SODOMA, Giovanni (eigentlich Giovanni Antonio [dei] Bazzi), * 1477 in Vercelli, + 15. Februar 1549 in Siena. Italienischer Maler. Als er 13 Jahre alt war, gab ihn sein Vater in die Lehre des Martino Spanzotti, bei dem er auch die Glasmalerei erlernte. Im Jahre 1501 ließ er sich in Siena nieder. Im Jahre 1504 beendete er seinen ersten Freskenzyklus im Refektor des Benediktinerklosters (der Olivetanischen Kongregation) S. Anna in Camprena bei Pienza (Siena). Zwischen 1505 und 1508 malte er im Kreuzgang des Klosters von Monte Oliveto Maggiore das Leben des hl. Benedikt in 31 Fresken. Im selben Jahr übernahm er einen Auftrag zur Ausschmückung der Decke der Signatura Apostolica im Vatikan. 1518 begann er mit der Ausschmückung des Oratoriums des hl. Bernhardin von Siena. Zu seinen bekanntesten Werken zählen die Prozessionsfahne, die er für die Bruderschaft des hl. Sebastian schuf und die sich in der Galleria Pitti in Florenz befindet, der Freskenzyklus über die hl. Katharina von Siena (1526), das große Tafelbild über die Anbetung der Könige aus dem Jahre 1528 in der Siener Kirche S. Agostino, die Bilder der hll. Ansanus und Viktor im Palazzo pubblico (1529), das Tafelbild »Heilige Familie mit St. Leonhard« (ursprünglich im Dom, jetzt im Palazzo pubblico von Siena), die Ausmalung der Kapelle der Spanier in S. Spirito (1530), das große Fresko über der Porta S. Viene (oder dei Pispini, 1531), das Auferstehungsgemälde im Museo nazionale in Neapel (1535), die Ausstattung der Kapelle del Campo (1537), außerdem die Tafelbilder über die »Opferung des Isaak« und über die Kreuzabnahme Jesu im Dom von Pisa. Des weiteren sind aus seiner frühen Schaffenszeit zu nennen eine Prozessionsfahne mit der Kreuzigung, die erst vor nicht allzu langer Zeit als sein Werk identifiziert worden ist (sie befindet sich im Museo d'arte sacra in Montalcino). eine Rundplastik mit der Geburt Christi sowie ein großes Tafelbild mit der Kreuzabnahme, das wohl aus dem Jahre 1505 stammt und jetzt in der Pinakothek von Siena ist. Aus der Zeit um 1514 stammt sein Fresko »Christus an der Geißelsäule«, das er für den Kreuzgang von S. Francesco schuf und sich heute ebenfalls in der Pinakothek von Siena befindet. Ursprünglich der piemontesisch-lombardischen Tradition folgend, kam S. seit seiner römischen Schaffenszeit zunächst unter den Einfluß Raffaels, später noch mehr unter den von Leonardo da Vinci. Seine Werke zeichnen sich durch technische Meisterschaft, Freude an Erzählung und Landschaftsdarstellung aus. Seine historische Bedeutung besteht darin, daß er der Erneuerer und der Bestimmer des Siener Kunstgeschmacks während des ganzen 16. Jahrhunderts war. S. war seit 1510 verheiratet mit Beatrice di Luca Galli, die aus Siena stammte. Aus dieser Ehe ging eine Tochter hervor, die er mit seinem Lieblingsschüler, dem Siener Maler und Architekten Bartolommeo Neroni, genannt »il Riccio«, verheiratete.
Lit.: G. Vasari, Le vite de' più eccelenti architetti, pittori et scultori italiani, hrsg. von G. Milanesi, Bd. VI, Florenz 1881 (dt. Ausg. von G. Gronau-A. Gottschewski, Straßburg 1916 ff.); - G. Frizzoni, L'arte italiana del Rinascimento, Mailand 1891; - Priuli-Bon, S., London 1900; - C. G. Faccio, G. A. Bazzi, Vercelli 1902; - H. Cust, G. A. Bazzi, London 1906; - E. Jacobsen, S. und das Cinquecento in Siena, Straßburg 1910; - A. Segard, S., Paris 1910; - L. Grelly, S., Paris 1911; - H. Hauvette, Le S., Paris 1911; - S. Suida, in: U. Thiema-F. Becker, Allgemeines Lexikon der bildenen Künstler von der Antike bis zur Gegenwart, Leipzig 1907 ff., XXXI, 198-202; - E. Carli, Catalogo della mostra delle opere di G. A. Bazzi detto il S., Vercelli 1950; - M. T. Marcianò-Agostinelli, Tozzi, S., Messina 1951; - ECatt XI 891 f.; - LThK 2IX 846; - Encyclopedic Dictionary of Religion, Philadelphia-Washington, D.C., 1979, 3339.