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Verlag Traugott Bautz
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SICKINGEN, Franz von, * 2.3. 1481 auf der Ebernburg, † 7.5. 1523 in Landstuhl. - S. entstammt einem ursprünglich im Kraichgau ansässigen Adelsgeschlecht. Durch Heiraten erwarb das Geschlecht linksrheinischen Besitz, so die Ebernburg bei Bad Kreuznach und Teile von Burg und Herrschaft Landstuhl. Sein Vater Schweikard von S. war Großhofmeister am kurpfälzischen Hof zu Heidelberg und kurpfälzischer Amtmann zu Kreuznach. Nach dessen frühen Tode (1504) übernahm Franz dieses Amt. Durch die Heirat mit Hedwig von Flersheim (1502) knüpfte er die Verbindungen zum pfälzischen Adel noch enger. Hedwig verstarb jedoch bereits 1515 im Wochenbett; eine Wiederverheiratung lehnt Franz von S. stets ab. Aus Bergwerksbesitz bezog er Einkünfte, die er zum Ausbau der Burgen verwendete. Er begann eine Fehde mit der Stadt Worms, belagerte sie und überfiel Wormser Kaufleute. Zwar galt grundsätzlich noch das Fehderecht, doch sah der Kaiser in dem Vorgehen gegen Worms einen Bruch des Ewigen Landfriedens aus dem Jahr 1495. Im Mai 1515 erklärte er ihm in die Reichsacht. Aus den Kriegszügen zog er durch Kontributionen und Lösegelder reichen Gewinn. Er trat 1516 in französische Dienste, wechselte aber schnell wieder auf die habsburgische Seite, nahm im Jahr 1519 an dem Feldzug gegen Herzog Ulrich von Württemberg teil und betrieb die Wahl des neuen Kaisers Karl V., der ihm 1520 den Titel eines kaiserlichen Rates verlieh. Auf dem Feldzug von 1519 kam es zu einer engeren Bekanntschaft mit Ulrich von Hutten; im September 1520 zog Hutten auf die Ebernburg. Die Freundschaft mit Hutten markiert einen wichtigen Wendepunkt im Leben des Franz von S. Durch Hutten wurde er mit dem Humanismus und der Reformation vertraut. Die Ebernburg wurde zur Zufluchtsstätte der Anhänger der Reformation. Martin Butzer, Kaspar Aquila, Johann Oekolampad und Johannes Schwebel fanden in den Jahren 1521-22 hier Zuflucht. Die Ebernburg wurde zur »Herberge der Gerechtigkeit«. Er mischte sich in den Streit Reuchlins mit den Dominikanern in Köln ein, griff diese in einer Flugschrift scharf an und drohte mit Fehde. Es kam 1520 zu einem Schiedsspruch, an dem S. beteiligt war, der aber kein endgültiges Ende des Streites brachte. Im Mai 1522 führte S. den reformierten Gottesdienst in der Burgkapelle auf der Ebernburg ein. Im Sommer stellte er im Auftrag des Kaisers ein Heer gegen Frankreich auf. Der Feldzug war zunächst erfolgreich, scheiterte dann aber bei Mézières, das nicht eingenommen werden konnte. Auf dem Landauer Rittertag im August 1522 wurde eine Vereinigung des Adels am Mittel- und Oberrhein geschlossen und zum Hauptmann gewählt. Er aber überschätzte jedoch seine Macht und seinen Rückhalt bei den Standesgenossen und begann eine Fehde gegen den Erzbischof von Trier. Mit einem meist aus angeworbenen Landsknechten bestehenden Heer zog er gegen den Kurfürsten. Es gelang, St. Wendel einzunehmen, doch scheiterte im September 1522 die Belagerung von Trier. S. kam erneut in die Acht des Reiches. Der Erzbischof fand Unterstützung bei dem Landgrafen Philipp von Hessen und dem Kurfürsten Ludwig V. von der Pfalz. Sie stellten ein großes Heer auf, während S. über Winter seine Landsknechte entlassen mußte. Durch geschicktes Taktieren lockten sie S. in die weniger stark befestigte Burg Landstuhl und begannen Ende April 1523 die Belagerung. Bei dem Beschuß wurde S. schwer verwundet; die drei Fürsten standen als Sieger an seinem Sterbebett. - Franz von S. ist eine der faszinierendsten Persönlichkeiten der Reformationszeit. Er kämpfte für das Rittertum in seiner traditionellen Ausprägung, als dessen Zeit schon abgelaufen war. Er versuchte gleichzeitig sich selbst ein kleines Territorium zu schaffen und scheiterte an den mächtigeren Nachbarn. Die Ebernburg wurde zum Treffpunkt und Zufluchtsort von Humanisten und Reformatoren. Seine Verquickung von religiösen und politischen Zielsetzungen ließ ihn nicht erkennen, daß Luther auf die Wirkung des Wortes Gottes allein setzte und eine Verbreitung seiner Lehre mit dem Schwert ablehnte. Er hatte daher auch vor dem Zug gegen Trier gewarnt. Volkssagen und Lieder verklärten das Bild vom Leben und Tod des Ritters Franz von S.
Werke: Wahrhafftiger bericht Francisci von Sickingen uff das ungegründt Ausschreiben derer von Worms, 1515; Ervorderung und verkundung des edlen und vesten Francisci von Sickingen zu Eberbürg an und wider Provincial, prioren und Conventen prediger ordens....1519; Eyn Sendbrieff, so der edel und ernst Franciscus von Sickingen seinem Schweher ...Diethern von Henschuchshejm... geschickt hat, Wittenberg 1522; Außschreiben und verantwirtung Franciscus von Sigkingen .... 1522.
Lit.: H. Ulmann, Franz von Sickingen, Leipzig 1872; - Walter Friedensburg, Franz von Sickingen, in: Im Morgenrot der Reformation, hrsg. von Julius von Pfugk-Harttung, Hersfeld 19245, 557-666; - K. H. Rendenbach, Die Fehde Franz von Sickingens gegen Trier, Historische Studien 224, Berlin 1933; - Ernst Kilb, Franz von Sickingen, Metz 1943; - Alfons Bold, Die Sickinger Archivalien, in: MHVPf 52, 1954, 23-46; - Kurt Baumann, Franz von Sickingen, in: Pfälzer Lebensbilder 1, Speyer 1964, 23-42; - Heinrich Steitz, Franz von Sickingen und die reformatorische Bewegung, in: BlPfKG 36, 1969, 146-155; - Winfried Dotzauer, Der »Warliche Bericht« des Reichsherold Caspar Sturm über den Kriegszug der drei Verbündten Fürsten gegen Franz von Sickingen im Jahre 1523, in: BlPfKG 37/38, 1970/71, 348-372; - ders., Das »Burgenterritorium« des Franz von Sickingen, in: Ebernburg-Hefte 9, 1975, 4-30; - Ulrich Oelschläger, Der Sendbrief Franz von Sickingens an seinen Verwandten Dieter von Handschuhsheim, in: BlPfKG 37/38, 1970/71, 710-726; - Günther Franz, Franz von Sickingen, in: Persönlichkeit und Geschichte, Göttingen 1977, 51-66; - Marianne Thoms, Franz von Sickingen, in: Unter dem Regenbogen, Köln 1977, 117-128; - Martin Schoebel, Franz von Sickingen als kurpfälzischer Amtmann in Kreuznach und Böckelheim, in: Ebernburg-Hefte 15, 1981, 19-28; - Peter Müller, Die Belagerung von Landstuhl und Sickingens Ende, in: Ebernburg-Hefte 15, 1981, 29-39; - Frank Hoffbauer, Franz von Sickingen - Machtgrundlagen und Finanzpolitik, in: Ebernburg-Hefte 16, 1982, 47-89; - Volker Press, Ein Ritter zwischen Rebellion und Reformation - Franz von Sickingen, in: Ebernburg-Hefte 17, 1983, 7-33; - ders. Franz von Sickingen, Wortführer des Adels, Vorkämpfer der Reformation und Freund Huttens, in: Ulrich von Hutten, Ritter, Humanist, Publizist, Kassel 1988, 293-305; - ADB XXXIV, 151-158; -LThK1 IX 533-34, LThK2 IX 732-733; - RGG2V 472-473, RGG3 VI 17-18. Gesamtbibliographie bei Karl Schottenloher, Bibliographie der deutschen Geschichte im Zeitalter der Glaubensspaltung Bd. 2 Nr. 20010-20067, Bd. 5 Nr. 49329-339, Bd. 7 Nr. 58243-254.
Gerhard Kaller
Literaturergänzung:
1979
Gerhard Kaller, Kloster Otterberg wird von S. verbrannt, in: AmrhKG 31.1979, S. 111-113; -
2006
Klaus Eberhard Wild, F.v.S. Erfurt 2006; -
2008
Hans-Joachim Bechtoldt, "Franciscus von Sickingen, ein Feind aller Pfaffen und Geistlichen". Sebastian Francks Notizen über Franz von Sickingen in seiner "Chronika" von 1531, in: BPfKG 75.2008, S. 363-386.
Letzte Änderung: 24.11.2008