SPINELLI, Filippo: Kardinal und Apostolischer Nuntius am Hofe Rudolfs II., geb. 1566 in Neapel, gest. 25.5. 1616 in Neapel. - Sp. stammte aus der berühmten Familie der Herzöge von Seminara und der Fürsten von Cariati. Am 22. April 1592 zum Erzbischof von Kolossae erwählt. Schon am 1. November 1597 berief er eine Diözesansynode ein, die der kirchlichen Erneuerung dienen sollte, wie sie das Konzil von Trient vorschrieb. In diesem Zusammenhang machte er sich auch stark für die Errichtung eines Priesterseminars. 1597 wurde ihm auch das Amt eines Klerikers der Apostolischen Kammer übertragen. Papst Clemens VIII. sandte ihn im August 1598 als Nuntius zu Kaiser Rudolf II. Erst im Jahre 1599 erreichte er Prag und blieb dort als Nuntius bis 1603. Sp. unterstützte in Prag sehr das Wirken des Erzbischofs Berka von Duba und Liepa, das stark vom Geist des Konzils von Trient getragen war. 1599 glückte ihm auch die Wahl von Kardinal Franz Seraphikus von Dietrichstein zum Bischof von Olmütz. Auch dieser Bischof wirkte mit großem Reformeifer. Besonders hervorhebenswert findet D. Squicciarini auch die Tatsache an Sp.: »Der Nuntius kämpfte gegen die in Prag gegenwärtigen Hussiten und ließ strenge Maßnahmen gegen die Böhmischen Brüder anwenden. (Kaiserliches Dekret vom 2. September 1602). Er wollte auch die protestantischen Pastore in den verschiedenen Teilen des Reiches ausweisen lassen.« (Die Apostolischen Nuntien in Wien... S. 108). Auch die Frage der Nachfolge Rudolfs II., die den Papst »sehr beschäftigte« (D. Squicciarini), war in die diplomatische Obhut von Sp. gelegt: Doch war hier dem Nuntius keinerlei Erfolg beschieden, denn Rudolf II. verstand diese Sorge falsch und empfing den Nuntius einfach nicht mehr. Nach seiner Teilnahme am Reichstag von Regensburg berief ihn der Papst auf eigenen Wunsch in Italien zurück. Es war dies im Juli 1603. In diesem Jahr übernahm er die Leitung der Diözese von Policastro. Im Mai 1604 erfolgte seine Ernennung zum Pro-Legaten von Ferrara. Am 9. Juni 1604 wurde er von Clemens VIII. zum Kardinalpriester kreiert mit dem Titel von S. Bartolomeo all'Isola. Am 6. August 1605 wurde er Bischof von Aversa. Nach seinem Tode wurde er in der Jesuitenkirche zu Neapel beerdigt. Auch erhielt er ein Denkmal in der Kirche von S. Domenico in Neapel.