Verlag Traugott Bautz
www.bautz.de/bbkl
Zur Hauptseite
Bestellmöglichkeiten
Abkürzungsverzeichnis
Bibliographische Angaben für das Zitieren
Suche in den Texten des BBKL
Infobriefe des aktuellen Jahres
Spenden für die Arbeit am BBKL
Um auch weiterhin die Arbeit am BBKL zu ermöglichen, brauchen wir Ihre Unterstützung..
NEU: Unser E-News Service
Wir informieren Sie über Neuigkeiten und Änderungen per E-Mail.
Helfen Sie uns, das BBKL aktuell zu halten!
Bestellmöglichkeiten

Band XXII (2003) Spalten 1329-1331 Autor: Bruno W. Häuptli

TAGINO von Magdeburg, Erzbischof, * um 970, Dollnhofen (südöstlich von Regensburg), † 9.6. 1012, Magdeburg. - Sohn des Edlen Tagino (oder Tagini, Tegeno, Tammo u.ä.) zu Dollnhofen aus dem Geschlecht der Ruprecht, erzogen im Kloster St. Emmeram bei Regensburg zusammen mit dem jungen Heinrich von Bayern, dem späteren Herzog Heinrich IV., bzw. König und Kaiser Heinrich II., mit dem er zeitlebens befreundet blieb. Das Domkloster unterstand damals dem Bischof Wolfgang von Regensburg, einem entschiedenen Wegbereiter der auf mönchische Askese ausgerichteten Reform benediktinischer Klöster nach dem Muster von Trier und Gorze. In Regensburg wurde T. nach der Priesterweihe bald Vicedominus am bischöflichen Hof. Nach dem Tod Bischof Wolfgangs am 31. Oktober 994 konnte T. für die Nachfolge mit der Unterstützung Herzog Heinrichs des Zänkers (†995), des Vaters seines Freundes Heinrich, rechnen, doch verweigerte Otto III. die Approbation, obschon Wolfgang T. als Nachfolger gewünscht und das Domkapitel ihn einstimmig gewählt hatte, und bevorzugte seinen eigenen Favoriten, den königlichen Kaplan Gebhard. T. ließ sich deshalb als Kaplan an den bayrischen Herzoghof berufen und übernahm nach Heinrichs Königswahl 1002 wichtige Aufgaben wie die Verwaltung der königlichen Güter in Sachsen. Im gleichen Jahr wurde er Propst an der von König Heinrich II. und Kunigunde restaurierten Alten Kapelle in Regensburg und verwaltete seit 1003 von Regensburg aus ein halbes Jahr lang das Kloster Benediktbeuren. Nach dem Tod von Erzbischof Giselher von Magdeburg am 25. Januar 1004 wurde er gegen den Willen des Domkapitels von Heinrich II. zum Erzbischof ernannt und am 2. Februar von Erzbischof Willigis von Mainz inthronisiert, ein Amt, das er bis zu seinem Tod 1012 innehielt. Den Gegenkandidaten Walthard setzte er als Stellvertreter ein und bestimmte ihn zum Nachfolger. Bald nach Amtsantritt bemühte er sich um die Wiederherstellung des Bistums Merseburg, das Otto II. aufgehoben hatte, und weihte im August 1004 Brun von Querfurt zum Missionsbischof. Am 21. Mai 1009 inthronisierte er hier seinen späteren Chronisten Thietmar. Im Sinne Kaiser Heinrichs setzte er sich auf der Synode von Frankfurt 1007 erfolgreich für die Gründung des Bistums Bamberg ein. In Fragen der Ostpolitik und namentlich in den von Heinrich II. gegen Boleslaw den Tapferen (Boleslaw Chrobry) ausgetragenen Polenkriegen (1004-1018), die einen radikalen Bruch mit der politischen Konzeption seines Vorgängers Otto III. darstellten, nahm T. eine differenzierte Haltung ein, ohne das Ende der Auseinandersetzungen zu erleben. Ärgernis hatte insbesondere Heinrichs Bündnis mit den heidnischen Lutizen erregt, mit denen er gegen das christliche Polen gezogen war, wo unter Boleslaw mehrere Bistümer gegründet worden waren. T. spielte eine bedeutende Rolle bei den Friedensverhandlungen 1007 in Posen, bei denen sein Zusammenwirken mit dem sächsischen Herzog Bernhard I. hervorgehoben wird. Auch die zwischen dem polnischen König und dem Magdeburger Domkapitel zustande gekommene fraternitas dürfte auf T.s Verdienst zurückzuführen sein. 1008 beteiligte sich T. aber doch an Heinrichs nächstem Feldzug. T. wurde in der von ihm erbauten Krypta des Doms bestattet, die er am 22.2. 1008 geweiht hatte. Unter Erzbischof Roger (1119-1125) wurden seine Gebeine unter den Heiligkreuzaltar transferiert (heute nicht mehr nachweisbar).

weiterlesen ...
Quellen: Thietmar von Merseburg, Chronicon 5,42-6,65: MGH SS rer. Germ. N.S. 9, 268-355; W. Trillmich (Hrsg.), Thietmar von Merseburg (Ausgewählte Quellen zur deutschen Geschichte des Mittelalters 9), Darmstadt 1957 (20028; lat.-dt.), 234-315.

Lit.: J.P.J. Gewin, Herkunft und Geschichte führender bayerisch-österreichischer Geschlechter im Hochmittelalter, 's-Gravenhage 1957,101f. 295; - D. Claude, Geschichte des Erzbistums Magdeburg bis in das 12. Jahrhundert (Mitteldeutsche Forschungen 67), Köln 1972-1975, 214-271; - G. Wentz/B. Schwineköper, Das Erzbistum Magdeburg, 1: Das Domstift St. Moritz, in: Germania Sacra I/1.4.1.1 Die Bistümer der Kirchenprovinz Magdeburg, Berlin 1972; - G. Althoff, Adels- und Königsfamilien im Spiegel ihrer Memorialüberlieferung. Studien zum Totengedenken der Billunger und Ottonen, München 1984, 107,113,115,186,304; - A. Finck von Finckenstein, Bischof und Reich: Untersuchungen zum Integrationsprozess des ottonisch-frühsalischen Reiches, 919-1056 (Studien zur Mediävistik 1), Sigmaringen 1989, 74. 122-124; - B. Schneidmüller/S. Weinfurter (Hrsg.), Otto III. - Heinrich II. Eine Wende? (Mittelalter-Forschungen 1), Sigmaringen 1997, 361-396; - S. Weinfurter, Heinrich II. (1002-1024). Herrscher am Ende der Zeiten, Regensburg 1999, 118-216; - ADB XXXVII, 353-359 (K. Uhlirz); - LMA VIII, 432f (M. Kintzinger).

Bruno W. Häuptli

Letzte Änderung: 17.12.2011