SYMEON STYLITES der Jüngere oder Symeon der Thaumastorite ist 521
in Antiochia als Sohn der Hl. Matha geboren. Sein Vater war aus Edessa
zugezogen. Schon mit sechs Jahren bestieg er in der Nähe seines Meisters
Johannes seine erste Säule. Mit zwölf Jahren wechselte er auf eine
höhere, um dem Irdischen stärker zu entrücken und dem Himmel näher
zu sein: Um dem Andrang der Pilger zu entgehen, zog er auf spezielle
Weisung Christi in die Einsamkeit. Er lebte zehn Jahre auf dem Felsen
eines Berges, der wegen der vielen Wunder des Styliten bald »Wunderberg«
genannt wurde. Manch ein Pilger glaubte die Gnade im Augenblick der
Heilung herabfahren zu sehen wie einen Blitz. S. bewirkte auch Massenheilungswunder.
Schließlich stand er 45 Jahre auf seiner dritten Säule. Seine Schüler,
die sich auch um die Pilger kümmerten, hausten zunächst in einer Hütte,
doch veranlaßte S. bald den Bau eines Klosters, wobei man dem Vorbild
von Kal'at Sim an folgte. Die Säule stand nun unter freiem Himmel
in der Mitte der Gesamtanlage. S. hatte Visionen. So z.B. sah er einmal
den Satan auf sich herabstürzen wie einen Adler, aber die »Kraft«
des Heiligen Geistes erwischte den Raubvogel und riß ihm beide Flügel
ab. Die Pilger nahmen begeistert kleine, massenhaft gefertigte, plastische
Bilder des Säulenheiligen mit, die besonders aus dessen herabfallenden
Exkrementen mit Hilfe von Öl geformt worden waren. So hat auch dieser
Stylit erheblichen Anteil am Aufblühen des Glaubens an die Gegenwart
des Heiligen im Bild. Es sind mehrere Briefe, darunter Schreiben an
die Kaiser Justinian I. (527-565) und Justin II. (565-578) sowie 30
asketische Schriften, Hymnen und Gebete überkommen. Er starb am 24.5.592.
Sein Fest wird am 24. Mai begangen. Sein Stylitentum ist als absonderliche
Abart des Eremitentums in die Kirchengeschichte eingegangen. Das Ganze
erinnert in mancher Hinsicht an indische Asketen. Der große Säulenheilige
fand bis ins 10. Jahrhundert hinein Nachfolge, auch weibliche, auch
in Städten wie Rom und Byzanz.
Quellen: Acta Sanctorum Mai V. 399 ff. ed. nova, Paris
und Rom 1866 = Legende der Hl. Matha; P. van den Ven, Les écrits ...avec
trois sermons inédits = Muséon 70, 1957, 1-57; Ders. ed., La vie ancienne
de Symeon I Introd. et text grec., Brüssel 1962.
Lit.: Prot. RE3, XVII, 333; - K. Krumbacher,
Geschichte der byzantinischen Literatur, 2. Auflage 1897, 144 f.;
- H. Delehaye, Les saints stylites, Bruxelles 1923, LIX-LXXV,
238-250; - Karl Holl, Der Anteil der Styliten am Aufkommen der
Bilderverehrung = Gesammelte Aufsätze zur Kirchengeschichte II Der
Osten, Tübingen 1928, 388-398; - H. Leclercq, Art. Stylites in
Dictionnaire d' Archéologie Chrétienne et de Liturgie (DACL) 15.2.1953,
Sp. 1697 ff.; - W.F. Volbach, Zur Ikonographie des Styliten
Symeon des Jüngeren = Tortulae, Festschrift für Joh. Kollwitz, Rom
- Freiburg - Wien 1966, 293-299; - Carl Andresen, Die Kirchen
der alten Christenheit, Stuttgart 1971, 431, 506-509.
Nicolaus Heutger
Letzte Änderung: 09.04.2011