SUPPER, Auguste, geb. Schmitz, Schriftstellerin, * 22.1. 1867 in
Pforzheim, † 14.4. 1951 in Ludwigsburg. - Auguste S.
wuchs in Calw am Rande des Schwarzwaldes auf, wo ihr Vater ab 1873
die neu eröffnete Bahnhofswirtschaft betrieb. In Calw besuchte sie
die Volksschule und die Töchterschule. Ihr Religionslehrer war
dort zeitweise der junge Theodor Haering, der spätere Tübinger
Professor. In die Schulzeit fallen erste literarische Versuche,
Gedichte, die nicht nur bei Schulfeiern vorgetragen, sondern auch
in Pforzheimer und Heidelberger Zeitungen gedruckt wurden. Bei
einer Rheinreise schwelgte sie in den damals üblichen
patriotischen Gefühlen. Sie verfaßte auch eine Reisebeschreibung,
deren Druck durch den Bankrott des beauftragten Verlages
unterblieb. Im Jahr 1887 verlobte sie sich mit Otto Heinrich
Supper und heiratete ihn noch im gleichen Jahr. Der neue Wohnort
des Paares wurde Ulm. Der im Dienst der württembergischen
Staatseisenbahn stehende Jurist wurde bald nach Stuttgart versetzt
und promovierte in Tübingen. Ein erstes Kind starb noch im Jahr
der Geburt (1890). Im Jahr 1896 bewarb sich Otto S. auf einen
Posten in Calw, Auguste kehrte für acht Jahre in den Schwarzwald
zurück. Zwei Jahre später erschien ihr erstes Buch. Im Frühjahr
1905 ging er zurück nach Stuttgart. Eine Italienreise (1906) fand
ihren Niederschlag in dem Buch »Im Flug durch Welschland«. Ab 1910
war ein eigenes Haus in Korntal im Bau; da starb Otto S.
überraschend noch vor dem Einzug (1911). In Korntal bekam sie
Kontakt zur Brüdergemeinde, auch zu dem Missionar Hesse, den Vater
des Dichters Hermann Hesse. Hatte sie noch ihr Vater vor dem
Unglück eines Krieges gewarnt, so gewann sie ihm in den
Erzählungen »Vom jungen Krieg« (1915) heroische Seiten ab. Nicht
die Verwundung ihres Sohnes, erst die Revolution vom November 1918
bedeutete für sie das Entsetzen. Der König von Württemberg, der
ihr 1918 noch die Goldene Medaille für Kunst und Wissenschaft
verliehen hatte, war für sie ein 'mythischer Begriff'; zu seinem
Tod 1922 schrieb sie ein Requiem. Im Dezember 1921 verkaufte sie
das Haus in Korntal und zog in das Pfarrhaus in Hohengeren. Ihre
literarischen Leistungen fanden Anerkennung durche den Marie-von-
Ebner-Eschenbach-Preis (1924). Sie wurde Ehrensenatorin der
Reichsschrifttumskammer (1935), Ehrendoktor (1937) und erhielt
1942 den Schwäbischen Dichterpreis. Von 1923 bis zu ihrem Tode
lebte sie in Ludwigsburg. - Auguste S. hat ein umfangreiches
literarisches Werk geschaffen. Ihre Beobachtungsgabe ist
erstaunlich, ihre einfühlsamen, oft im Dialekt geschriebenen
Darstellungen des Lebens der kleinen Leute im Schwarzwald sind
lesenswert. Gerade diese Stücke erleben bis heute Neuauflagen.
Auguste S. ist im Kaiserreich mit seiner Überbetonung des
Nationalen aufgewachsen, was tiefe Spuren hinterließ. Schon das
Reisebuch »Im Flug durch Welschland« der jungen Autorin läßt
keinerlei Verständnis für die katholische Kirche, das Mönchtum und
die fremde Lebensart erkennen; ihre Memoiren »Aus halbvergangenen
Tagen« (1937) sind durchzogen von völkischer Überheblichkeit,
einem agressiven Antisemitismus und einer blinden Bewunderung
Adolf Hitlers, den sie als Heilsbringer verehrt.
Werke:
(in Auswahl): Der Mönch von Hirsau, Stuttgart 1898; Da hinten bei
uns, Erzählungen aus dem Schwarzwald, Heilbronn 1905; Im Flug
durch Welschland, eine fröhliche Ferienfahrt, Heilbronn 1908;
Leut', Schwarzwalderzählungen, Heilbronn 1908, Neudruck 1993;
Herbstlaub, Gedichte, Heilbronn 1912; Die Mühle im kalten Grund,Heilbronn 1912; Vom jungen Krieg, Hagen 1915; Der Herrensohn,
Stuttgart 1916; Das Glockenspiel, Gedichte, Stuttgart 1918; Das
hölzerne Schifflein, Stuttgart 1924; Auf altene Wegen, Tübingen
1928; Die Mädchen vom Marienhof, Stuttgart 1931; Aus
halbvergangenen Tagen, Erinnerungen, München 1937; Die von der
Blumenwiese, Gütersloh 1943. Vollständige Liste Titel bei Gero von
Wilpert und Adolf Gühring, Erstausgaben deutscher Dichtung,
Stuttgart 1992
2, 1476-78.
Lit.:
Auguste Supper, Eine deutsche Meistererzählerin, in: Schwaben 14,
1942, 175-180; - H.L., Auguste Supper zum Gedenken, in:
Schwäbische Heimat, N.F. 2, 1951, 108-109; - Gottlob Lang,
Auguste Supper, in: Zeitwende 23, 1951, 278-280; - Karl
Greiner, Vom Werden der Dichterin Auguste Supper, in: Schwäbische
Heimat, N.F. 14,1963, 135-136.
Gerhard Kaller
Letzte Änderung: 09.04.2011