer, saugt sie aus und hinterläßt nichts als ausgelaugte »Gläubiger«. Schon im frühen Drama von 1872 »Den Fredlöse« (Der Geächtete«, s.o.) versuchte sich A.S. am Schauspiel in einem Stück. Mit »Fröken Julie« und den »Fördringsägare«, also den »Gläubigern«, begann A.S. eine Wende in der Dramenkonzeption an sich einzuführen. Entsprechend der Intensität des Spielablaufs ohne Aktunterbrechung wollte er keine blumenreiche Dekoration, keine Bühnenüberladung mehr. Das würde nur ablenken. Das Asymmetrische - unter dem Einfluß des Impressionismus - war für ihn vonnöten, um die Illusionswirkung zu erhöhen und das Dialoggeschehen zu intensivieren. Der Dreiklang: Asymmetrie in der Dekoration, Intensivierung des Dialogs, durchgezogene (Suggestions-)psychologie verhalf dem modernen Theater zum Durchbruch, verunsicherte aber damals das Publikum. Die neue Konzeption für die Bühne von 1887 bis 1892 wurde dann wesentlich für die späteren Kammerspiele die A.S. für das »Intime Theater« in Stockholm schrieb. Zeichenhaft wurde es für die Stücke »Die Brandstätte«, (1907) und »Spöksonaten« (»Gespenstersonate«, 1907). Nach den »Gläubigern« entstand um die Jahreswende 1888/89, also noch in Dänemark, der Einakter »Den starkere« (»Die Stärkere«, uraufgeführt am 9. März 1889 in Kopenhagen). Während in »Gläubiger« zwei Männer um die Frau ringen, ist es hier in »Die Stärkere« umgekehrt. Zwei Frauen kämpfen um einen Mann. Auch in diesem Schauspiel sind Erfahrungen von A.S. in Dänemark verarbeitet worden. Es ging um den Konkurrenzkampf, um eine Rolle zwischen der jungen, dänischen Schauspielerin Nathalia Lassen und der sich dann durchsetzenden Siri von Essen. Gunnar Ollén spricht in seinem A.S.-Buch (dt. 19752, 41) von »einer psychologischen Frauenstudie von großer Raffinesse«. Das Stück hatte und hat großen Erfolg - nicht zuletzt durch das Fernsehen. Frühjahr 1889 kehrte A.S. nach Schweden zurück. 1890 veröffentlichte er den bedeutenden Roman »I havsbandet« (»Am offenen Meer«), der Spuren der Nietzscheaneignung trägt. Schon im Herbst 1888 verwies derr dänische Kulturphilosoph Georg Brandes Nietzsche auf den schwedischen Dichter. Er bezeichnete A.S. Nietzsche gegenüber als »das einzige Genie Schwedens«, aber verschwieg ihm nicht die psychische Eigenart von dem Dramatiker. So kam es zu einem kleinen Briefwechsel, wo A.S. u.a. darauf zu sprechen kam, wie schwierig es sei, einen guten französischen Übersetzer für seine Werke, z.B. für »Giftas« (»Heiraten«, s.o.) zu erhalten. Nietzsche selbst hatte (»Fadren« (»Den Vater«) in französischer Übersetzung mit Interesse gelesen. Die Vorlage für den »Fischmeister Borg« im Meeresroman lieferte A.S. mit seinen Weltanschauungskämpfen selbst. Ihm ging es um die Frage und Suche nach dem »höheren Menschen«. Ihm kam es darauf an, die Verlogenheit der scheinchristlichen Gesellschaft aufzudecken. Darin fand er sich mit Nietzsches Anliegen in einem Boot. Schärenlandschaft und Einsamkeit des Menschen beziehen sich im Roman aufeinander. Am Ende stehen die Abkehr vom Christentum und die Suche nach dem Neuen, Unbekannten. 1890 erschien auch - nach einer französischen Fassung - der autobiographische Roman »En Dåres Försvårstal« (»Die Beichte eines Toren«). Hier geht es um die unglückliche Ehegeschichte mit Siri von Essen. Diese ganze Ehegeschichte wird aber erst verständlich durch Hinzunahme des posthum veröffentlichten Briefwechsels in der Zeit des Verlobungsanfangs vom Sommer 1875 an (vgl. die dt. Fassung »Er und Sie«, A.S.s Werke-Nachlaß, übertr. durch Emil Schering, 1930). Januar 1891 wurde endlich nach großen Schwierigkeiten die Ehe mit Siri von Essen vor dem Gerichtshof von Värmdo geschieden. A.S. litt besonders darunter, daß die drei Kinder Karin, Greta und Hans bei der Mutter bleiben sollten. Die Vermögensverhältnisse für den Dichter waren zu der Zeit katastrophal. Im Einakter »Debet och kredit« (»Debet und Kredit«), 1892) sind Erinnerungen A.S.s an die entsetzliche Armut eingegangen: Er mußte seine Kleider verpfänden. So ist es dann im Schauspiel kein Wunder, daß die Hauptfigur »Axel«, ein berühmter Afrikareisender, zwar mit Ehren überhäuft wird, aber von den Gläubigern gejagt wird. Die damalige, totale innere Ausleerung, das Gefühl des Versagens und der Glücklosigkeit spiegeln sich auch wider in dem Stück »Die Himmelrikets nycklar« (»Die Schlüssel zum Himmelreich«, 1892. A.S. war nach langem Reisen heimgekehrt und fühlte sich doch in der inneren Emigration. Die Armut und vor allem das Verlassensein, das Fehler der Kinderschar veranlaßten den Dichter, ein Märchen zu schreiben: Wenn am kommenden Weihnachtsfest schon keine Kinder da sind, muß man einen neuen Himmel öffnen. Die St. Petrus-Legende wird verwoben mit düsteren Gefühlen: Petrus hat die Schlüssel zum Himmelreich verloren. Der Schmied soll neue anfertigen. Der kann es nur, wenn er das Schloß zur Himmelstür findet. So sucht er nach dem Himmel - eine nahezu unendliche Geschichte! Auch in dem Stück »Inför Döden« (»Vor dem Tode«, 1892) verarbeitete A.S. sein Gefühl der totalen Vereinsamung in und wegen der Scheidungsangelegenheit. 1892 war die finanzielle Frage für A.S. so aussichtslos, daß man in Europa, vor allem in Berlin, davon erfuhr. Kein Geringerer als der Journalist Maximilian Harden rief mit anderen Künstlern zu einer Spendensammlung für A.S. auf. Im September 1892 reiste dann der Dichter selbst nach Deutschland und lebte zuerst als Gast von Ola Hansen und seiner Frau in Friedrichshagen bei Berlin. Hier verkehrte er u.a. mit Wilhelm Bölsche, Max Halbe und Bruno Wille. Ende 1892 zog A.S. dann nach Zerwürfnissen mit seinen Gastgebern in die Innenstadt von Berlin. Im »Schwarzen Ferkel« traf er sich dann regelmäßig mit Künstlern wie O.E. Hartleben und Richard Dehmel. Zu diesem Kreis stieß dann der norwegische Maler Edvard Munch (1863-1944), der in Berlin eine Ausstellung vorbereiten wollte. A.S. und Munch verstanden sich gut und wurden bei aller Verschiedenheit Freunde. Munch machte die berühmte Lithographie von Strindbergs Antlitz, das er mit einem Strichrahmen umgab, was A.S. mißfiel. Die Verbindung aber blieb. Gerade in seiner Graphik offenbarte Munch viele Züge der Strindbergischen Angsterlebnisse (vgl. E. Munchs »der Schrei«, Oslo). Im Januar 1893 lernte A.S. die Tochter des Herausgebers der Wiener Zeitung Frida Uhl kennen. Sie war Journalistin. Am 2. Mai 1893 ließ er sich mit Frida Uhl auf Helgoland trauen. Danach folgten Aufenthalte in England, dann in Österreich und schließlich in Frankreich. Nur sieben Ehewochen waren A.S. und Frida Uhl in London zusammen. Dann fuhr A.S. nach Rügen, um sich dort mit einigen Bekannten aus der Berliner Zeit zu treffen. Hier versuchte er auch, in die monistische Philosophie sich einzuarbeiten. Er spekulierte auch über chemische Versuche. Die Einladung Ende Juli durch Fridas Mutter Marie Uhl geb. Reischl, in das Sommerhaus der Familie an den Mondsee zu kommen, nahm A.S. an. Der Besuch in Österreich war für den Dichter erschreckend und demütigend. Da Frida nicht dabei war, fühlte sich A.S., wie er in »Kloster« schrieb, als überflüssig. Am 11. August brach A.S. vom Mondsee auf, nachdem er mit der Scheidung gedroht hatte. Die beiden Eheleute trafen sich nun in Berlin zur Aussprache. Im November reiste das Paar auf Einladung der Großeltern Fridas nach Dornach in der Nähe von Amstetten/Donau. Das Leben und Verhalten dieser Großeltern veranlaßte A.S. später, diese in »Advent« zu kopieren (s.u.). Die Vermutung von Lagercrantz, daß die üppigen Mahlzeiten auf dem Gut für das luxuriöse Essen zum Beginn von »Schwarze Fahnen« Pate gestanden hätten, entbehrt nicht der Logik (vgl. Lagercrantz, A.S., 1980 dt., 364). In Dornach malte A.S. und erlebte, wie im Frühling 1894 die deutsche Übersetzung seines naturwissenschaftlichen Buches »Antibarbarus« erschien. Am 10. Mai 1894 wurde die Tochter Kerstin geboren. Das Ehepaar trennte sich. Später wurde die Ehe in Wien geschieden. In Paris ging nun A.S. naturwissenschaftlichen und alchimistischen Studien nach. Er experimentierte mit Schwefelverbindungen, hatte Wahnvorstellungen und Verfolgungsängste, die zur »Infernokrise« bis 1896, dem totalen Zusammenbruch, führten. Erst allmählich genas er unter dem Einfluß der Swedenborglektüre (vgl. die späteren Bekenntnisse in »Inferno« (1897) und »Legenden« (1898). Nach einigen Reisen entstand im Hotel Londres in Paris der erste Teil von »Till Damaskus«. »Till Damaskus I« (»Nach Damskus I«, 1898) eröffnet die große Dramentrilogie von A.S. nach der Überwindung der »Infernokrise«. Es ist ein Dokument der Menschlichkeit und der religiösen Suche nach einem Halt. Damit ist »Nach Damaskus I« vor allem auch ein Signum der Wendung vom Atheismus bzw. vom Nihilismus weg zum Versuch, mystisch-religiös eine Lebensmitte zu finden. Der zweite Teil des großen Dramas wurde ebenfalls 1898 vollendet. Der dritte Teil folgte erst 1901. Wichtig ist, daß der erste Teil (s.o.) noch in Paris abgeschlossen wurde, der zweite Teil dann schon in Lund. Es ist wohl gut gemeint, aber zu übertrieben, wenn man »Nach Damaskus I« als Bestätigung der Bekehrung A.S.s zum Religiösen sieht. Angemessener ist es, von einer neuen Orientierung in Richtung des Religiösen zu sprechen. Am Ende des Pariser Aufenthaltes, während des Prozesses der inneren und äußeren Genesung, beschäftitgte sich der Dichter sehr stark mit den Schriften von Emanuel Swedenborg. In ihnen fand er seinen eigenen Lebensstrom wieder: Das »Inferno« war notwendig, um ihm die Pforten der Hölle zu zeigen, um ihn zum Bewußtsein zu bringen, wie schuldig der Mensch vor Gott ist. Es ist die bei Swedenborg und in der christlichen Tradition verankerte Lehre von dem Gnadenerweis Gottes nach dem Leiden. Der Mensch leidet, um zu erfahren, daß Schmerz Läuterung der Seele ist. Vor allem ist es die Hoffart, das Begehren nach neuen Entdeckungen, was zur Aussichtslosigkeit führt. So gesehen ist diese Art von Neugier und Hoffart nichts als Todsünde. Hier gilt es, sich zu reinigen. Die Vorsehung mit dem Gnadenerweis wird den Menschen aufrichten. Das ist kein kirchlich gebundenes Christentum, keine Christusmystik, also auch nicht ein traditionell zu sehener Bekehrungsprozeß, sondern ein Innehalten: So wird in »Nach Damaskus I« der Dichter als der »Unbekannte« viel Leiden erleben, ehe er zur Anerkennung seines Schmerzes als Notwendigkeit kommt. Mit »Nach Damaskus« und dem dann - nach der endgültigen Rückkehr - in Stockholm geschriebenen »Ett drömspel« (»Ein Traumspiel«, 1901) erreichte A.S. eine völlige Neuorientierung des Theaters. Die frühere, aristotelisch gebundene Dramenkonzeption, bestimmt durch Raum und Zeit, also die klassische Bühnenauffassung, wird völlig aufgehoben. Der Wechsel von Traum und Wirklichkeit, die Wichtigkeit des Irrationalen werden nun entscheidend. Das »Stationendrama« wird entdeckt und fördert die Theatergeschichte des 20. Jahrhunders in tiefster Weise. Der deutsche Expressionismus wird damit von A.S. entscheidend beeinflußt. Auch sein letztes großes Drama »Stora landsvägen« (»Die große Landstraße«, 1909) ist ein »Stationendrama«, das, wie G. Ollén betont, auf das mittelalterliche Osterspiel zürückgreift. Dabei aber ist die Dichte des Irrationalen in der Aussage A.S.s zu beachten. Im »Traumspiel« tritt der »Unbekannte« aus der Damaskustrilogie auf als Offizier, als Advokat und als Dichter: Drei Inkarnationen im revueartigen Szenenspiel! Indras Tochter wird nun auf die Traumreise zu dem gefangenen Offizier geführt. So beginnt das Spiel: Alles wird möglich wie in der Abfolge eines Traums. Zeit und Raum spielen keine Rolle mehr. Seine Absicht schrieb A.S. in einem Vorwort zum »Traumspiel« nieder. Für die Zeichnung der Tochter Indras stand ihm seine dritte Frau, von der er sich auch wieder 1904 scheiden ließ, Pate. Als Schauspielerin spielte sie auch die Hauptrolle der Eleonore in »Påsk« (dt. Ostern). »Ostern« wie auch »Advent« (1899, noch vor der Rückkehr nach Stockholm geschrieben,) sind die Bußdramen, die auf die Läuterung der Seele aus sind. Die Zeit der 1901 mit H. Bosse geschlossenen Ehe hatte A.S. im »Ur ockulta Dagboken« (»Okkultes Tagebuch«, erst nachgelassen in Schweden 1963, in Deutschland 1964 erschienen) aufgezeichnet. Die äußere Trennung von Harriet Bosse bedeutete für A.S. dennoch eine tiefe Bindung durch die Vorstellung, daß es ein telepathisches Zusammensein mit ihr gebe. Das Tagebuch zeigt, wie sehr A.S. im Okkultismus nach der »Infernokrise« lebte. »Advent«, »Ostern« (1900) und »Midsommar« (»Mittsommer«, 1900) werden auch als die »Jahresfestspiele« bezeichnet. In »Advent«, das A.S. als »Märchentragödie bezeichnet hatte, geht das Geschehen auf Erlebnisse A.S.s in Dornach zurück, wo Frida Uhls Großeltern mütterlicherseits ihn wegen ihrer großspurigen Haltung tief erregten. Das ungerechte Richterpaar in »Advent« muß in gespensterhaften Szenen bestraft werden, um sein Unrecht zu sühnen. In »Ostern« ist es das »Ostermädchen« Eleonore, das wie ihre Familie Unrecht getan hat. Das »Verbrechen« des Mädchens klärt sich auf. Auch hier wendet sich durch die Ereignisse und durch die Sühnenbereitschaft (Reue) alles zum Guten. Eleonore ist im Grunde ein gutes Mädchen. Sie trägt vorbildhaft das Leid für die Familie, die anderen. Hintergrund des Spiels sind die besondere Zuneigung A.S. zu seiner melancholischen Schwester Elisabeth und die Einflüsse Dostojewskis. Das Mittsommer-Stück ist leichter geschrieben und diente zur Neueröffnung des umgebauten »Södra Teatern« in Stockholm. Die Aufführung dort kam aber dann nicht zustande. Mit Recht nannte der Dichter das Stück erst eine »Mittsommerreise«. Der Untertitel lautet: »Ein ernsthaftes Lustspiel in sechs Bildern«. Wie schon angedeutet verließ A.S. am 20. Juni 1899 Lund, wo er sich nach dem Pariser Aufenthalt ein ganzes Jahr aufhielt, um endlich nach Stockholm zu ziehen. Zuerst wohnte er in Furusund innerhalb der Stockholmer Schärenlandschaft. Hier verlebte er eine arbeitsintensive und glückliche Zeit. Schon in Lund schrieb er bis zum Umzug zwei große historische Dramen »Folkungersage« (abgeschlossen 20. April 1899) und »Gustav Vasa« (abgeschlossen Mitte Juni 1899). Sie leiteten eine Reihe von Historien- bzw. »Königs«-dramen ein. Von 1899 bis 1903 schrieb A.S. neben Dramen wie »Dödsdansen« (»Todestanz«, 1901) und »Drömspel« (»Traumspiel, 1902, s.o.) fünfzehn historische Schauspiele. In Furusund schrieb er an dem Drama »Erik XIV«. Letzteres ist eine Meisterleistung psychologischer Figurenkonzeption. In diesem Drama spiegelte sich A.S. nochmals von der Infernokrise her wider. Am 13. Oktober 1899 zog A.S. erst in den Narvavägen, danach in die Banérgata 13. 1901 schrieb er die beiden tiefangelegten Märchenspiele »Kronbruden« (»Die Kronbraut«) und »Svanevit« (»Schwanenweiß«). Ebenfalls schrieb er 1901 das historische Drama über den schwedischen Freiheitshelden »Engelbrekt« und das Schauspiel mit einer hintergründigen Frauenschilderung »Kristina«. Es geht hier um die Tochter Gustav Adolfs, die schwedische Königin Christine. Das Porträt der Königin ist unhistorisch, aber glänzend mit Anflug von Satire von A.S. gezeichnet! Es folgte das berühmte »Traumspiel« (s.o.). Nach dem Historiendrama »Gustav III«, dem Schauspieler unter den Königen, der einem Attentat während des Maskenballs zum Opfer fiel (vgl. auch Verdis Opernstoff!), schrieb A.S. 1903 sein Lutherdrama. Luther wird in der »Näktergalen i Wittenberg« (»Die Nachtigall in Wittenberg«) zum Volkshelden gestempelt. 1904, nach der Scheidung von seiner dritten Frau (s.o.), folgten Prosaarbeiten. Herausragend sind neben »Götiska rummen« (»Die gotischen Zimmer«, 1904), die »Historiska Miniatyrer« (»Die historischen Miniaturen«, 1905). 1906 begann der Dichter am berühmten »Blaubuch« zu arbeiten. Es erschienen vier Bände. So unterschiedliche Betrachtungen wie »Ein religiöses Theater«, »Der Fremdling Zola« finden sich in den Essays. 1907 ist das wichtige Jahr des Erscheinens von A.S.s letztem Roman »Svarta fanor« (»Schwarze Fahnen«) und - im November - der Eröffnung des eigenen »Intimen Theaters« zusammen mit dem jungen Schauspieler August Falck. In den »Schwarzen Fahnen« kehrte der Dichter zur Position des »Roten Zimmers« zurück. Rückhaltlos wird die satte, bürgerliche Gesellschaft des damaligen Stockholms entlarvt. Soziale Ideen fügen sich ein in das Programm der in Schweden aufkommenden Sozialdemokratie. Der Roman wurde entrüstet aufgenommen und führte dann drei Jahre später zu der »Strindberg-Fehde« (s.u.). Eine der kühnsten Ideen A.S. wurde 1907 in die Tat umgesetzt: Die Gründung eines »Intimen Theaters«. Für den Dichter war es notwendig geworden, für seine weiteren, unermüdlichen Theaterpläne eine eigene Bühne zu errichten. Vorbild wurde ihm die Kammermusik, die er nun ideenmäßig auf das Drama übertragen wollte. In dem vierundzwanzigjährigen Regisseur August Falck fand er den geeigneten Partner, um seine Pläne zu verwirklichen. Es geht um »das intime Verfahren, das bedeutungsvolle Motiv, die soignierte Behandlung« (A.S. im Memorandum an die Schauspieler des Intimen Theaters). Was er wollte war also ein Stück mit wenig Personen, aber mit »großen Gesichtspunkten« und »keine regelmäßigen Fünfakter oder alte Maschinen, keine abendfüllenden Stücke« (Brief vom 6.1.1907 an Adolf Paul). So schrieb er 1907 für dieses spezielle Theater vier fertige Stücke, die auch heute noch aufgeführt werden und an ihrer Wirkung nichts eingebüßt haben. Ein weiteres Stück »Den blödande handen« (»Die blutende Hand« März 1907) wurde verbrannt. Das Drama »Toteninsel« (April 1907), durch A. Böcklins berühmtes Bildmotiv geprägt, blieb Fragment. Im Januar/Februar 1907 schrieb er das Kammerspiel »Oväder« (»Wetterleuchten«). Das Stück stellt eine Meditation über das Altern dar, die Möglichkeit, nach reinigendem leichtem Gewitter zu sich selbst zu kommen! Von Januar bis März 1907 entstand das Kammerspiel »Brända tomten« (»Die Brandstätte«). Ein Fremdling kommt in die schwedische Heimat nach dreißig Jahren Abwesenheit zurück. Der Fremdling ist natürlich ein Selbstportrait A.S.s. Was er vorfindet, ist sein abgebranntes Elternhaus. Nun tauchen alte, aber nicht gute Erinnerungen auf. Reflexionen werden darüber angestellt. Auch hier treten irrationale Züge auf. Traumebenen ergänzen Erinnerungsphasen. Die Grundfrage bleibt: Was ist ein Elternhaus? Was ist es wert? Was vordergündig wie ein Kriminalstück wirkt, ist hintergründig die Abdeckung jeder Illusion über eine glückliche Familie und eine gute, da wohl behütete Kindheit. Den größten Erfolg unter den Kammerspielen erreichte »Spöksonaten« (»Gespenstersonate«, fertiggeschrieben am 8.3. 1907, uraufgeführt am 21.1. 1908 am Intimen Theater). Gerade das Subtile und Irreale, die Schatten der Vergangenheit auf die Bühne zu bringen, eröffnete völlig neue Perspektiven für die Bühnenkonzeptionen der Moderne. Schon im »Todestanz« (s.o.) wird das Leben als Qual, die Ehe als Lebenstäuschung und Enttäuschung beschrieben. Die Bosheit von Mann und Frau im Festungsturm auf einer Insel ist in der Gegenseitigkeit grenzenlos. Andere der Familie werden ausgesaugt. Brutal ist die Szenerie. In der »Gespenstersonate« kommt dazu das Gespenstisch-Maskenhafte der Lebenslüge. Eine der Hauptfiguren, der Direktor Hummel, wird allen die Maske der Verstellung vom Gesicht reißen. Und er wird selbst demaskiert. Im Stück gibt es keine »lebenden Figuren«. Alle sind Gespenster, die auf der Bühne nicht agieren, sondern herumlaufen. Was diese Menschengespenster vorantreibt, sind die bösen Erinnerungen. Im zweiten Akt führt uns der Dichter ein Gespenstersouper vor. Alle Teilnehmer schweigen. Es gibt nichts mehr zu reden, da man sich nun nicht mehr täuschen kann und damit auch nicht die anderen. Die Gesellschaftskritik, die an »Schwarze Fahnen« anknüpft, ist vernichtend. Es gibt keine Illusion mehr über ein möglich besseres Leben. Der einzige Kritiker, der den Zeitgenossen ihre Hohlheit bescheinigte, ist ins Irrenhaus gebracht worden. Auch der entlarvte Hummel entgeht schließlich seiner Strafe nicht: Er muß in den »Garderobenschrank«, vor dem man den »Todesschirm« stellt, um anzuzeigen, daß ein Familienmitglied stirbt. A.S. wurde zu dem Stück durch Beethovens Pianosonate in d-moll angeregt. Im Juni würde das vierte Kammerspiel beendet und schon am 26.11.1907 zur Eröffnung des Intimen Theaters uraufgeführt. Es handelt sich um »Der Scheiterhaufen« (ursprünglich »Pelikanen«, »Der Pelikan«). Im Zentrum des Schauspiels steht eine schlimme Mutter, die wie das gespenstische Abbild eines Pelikans wirkt. In ihrer Nähe wird alles getötet. Ihr Sohn, ihre Tochter und ihr Schwiegersohn werden vergiftet. Vorbild für die boshafte Frau, die erbarmungslos vom Dichter seziert wird, ist die Schwester von A.S. Anna. Das Stück zeichnet sich aus durch klare Herausstellung der Charaktere, wo die Schlechtigkeit besonders bei der Mutter voll zum Tragen kommt. Auch hier geht es um Traumatmosphären. Neben der Gespenstersonate ist »Der Scheiterhaufen« am meisten von den Kammerspielen aufgeführt worden. In diesem Zusammenhang sind die deutschen Inszenierungen durch Max Reinhardt (Gastspiele 1920 in Stockholm und Göteborg mit Agnes Straub, Helene Thimig, Ernst Deutsch und Heinrich George) berühmt geworden. Von 1908 bis 1909 folgten die Aufführungen der sogenannten Regentendramen. Das erste von diesen drei geschichtlichen Stücken »Siste riddaren« (»Der letzte Ritter«) sollte zum sechzigsten Geburtstag des Dichters am Dramatischen Theater in Stockholm herausgebracht werden. So wurde es am 22. Januar 1909 uraufgeführt. Im Mittelpunkt steht das Leben des schwedischen Reichsverwesers Sten Sture. 1908 zog A.S. in den berühmten »Blauen Turm«. Es war das Haus Drottninggata 85, Ecke Tegnérgata. Es war nun sein letztes Zuhause. Knapp vier Jahre bis zu seinem Tod am 14. Mai 1912 konnte er dort arbeiten. Große Ereignisse wie der Streik 1909, seine Fehde mit den Vertretern der schwedischen Neuromatik und dem damit verbundenen Kult um Karl XII. reflektierte er in der neuen Wohnung durch. Von hier aus sandte er seine scharfen Presseartikel gegen Sven Hedin und Werner v. Heidenstam. Letztere waren es, die als prominente Schweden den »Karolinska Förbundet« mitbegründeten, um die große »heroische« Tradition wieder bewußt zu machen. A.S. dachte dagegen sozialkritisch und näherte sich hier dem Programm der in Schweden 1889 gegründeten sozialdemokratischen Partei. Gegen den neuromantischen Heroenkult stellte A.S. die Forderung nach Besinnung auf das Elend des Proletariats und der Landbevölkerung in Schweden. Als am 29. April 1910 der »Karolinische Bund« gegründet wurde, stellte A.S. dagegen die sehr menschlichen Schwächen des Verlierers der Schlacht von Poltawa (1709). Solche Sätze im Pressorgan A.S.s, der »Afton-Tidningen«, wie (über Karl XII.): »Sein Land gab er feige auf, als er dasselbe verarmt hatte« (Die Strinbergfehde hrsg. von Klaus von See, 1957, 57) erregten die Gegner aufs Höchste. Ganz richtig wurde die »Strindbergfehde« auch die »schwedische Dreyfusaffäre« genannt, da eben nationales Pathos gegen die Vernunft ging. A.S. ging es um das Ringen für einen gerechten Frieden in Europa. Keine Großmachtgedanken sollten sich gegen den Osten von neuem richten. Noch in den sechziger Jahren wurden die Statements der Strindbergfehde für politische Strategien benutzt (vgl. die Bestrebungen Myrdals!). Die Wurzeln für die Fehde lagen bei A.S. zutiefst in einer sozialpolitischen Rückbesinnung: Zu seinem 60. Geburtstag war es ihm endgültig klar, daß ihm Schweden den Nobelpreis verweigern würde. Das Nobelpreiskomittee war mit seinen konservativen Mitgliedern aus der schwedischen Akademie zu beharrend, als daß man das große soziale Anliegen des Dichters und seine bissige Kritik an den damaligen Zuständen würdigen konnte und wollte. Elfmal ist dem größten Dichter Schwedens der Nobelpreis verweigert worden. Die Verbitterung darüber, daß z.B. 1908 ein deutscher Philosoph: Rudolf Eucken und 1909 die Dichterin Selma Lagerlöf den Literaturnobelpreis erhielten, war bei A.S. groß. Es war ihm eine Bestätigung seines Kampfes gegen das satte Bürgertum und gegen die Neuromantik, daß ihm zu seinem 63. Geburtstag die Stockholmer Arbeiten einen Fackelzug bereiteten. Außerdem wurde ihm eine gesammelte »Nationalgabe« überreicht. A.S. nannte diese den »Anti-Nobelpreis«. Vom »Blauen Turm«-Balkon aus betrachtete der Dichter mit seiner Tochter Anna-Marie den Fackelzug. Das Wohnen im »Blauen Turm« bescherte dem Dichter noch etwas Erfreuliches: Den guten Umgang mit der jungen Fanny Falkner (vgl. deren Erinnerungen »A.S. im Blauen Turm«, dt. 1922). Sie ging zwar eine Verlobung mit A.S. ein. Mehr war es nicht, da der Altersunterschied zu groß war. Diesmal löste die Frau das Verhältnis! Fanny Falkner spielte auf Wunsch A.S.s das Ostermädchen in »Ostern« und übte eine Rolle im Märchenspiel »Schwanenweiß« (geschrieben 1901), für das der alternde Dichter selbst die Regie führte, ein. Im »Blauen Turm« schrieb er nach einigen Stücken sein letztes großes Drama »Stora Landsvägen« (»Die große Landstraße« 1909, Uraufführung 19. Febr. 1910). Die Hauptfigur in dem groß angelegten Stationenstück ist der Jäger (A.S. selbst) der auf einsamer Wanderung noch einmal sein Bekenntnis zu seiner Arbeit den Zeitzeugen und der Nachwelt offenbaren will. Im Tal, wo die Menschen wohnen, hat der Jäger seine Seele verloren. Nun sucht er sie wieder. Darum muß er oben in den Schneealpen herumwandern, sich besinnen auf den stillen Wegen. Aber die Schönheit der Erde zieht den einsamen Jäger doch an. So gelangt er wieder zur Erde und ist mitten im Streit der Menschen und ihrer Lügenwelt. Am Ende des Dramas gibt es einen großen Monolog mit der Berufung auf die Wahrheit und gegen alle Götzenverehrung. Am Ende bittet er, der Jäger, daß man eine Inschrift in den Schnee hineinzeichnen soll: »Välsigna mig, din mänsklighet, som lider, lider av din livsens gava!; Mig först, som lidit mest« (»Du segne mich, du segne deine Menschheit,) die leidet, leidet unter deines Lebens Gaben! Mich dann zuerst, der wohl litt am meisten« aus dem Schlußmonolog unter Anspielung auf das AT: 1. Mose 32, 23 ff.). Um halb fünf am 14. Mai 1912 starb A.S. an Magenkrebs. Am 19. Mai 1912 wurde Schwedens großer Dichter auf dem Neuen Friedhof von Stockholm unter Anteilnahme einer vieltausendköpfigen Trauergemeinde zu Grabe getragen. Acht Arbeiter trugen den Sarg. Mitglieder des Könighauses wie der Regierung nahmen an der Beisetzung teil. Der damalige Professor für vergleichende Religionswissenschaft an der Universität Uppsala und spätere Erzbischof Nathan Söderblom hielt die Trauerrede. A.S.s Einfluß auf die moderne Literatur war und ist groß. Mit seinen Dramen wirkte er auf den Naturalismus und Symbolismus. Unverkennbar sind seine Spuren im Expressionismus und Surrealismus. Die Bekenntnisse in seinen zu Lebzeiten geschriebenen fünf autobiographischen Romanen fördern einen neuen Romantypus, dessen Spuren z.B. beim jungen Thomas Mann zu finden sind. Meisterhaft sind seine Naturschilderungen in den Erzählungen, besonders aus der Schärenwelt, seine lyrischen Gedichte und seine Gemälde. Seine sozialkritischen Analysen wie in dem Buch »Unter französischen Bauern« (1886, dt. 1917) sind brilliant. Eine Reihe von Dramen sind mehrfach verfilmt worden, so »Der Vater« schon 1912.

Werke: Wichtige Werkausgaben: (Einzel- und Erstveröffentlichungen: s.o. lfd. Text!) Samlade skrifter. 55 Bde, (Stockholm) 1912-1920; 1921-19272; Skrifter. Utg. och försedda med kommentarer av Gunnar Brandell. 14 Bde. (Stockholm) 1945-1946; erneuert 1983; A.S. i Aldus Bde. 1-12, 1961 ff.; A.S.s dramer 4 Bde. med indlendigar av C.R. Smedmark, 1962-1970; Samlade verk, Nationalupplaga av G. Ollén, Bde. 1 ff., 1981 ff.; C.G. Bjurström (Hrsg.) Klostret (Roman), 1966; T. Eklund (Hrsg.) Ockulta dagboken i urval, 1963; ders. (hrsg.) A.S.s brev 1-13, dazu brev till Harriet Bosse, 1932; (dt. 1943); ders., (Hrsg.), De återfunna breven, 1955; (weitere einzelne Briefausgaben:) Brev till J.O. Strindberg under åren 1870-1900, 1915; A.S. och teater. Brev till medlemmar af gamla Intima teatern från A.S.. Med indledning av August Falck, 1918; (deutsche Übersetzung innerhalb der Schering-Gesamtausgabe Abt. 8. Bd. 1, 1921); Frida Strindberg, A.S. och hans andra hustru, I-II, 1933-1934 (dt.: »Lieb, Leid und Zeit. Eine unvergeßliche Ehe, mit zahlreichen Briefen von A.S., 1936, 19412); A.S. och Ola Hansson. Brevväxling 1888-1982, 1938; zu A.S.s Zeitungsartikel: (vor 1879) Före Röda Rummet. A.S.s ungdomsjournalistik, hrsg. av. T. Eklund, 1948. Deutsche Werkausgaben (außer den oben erwähnten Briefübersetzungen): A.S.: Deutsche Gesamtausgabe unter Mitwirkung von Emil Schering als Übersetzer - vom Dichter selbst veranstaltet, 47 Bde. in 7 Abteilungen, einschließlich Nachlaßbde., 1902-1930: Abt. I Romane, Abt. II Lebensgeschichte, Abt. III Dramen#, Abt. IV Novellen: A) Die modernen Novellen, B) die historischen Novellen, Abt. V Gedichte, Abt. VI Wissenschaft: A) Die einzelnen Wissenschaften, B) Die Synthese, Abt. VII Briefe; - Werke in neuer Übertragung von Willi Reich, Tabitha von Bonin, Else von Hollander-Lossow, Bde 1-9, 1955-1959: Inhalt: Bd. 1: Das rote Zimmer, Bd. 2: Dramen, Teil 1, Bd. 3: Historische Miniaturen, Bd. 4: Briefe, Bd. 5: Kleine Prosa, Bd. 6: Dramen, Teil l2, Bd. 7: Zwei Romane, Bd. 8: Vier Erzählungen, Bd. 9: Aus meinem Leben (auch als Goldmann Taschenbücher erschienen, dazu Auswahldramen der Ausgabe in Rowohlt Klassiker TB 79/80, 1960). - Werke in zeitlicher Folge, hrsg. von A. Gundlach, Frankfurter Wausg. 1984, ff.

Weitere Einzelausgaben: Bühnenwerke in neuer Übers. von H. Goebel, Reihe 1 Bde 1-6, Reihe 2, Bde 1-6, 1919; Ausgewählte Dramen Bd. 1-5, dt. von Else von Hollander, 1919; Ausgewählte Dramen, Bde. 1-5, dt. von E. Schering, 1926; Ausgewählte Romane, Bde. 1-5, dt. von Else von Hollander, 1919; Die Romane, Bde. 1-5, dt. von Emil Schering, 1922; Ausgewählte Novellen, Bde. 1-5, dt. von Emil Schering, 1926; Dramen 1-3, 1964/65; Erzählungen 1964; Der Elch des Pastors - Erzählungen (Diogenes) 1965; Kloster, Einsam - zwei autobiographische Romane, dt. von W.A. Berendsohn (Dtv TB 618), 1965; Meistererzählungen (manesse im dtv 24009), 1992; A.S. im Diogenes Verlag: Dramen in 3 Bänden (detebe-Klassiker 21790), dt. von Arthur Bethke und Anne Storm, 1991 f.; Die gesammelten Erzählungen in 3 Bänden (detebe-Klassiker: 22410), dt. a.a.O., 1991 f.

Briefe und andere Lebenszeugnisse, dt.): Adolf Paul, A.S., Erinnerungen und Briefe, 1915, 19242; A.S. im Zeugnis der Zeitgenossen. Mit einer Einleitung von Willy Haas, 1963; A.S., Briefe an seine Tochter Kerstin, hrsg. von T. Eklund, 1963, 19862; A.S. über Drama und Theater, hrsg. von Marianne Kesting und Werner Arpe, 1965; Die Strindberg-Fehde, hrsg. von Klaus von See, suhrkamp TB-Materialien, st. 2008, 1987.

Engl. Ausgaben: Twelfe plays by E. Springe, 1963; the plays of A.S. by M. Meyer, 1964.

Bibliographie: R. Zetterlund, Bibliografiska anteckningar om A.S., 1913; Svensk litteraturhistorisk bibliografi 1900-1935, (Uppsala) 1939-50, 245-276, für 1936 ff. fortlaufende Jahresbibliographie in der Zeitschr. Samlaren, 1938 ff.; J.R. Bryrer, A.S. 1951-1962. A Bibliography, in: MD 5, 1962, 60-81; G. Lindström, Strindbergsforskning 1915-1962, in: Svensk litteraturtidskrift 25, 1962, 60-81; S. Rinman, Tio års Strindbergsforskning, in Meddelanden från Strindbergsällskapet 40-41, 1968, 24-29; ders., Femton års Strindbergsforskning, in: Strindbergiana. Första samlingen,hrsg. Strindbergssällskapet, 1986, ders. Tre års Strindbergsforskning. Fjärde samlingen, hrsg. Strindbergssällskapet, 1989, 172-179; K.-A Kärnell, Strindbergslexikon, 1969 f.; H. Lindström, A.S. och böckerna I-II, 1977-1991; A.S. i offentligheden I-IV 1980 f.; C. Hennig u.a., Rezeption skand. Lit. in den deutschsprachigen Ländern 1915-1980, Bd. II, 1988, 750-849; R. Quandt, Schwedische Lit. in dt. Übers. Eine Quellenbibl., hrsg. v. F. Paul, Bd. 5, 1988, 2099-2332.

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Lit., 219-223; - Schauspielführer (1968), 165-201; - Spielplan (Ullstein) Bd. 2, 601-604, 619-640; - Schauspielführer (1986), 383-396.

Wolfdietrich von Kloeden

Werkeergänzung:

"Wenn nein, nein!" August Strindberg und Frida Uhl - Briefwechsel 1893-1902. Ausgew., übers. und hrsg. von Friedrich Buchmayr. Weitra 1993.

Literaturergänzung:

Martina Chmelarz-Moswitzer, Mimesis u. Auflösung d. Form. Bildende Künstler u. bildende Kunst in d. Werken d. skandinav. Autoren Herman Bang, Henrik Ibsen u. August Strindberg. Wien 2005.

Letzte Änderung: 10.10.2007