SILPA (griech. Zελφα; Etymologie unsicher, da keine hebr. Wurzel belegt ist; H. Bauer, 78, hat auf arab. ḏalifa im Sinn von "klein sein", speziell "eine kleine Nase haben", verwiesen und den Namen als Indiz für eine körperliche Besonderheit erklärt, vgl. de Vries, IDB 4, 958; HAL 261; anders M. Noth, 10, der den Namen mit arab. zalfun, zulfatun = "Rangstufe, Ehrenrang" zusammenbringt) ist die persönliche Sklavin Leas (sie wird durchgängig als [hhpś] bezeichnet, was auf die niedrigste soziale Stellung hindeutet, die eine Frau in Israel einnehmen konnte, vgl. Engelken, Frauen, 127-169). Leas Vater Laban beschenkt seine Tochter mit dieser Sklavin, nachdem Jakob die Ehe mit Lea vollzogen hat (Gen 29,24). Das Motiv, daß die Stammesmütter des frühen Israel eine in ihrem persönlichen Besitz befindliche Sklavin haben, kehrt bei Rahel wieder (Bilha, vgl. Gen 29,29 f.), und die Problematik, die dabei entstehen kann, wird bei Sarah und Hagar besonders eindrücklich entfaltet (vgl. Gen 16; 21). - Neben dem ersten Beleg in Gen 29,24 ist der Name S. noch sechs weitere Male belegt und zwar nur im 1. Buch Mose; über die Genesis hinaus spielt S. keine Rolle. Ihren entscheidenden Einsatz hat S. als Ersatzgebärerin für ihre Herrin Lea, die S. ihrem Ehemann Jakob als Frau zuführt, nachdem sie selbst aufgehört hatte zu gebären (Gen 30,9). Es handelt sich dabei um eine im Alten Orient bekannte Sitte, wobei die Ersatzgebärerin im Besitz der Hauptfrau verbleibt. S. gebiert Jakob zwei Söhne, Gad und Asser, die ihre Namen von Lea erhalten (Gen 30,10-13) und als Nebenlinien in der Genealogie Jakobs gerechnet werden (Gen 35,26). Dabei steht S. in der Genealogie von Gen 35,23-26 an letzter Stelle, was nicht der Chronologie entspricht, sondern hier wird wohl der Tatsache Ausdruck verliehen, daß sie die Sklavin der ungeliebten Ehefrau Lea ist. Anders stellt sich die Reihenfolge in der Liste von Gen 46,8-27 dar, welche das Geschlecht Jakobs über drei Generationen hinweg verfolgt und wo S. an letzter Stelle zu stehen kommt (Gen 46,18). So bekleidet sie einerseits den Rang einer `Stammesmutter' mit sechzehn männlichen Abkömmlingen, andererseits wird wie bei Bilha betont, daß sie eine Sklavin ist, die der Vater seiner Tochter zum Hochzeitsgeschenk gemacht hat. Am problematischsten ist die Notiz Gen 37,2 zu interpretieren, die ein Erzählfragment darstellt, das an der Stelle der Exposition der Josephsgeschichte steht und Joseph als Gehilfen bzw. Hütejungen (vgl. Westermann, BK.AT I/3, 26) bei den Söhnen der Bilha und der S. vorstellt. Dort hat er nicht nur die Aufgabe, Dan, Naphtali, Gad und Asser beim Hüten der Herde zu unterstützen, sondern übernimmt offensichtlich auch eine diplomatische bzw. kontrollierende Funktion. Die Rivalität zwischen Jakobs Frauen (Gen 29 f.) mag sich auch bei deren Söhnen fortgesetzt haben, so daß Joseph dafür verantwortlich gemacht wird, diese möglichen Streitigkeiten zu beobachten und dem Vater darüber zu berichten. Leider läßt der Text nicht mehr genau erkennen, wer über wen üble Nachrede führt: die Söhne der Sklavinnen über den eigenen Vater oder über ihren Halbbruder Joseph, was der Weiterführung der Erzählung entspräche.
Lit.: H. Bauer, Die hebräischen Eigennamen als sprachliche Erkenntnisquelle: ZAW 48 (1930) 78; - C. Cramer, Art. Silpa: BHHW 3, 1795 f.; - K. Engelken, Frauen im Alten Israel, BWANT 130, Stuttgart 1990; - E.I. Lowenthal, The Joseph Narrative in Genesis, 1973; - C.F. Mariottin, Art. Zilpah: AncBibDic 6, 1094; - M. Noth, Die israelitischen Personennamen im Rahmen der gemeinsemitischen Namengebung, Hildesheim 1966 (repr. Stuttgart 1928, BWANT IlI,10); - W.J. Peck, Note on Genesis 37,2 and Joseph's Character: ExpT 82 (1970/71) 342 f.; - S.J. de Vries, Art. Zilpah: IDB 4, 958; - C. Westermann, Genesis, BK.AT I/3, Neukirchen-Vlyun 1982; - Das große Bibellexikon, Bd. 3, hrsg. v. H. Burkhardt u.a., 1446; - EJ 16, 1023.