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Verlag Traugott Bautz
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STROSSMAYER, Josip Juraj, * 4. Februar 1815 in einer Familie deutscher Abstammung in Osijek/Kroatien, † 8. April 1905 in Djakovo. Nach der Matura studierte S. Philosophie und Theologie am Priesterseminar in Djakovo und an der Theologischen Fakultät in Budapest. Die Priesterweihe empfing er 1838. Nachdem er in Wien zum Dr. theol. promoviert worden war, lehrte er ab 1840 als Theologieprofessor am Priesterseminar seiner Heimatdiözese. Von 1847 bis 1849 war er Kaplan am kaiserlichen Hof und Spiritualdirektor am Frintaneum in Wien. Im Jahre 1849 wurde er zum Bischof von Djakovo ernannt, 1851 zusätzlich zum Apostolischen Administrator für Serbien. Er gründete Erziehungsanstalten und berief männliche und weibliche Ordensleute in seine Diözese. Auch sorgte er für eine angemessene Dotierung des Knabenseminarss. Große Zuwendungen leistete S. auch zur Gründung der Kroatischen Akademie der Wissenschaften im Jahre 1867 und der Universität von Zagreb im Jahre 1874. Ebenso förderte er die Herausgabe der »Monumenta Slavorum Meridionalium« durch Augustin Theiner. Auf eigene Kosten ließ er von 1866 bis 1882 die Kathedralkirche von Djakovo errichten. Alle geistige Enge war S. fremd. Er trat früh für die glagolitische Liturgie ein und pflegte persönliche Beziehungen zu dem russischen Religionsphilosophen Vladimir Solov'ev (+ 1900), der auch Gast in seinem Hause war. Die Wiedervereinigung von katholischer und orthodoxer Kirche war ihm ein Herzensanliegen; deswegen trat er aus lehrhaften und praktischen Gründen gegen eine Dogmatisierung der päpstlichen Unfehlbarkeit auf dem Ersten Vatikanischen Konzil auf. Er sah darin die Errichtung eines Hindernisses für eine Kirchenunion. Als letzter österreichischer Bischof nahm er das Dogma erst 1872 an. Eine von ihm am 2. Juni 1870 gehaltene Konzilsrede wurde später in gefälschter Form in Umlauf gebracht. Zeit seines Lebens unterhielt er gute Beziehungen zu den Orthodoxen, die in seinem Gebiete lebten. Als glühender Patriot setzte er sich, nachdem er 1860 Mitglied des verstärkten Reichsrates geworden war, für eine föderative Struktur des k.u.k. Imperiums ein und damit auch für eine weitgehende Autonomie Kroatiens innerhalb der österreichisch-ungarischen Monarchie; ab 1867 scheint sich S. auch panslavistischen Ideen zugewandt zu haben. Freundschaftliche Beziehungen verbanden ihn mit Papst Leo XIII. Nachdem dieser am 30. September 1880 die Enzyklika »Grande munus« zu Ehren der Slavenapostel Kyrillos und Methodios veröffentlicht hatte, führte S. eine Dankdeputation der Slaven nach Rom an. Seine Berufung in das Kardinalskollegium verhinderte das Veto des Wiener kaiserlichen Hofes. Das kroatische Volk, dem er ein halbes Jahrhundert als geistlicher, kultureller und politischer Wegweiser diente, verehrt ihn als »Vater des Vaterlandes«.
Werke: M. CepeliÛ-PaviÛ (Hrsg.), Reden und ausgewählte Schriften S.s [kroatisch], Zagreb 1900-1904; T. SmiÚiklas [Hrsg.], Zagreb 1906; A. Spitelak (Hrsg.), Reden, Vorschläge und Erklärungen auf dem Vatikanischen Konzil, Zagreb 1929; F. SisiÛ (Hrsg.), Korespondencija RaÚki-S., 4 Bde, Zagreb 1928-1931; ders., J. J. S., Dokumenti i Korespondencij, I, Zagreb 1933.
Lit.: V. Soloviev, Lettre à S. (Agram, 9-21 sept. 1886), in: E. L. Radlov (Hrsg.), Pis'ma V. S. Solov'eva, Petersburg 1908, I, 183-190 [dt. in: W. Soêowjew, Una Sancta. Schriften zur Vereinigung der Kirchen und zur Grundlegung der universalen Theokratie, II (= W. Szyêkarski, Hrsg., Deutsche Gesamtausgabe der Werke von Wladimir Soêowjew, Freiburg 1954, III, 7-25)]; - J. Urban, Korespondencja Soêowjewa z Strossmayerem, in: PrzeglÙd Powszechny (Krakau 1909), Nr. 101; - F. Grivec, Wladimir Soêowjew i Episkop S., in: Vjera i Rodina, August/September 1925; - Ch. Loiseau, La politique de S., in: Le Monde Slave NF 4/1 (Paris 1927) 379-405; - W. Szyêkarski, Soêowjew und Strossmayer, in: Ostkirchliche Studien 1 (1952) Heft 2; - E. Winter, Rußland und das Papsttum, Berlin 1961, II, 364 f., 382-390, 500-503; - DThC XIV, 2630-2635; - ECatt XI, 1420 f.; - LThK 2IX, 1114 f.; - Encyclopedic Dictionary of Religion, Philadelphia-Washington, D.C. 1979, 3403.
Johannes Madey
Literaturnachtrag:
1997
Giuseppe M. Croce, Un "famigerato vescovo antifallibilista". Pio IX e il vescovo S. dopo la fine del Vaticano I. Con documenti inediti, in: AHP 35.1997, S. 161-18; -
2008
Slavko Sliskovic, La chiesa e la formazione cristiana e nazionale di Croati e Sloveni nell'Ottocento (Strossmayer e Slomsek), in: Storia religiosa di Croazia e Slovenia. Milano 2008, S. 381-4061.
Letzte Änderung: 19.08.2009