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Band XI (1996)Spalten 547-549 Autor: Regina Holzinger

TASSILO, Herzog von Baiern, * um 740 als Sohn Herzog Odilos und Hiltruds, einer Tochter Karl Martells, † vor 797. - T.s gesamte Regierungszeit ist geprägt durch den Kampf um Eigenständigkeit gegenüber dem Frankenreich, der schließlich 788 mit der Absetzung T.s scheitert. Nach dem Tod des Vaters 748 wird T. zunächst zum Herzog unter der Vormundschaft seiner Mutter. Aber noch im selben Jahr bemächtigt sich Grifo, ein Sohn Karl Martells, der wegen seiner agilolfingischen Mutter einen Thronanspruch geltend macht, im Zuge der Erbstreitigkeiten mit seinem Bruder Pippin des Herzogtums. Pippin marschiert in Baiern ein, vertreibt Grifo und setzt T. wieder ein. 754 stirbt Hiltrud. Damit wird Pippin, als Bruder der Mutter, der direkte Vormund T.s. Aus dieser Vormundschaft wird T. 757 entlassen, er leistet Pippin und seinen Söhnen in Compiègne den Treueeid. Der eigentliche Konflikt mit den Karolingern beginnt 763, als Pippin T. auffordert, sich an seinem Heereszug gegen die Aquitanier zu beteiligen, die mit T.s Vater verbündet waren. T. stößt zum Heer, entschuldigt sich aber bald darauf mit einer Krankheit und kehrt nach Baiern zurück. Damit begeht er nach Einschätzung der Karolinger »harisliz«. T. bittet Papst Paul I. um Vermittlung zwischen ihm und Pippin, aber die Gesandten des Papstes werden vom Langobardenkönig Desiderius abgefangen. Da Pippin bald darauf stirbt, kommt es trotzdem nicht zu einem offenen Konflikt. Um seine Stellung zu festigen, sucht T. Bündnisse, so heiratet er die Tochter des Langobardenkönigs Desiderius, Liutbirga. Möglicherweise hat T. während der letzten Jahre der Auseinandersetzungen auch Verbindungen zu den Awaren und Sachsen aufgenommen. Während des Streites zwischen Pippins Sohn Karl und Desiderius, der 773/774 in der Eroberung des Langobardenreiches gipfelt, ergreift T. allerdings keine Partei. Trotzdem spitzt sich der Konflikt mit den Karolingern weiter zu. Um die profränkischen Bischöfe von Freising und Salzburg, Atto und Arn, beginnt sich eine innerbairische Opposition zu sammeln. Papst Hadrian I. stellt sich auf die Seite der Karolinger. Daraufhin wird T 781 von Karl aufgefordert, sich in Worms einzufinden. Nach dem Austausch von Geiseln erklärt sich T. dazu bereit. Er erneuert noch einmal die Treueeide von Compiègne. 787 wenden sich Karl und T. wieder an den Papst, der diesmal T. droht, ihn zu bannen, sollte er die Treueeide nicht halten. Eine Gesandtschaft T.s nach Rom zu Karl scheitert, und Karl marschiert in Baiern ein. T. wird gezwungen, sein Herzogtum an Karl zu übergeben. Er erhält es als Lehen zurück und muß 12 Geiseln stellen, darunter seinen Sohn Theodo. Karl lädt ihn 788 aber erneut nach Ingelheim. Dort wird er von bairischen Adeligen angeklagt wegen Treuebruchs und Verhandlungen mit den Awaren. Die Reichsversammlung verurteilt ihn wegen dieser Vorwürfe und wegen der Ereignisse während des Aquitanischen Feldzuges 763 zum Tode. Von Karl begnadigt tritt T., wie es heißt auf eigene Bitten, in ein Kloster ein, wahrscheinlich in Jumièges. Seine gesamte Familie wird ebenfalls in verschiedene Klöster geschickt. 794 muß T. noch einmal öffentlich auf der Synode von Frankfurt auf alle seine Rechte verzichten. Danach gibt es keine Nachrichten mehr von ihm, wahrscheinlich ist er in Jumièges zwischen 794 und 797 gestorben. Innenpolitisch ist das Wirken T.s vor allem durch die Synoden von Dingolfing, Aufhausen und Neuching gekennzeichnet, auf denen T. weltliche und kirchliche Reformen vorantreibt und das Verhältnis zwischen kirchlicher und weltlicher Gewalt für Baiern regelt. Unter anderem erläßt er in dieser Zeit ein Gesetz, das von jedem Bischof verlangt, an seinem Sitz eine Schule einzurichten. T. gründet auch mehrere Klöster, darunter 777 Kremsmünster.

weiterlesen ...
Lit.: Stollenmayer, Pankraz, Das Grab Herzog Tassilos III. von Bayern (Wels 1962); - Klingsporn, Albrecht, Beobachtungen zur Frage der Bayerisch-Fränkischen Beziehungen im 8.Jh. (Freiburg 1965); - Reiser, Rudolf, Die Agilolfinger (Pfaffenhofen 1985); - Wolfram, Herwig, Baiern und das Frankenreich, (Die Bajuwaren. Von Severin bis Tassilo 488-788, München 1988, 130-135); - Störmer, Wilhelm, Das Herzogsgeschlecht der Agilolfinger, (Die Bajuwaren. Von Severin bis Tassilo 488-788, München 1988, 141-152); - Wolfram, Herwig, Tassilo III. und Karl der Große - Das Ende der Agilolfinger (Die Bajuwaren. Von Severin bis Tassilo 488-788, München 1988), 160-167; - Jahn, Joachim, Bayerische `Pfalzgrafen' im 8. Jahrhundert? Studien zu den Anfängen Herzog Tassilos (III.) und zur Praxis der fränkischen Regentschaft im agilolfingischen Bayern (Früh- und hochmittelalterlicher Adel in Schwaben und Bayern, hrsg. von Immo Eberl u.a. = Regio 2, Sigmaringendorf 1988), 80-114; - Anfänge Kloster Kremsmünster (Mitteilungen des Österreichischen Landesarchivs, Erg.Bd. 2); - Jahn, Joachim, Ducatus Baiuvariorum. Das Bairische Herzogtum der Agilolfinger (Monographien zur Geschichte des Mittelalters 35, Stuttgart 1991).

Regina Holzinger

Literaturergänzung:

2001

Anton Scharer, Duke T. of B. and the origins of the Rupertus Cross, in: Belief and culture in the Middle Ages. Oxford 2001, S. 69-75.

Letzte Änderung: 17.12.2011