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Band X (1995)Spalten 366-368 Autor: Bernd Kettern

SIMEON von Trier, hl., Diakon, Fest im Bistum Trier am 1. Juni, in Syrakus als Sohn eines Griechen, † als Inkluse am 1.6. 1035 in Trier. - Aufgewachsen und ausgebildet in Konstantinopel hielt sich S. eine Zeitlang in Palästina auf. Er wirkte sieben Jahre als Pilgerführer in Jerusalem. Zwei weitere Jahre verbrachte er als Mönch im Marienkloster zu Betlehem, später wechselte S. ins Katharinenkloster am Sinai. S. verstand diese Zeiten als notwendige Vorbereitung für ein Leben als Einsiedler. Von seinem Abt zum jährlichen Almosenempfang zu Herzog Richard II. von der Normandie gesandt, schloß er sich 1026 in Antiocheia den auf der Rückreise aus dem Hl. Land begriffenen Äbten Richard von St. Vanne (Verdun) und Eberwin von St. Martin (Trier) an. Bei seiner Ankunft in Rouen (Ende 1027) war der Herzog jedoch bereits verstorben. Im Zweifel über sein weiteres Vorgehen begab er sich zunächst nach Verdun, von dort nach Trier. 1028-1030 begleitete er den Trierer Erzbischof Poppo auf dessen Pilgerfahrt ins Hl. Land. Nach der Rückkehr ließ er sich am Andreasfest 1030 feierlich in den östlichen Turm des mächtigen römischen Stadttores, der »Porta Nigra« in Trier, einmauern, um völlig zurückgezogen in Gebet und Betrachtung leben zu können. Nach seinem Tod sprach ihn Papst Bendikt IX. Ende 1035 heilig (erste nachweisbare römische Heiligsprechung; die Datierung des Dekretes auf den 8.9. 1042 ist unzutreffend). Um 1041 begann Poppo mit der Umgestaltung der Porta Nigra zu einer Doppelkirche, bei der zugleich ein Kanonikerstift eingerichtet wurde. Beide bestanden unter dem Namen des Heiligen bis zur Aufhebung 1802. Die Kirche war das Ziel von Wallfahrten. Seit 1803 befanden sich der spätbarocke Sarkophag und die Reliquien in der Kirche St. Gervasius zu Trier. Seit 1971 ruhen die Reliquien unter dem Altar der Pfarrkirche St. Simeon. Ein griechisches Lektionar (Codex S.S., 9. Jh.) und eine Kopfbedeckung (Biretum S.S.) werden im Trierer Domschatz aufbewahrt. Älteste Darstellung des Heiligen ist eine Miniatur (Anfang 12. Jh.) im Stuttgarter Passionale, die ihn als Diakon vor einem Altar zeigt.

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Quellen: Zuverlässige zeitgenössische Vita von Eberwin von St. Martin (+ 1047): Acta Sanctorum ed. Bollandus etc., Iun. 1 (Paris 1867): Vita (86-91), Miracula (91 f., 97), Elevatio (1400 u. 1517: 98-101); I. Mabillon, Acta Sanctorum, 2VI/1, Venedig 1740, 367-381; Auszüge: Monumenta Germaniae Scriptores, VIII, 177 ff., 209 ff. (Nachdruck: J.P. Migne, Patrologia Latina, 154, 1245-1248); StadtBibl. Trier: Ms. 1384/52, fol lv (Abb.); Philipp Jaffé, Regesta pontificum Romanorum, I, Leipzig 21888, Nr. 4112 f. (vgl. hierzu: J. Ramackers, Analekten zur Geschichte des Papsttums im 11. Jahrhundert, in: Quellen und Forschungen aus italienischen Archiven und Bibliotheken (Rom) 25 (1933-1934), 49-56; M. Coens, Un document inédit sur le culte de S.S., moine d'orient et reclus à Trèves, in: Analecta Bollandiana 68 (1950), 181-196.

Lit.: J. Heis, Simeonia, 1742 (StadtBibl. Trier, Ms. 1385/102); - A. Potthast, Bibliotheca historia medii aevi. Wegweiser durch die Geschichtswerke des europäischen Mittelalters bis 1500, II, Berlin 21896, 1588; - Bibliotheca hagiographica latina antiquae et mediae aetatis, ed socii Bollandiani, II, 7963 ff., Suppl. 285; - J. Marx, Geschichte des Erzstifts Trier, II/1, Trier 1860, 254-258, II/2 (ebd. 1862), 82-101; - J.C. Lager, Die ehemalige Benediktinerabtei Tholey, in: Studien und Mitteilungen aus dem Benediktiner- und Zisterzienserorden 20 (1899), 374-381; - A. Hauck, Kirchengeschichte Deutschlands, III, Leipzig 81954, 488 f.; - A. Boeckler, Das Stuttgarter Passionale, Augsburg 1923, Abb. 15; - P.F. Schmidt, Zwei unbekannte Bilder von St. Simeon, in: Trierer Heimat 10 (1934), 161-165; - K. Kammer, St. Simeonsbüchlein, Trier 1935; - Wattenbach, Deutschlands Geschichtsquellen im Mittelalter. Deutsche Kaiserzeit, hrsg. von R. Holtzmann, I/2, Tübingen 31948, 174 f.; - P. Thomsen, S., in: Zeitschrift des Deutschen Palästina-Vereins 62 (1939), 144-161; - Martyrologium Romanum, hrsg. von H. Delehaye, Brüssel 1940, 219 f.; - N. Irsch, Ikonographie der Heiligen des Bistums Trier, Ms. des Bistums-Archivs Trier 106/85, Trier 1944, 89-92; - H. Dauphin, Le bienheureux Richard, Abbé de St. Vanne, Louvain-Paris 1946, 289 f., 294 ff., 298-306; - Baudot et Chaussin, Vies des Saints et des Bienheureux selon l'ordre du calendrier avec l'histoire des fêtes, VI, Paris 1948, 16 f.; - N. Irsch, Das Bildnis des hl. S. von Trier, in: Rheinischer Verein für Denkmalpflege und Heimatschutz Trier, Neuß 1952, 175-178; - Louis Réau, Iconographie de l'art chrétienne, III/3, 1223; - A. Heintz, Der hl. S. von Trier. Seine Kanonisation und seine Reliquien, in: Festschrift A. Thomas, Trier 1967, 163-173.
Zum Codex: Codex S.S., ed. R.M. Steininger, Trier 21856; - K. Hamann, Bemerkungen zum Codex S.S., ergänzt und hrsg. von G. Flügel, Trier 1895; - A. Rahlfs, Die atl. Lektionen der griechischen Kirche, in: Nachrichten von der Gesellschaft der Wissenschaften zu Göttingen, phil.-hist. Klasse 1915, 28-136, bes. 30-52; - K. Aland, Kurzgefaßte Liste der griech. Hss. des NT, Berlin 1963, 214; - N. Irsch, Der Dom zu Trier, Düsseldorf 1931, 323 f.; - A. Thomas, S. von Trier, in: Lexikon der christlichen Ikonographie, VIII, Freiburg 1976 (Nachdruck 1990), 367; - LThK 2IX, 762 f.; - Bibliotheca Sanctorum XI, 1157-1160. - Zur legendarischen Schenkung von Reliquien der hl. Katharina von Alexandrien durch S.: A. Poncelet, in: Analecta Bollandiana 22 (1903), 423-438; - R. Fawtier, in: Analecta Bollandiana 41 (1923), 357-368.

Bernd Kettern

Literaturergänzung:

2005

S.G.Engberg, "Trier and Sinai: Saint Symeon's Book", SCRIPTORIUM vol.59/ii, 2005, pp. 132-146 (ill.); -

2008

Ralph-Johannes Lilie, Sonderbare Heilige. Zur Präsenz orthodoxer Heiliger im Westen während d. 11. Jhrs., in: Mill 5.2008, S. 225-259; -

2010

Alfred Haverkamp, Der hl. S. (gest. 1035), Grieche im fatimid. Orient u. im lat. Okzident. Geschichten u. Geschichte, in: HZ 290.2010, S. 1-51.

Letzte Änderung: 09.04.2011