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Band XI (1996)Spalten 263-267 Autor: Ernst Pulsfort

SUNDAR SINGH, Sadhu. Sundar Singh, als Sohn wohlhabender Eltern * Mitte 1888 in Rampur (Punjab/Nordindien), † unbekannt. - S. S. war von Geburt her Sikh; jedoch überwog in der religiösen Erziehung der Mutter das hinduistische Element. S. S. besuchte die Missionsschule der amerikanischen Presbyterianer in seinem Dorf und geriet unter deren Einfluß. Ein Berufungserlebnis, eine Christusvision, die S. S. selbst auf den 16.12. 1903 datiert, weckte in ihm das Verlangen, getauft zu werden. Trotz massiven Drucks seitens seiner Familie beharrte S. S. auf seinem Vorhaben und wurde daraufhin von seiner Familie verstoßen. Im Missionsinternat der Presbyterianer in Ludhiana bereitete er sich ein Jahr lang auf seine Taufe (3.9. 1905) vor. 33 Tage später setzte er seinen Entschluß, ein christlicher Sadhu (Wandermönch) zu werden, in die Tat um, legte das traditionelle ockerfarbene Gewand der Sanyassi-Mönche an und begann auf eigene Faust zu missionieren. Die folgenden Jahre zog S. S. fast ununterbrochen evangelisierend durch Nordindien. Eine erste Reise (1905-1906) führte ihn bis nach Afghanistan und zurück nach Kotgarh im Himalaya, das er zu seinem Standquartier gewählt hatte. Hier traf er mit Stokes, einem jungen Amerikaner, der vom franziskanischen Ideal begeistert war, zusammen und arbeitete für einige Zeit mit ihm u.a. in einem Hospital für die Opfer der Pestepedemie im Punjab. 1908 bereiste S. S. den Himalaya und soll bis ins damals noch verschlossene Tibet vorgedrungen sein. 1909 reiste er nach Bombay, um von dort nach Palästina überzusetzen; doch der Versuch scheiterte. Er ließ sich überreden, sich theologisch weiterzubilden und absolvierte von Dezember 1909 bis Juli 1910 einen Katechetenkurs an einem College der Anglikaner, den er mit einer Predigtlizenz abschloß. Er gab diese Lizenz jedoch wieder zurück, weil er nicht auf seine Unabhängigkeit verzichten wollte. 1912-1917 unternahm er längere Reisen im West- und Osthimalaya sowie Predigt- und Vortragsreisen durch Nordindien. Ab 1918 bereiste er auch Südindien, wo er mit dort ansässigen Missionsgesellschaften zusammenarbeitete, die seine Reisen organisierten und ihn für große zentrale Missionsveranstaltungen als Prediger verpflichteten. Diese Missionsgesellschaften organisierten ebenfalls Reisen nach Ceylon, China und Japan (1918-1919). 1919 söhnte S. S. sich mit seinem Vater aus, der ihm 1920 eine Reise nach Europa finanzierte. S. S. bereiste England und von dort die USA. Von San Francisco setzte er nach Australien über und kehrte nach kurzem Aufenthalt nach Indien heim. Von 1921-1922 soll S. S. wieder den Himalaya besucht haben, bevor er 1922 die Schweiz, Deutschland, Skandinavien, die Niederlande und England besuchte, von wo er schließlich für immer nach Indien zurückkehrte. Nun beschränkte er seine Missionsreisen auf den indischen Subkontinent. Von 1921-1928 verfaßte er jährlich eine theologische Schrift, die in viele Sprachen übersetzt wurde. Trotz seiner durch die vielen Reisen angeschlagenen Gesundheit brach er am 18.4. 1928, nachdem er sein Testament gemacht hatte, noch einmal nach Tibet auf, von wo er nie wieder zurückkehrte. Wann und wo S. S. starb, ist nicht bekannt. 1933 wurde er offiziell für tot erklärt. - S. S. gilt als indisch-christlicher Visionär und Mystiker, als Wunderheiler, Asket und Apostel. Er hatte wie Paulus jahrelang in der Verborgenheit gelebt, viele Menschen zum Christentum bekehrt und für Christus gelitten. Er war ein Beter, dem Gott einige seiner Geheimnisse offenbarte. Sein Freund war der nicht-religiöse Mensch. S. S. plädierte für eine christliche Theologie in indischen Begriffen und war Anhänger eines qualifizierten Monismus. Als Anhänger der Bhakti-Bewegung betonte er immer wieder die Wichtigkeit der Erfahrung des lebendigen Christus im Menschen selbst, im Gegensatz zur Begegnung mit der Gestalt des historischen Jesus. Religion bedeutete für S. S. nicht so sehr Wissen oder theoretische Erkenntnis, sondern primär Liebe und Verpflichtung gegenüber Gott. So sah er z.B. die Beziehung zwischen menschlicher und göttlicher Welt nicht als ein Versinken in der eigenen Innerlichkeit, sondern in einer interpersonalen Beziehung zwischen Mensch und Gott. Die Gemeinschaft mit Gott im Gebet führte ihn zur Erkenntnis der Wirklichkeit. S. S. gilt als Vorkämpfer der Ashrambewegung auf evangelischer Seite und als deren exemplarischer Lehrer.

Werke: Maktib i Mashi, Lucknow 1921 (englisch: At the Master's Feet, Madras 1922, 19578; schwedisch: Vid Mästarens Fötter, Jönköpping 1922, 1923, Randers 19744; Sundar Singhs Bok om Mästarens och Lärjungens Möte, in: N. Söderblom, Sundar Singhs Budskap, Stockholm 1922, 19232, 9-86; dänisch: Ved Mesterens Fødder. Et Mode mellem Herren og hans Discipel, Kopenhagen 1923, 1927; russisch: U nog Jisu. 4 réci, zapiónannyja (Licht des Ostens), Wernigerode 1923; französisch: Au Pied Du Maitre, Lausanne 1924; deutsch: Zu des Meisters Füßen, Sadhu Sundar Singhs Botschaft, Stuttgart 1923, 1936; Zu des Meisters Füßen; in: Sadhu Sundar Singh. Gesammelte Schriften, hrsg. v. Friso Melzer, Stuttgart 198210, 9-68; isländisch: Jesu og litli grengurinn, Reykjavik 1927); Mazhab our Haqiqat, Lahore 1924 (englisch: Reality and Religion. Meditations on God, Men and Nature [mit einer Einleitung v. B.H. Streeter]; London 1924, Madras 1968, 19834,; deutsch:Gotteswirklichkeit. Gedanken über Gott, Mensch und Natur, Hamburg 1924; Wirklichkeit und Religion. Innerungen über Gott, Mensch und Natur, in: Sadhu Sundar Singh. Gesammelte Schriften, hrsg. v. Friso Melzer, Stuttgart 1982 10, 68-108. dänisch: Ind till Gud. Nye Tanker og Billeder af Sadhu Sunder Singh, Kopenhagen 1924; schwedisch: Verklighet och Religion. Betrakteker om God, Människan och Naturen, Stockholm 1924; niederländisch: Waarheid en Godsdienst. Gedachten over God, den Mensch en de Natuur, Rotterdam 1924; The Search after Reality. Thoughts on Hinduism, Buddhism, Muhammadanism and Christianity, London 1924 (dänisch: Hvad er Sandhed. Tanker om de fire Verdensreligioner, Kopenhagen 1924; schwedisch: Sökandet efter Verkligheten, Stockholm 1924; deutsch: Das Suchen nach Gott. Gedanken über Hinduismus, Buddhismus, Islam und Christentum, München 1925; Das Suchen nach der Wirklichkeit. Gedanken über Hinduismus, Buddhismus, Islam und Christentum, in: Sadhu Sundar Singh. Gesammelte Schriften, hrsg. v. Friso Melzer, Stuttgart 198210, 109-166); Meditations on Various Aspects of the Spiritual Life, London 1926, Madras 1967, 19743; (dänisch: Livet i Gud. Tanker og Lignelser, Kopenhagen 1926; schwedisch: Meditationer över olika faser i det andliga livet, Stockholm 1926; Betrachtungen über das Wachsen im geistlichen Leben, Basel o.J. (1929), 19585, Marburg 19757; Betrachtungen über verschiedene Seiten des geistlichen Lebens, in: Sadhu Sundar Singh. Gesammelte Schriften, hrsg. v. Friso Melzer, Stuttgart 198210, 167-206; französisch: Meditations sur differents aspects de la vie spirituelle, übers. v. G. V. Rosselet, Basel 1931); Visions of the Spiritual Life. A Brief Description of the Spiritual Life, its Different States of Existence, and the Destiny of Good and Evil Men as Seen in Vision, London 1926, 19272, Madras 1967, 19834; Visions of Sadhu Sundar Singh of India, Minneapolis o. J. (schwedisch: Syner fran Andevärlden, Uppsala 1926, 19273; dänisch: Efter Døden. En Skort Skildring af Livet efter Døden, somdat i syner blev ning aabenbaret, Kopenhagen/Oslo 1927, Kopenhagen 1932, 1957; isländisch: Vitramir fra oethra heimi, Reykjavik 1927; deutsch: Gesichte aus der jenseitigen Welt. Mit Geleitwort des anglikanischen Bischofs Durand von Lahore und des Erzbischofs Söderbloms von Upsala, Aarau 1926, 19342, Bern/Stuttgart 1962; Gesichte der Geisteswelt. Eine kurze Beschreibung des Geisteslebens, seiner verschiedenen Geisteszustände und des Schicksals guter und böser Menschen, wie es in Gesichten geschaut wurde, in: Sadhu Sundar Singh. Gesammelte Schriften, hrsg. v. Friso Melzer, Stuttgart 1982 10, 207-244); The Real Life, Madras 1965, 19814; With and Without Christ. Being Incidents Taken from the Lifes of Christians and Non-Christians Which Illustrade the Difference in Lives Lived with Christ and Without Christ, London 1929, Madras 1969, 19824; (deutsch: Mit und ohne Christus. Beispiele aus dem Leben von Christen und Nichtchristen, Basel o. J. (1930), 19575; Mit und ohne Christus. Vorfälle aus dem Leben von Christen und Nichtchristen, die den Unterschied zeigen zwischen einem Leben mit Christus und einem Leben ohne Christus, in: Sadhu Sundar Singh. Gesammelte Schriften, hrsg. v. Friso Melzer, Stuttgart 198210, 245-317; schwedisch: Med och utan Kristus. Berättelse ur kristnas doch hedninggars liv, Uppsala 1929; dänisch: Sogende Själe. Andres og egne Oplvelser og Erfaringer, Kopenhagen 1929; niederländisch: Mit en zonder Christus, met een inleidend woord van Dr. C. W. Th. Baron von Boetzelaer van Dubbledam, Gravenhage 1920); Von den Schriften S. S.s existieren zwei Gesamtausgaben: Sadhu Sundar Singh. Gesammelte Schriften, hrsg. v. Friso Melzer, München 1946, Stuttgart 198210 (Enthält die Schriften I-V und VII); Sadhu Sundar Singh. Complete Works, Madras 1983. (Enthält die Schriften I-VII und die Redesammlung »Life in Abundance«). - Theol. Artikel von S. S.: What is Christ to Me, in: Foreign Field, 1920, 157f.; Christ and India, in: Missionary Review of the World 46 (1923) 178; Parables of Life in Christ, in: Missionary Review of the World 49 (1926) 455-457; The East and the West, in: Missionary Review of the World 50 (1927) 13f.; Tests of Spiritual Life, in: Missionary Review of the World 50 (1927) 751f.; Knowing God and Knowing Yourself, in: Missionary Review of the World 51 (1928) 367-369; Life - Its Meaning and Use, in: Missionary Review of the World 52 (1929) 590-593.

Sammlungen und Ausgaben der Reden S. S.s: Soul Stirring Messages. A Collection of the Sermons and Sayings of Sadhu Sundar Singh, hrsg. v. A. Zahir, Agra 1920; The Sadu Sundar Singh, in: Bible in the World, 16 (1920) 88f. (Enthält eine Rede, die Sundar Singh am 5.5.1920 vor der Bibelgesellschaft in London hielt); Par Christ et Pour Christ. Discours du Sadhou Sundar Singh, Lausanne 1922, 19232; Sadhu Sundar Singh. Aus seinen Reden in der Schweiz, 3 Bde., Zürich o.J. (1922) Bd. 1. 19222; Die Rede Sundar Singhs am 24.3.1922 im Münster zu Bern, Niederbipp 1922; Betrachtung und Gebet. Die Ansprache Sundar Singhs in Leipzig, in: Mitteilungen aus dem Verlag C. Bertelsmann, Gütersloh 1922, 20-23; Sermon Preached at Keswick Convention, 19.7.1922, in: PARKER, Sundar Singh, 107-11 (identisch mit:) Sundar Singhs Predikan om Bönen, in: SÖDERBLOM, Budskap, 112-123; Keur uit de Toespraken van den Sadhoe Soendar Singh (Lichtstralen op den Akker der Wereld, 4 u. 5). Met inleidend woord van Dr. C. W. Th. Baron van de Boetzelaer van Dubbeldam, Hoenderloo 1922; Kristi Evangelium. Föredrag vid Keswickkonferensen, übers. v. M. Durling, Jönköping 1924; Herren Kalder. Ti Udvalgte Taler fra Europarejsen, übers. v. G. Mundt, Kopenhagen 1923, 1970 (identisch mit:) Herren Kaller. Ti Predikningar av Sundar Singh. Jönköping 1922, 19232; Drottinn kallar. Tiu raedur halnar i Europa 1922, Reykjavik 1934; Vaag og Bed. Udvalgte Taler. Ny Samling, übers. v. G. Mundt, Kopenhagen 1925; Et Vidnesbyrd om Livet i Gud. Foredrag Holdt ved Nyborg-Modet 1 Maj 1922, Kopenhagen 1922; Sermons and Sayings of Sadhu Sundar Singh. During His Visit to the Khasi Hills, Assam, March 1924, hrsg. v. J. H. Rowlands / H. R. Ghose, Sylhet 1924; Life in Abundance. Sermons of the Sadhu recorded by Alys Goodwin in Switzerland, March 1922, hrsg. v. A. F. Thyagaraju, Madras 1980; Överflödande Liv. Sju Predikningar av Sundar Singh, Jönköping 1922, 19234; Liv och Övernog, Västervick 1924, 192617; Livets vatten. Sju Predikningar, Jönköping 1926.

Lit.: F. Heiler, Sadhu Sundar Singh, der Apostel Indiens, in: Die christliche Welt 37 (1923) 417-422, 447-52, 479-83; - ders., Sadhu Sundar Singh. Ein Apostel des Ostens und Westens (Aus der Welt christlicher Frömmigkeit, 7), München 1924, 19264; - ders., Der Streit um Sadhu Sundar Singh, in: Die christliche Welt 38 (1924) 955-57, 1072-76, 39(1925) 78-84, 118-27, 1551-64; - ders., Apostel oder Betrüger? Dokumente zum Sadhustreit, München 1925; - ders., Apostel oder Betrüger? in: Kirchenfreund 59 (1925) 261-66; - ders., Der Streit um einen Friedensmann, in: Münchener Neueste Nachrichten vom 25.1.1925; - ders., Sierp und Sundar. Eine Antwort, in Münchener Neueste Nachrichten vom 5.2.1925; - ders., Sundar Singh und die Jesuiten, in: Der Tag vom 5.3.1925; - ders., Nochmals Sundar und Sierp. Eine zweite Antwort an P. Sierp S.J., in: Münchener Neueste Nachrichten vom 5.3.1925; - ders., Ein Bild von Sadhu Singh. Der indische Heilige im eigenen Wort und im Urteil seiner Freunde, in: Münchener Neueste Nachrichten vom 24.4.1925; - ders., Christlicher Glaube und indisches Geistesleben. Rabindranath Tagore, Mahatma Gandhi, Brahmabandhav Upadhyaya, Sadhu Sundar Singh (Christentum und Fremdreligionen, 3), München 1926; - ders., Die Legende Sundar Singhs. Eine Erwiderung, in: Frankfurter Zeitung vom 9.6.1926; - ders., Der Streit um die Evangelische Katholizität. Meine Stellung zu Erzbischof Söderblom, in: Eiche 14 (1926) 20-23; - ders., Die Wahrheit über Sundar Singhs Leben, in: Kirchenblatt für die reformierte Schweiz 41 (1926) 157-59, 161-63; - ders., Die Wahrheit Sundar Singhs. Neue Dokumente zum Sadhustreit, München 1927; - ders., Die Wahrheit über Sundar Singhs Leben, in: Zeitschrift für Parapsychologie 2 (1927) 169-79; - ders., Vom Sadhu, in: Mitteilungen des schweizerischen Hilfskomitees für die Mission in Indien 10 (1928) 1ff.; - ders., Sadhu Sundar Singh im Lichte neu erschlossener Quellen, in: Evangelisches Missionsmagazin 72 (1928) 79-89; - ders., Berichtigungen zu Dr. O. Pfisters Aufsatzreihe `Der Bankrott eines Apostels', in: ZMR 45 (1930) 97-115; - Ernst Pulsfort, Christliche Ashrams in Indien. Zwischen dem religiösen Erbe Indiens und der christlichen Tradition des Abendlands, Altenberge 19912, 29. - Eine vollständige Auflistung der Werke S.S.s und der Literatur über ihn gibt Michael Biehl, Der Fall Sadhu Sundar Singh. Theologie zwischen den Kulturen, Frankfurt - Bern - New York-Paris 1990, 367ff.

Ernst Pulsfort

Literaturergänzung:

1990

Tychicus Dayanandan Francis, Sadhu Sundar Singh. The lover of the cross, in: AJTh 4.1990, S. 24-35.

Webseitenergänzung:

Paul Gäbler: Sadhu Sundar Singh, Leipzig 1937 [Leipzig, Theol. Diss., 1938]; - http://gaebler.info/ahnen/gaebler/sss.htm (29.03.2006.

Letzte Änderung: 30.06.2009