SIMOR, János, Kardinal Fürstprimas von Ungarn (1813-1891) wurde am 23. August 1813 in Székesfehérvár als fünftes Kind einer Handwerkerfamilie bäuerlicher Abstammung geboren. Nach Abschluß des Gymnasiums seiner Geburtsstadt und des Kollegiums »Emericanum« zu Pozsony (Preßburg, heute Bratislava in der Slowakei) studierte er im Priesterseminar zu Nagyszombat (Tyrnau, Trnava) und zu Wien (»Pazmaneum«) Theologie. Nach seiner Priesterweihe, die am 28. Oktober 1836 erfolgte, wurde er in Budapest zuerst Kaplan, dann 1839 Religionslehrer und Seelsorger der Universitätsjugend. Bald darauf erfolgte jedoch seine Ernennung zum Präfekt am Priesterseminar »Pazmaneum« zu Wien. An der dortigen Theologischen Fakultät promovierte er am 8. Dezember 1841 zum Doktor der Theologie mit der höchsten Auszeichnung. Der außerordentlich begabte junge Priester fiel dem in Wien residierenden ungarischen Hochadel auf. Auf Bitte des Grafen Móric Sándor übernahm S. 1842 die Pfarre von Bajna. Doch schon 1846 ernannte ihn Primas József Kopácsy zum Professor für Dogmatik im Priesterseminar zu Esztergom. Nach dem Tode Kopácsys, 1847, wurde S. Sekretär des Kapitularvikars und später des Primas. Als 1850 die Stelle eines Direktors im Wiener »Augustineum« frei wurde, rief die Behörde ihn nach Wien. Zugleich erhielt er die Stellung eines Professors für Kirchenrecht an dieser Priesterfortbildungsstätte. In diesem Amt konnte er sich weiterbilden. In den Ferien reiste er viel, besonders nach Deutschland und Italien. Gleichzeitig wurde er in wachsendem Maße vom Kultusminister Graf Leo Thun zu Gutachten herangezogen. Von 1851 bis 1857 arbeitete er als Sektionsrat im Kultusministerium im Interesse der sogenannten neuabsolutistischen Kirchen- und Schulpolitik. Bei einer delikaten diplomatischen Mission, 1854 in Rom, gelang es ihm, die Bemühungen des ungarischen Kardinal-Fürstprimas János Scitovszky, der sich gegen die Ausdehnung des geplanten österreichischen Konkordates auf Ungarn aussprach, scheitern zu lassen. Wohl auf Grund seiner Verdienste ernannte Kaiser Franz Joseph I. S. am 17. Februar 1857 zum Bischof von Györ, Pius IX. bestätigte ihn am 19. März 1857. Aus demselben Grund ernannte der Monarch auf Vorschlag der schwindenden altkonservativen Regierung S. am 20. Januar 1867 zum Nachfolger von Scitovszky, Erzbischof von Esztergom und Primas von Ungarn. Der Papst bestätigte ihn am 22. Februar dasselben Jahres. Rüstig und klug waltete er seines Amtes als Oberhirte und Primas 24 Jahre lang. Am 22. Dezember 1873 wurde er Kardinal. Er starb am 23. Januar 1891 in Folge einer Lungenentzündung. - Kardinal S. gehört zu den bedeutendsten Kirchenfürsten Ungarns in der neuesten Zeit. Er war ein ausgezeichneter Theologe, meisterhafter Kirchenpolitiker, vorzüglicher Bistumsverwalter und Ökonom, Förderer katholischer Institutionen, Einrichtungen und Schulen, Mäzen und Kunstsammler europäischen Ranges und ein großzügiger Wohltäter. Auf dem I. Vatikanischen Konzil gehörte er zu den oppositionellen Bischöfen, war in der Heimat auf ein gutes Verhältnis zwischen Regierung und Kirche bedacht, brachte die wirtschaftlichen Verhältnisse seiner Güter in Ordnung, ließ zahlreiche Schulreformen durchführen, erbaute eine würdige Residenz, vollendete den Bau der Kathedrale zu Esztergom und gründete mit seinen Sammlungen das »Christliche Museum« dortselbst.
Lit.: Köhalmi-Klimstein, József, Cardinal Simor, Preßburg-Budapest 1886; - Adriányi, Gabriel, Ungarn und das I. Vaticanum, Köln-Wien 1975, S. 31-37 mit Bild und Literatur; - Beke, Margit (Hrsg.), Strigonium antiquum. I. Simor János emlékkönyv (Gedenkbuch J.S.) Budapest 1992, (darin Fotos, acht Aufsätze und Bibliographie von und über Simor).