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Band XI (1996)Spalten 387-389 Autor: Thomas M McCoog

TACCHI VENTURI, Pietro. Historiker. * 12.8. 1861 in San Severino Marche (Italien), + 18.3. 1956 in Rom. - TV. trat am 12.11. 1878 der Gemeinschaft Jesu in Alleux (Frankreich) bei und anschließend dem Noviziat der römischen und venezianischen Jesuitenprovinzen. Nach dem Studium der Philosophie an der Gregorianischen Universität (1884-1885) lehrte er am Kollegium Mondragone (1886-1887). In dieser Zeit veröffentliche er sein erstes Buch, eine Biographie seines Novizenmeisters Camillo Mearini (»Memorie biografische del P. Camillo Mearini« [Città di Castello, 1886]). Nach seiner Regentschaft schrieb TV. als einer der ersten Jesuiten eine Doktorarbeit der Literaturwissenschaften an der Universität in Rom (1887-1891). Er wurde am 26.7. 1892 in Rom zum Priester geweiht. Im Jahre 1896 erwählte Prior Luis Martin ihn als Historiker der Italienischen Gemeinde, nachdem die 24. General Congregation (1892) erlassen hatte, daß die Geschichte jeder Assistancy und Provinz schriftlich festzuhalten sei. Er wurde aufgrund seines besonderen Interesses für Geschichte und Literatur, welches in zahlreichen Artikeln, die er für »La Civilta Cattolica« geschrieben hatte, zum Ausdruck kam, erwählt. Im nächsten Jahrzehnt teilte TV. seine Zeit zwischen ausführlichen und anstrengenden Recherchen in verschiedenen europäischen Bibliotheken und Archiven und häufigen Beiträgen für »La Civilta Cattolica« auf. »La vita religiosa durante la prima età dell'ordine con appendix di documenti« (Rom/Mailand, 1910), eine Neubearbeitung seines früheren Werkes »Stato della religione in Italia alla metà del secolo XVI« (Rom/Mailand, 1908), war das erste Werk seiner »Storia della Compagnia di Gesù in Italia«. Der erste Teil aus Werk 2, »Dalla nascita del fondatore alle solenne approvatione dell'ordine« (1491-1540) wurde im Jahre 1922 in Rom publiziert; der zweite Teil, »Dalla solenne approvazione dell'ordine alla morte del fondatore« (1540-1556), erschien im Jahre 1551. In späteren Ausgaben wurde Werk 1 in zwei Abschnitte unterteilt, Erzählung und Dokumente. TV.s Arbeit war so frei von jeglicher Absicht einer Entschuldigung, daß sein erstes Werk 1912 auf den Index gesetzt wurde. - Obwohl TV. bestens durch diese Geschichte bekannt ist, sicherten seine verschiedenen Werke über Matteo Ricci jenem bedeutenden Jesuiten den verdienten Platz in der Geschichtsschreibung der Beziehungen zwischen China und dem Westen im 16. u. 17. Jh. - Während des Ersten Weltkrieges hielt sich der Prior der Gemeinschaft in der Schweiz auf. Von 1914-1921 war TV. Sekretär der Gemeinschaft. Er war verantwortlich für die Aufrechterhaltung der Beziehungen zwischen der römischen Kirchenwelt und der Regierung der Gemeinschaft in der Schweiz. Von 1922 an spielte TV. oft die Rolle des Vermittlers bei den Verhandlungen zwischen dem Vatikan und der italienischen Regierung. Aus der Sicht der Gemeinschaft Jesu erreichte TV. 1923 die Rückerstattung des »Fondo Gesuitico« sowie die Rückgabe der Archive des Prokuristen der Gemeinschaft, die 1873 konfisziert worden waren. Außerdem machte er den Wiederverkauf des alten Bekenntnishauses an die Jesuiten im Jahre 1935 möglich. Für die gesamte Kirche handelte TV. aus, daß die Chigi Bibliothek 1923 dem Vatikan gestiftet wurde, ein moderner Lehrer 1925 von der Uni Rom suspendiert wurde sowie 1927, 1928 die strenge Auslegung der Staatlichen Forderung nach einem Monopol über die Bildung der Jugend. Er spielte jedoch bei den Verhandlungen, die unmittelbar zum Lateran Vertrag (1929) führten, keine Rolle. In den 30er Jahren verhandelte er oft mit Benito Mussolini. Zwischen dem 24. Juli und 2. September 1931 traf TV. 23 mal Papst Pius XI. und 13 mal Mussolini, als er eine Regelung ausarbeitete, die Azzione Cattolica Italiana bewahrte und beiden Seiten gerecht wurde. TV. traf auch alle Vorkehrungen für den einzigen Empfang Mussolinis beim Papst (11. Feb. 1932). Während des Äthiopienkrieges (1935-1936) plädierte er für eine friedliche Lösung mit Mussolini; 1938 setzte er sich für eine gewisse Lockerung der Italienischen Rassengesetze ein. Und nachdem der Zweite Weltkrieg begonnen hatte, überbrachte er Mussolini mehr als einmal Papst Pius' Appell, Italien könne die Ausbreitung des Krieges (am besten) verhindern, indem es sich aus ihm heraushalte. Aufgrund seiner diplomatischen Aktivitäten wollte Pius XI. TV. 1935 zum Kardinal ernennen, ließ jedoch davon ab, weil er fürchtete, die Ernennung würde als positive Geste gegenüber dem Faschismus bewertet werden. Von 1940 an bis zu seinem Tode 1956 lebte TV. in Rom, während des Krieges am Institut St. Francis Xaviers in der Piazza Gesù und nach dem Krieg an der Curia der Gemeinschaft. Während dieser Zeit konnte er seine Energie und Zeit seinen geschichtlichen Forschungen widmen.

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Werke: Mario Scaduto, S.J., P. Pietro Tacchi Venturi, S.J. (1861-1956), Archivum Historicum Societatis Iesu 25 (1956) 755-76 (bibliography 762-76).

Lit.: Enciclopedia italiana di scienze, lettere ed arti, 33, 165-166; - LThK, IX, 1271; - NewCathEnc, XIII, 910-11; - László Polgár, S.J., Bibliographie sur l'Histoire de la Compagne de Jésus 1901-1980, Roma 1990, III/3, 345-46; - Aldo N. Terrin, Tacchi Venturi, Pietro, Grande dizionario delle religioni (Assisi, 1990) 2064.

Thomas M McCoog

Literaturergänzung:

1996

Giacomo Martina, La mancata nomina cardinalizia del P. Tacchi Venturi. Relazione dell'interessato, in: ASHI 65.1996,129, S. 101-109.

Letzte Änderung: 17.12.2011