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Band XI (1996)Spalten 674-695 Autor: Wolfram Janzen

TERSTEEGEN, Gerhard, Erweckungsprediger, Seelsorger, Schriftsteller, Mystiker, * 25.11. 1697 in Moers (Niederrhein), † 3.4. 1769 in Mülheim/Ruhr. Vater: Heinrich T., Kaufmann in Moers + 1703; T. ist der zweitjüngste unter acht Geschwistern. - T. wuchs in einem geographischen Raum auf, in dem sich in der damaligen Zeit verschiedene religiös-kirchliche Einflüsse über schnitten - bedingt durch ein zersplittertes territoriales Gefüge und wechselvolle politische Geschehnisse. Auf der einen Seite stand der niederrheinische und niederländische Protestantismus reformierter Ausrichtung, neben ihm machte sich aber auch die lutherische Konfession geltend. Auf der anderen Seite behauptete sich der römische Katholizismus deutscher und spanischer Prägung. In besonderer Weise schlugen sich die konfessionellen Kämpfe in der Geschichte der Grafschaft Moers nieder. Nach der Einführung der lutherischen Reformation (1560), kommt die Grafschaft unter spanische Herrschaft (1586), wird dann holländisch (1597) und geht schließlich (1702/1711) in den Besitz der Preußen über. T. vermochte von seiner irenischen Grundhaltung her Traditionen der verschiedenen Glaubensrichtungen aufzunehmen und in ökumenischer Weise zu integrieren. - Zeitgeschichtlich ist die Epoche religiös durch die Auseinandersetzungen zwischen Orthodoxie und Pietismus einerseits, andererseits zwischen Aufklärung und christlicher Frömmigkeit geprägt. T. steht im Zusammenhang mit der Erweckungsbewegung des Pietismus, der sich gegen Orthodoxie und Aufklärung wandte. Der Pietismus transportierte mystische Traditionen im Protestantismus weiter, die auch T. aufnahm. Insbesondere öffneten sich separatistische Gruppen täuferischer und radikalpietistischer Art dem mystisch-spiritualistischen Gedankengut. Gerade im Rheinland fanden Führer und Anhänger solcher Gruppen in bestimmten Territorien Zuflucht, wirkten aber auch darüber hinaus. T. stand in Kontakt mit solchen Persönlichkeiten und Gruppen, ohne sich von ihnen vereinnahmen zu lassen. Er ist vor dem Hintergrund der zeitgeschichtlichen Strömungen zu sehen; seine Frömmigkeit und Theologie ist aber Frucht eigenständigen Umgangs mit ihnen, wie auch er wieder prägend wirkte. - Das Leben T.s ist weitgehend bruchlos und ohne größere Ereignisse verlaufen. Der Schwerpunkt lag bei den inneren Geschehnissen und der inneren Entwicklung. T. hat seine Lebensbestimmung schon früh erkannt und gewählt. Er ist in einer Weise, die selten ist, seinem Selbst gefolgt, das er mit dem inneren Wirken Jesu Christi gleichsetzte. T. ist es gelungen - und wurde es geschenkt - ein Leben zu vollenden, das eine große Übereinstimmung von Glauben und Tun, Denken und Existieren, Theologie und Person zeigt. Seine schriftstellerischen Werke sind im goetheschen Sinne »Konfession«. T.s Theologie ist Ausdruck seines Lebens und seiner gelebten Spiritualität; umgekehrt erhellen Schriften und Theologie sein Leben. Die Übereinstimmung von Person, Leben, Frömmigkeit und Werk machen T. so anziehend und lassen ihn als »den Heiligen im Protestantismus« (Walter Nigg) erscheinen. - T. stammte aus einem von reformierter Frömmigkeit geprägtem Elternhaus. Leider wissen wir nur wenig über die Familie und die Elternbeziehung T.s. Einschneidend war sicher der frühe Tod des Vaters, den das Kind im Alter von sechs Jahren verlor. In der späteren Suche des jungen T. nach der Gegenwart und Liebe Gottes dürfte sich etwas von diesem Verlust spiegeln. Im Todesjahr des Vaters trat T. in die Lateinschule von Moers ein, eine im reformierten und humanistischen Geist geführte Anstalt. In den neun Jahren seines Schulbesuches wurde der Grund zu der umfassenden Bildung gelegt, die T. auszeichnete. Zum Schulprogramm gehörte das Lateinische, Griechische, Hebräische und Französische. Darüber hinaus beherrschte T. das Holländische und machte sich mit dem Spanischen und Italienischen vertraut. Seine Sprachkenntnisse ermöglichten T. den Umgang mit holländischen und französisch sprechenden Freunden, die Heranziehung des biblischen Urtextes, den Zugang zu Kirchenvätern und Literatur der romanischen Spiritualität. - Nach dem Schulbesuch konnte T. aber kein Universitätsstudium aufnehmen, was seiner Begabung und wohl auch Neigung entsprochen hätte. Seine Mutter veranlaßte ihn, auf Grund ihrer beschränkten finanziellen Mittel, 1713 eine Kaufmannslehre bei einem Onkel in Mülheim/R. aufzunehmen. Die Tätigkeit bei seinem Onkel war für T. offenbar eine Quälerei. - Mit Beginn der Lehre geriet T. in einen Prozeß des Suchens und Experimentierens; dies bezieht sich sowohl auf Lebensweise und Beruf als auch auf die religiöse Orientierung. Diese Identitätskrise fand 1724 mit T.s Christusverschreibung ihren Abschluß. - Während seiner Lehrzeit bekam T. Kontakt mit Kreisen von »Erweckten«. - Ab 1665 hatte der reformierte Pastor Theodor Undereyck in Mülheim wöchentliche Hausversammlungen mit Bibelbesprechungen und Gebet eingerichtet (übrigens schon vor Ph. J. Spener in Frankfurt). In der Folge fanden pietistische Strömungen wie der separatistische, mystisch-spiritualistische Labadismus Eingang in Mülheim; Sprecher des radikalen Pietismus wie E. Chr. Hochmann von Hochenau besuchten die Stadt und sammelten Anhänger. (T. hat Hochmann verehrt, wir wissen aber nicht, ob er ihm persönlich begegnet ist.) - Die Begegnung mit pietistischen Frommen löste T.s Suchprozeß aus. Einen verständnisvollen und ihm innerlich verwandten Seelenführer fand T. in dem von der reformierten Kirche abgewiesenen Theologiekandidaten Wilhelm Hoffmann (1685-1746). Hoffmann wurde dem Vaterlosen zum »geistlichen Vater«, sein Kreis dem von Geschwistern und Verwandten Abgelehnten zur geistlichen Heimat und Verwandtschaft. T. ist Hoffmann bis zu dessen Tod freundschaftlich und spirituell verbunden geblieben. Hoffmann war von Hochmann v. Hochenau und dessen separatistischen und mystischen Anschauungen geprägt. Er öffnete T. für die mystischen Frömmigkeit und vermittelte ihm Kenntnisse und Literatur der Mystik. Hoffmann war ein Anhänger der spanischen und französischen karmelitischen und quietistischen Mystik (Teresa v. Avila, Johannes vom Kreuz, M. de Molinos, J. de Bernières-Louvigny, Madame J.-M. Bouvière de la Mothe Guyon u.a.), die er über die Werke des in Holland lebenden Pierre Poiret kennengelernt hatte. Die hiermit bezeichnete mystische Richtung betonte die Erfahrung der Gegenwart Gottes in der Kontemplation und im kontemplativen Leben, das wortlose innere Gebet, das Loslassen der ichhaften Vorstellungen und Strebungen gegenüber dem Wirken Gottes im Herzen, das stille Aushalten von Leiden und innerer Dürre als Durchgangsstation auf dem Weg zur Vereinigung mit Gott. Die quietistische Mystik verhalfen Hoffmann und T. zur Deutung und Bewältigung ihrer Lebens- und Glaubenskrisen. T. ist durch Übersetzungen und eigene Verarbeitung zu ihrem wichtigsten Vermittler in Deutschland geworden. - 1717 erfolgte - wohl nach einem Kolikanfall im Mülheimer Wald - die »erste Bekehrung« T.s, in der er Gott »völlig angehören und folgen« wollte (Briefe III 176 f.). Er eröffnete ein eigenes Geschäft, bemerkte aber bald, daß diese Tätigkeit ihn an einer kontemplativen Lebensweise hinderte und im inneren Wachsturn hemmte. So suchte er nach einer ruhigeren Beschäftigung und arbeitete selbständig erst als Leinenweber, dann als Seidenbandweber. Er lebte in dieser Zeit äußerst zurückgezogen, asketisch und dürftig in seiner Kammer in der Nachfolge des »armen Lebens Jesu«. Mittel, die er durch Einnahmen und Erbschaft erhielt, verteilte er an die Armen. Phasen innerer Niedergeschlagenheit wechselten mit stiller Zufriedenheit. Offenbar hatte T. in dieser Zeit auch ekstatische und visionäre Erfahrungen (»lnspiriertheit«), von denen er sich aber wieder abwandte. In der letzten Phase seiner Jugendkrise geriet T. in zunehmende »Dunkelheit«. Die sog. Alte, von einem Unbekannten verfaßte, Lebensbeschreibung berichtet (BR III,11), Gott habe ihm seine »empfindliche Gnade« entzogen (d.h. die Empfindung der Gnade Gottes). T. wurde von dem neuzeitlichen Zweifel »ob Gott sey« erfasst. Bezeichnenderweise war diese Frage durch das »Nachsinnen über die mancherlei Secten«, d.h. die konfessionellen Spaltungen, ausgelöst worden. Hier spiegelte sich sicher T. Hin- und Hergerissensein zwischen traditioneller reformierter Frömmigkeit und den neueren pietistischen Gruppen.) Darüber hinaus nennt T. Vernunft- und Selbstzweifel (an der eigenen Würdigkeit). - Die Lösung brachte ein oder mehrere Erleuchtungserlebnisse (BR III,llf.). Aus dem »Suchen« wurde aber erst ein »Finden«, nachdem T. die Anstrengungen seines Denkens und seiner sonstigen Bemühungen »ganz abgemattet« aufgegeben hatte (BR V, 232). Wie sein »Durchbruch« (WdW, 158) geschah und was sich in ihm ereignete, darüber machen T. und die Alte Lebensbeschreibung nur zurückhaltend Angaben. Offenbar wurde das, was T. lange ersehnt hatte, nämlich »die wesentliche Erscheinung des Herrn im Grunde unserer Seelen und Seine damit verknüpfte ... heilig- und seligmachende innere Erkenntnis« (BR I,195) in einem »seligen Augenblick« (BR III,144) lebendige Wirklichkeit. In einer inneren wortlosen »Mitteilung« - so die Alte Lebensbeschreibung (BR III, 11) - erfuhr er die »Gegenwart Gottes«und die Gewißheit, daß »Gott ist« (BR V, 232; vgl. auch WdW, 199; GBG III Nr. 11,1; 98,1). - Der bisher ferne Vatergott wurde von T. in seinem Herzen als nah wahrgenommen (GBG III, 28,2; 58, I; 64,7; 80,4.5). Die Entdeckung der inneren Gegenwart Gottes war für ihn das geistliche Grunddatum seines Lebens, sein »Gnadengeburtstag« (BR II, 17). Sie bildete fortan die »Favorit-Materie« (BR IV, Zugabe, 27) seines theologischen Denkens und seines seelsorgerlichen Wirkens. - Ein weiterer Aspekt der Gottesbegegnung T.s war, daß sich ihm Gott als Liebe enthül1te.Er empfand, daß sie ihn verborgen gesucht und geführt hatte, ihn »umsonst« annahm und nun seine Sehnsucht stillte und Unvollkommenheit ausfüllte (GBG III, 39,9; 93,2 3, WdW 91f; BR III, 142; II, 313). Gemeinschaft mit Gott ist für T. dadurch bestimmt, daß sie personale Liebesgemeinschaft ist, »beiderseits ein freies Liebesgeschenk« (BR III, 144), »Liebesgespräch und -umgang« (WdW, 245). - Das Finden Gottes war für T. zugleich Selbstfindung. Die Wahrnehmung des verborgenen Gottes im Seelengrund und die Einigung mit ihm ist Einkehr des Geistes zu seinem Ursprung und Ziel, zum »wahren Leben und Wesen, (zu) Friede, Freude, Trost und Vergnügen« (WdW 92, 160). Im Seelengrund fand T. »ein anderes Wesen« in sich, »welches noch tiefer, und noch inniger nahe ist, als das erste Wesen unserer Natur ...« (BR II,252). In tiefenpsychologischer Sicht können wir davon sprechen, daß T. sein »tieferes Selbst« entdeckte. Dieses Selbst kann nur zur Geltung kommen, wenn das naturhafte und durch Sozialisation geprägte Selbst, das »Ego«, zurücktritt. - T. erkannte, daß seine bisherigen frommen Bemühungen einer subtilen Ego-Orientierung entsprungen waren, aus der »Eigenheit« kamen, wie er sich ausdrückte. Die Erfahrung der liebenden Nähe Gottes in der Tiefe seiner selbst befreite ihn vom »Zwang« der »inneren und äußeren Wirksamkeiten«, vom »höllischen Feuer des eigenen Willens«, von den selbstgemachten intellektuellen »Konzepten« (GBG III, 93,2 WdW 91, 158) und auch von der lastenden Schwermut. Er konnte sich nun dem Wirken und der Führung Gottes in seinem Innern überlassen. Die »Gelassenheit«, das Lassen der »Eigenliebe« und des »Eigenwillens«,um dem Geist Gottes in sich Raum zu geben, ist die Grundfigur und die Grundbewegung tersteegenscher Spiritualität (BR I,54). T.s Schlagwort: »Gott alles, ich nichts!« ist von daher zu verstehen (WdW, 281). Für T. ist also die Antwort auf die neuzeitliche Gottesfrage und seine Identitätskrise die mystische Erfahrung. Man muß aber hinzufügen, daß es sich um eine christliche, ja protestantisch geprägte Erfahrung handelt: im Hintergrund schattet sich deutlich das Rechtfertigungsgeschehen ab, welches Luther so hervorgehoben hatte. - Gotteserfahrung ist für T. untrennbar mit Christuserfahrung verbunden. T. betont in seiner Theologie, daß der Zugang zur Nähe Gottes im »Namen« und durch das Erlösungswerk Jesu Christi eröffnet sei (z.B. BR IV, 163; III 143; WdW, 172f.). Die Alte Lebensbeschreibung deutet an, daß T. erst die versöhnende Gnade Gottes in Jesus Christus aufleuchten mußte, ehe er die Erfahrung der Gegenwart Gottes machen konnte (BR III, 11f). Anscheinend hat T. eine Christusbegegnung gehabt, in der dieser ihm als liebender Erlöser, Vorbild, Freund, innerer Führer und Meister in der Seele lebendig wurde und ihm das Verständnis seiner Situation und den Weg zu Gott erschloß (vgl. BR III, 48. Brief). T. erkannte in seiner »Unruhe« die »ziehende und herumholende Liebe« Christi (WdW, 306) und sah sich auf das Warten und auf die Stunde verwiesen, in dem Gott sein »Vaterherz« öffnen würde. - Der Prozess der »Bekehrung«, und »Umwandlung« T.s, auch sein »Durchbruch« zur inneren Klarheit und Gewißheit, war also ein längerfristiges und komplexes Geschehen. T. schrieb im Rückblick von einem Lern- und Bildungsprozess, in dem er gelernt habe, zu »glauben an einen Gott, der mir in dem süßesten Namen Jesus auf das allerinnigste nahe sei...« und in dem ihn Gott auf den »Weg des Geistes« vorbereitet habe (BR V, 232f.; WW VIII, 57). T. betont hier die Rolle des »Glaubens«. Faktisch griffen aber inneres Schauen, Empfinden, Hören und bloßes Vertrauen, Glauben und Denken, Schweigen und Angeredetwerden, Suchen und Finden, Leersein und Erfülltwerden ineinander über. Es sind dies Elemente, die auch später für T.s Verständnis der Gottesbeziehung wichtig sind. - Die Verschreibung T.s am Gründonnerstagabend 1724 besiegelt den Umwandlungsprozess. In ihr drückt sich aus, daß T. seine Gottes- und Christusbegegnung als »Ruf« zur Übereignung gehört hat (BR V, 233f.; GBG II, 52; WdW 91). - In einem mit eigenem Blut geschriebenen Brief an Jesus übergab sich T. seinem »Heiland« und »Goel« (Erlöser) zum »ewigen Eigentum«. »Nicht mein, sondern dein Wille geschehe! Befehle, herrsche und regiere in mir!« Er verspricht, ihm in Treue, Gehorsam und »jungfräulicher Liebe« stets anzuhangen. Er ist bereit, für seinen »Blutbräutigam«, der ihn durch sein Blut erkauft hat, seinerseits das »Blut bis auf den letzten Tropfen vergiessen zu lassen«. Verbunden mit diesem Gelöbnis ist die Absage an alle Selbstverfügung, die der Satan ihm zu Unrecht gegeben haben möge. (Authentischer Text bei Mohr, MRKG 33 (1984), 278f.) T.s. Verschreibung hat Vorbilder (Marquis de Renty, Madame Guyon u.a.). Auch an Heinrich Seuses Einritzung des Namens Jesu über dem Herzen ist zu denken, wie überhaupt der Text Einflüsse der mittelalterlichen Liebes- und Brautmystik zeigt (diese hatte Eingang in die barocke katholische und protestantische Mystik gefunden). T. nimmt mit seinem Gelöbnis die monastische Tradition auf (Keuschheits-, Gehorsamsgelübde, Abkehr von der Welt), wandelt sie aber individualistisch ab. Doch auch der Heidelberger Katechismus (Frage 1) klingt an. In der mystischen Tradition beheimatet sind die Motive der Konformität und Willenseinigung und des »Lebenstausches« mit Jesus Christus (symbolisiert im Vorgang der Blutverschreibung). Christus wird Bild der Richtung und des Ursprungs eines gewandelten und neuen inneren und äußeren Lebens. - In Durchgang durch die Jugendkrise hatte T. die Prägungen und Einflüsse seiner Vergangenheit produktiv durchgearbeitet. Er war zu einem eigenständigen, selbstverantwortlichen religiösen Weg gelangt. Mit seiner »zweiten Bekehrung« hatte er die Lebensorientierung, die Grundlagen seiner Spiritualität, die Themen seiner Theologie gefunden. Weiteres war Entfaltung, Wachstum und Bewährung. Wichtig ist, daß die »Inwohnung« Gottes und Christi im Herzen keinen unverlierbaren Besitz bildet. Das »verborgene (d.h., abgeschiedene und `mystische') Leben mit Christo in Gott und vor Gott« erfordert eine ständige »Reinigung« von »Welt- und Selbstliebe«, ein immer erneutes Einkehren in den Seelengrund (WdW, 170,172,105,87). Man könne nicht »gleichsam so mit einem Sprunge wieder ins Paradies kommen«, meint T. Er wurde nicht müde zu betonen, zum Christentum gehöre »allerdings ein beständiger Fortgang und Wachstum« mit »Stufen der Gnade« (WdW, 245). Als reformierter Theologe hob T. die Bedeutung der »Heiligung« im Christenleben hervor. Sie ist aber kein Eigenwerk des Menschen, sondern Wirkung des »Heiligen Geistes« im Menschen. Aufgabe des Menschen ist es, Gott wirken zu lassen. Dazu gehört: den Geist von besitzergreifenden Bildern des Geschaffenen entleeren; Loslassen der Versuche, sich selbst zu »machen«; sich von dem abwenden, was das geistliche Wachstum hindert, auf den »Zug« Gottes im Herzen aufmerksam achten und sich der Führung Gottes im Inneren überlassen (WdW 280f.). - Mit der Abkehr vom eigenen Willen und Machen milderte T. seinen rigoros-asketischen und zurückgezogenen Lebensstil. Auch auf Empfehlung seines Mentors Hoffmann nahm er einen Geistesverwandten, Heinrich Sommer, in seine Wohnung auf und bildete mit ihm eine Lebensgemeinschaft, bei der sich Arbeit, Gebet und Studium abwechselten. Sie dauerte bis zum Tode T.s an. - Nun begann T. auch, nach außen zu wirken. 1724 erteilte er Geschwisterkindern Religionsunterricht und verfaßte dafür einen Katechismus, den »Unpartheiischen Abriß christlicher Grundwahrheiten«. Mitte der zwanziger Jahre entstanden die ersten Lieder, die dann Eingang in seine 1729 in erster Ausgabe erschienene poetische Sammlung »Geistliches Blumengärtlein inniger Seelen« fanden. In den Abendstunden - nach getaner Handarbeit - übersetzte T. Schriften der französischen und deutschen Mystik und gab sie heraus (de Labadie, de Bernières-Louvigny, Bouvière de la Mothe Guyon, Thomas von Kempen). Spätestens ab 1727 betätigte er sich auf Bitten Hoffmanns in dessen Privatversammlungen in Mülheim und im Umland als Redner. Die alte Lebensbeschreibung rühmt die »Kraft seiner Rede«, die viele Suchende und Erweckte anzog (BR III, 14). Aufgrund seiner eigenen Erfahrungen konnte er nun diese Menschen begleiten und fördern. So wurde er zum vielgefragten Seelenführer. - T. ist einer der großen Seelenführer der Christenheit gewesen, obwohl er diese Bezeichnung für sich ablehnte. Das geistliche Wachstum derer, die sich ihm anvertrauten, war seine große Leidenschaft. T. ging nicht nach einer Methode oder einem Schema vor, sondern hatte den individuellen Menschen, dessen besondere Situation und Entwicklung im Blick. »Wahre Führer sind wie die Kindermägde, welche die Kinder von hinten am Leitband halten, ihnen aber im übrigen Raum lassen, zu gehen, wohin sie wollen, wenn sie nur nicht in Kot oder Gefahr laufen.« (BR IV, 347). Der eigentliche Seelenführer soll Gott bleiben. Darum wollte T. »die Seelen sehr der freien Leitung der Gnade überlasse(n)« und sie auf nichts führen, als worauf - seiner Wahrnehmung und Prüfung nach - Gott sie führen wolle. »Ich sehe Gott nur zu und erinnere, wo sie auf etwas Schädliches geraten sollten.« (BR II, 13). T. verlangte keine Unterwerfung, aber Offenheit. Seine Seelsorge umfaßte den ganzen Menschen. Er nahm am gesamten Ergehen seiner Seelsorgebefohlenen Anteil, gab auch Ratschläge für die Gesundheit, die Lebensführung, die Arbeit. Gelegendlich übermittelte er auch einfache Arzneien, die er selbst herstellte. - Alle Werke T.s haben seelsorgerlichen Charakter. Er wendet sich nicht an Unbeteiligte oder Neugierige, sondern an den »wahrheits- und heilsbegierigen Leser« (WdW, Vorrede). - Ein besonderes Mittel seiner Seelenführung war der Brief. Die Korrespondenz, die T. in diesem Zusammenhang führte, weitete sich immer mehr aus und reichte bis ins Ausland, vor allem in die Niederlande. Ein großer Teil seiner Briefe ist in Abschriften oder im Original erhalten (rund 1200 Briefe). Allerdings wurde nur ein Teil nach seinem Tode herausgegeben. (Die Neuedition erfolgt derzeit schrittweise.) - 1727 beschlossen die Teersteegenfreunde Heinrich Otterbeck und seine Schwester Elsgen ehelos und kontemplativ zu leben. Sie stifteten ihr, an der Otterbeck zwischen Heiligenhaus und Velbert gelegenes, Ackergut mit Haus und Garten für das Zusammenleben von Menschen, die wie sie leben wollten. Eine Art geistlicher Gemeinschaft entstand, die auf evangelischem Boden einzigartig war. Der Ausdruck »Pilgerhütte« für die Behausung dieser Gemeinschaft nimmt ein Bild auf, das T. oft für das Leben der Frommen in der Welt gebraucht; sie sind »Pilger« durch die »Wüste« auf dem Weg zur ewigen Heimat (z.B. GBG III, 62;86). Zur Zeit T.s lebten auf »der Otterbeck« sechs Brüder und zwei Schwestern. Sie wohnten in kleinen zellenartigen Kammern und hatten einen Versammlungsraum. Ihr Leben war nach dem Vorbild, das ihnen T. und Sommer boten, geregelt. Der Tag war in Gebets- und Arbeitszeiten eingeteilt. Das Haus wurde wohl von einem Vorsteher geleitet, der aber nicht über den anderen stand. Die Gruppe hatte sich T. als Seelenführer erwählt. Er schrieb für die Brüder und Schwestern »Einige wichtige Verhaltens-Reglen an eine beysammen wohnende Bruder-Gesellschaft« auf. (Gute Textfassung bei Ludewig, MRKG 10(1991), 123 ff.) Darin erinnert er sie, daß ihr »Haus und Herz eine Wohnung Gottes« und Jesus ihr »Aufseher und Vorsteher« sei. Ihr Verhalten solle der »Gegenwart des Herrn« entsprechen. Ihr »Beruf« (Berufung!) sei, der Welt und dem Eigenleben »abzusterben«. Er empfiehlt ihnen das immerwährende innere Gebet auch während der Arbeit, Schweigen, gegenseitige Liebe und Bereitschaft, einander zu dienen, das Meiden »heimlichen Argwohns«, Armut, Aufgabe des »Eigen-Nutzes«, Festhalten an der göttlichen Berufung zu diesem Ort und Stand, gegenseitige Hilfe in der Heiligung, Meidung »vor Zerstreuung in Sinnen und Vernunft«. - Diese »Regeln« bilden keine feste, zwingende Ordnung, sondern überlassen es der Prüfung und dem Urteil eines jeden einzelnen, wie er sich »in der heiligen Gegenwart des Herrn« zu »betragen« habe. Sie zielen auf Einsicht, nicht auf Unterwerfung, sie haben den Geist des Zusammenlebens, nicht Einzelheiten im Blick. T. stiftete eine offene Gestalt des geistlichen Zusammenlebens, in der jeder sein eigenes Maß finden soll. Er verzichtete auf strukturelle und institutionelle Sicherungen. Es wird eher die altchristliche eremitische Linie (Zusammenleben von Einsiedlern) der monastischen Tradition als die zönobitische (klösterliche Gemeinschaft) aufgenommen. - T. nahm am Leben auf der Otterbeck intensiv Anteil, ohne dorthin zu ziehen. Er begleitete die einzelnen und die Gemeinschaft seelsorgerlich, sprach geistliche Stagnation an, mahnte bei Konflikten. Die Existenz der Kommunität endete mit dem Tode der letzten Brüder um 1800; das Haus wurde zu einem Treffpunkt der Tersteegenianer, bis es 1969 dem Straßenbau zum Opfer fiel. - 1728 gab T. seine Handarbeit auf, aus gesundheitlichen Gründen und um ganz seiner seelsorgerlichen und schriftstellerischen Tätigkeit leben zu können. Seinen Lebensunterhalt bestritt er aus den Zuwendungen wohlhabender Freunde und den Einnahmen seiner Schriften. Lediglich die Anfertigung von Arzneien, die er an Arme und Freunde kostenlos abgab, betrieb T. weiter. Allerdings stellte er später hierfür einen Gehilfen an. In den folgenden Jahrzehnten reiste T. in die nähere und weitere Umgebung, sprach auf Versammlungen und nahrn Kontakte zu von den Inspirations- und Erweckungsbewegungen Erfassten auf. Darunter waren Menschen aus dem einfachen Volk, dem Bürgertum, Pastoren, aber auch hochgestellte Persönlichkeiten. Wie in Mülheim entstanden überall im Bergischen Land Kreise von Tersteegen-Freunden, die T. immer wieder besuchte und brieflich begleitete. Teilweise waren Abgrenzungen gegenüber radikalen separatistischen Inspirationsgruppen (wie etwa in Elberfeld) oder den Herrnhutern erforderlich (das hinderte T. aber nicht am engen Kontakt mit einzelnen herrnhuterisch Beeinflußten). Seit 1732 reiste T. regelmäßig nach Holland, wo ein Kreis von Poiret-Anhängern und Mennoniten Verbindung mit ihm aufgenommen hatte und ihn häufig zu sich einlud. Auch hier entwickelten sich intensive freundschaftlich-seelsorgerliche Beziehungen und ein reger Briefwechsel. - Im Bergischen beobachtete die Obrigkeit das Treiben der »Feinen« - so der Spottnahme für die Gruppe der Inspirierten und Erweckten - mit Argwohn. Ab 1737 kam es zur Verfolgung einzelner Tersteegen-Freunde. 1740 erließ die Düsseldorfer Regierung ein Konventikelverbot, das von Friedrich dem Großen bestätigt wurde. T. stellte seine »Donnerstagsversammlungen« in Mülheim ein und wirkte im stillen weiter. - 1733 - 1753 erschienen die drei Bände der »Auserlesenen Lebensbeschreibungen Heiliger Seelen«, T.s umfangreichstes und vielleicht wichtigstes Werk. Darin beschreibt er ausführlich das Leben, die Frömmigkeit und die Theologie von 26 katholischen Mystiker(inne)n und Heiligen, meist aus der ihm nahestehenden romanischen Tradition. Dazu kommen noch 12 Kurzbeschreibungen. T. hat dafür eine eingehende, kritische Sammlung und Sichtung der Quellen und der Sekundärliteratur vorgenommen, so daß er - nach G. Arnold - als einer der ersten Mystikforscher bezeichnet werden kann. Er möchte die Gestalten möglichst authentisch zu Wort kommen lassen. Aber sein Hauptinteresse war nicht historischer und wissenschaftlicher Art. Ihm geht es um die »Erbauung und Nahrung« der Seele seiner Leser, um die »Verherrlichung Gottes« und um die »Wahrheiten des inneren Lebens«. Die Heiligen sind Beispiele dafür, daß der Weg der inneren, mystischen Gemeinschaft mit Gott und Christus zur Vollendung hin erfahrbar und möglich ist. Auf den Einwand, er fördere den Übertritt zum Katholizismus, antwortet T., daß die Heiligen nicht Eigentum einer Konfession seien, sondern der konfessionsübergreifenden Gemeinschaft der »in Christo vereinigten Seelen« angehörten (Bd. I, Vorrede). Er seinerseits sei und bleibe Protestant und »preise die Heiligkeit dieser Seelen an, nicht ihre Namensreligion« (Bd. III, Vorwort). - 1750 erschien T.s »Weg der Wahrheit, die da ist nach der Gottseligkeit«, ein Werk, das 12 Abhandlungen aus verschiedenen Anlässen vereinigt. T. erwies sich hier als beachtlicher Schrift- und Erfahrungstheologe. Alle Erkenntis der Wahrheit entspringt nach T. der »Gottseligkeit« (dem Wandel in und vor Gott) und führt zu ihr. Theologie, »Gottesgelehrheit«, »besteht ganz in der Erfahrung« (S. 254). Die »Ausübung und Erfahrung dessen, was die Schrift sagt«, ist auch der »Schlüssel« zum Verständnis und zur Erklärung der Bibel (S. 26). In diesem Werk erläutert T. auch sein Verständnis von Mystik und grenzt sich von ihren Fehlformen ab (»Kurzer Bericht von der Mystik«). Mystik ist für ihn das eigentliche christliche Leben, die »Ausübung der Gottseligkeit«, die vertiefte »Erfahrungserkenntnis Gottes« mit ihren verschiedenen Elementen und Stufen. - 1750 nahm T. seine Versammlungs- und Predigttätigkeit in Mülheim wieder auf. Dies ging von einer Erweckungsbewegung aus, die von dem Duisburger Theologiestudenten Jacob Chevalier, einem Holländer, ausgelöst wurde. T. stellte sich an die Seite Chevaliers und übernahm die seelsorgerliche Begleitung der Bekehrten. Das Haus gegenüber der Petrikirche, in das T. 1746 gezogen war (heute T.-Museum), war oft überfüllt von Menschen, die darauf warteten, mit T. sprechen zu können. Wenn er redete, kamen bis zu 400 Menschen zusammen. Der Zulauf, den T. fand, alarmierte die Pastoren, und zwei der reformierten Ortspfarrer versuchten bei den Behörden die Einhaltung des Konventikelverbotes zu erwirken. T. setzte sich mit Argumenten zur Wehr und erreichte die Duldung der Versammlungen. Dies war wohl ein einmaliger Vorgang, der für die Überzeugungskraft T.s spricht. In der Folge konnte T. seine regelmäßigen Ansprachen, die er außerhalb der Predigtzeiten vor einem großen Zuhörerkreis hielt, unbehelligt durchführen. Von 1753 - 56 wurden Reden von bis zu acht Schreibern mitgeschrieben. 177l - 1773 erschienen 31 seiner Predigten (mit Gebeten) - von ihm noch gebilligt, aber nicht mehr durchgesehen - unter dem Titel »Geistliche Brosamen ...«. Seine langen und eindrücklichen, auf einen Bibeltext bezogenen Ansprachen zielen auf Erweckung und Heiligung von Erweckten ab. - 1754 visitierte der Berliner Oberkonsistorialrat J. Hecker die Tätigkeit T.s. Der T. gewogene Hecker bestätigte dessen Verkün-digung in einer eigenen Ansprache. Wahrscheinlich auch auf Ver-anlassung Heckers setzte sich T. mit Schriften Friedrichs des Großen auseinander. In geschliffenem Stil und scharfsinniger Argumentation wendet er sich couragiert, aber taktvoll gegen die skeptische Aufklärungsphilosophie des Königs. 1762 erschien der ursprünglich wohl an Hecker gerichtete Brief unter dem Titel »Gedanken über eines Anonymi Buch, Genant Vermischte Wercke des Welt-Weisen zu Sanssouci« im Druck. Der fromme Hecker wird die Schrift dem König zugespielt haben, der sich erstaunt geäußert haben soll: »Können das die Stillen im Lande?« - 1756 mußte T. das Reden in größeren Versammlungen wegen eines Bruchleidens einstellen. Wenn er auch nicht mehr häufig reiste und öffentlich sprach, so erhielt er doch viel Besuch in seinem Haus und führte seine ausgedehnte Korrespondenz fort. Im Siebenjährigen Krieg (1753 - 1763) wurde auch Mülheim in die Kriegshandlungen hineingezogen. T. verfolgte die Geschehnisse aufmerksam und nahm Anteil an der Not der Bevölkerung. Er sah in den Ereignissen ein Gericht Gottes, der die Menschen zu sich treiben wolle. Das äußere Elend komme wegen des inwendigen - meinte er (Jaspert, a.a.O., 215). Er verfaßte Gebete für die in wirtschaftliche Bedrängnis geratenen Bergleute und Kohleschiffer, forderte aber auch Freunde zur Hilfeleistungen auf. Mehrfach bat er Verantwortliche, für die Schonung der Stadt einzutreten. Wenn T. auch das kontemplative Leben über das tätige stellte, so hat er doch auf seine Weise »Weltverantwortung« wahrgenommen. Der fast immer kränkelnde Mann mit einem tiefen Bedürfnis nach Einsamkeit und Beschaulichkeit ließ sich in einer Weise von Mitmenschen und Aufgaben in Anspruch nehmen, die nicht zum Bild eines lebensfernen Einsiedlers paßte. - In den letzten Jahren war sein Blick immer mehr auf die »stille Ewigkeit« als dem Ziel seines »Pilgerweges« gerichtet, obwohl er bis zuletzt seelsorgerlich und schriftstellerisch tätig blieb. - Kurz vor seinem Tode machte er sein Testament und fügte ihm eine schon früher aufgesetzte »Erklärung seines Sinnes«, eine Art geistlichem Vermächtnisses, bei. In ihr legte er - wie das damals unter Theologen üblich war - ein Bekenntnis zum überlieferten Glauben ab und bezeugte all das, was er öffentlich von Gott gesprochen und geschrieben hatte, als »Wahrheit nach der Heiligen Schrift« (GBG, 21). Die Wassersucht, die ihn an den Lehnstuhl fesselte, ertrug er geduldig. Nachdem er Abschied von seinen Freunden genommen hatte, starb er am 3.4.1769 ruhig. Unter dem Geleit einer großen Menschenmenge wurde er an der Nordostseite der Petrikirche begraben. An der vermutlichen Grabesstelle steht heute ein 1838 errichteter Gedenkstein. - Nach dem Tode T.s lebten die Freundeskreise weiter. Sie blieben untereinander in Kontakt (ihre Briefe wurden in den handgeschriebenen »Geistlichen Blumenfeldern« gesammelt). Sie gaben nachgelassene Schriften T.s heraus, so Briefe und Predigten. Aus dem Mülheimer-Bergischen Kreis stammt die Alte Lebensbeschreibung. In diesem Raum führte der Barmer Fabrikant Johann Engelbert Evertsen (1722 - 1807) das geistliche Werk T.s fort. T. war zeitlebens in kritischer Distanz zum kirchlichen Leben geblieben, ohne seine »Erbreligion« aufzugeben. Evertsen lenkte den Tersteegianismus wieder stärker in kirchlich-gemeindliche Bahnen. - So wirkte T. im landeskirchlichen Pietismus vor allem des Rheinlandes und Württenbergs weiter. Aber auch in freikirchlichen Gruppen (Mennoniten, Quäker, Baptisten) wurde sein Andenken gepflegt. Dabei reichte die Wertschätzung T.s über Deutschland hinaus, bis nach Amerika und Rußland. In pietistischen und freikirchlichen Bereichen wurde und wird er vor allem als Beispiel eines »bekehrten« und »geheiligten« Lebens verehrt und als erwecklich-erbaulicher Schriftsteller gelesen. Aber das ist nur eine Seite seiner Person und seines Werkes. Die pietistische Terminologie, überhaupt die »Sprache der Empfindsamkeit« waren seinerzeit aussagekräftig und T. hat sie sprachschöpferisch gehandhabt. Aber heute dürften sie ein Hindernis für den Zugang zu ihm sein. Dies gilt auch für eine reduzierte pietistische Sichtweise seiner Person, die sich schon in der Alten Lebensbeschreibung abzeichnet. - Im Laufe des 19. Jahrhunderts wurde T. kirchlich vereinnahmt (in dieser Richtung wirkten die Schriften von Goebel, Kerlen und Stursberg). Lieder von ihm fanden Eingang in die Gesangbücher der beiden großen Konfessionen. - In der evangelischen Theologie war lange die mystische Orientierung T.s und die Frage, ob er reformatorischer Lehre entspreche, umstritten. Ritschl hielt ihn für einen Irrläufer, der eigentlich in die katholische Kirche gehöre. Forsthoff warf ihm heidnischen Neuplatonismus vor. Karl Barth kritisierte an ihm allgemeine Religiosität und mangelnde Christozentrik. - Erst nach dem 2. Weltkrieg bahnte sich - mit dem Zurücktreten der Mystikablehnung in der protestantischen Theologie - eine vorurteilslosere T.-Forschung und ein wirkliches Verständnis seiner an. Dies ist den Forschungen von Nigg, Löschhorn, Zeller, van Andel, della Croce, Ludewig, Mohr, u.a. zu danken. Seitdem wird gesehen, daß sich in T. protestantische, altkirchliche und katholische Traditionen bündeln und zu einem Entwurf neuzeitlicher oekumenischer Spiritualität verschmelzen. - T. war ein »Meister« der christlichen Kontemplation und des kontemplativen Lebens. - Mitte der spirituellen Praxis T.s ist die »Übung der liebreichen Gegenwart Gottes« und die »Übung der Liebe« (WdW, 220f., 332f.). Das eine ist, sich immer wieder der Gegenwart Gottes zu öffnen und in ihr zu sammeln, das andere der Liebe in sich Raum zu geben und aus ihr zu leben. Beides kann in der Meditation - »sitzend in inniger Stille« (BR V 249) - wie in den Vollzügen des Alltags geschehen. Das Mittel, das T. hierfür empfiehlt, ist das »innere Gebet«, das keine oder nur wenige Worte gebraucht. (»Beten ist den allgegenwärtigen Gott ansehen, und sich von ihm besehen zu lassen.« - BR II, 270). - Dringt man durch zeitbedingte Einkleidungen und Einseitigkeiten hindurch, so kann T. wegweisend für das gegenwärtige Bedürfnis nach Meditation und Spiritualität sein. In seinem Werk liegt in dieser Hinsicht ein reicher Schatz an Erfahrungen und Einsichten vor. Dabei können sich Menschen in ihm wiederfinden, die in den großen Konfessionen beheimatet sind, aber auch solche, die zu den Großkirchen in Distanz stehen, weil dort ihre spirituelle Suche nicht befriedigt wurde. Auch zu den östlichen Wegen (Zen) lassen sich bei T. Berührungen finden, obwohl an ihm deutlich werden kann, was das Unterscheidende christlicher Meditation und Spiritualität ausmacht.

Werke: Ein Teil des Gesamtwerkes ist noch unveröffentlicht. Näheres bei van Andel, a.a.0. (1973), 269-272. Ein vollständiges Tersteegen-Schriftenverzeichnis fehlt. Folgende Werke wurden - soweit bekannt - veröffentlicht: - Übersetzungen und Bearbeitungen: Jean de Labadie, Hand-Büchlein der wahren Gottseligkeit ..., mit einem Liebesgesang von Franciscus Rous und einem Vorwort T.s »Vom Wesen und Nutzen der wahren Gottseligkeit« vom 21.5.1726, anonym herausgegeben, Frankfurt-Leipzig 1727 = Übersetzung von Jean de Labadie, Manuel de piété; Jean de Bernières-Louvigny, Das verborgene Leben mit Christo in Gott .., Frankfurt-Leipzig 1727; Thomä von Kempis Bücher von der Nachfolge Jesu Christi ..., anstelle des 4. Buches ergänzt durch Gerlach Petersens Göttliche Hertzens-Gespräche, Frankfurt-Leipzig 1727; Außerlesene Lebens-Beschreibungen Heiliger Seelen / In welchen nebst derselben Lebens-Historie/hauptsächlich angemercket werden die Innere Führungen Gottes über Sie/und die mannigfache Außtheilungen seiner Gnaden in Ihnen; Wobey viele wichtige Nachrichten in allen Ständen des Christlichen Lebens vorkommen. Zur Bekräfftigung der Wahrheit und Möglichkeit des Inwendigen Lebens/Auß verschiedenen glaubwürdigen Urkunden/in möglichster Kürze zusammengetragen, 3 Bände, Frankfurt-Leipzig 1733-1753; Joachim Neandri vermehrte Glaubens- und Liebesübungen, ab 2. Aufl., Duisburg 1736, von T. herausgegeben; ab 4.Aufl., Solingen 1760, unter dem Titel: Gott-Geheiligtes Harfen-Spiel der Kinder Zion; Jeanne-Marie Bouvière de la Mothe Guyon, Die Heilige Liebe Gottes und die unheilige Natur-Liebe .., Solingen 1751; Der kleine Kempis, oder: kurze Sprüche und Gebete aus dem meistens unbekannten Werklein des Thomae a Kempis, Solingen 1758; Kleine Perlen-Schnur ..., Solingen 1767. - Theologische Abhandlungen: Unpartheiischer Abriß christlicher Grundwahrheiten, entstanden 1724, gedruckt posthum Stutgart o.J.; Weg der Wahrheit die da ist nach der Gottseligkeit ..., Solingen 1750; mit 12 Abhandlungen aus mehreren Jahren und zwei Zugaben. 1. Anweisung zum rechten Verstand und nützlichen Gebrauch der heiligen Schrift; 2. Sendschreiben von der Vernunft, deren Fähigkeit, Gebrauch und Mißbrauch im Göttlichen usw.; Anhang I: Welchergestalt Gelehrtheit und Erleuchtung, das wirksame und beschauliche Leben, neben und unter einander stehen können; Anhang II: Vom Kinderwerden; 3. Kurze Abhandlung von dem Wesen und Nutzen der wahren Gottseligkeit; 4. Von dem Verhalten bei außerordentlichen Geistesgaben, Gesichten und Offenbarungen usw.; 5. Warnungsschreiben wider die Leichtsinnigkeit; worin die notwendige Verbindung der Heiligung mit der Rechtfertigung, wie auch was gesetzlich und was evangelisch ist, kürzlich aufgezeigt wird; Anhang I: Von der Notwendigkeit der Reinigung zur Vereinigung; Anhang II: Auszug eines Sendschreibens über 2. Kor. 5, l6; Anhang III: Einige Zeugnisse der ersten Kirchenlehrer zur Bestätigung obiger Wahrheiten; 6. Von dem Unterschied und Fortgang in der Gottseligkeit; Anhang (I) eines Handbriefleins von der wahren Mystik; Anhang II:) Kurzer Bericht von der Mystik; 7. Schein und Sein, Gestalt und Kraft der Gottseligkeit oder des Gottesdienstes; 8. Die wahre Klugheit oder Umgang mit Gott und sich selbst allein; Anhang I: Die Übung der liebreichen Gegenwart Gottes; 9. Kurze Anleitung, Gott und dessen Angesicht zu suchen; 10. Der vortreffliche Weg der wahren Liebe; 11. Ein brüderliches Lehr-, Trost- und Ermahnungs-Schreiben an einige erweckte Seelen gerichtet; Anhang: Stärkungs- und Aufmunterungsschreiben an eben dieselben erweckten Seelen gesandt, bei einiger gedroheter Verfolgung; 12. Vom christlichen Gebrauch der Lieder und des Singens; 1. Zugabe: Erklärung über einige Punkte von dem Glauben, der Rechtfertigung, dem geschriebenen Worte Gottes usw.; 2. Zugabe: Die Kraft der Liebe Christi, angepriesen und angewiesen in einer Erweckungsrede über die Worte Pauli 2. Kor. 5, 14: Die Liebe Christi dringet uns also; - Gedancken über eines Anonymi Buch, Genant Vermischte Wercke des Welt-Weisen zu Sans-Souci, o.O. 1762; Beweis, daß man demjenigen, der von Gott in seinem Gewissen zurückgehalten wird, mit offenbaren Weltkindern und Gottlosen nicht zum Abendmahl zu gehen, seine Gewissens-Freiheit uneingeschränkt lassen müsse, o.0. 1768; Des Seligen Gerhard Tersteegens hinterlassene Erklärung seines Sinnes, seinem Testamente beygelegt; nebst dessen Ermahnung zur Liebe, Kurtz vor seinem Ende, so den 3ten April 1769 erfolget, von ihm geschrieben, Essen 1769; Zeugniß der Wahrheit, die da ist nach der Gottseligkeit wider einige gefährliche Gründe, die zur Beschönigung der falschen Freiheit beigetragen werden. Veröffentlicht in: Geistliche Briefe I, 420 - 480, s.u.; Einige wichtige Verhaltungs-Reglen an eine beysammen wohnende Bruder-Gesellschaft, in: Geistliche Briefe III, 462-470. Die wahre Theologie des Sohnes Gottes, Essen 1811; Nachgelassene Aufsätze und Abhandlungen, Essen 1842; darin: Judas excommunicirt, oder Verhandlung von dem Abendmahl Judä Ischarioth; Vom Separatismo und der Herunterlassung. - Geistliche Reden/Gebete: Geistliche Brosamen, Von des Herrn Tisch gefallen, von guten Freunden aufgelesen und hungrigen Herzen mitgeteilt, Bestehend in einer Sammlung verschiedener Erweckungs-Reden, 2 Bände in 4 Teilen, Solingen 1771-1773; Tersteegens Gebete für Bergleute und Schiffer, hrsg. v. G. Kerlen, Mülheim/R. 1855. - Gedichte/Kirchenlieder: Geistliches Blumen-Gärtlein Inniger Seelen; Oder kurtze Schluß-Reimen, Betrachtungen und Lieder Über allerhand Wahrheiten des Inwendigen Christenthums. Zur Erweckung, Stärkung und Erquickung in dem Verborgenen Leben Mit Christo in Gott, Frankfurt-Leipzig 1729; spätere Ausgaben mit Anhang: Der Frommen Lotterie. Briefe: Godvrugtige en stigtelijke Brieven, over verschiedene Materien, die het inwendige leven, of de gedurige oeffening des Christendoms betreffen, 1. Teil Amsterdam 1772; der 2. Teil erschien nicht mehr. - Deutsche Übersetzung: Gottesfürchtige und erbauende Briefe über verschiedene Gegenstände, die das innere Leben oder die fortwährende Ausübung des Christentums betreffen, Essen 1836; Geistliche und Erbauliche Briefe über das Inwendige Leben und wahre Wesen des Christenthums, 2 Bände in 4 Teilen, Solingen 1773-1775. Lebensbeschreibung der Freunde (sog. Alte Lebensbeschreibung): Lebensbeschreibung des seligen Gerhard Tersteegen, in: Geistliche Briefe III, 3-105, s.o.; »... ein kurzer Auszug und Bestätigung dieser Lebensbeschreibung ...«, ebd., 106-116 (wohl von Evertsen). Werkausgaben: G. Tersteegen, Gesammelte Schriften, 8 Bde., Stuttgart 1844-1846; Eine hist.-krit. Ausgabe ist im Erscheinen: Gerhard Tersteegen, Werke, hrsg. v. W. Zeller, Göttingen 1979 ff. (Texte zur Geschichte des Pietismus, Abt. V); bisher erschienen: Bd. 1, Geistliche Reden, hrsg. v. A. Löschhorn u. W. Zeller, Göttingen 1979; Bd. 8, Briefe in niederländischer Sprache, hrsg. von C.P. van Andel, Göttingen 1982 (=WW VIII). Im Verlag »Inneres Leben«, CH-8142 Uitikon-Waldegg, (Zürcherstr. 120) sind die wichtigsten Werke T.s in Nachdrucken erschienen, hiernach wurde in diesem Artikel zitiert. Abkürzungen: Weg der Wahrheit (4.Aufl.) - WdW; Geistliche .../Gottesfürchtige ... Briefe = BR I-V (l/ll: 1845/o.J.; III: 2/1799; IV: 2/1799; V: 1836); Auserlesene Lebensbeschreibungen heiliger Seelen (1786); das »Geistliche Blumengärtlein« wurde zitiert nach: Stuttgart 1988 (= GBG).

Bibliographie: Eine vollständige internationale Bibliographie, die auch die verbreitete nichtwissenschaftliche Lit. berücksichtigt, fehlt bis jetzt. Sonst: van Andel, a.a.0. (1973), 288-297; Ludewig, a.a.0. (1986), 333-345; Jaspert, a.a.0. (1990), 218, 231-234.

Lit. (Ältere/Auswahl:) M. Goebel, Geschichte des christlichen Lebens in der rheinisch-westfälischen evangelischen Kirche, Bd. III, Koblenz 1860 (Neudruck: Giessen/Basel 1992); - G. Kerlen, Gerhard Tersteegen, der fromme Liederdichter und thätige Freund der inneren Mission, Mülheim/R. 1851; - P.W. Stursberg, Zur Gedächtnißfeier des hundertjährigen Todestages Gerhard Tersteegens am 3. April 1869, Leipzig 1869; - A. Ritschl, Geschichte des Pietismus, Bd. I, Bonn 1880; - H. Forsthoff, Die Mystik in den Liedern Gerhard Tersteegens, in: Monatshefte für Evangelische Kirchengeschichte des Rheinlandes (=MRKG) 12, (1918), 202-246 (auch: Diss. Bonn 1918); - Ders., Der religiöse Grundcharakter Tersteegens, in: MRKG 22 (1928), 1-22; - R. Zwetz, Die dichterische Persönlichkeit Gerhard Tersteegens, Halle 1915 (Diss. Jena); - F. Winter, Die Frömmigkeit Gerhard Tersteegens in ihrem Verhältnis zur französisch-quietistischen Mystik, Neuwied 1927 (Theol. Arbeiten aus dem Rheinischen Wissenschaftlichen Prediger Verein, Heft 23, 1927); - W. Blankenagel, Tersteegen als religiöser Erzieher. Ein Beitrag zur Mystik, Psychologie und Pädagogik des Pietismus, Emsdetten 1934 (Diss. Köln). - (Neuere Literatur/Auswahl:) K. Barth, Die kirchliche Dogmatik I/2, Zürich ( 1945) 1982 7; II/2 Zürich 1981 ; VI/3, Zürich 19793; - A. Löschhorn, Gerhard Tersteegen, Zürich 1946; Ders., Ich bete an die Macht der Liebe, Gerhard Tersteegens christliche Mystik, Basel 1948; - Ders., Gerhard Tersteegens Auffassung von der Heiligung, Basel 1969; - Ders.,Gerhard Tersteegens Schule des Gebets, Basel-Gießen 1972; - W. Nigg, Der Heilige im Protestantismus. Gerhard Tersteegen, in: Ders., Große Heilige, Zürich 1947 (Neuausgabe: Zürich 1986/Diogenes TB 21459, 396-444); - Ders., Gerhard Tersteegen. Von der dreifachen Gegenwart Gottes, in: Ders., Heimliche Weisheit. Mystisches Leben in der evangelischen Christenheit, Zürich-München 2. Aufl. 1987, 293-316, 404; - J. Moltmann, Grundzüge mystischer Theologie bei Gerhard Tersteegen, in: EvTh 16 (1956), 205-224; - W.I. Sauer-Geppert, Zur Mystik in den Liedern Gerhard Tersteegens, in: Unterscheidung und Bewahrung. Festschrift Hermann Kunisch zum 60. Geburtstag, Berlin 1961, 304-320; - E. Benz, Die protestantische Thebais. Zur Nachwirkung Makarios des Ägypters im Protestantismus des 17. und 18. Jahrhunderts, Wiesbaden 1963 (Akademie der Wissenschaften und der Literatur in Mainz: Abhandlungen der geistes- und sozialwissenschaftlichen Klasse, Jg. 1963, Nr. 1); - Ders., Das Christusbild der protestantischen Mystik des XVII. und XVIII. Jahrhunderts, in: Jesus Christus. Das Christusverständnis im Wandel der Zeiten. Eine Ringvorlesung der Theologischen Fakultät der Universität Marburg, Marburg 1963 (MTh5 1), 59-83; - Ders., Der Philosoph von Sans-Souci im Urteil der Theologie und Philosophie seiner Zeit (Oetinger, Tersteegen, Mendelssohn); Wiesbaden 1971 (Akademie der Wissenschaften und der Literatur in Mainz: Abhandlungen der geistes- und sozialwissenschaftlichen Klasse, Jg. 1971, Nr. 10); - C.P. van Andel, Catharina van Vollenhoven en Gerhard Tersteegen, in: Hervormd Utrecht, 20. Jg., Nr. 37 (1965); -Ders., Gerhard Tersteegen und die Reformation, in: Reformierte Kirchenzeitung, 110. Jg., Nr. 7/8 (1969); - Ders., Gerhard Tersteegen. Leben und Werk - sein Platz in der Kirchengeschichte, Neukirchen-Vluyn 1973 (erweiterte Übersetzung der holländischen Ausgabe, Wageningen 1961/Diss. Utrecht); - Ders., Gerhard Tersteegen, in: M. Greschat (Hrsg.), Orthodoxie und Pietismus, Stuttgart 1982 (Gestalten der Kirchengeschichte 7), 331-345; - Ders., Gerhard Tersteegen en zijn Nederlandse vrienden, een noodzakelijke aanvulling op grond van nieuwe gegevens, in: Gisteren onmisbaar voor morgen (1987), 31-46; - T. Stählin, Gottfried Arnolds Einfluß auf die Dichtung Gerhard Tersteegens und Christian Friedrich Richters, in: JLH 13 (1968), 171-188; - H.J. Wolter (Hrsg.), Macht der Liebe. Gerhard Tersteegen, Leben und Gegenwartsbedeutung, Mülheim a.d.Ruhr 1969; - W. Zeller, Gesangbuch und geistliches Lied bei Gerhard Tersteegen, in: Ders., Theologie und Frömmigkeit. Gesammelte Aufsätze, Bd. 1, hrsg. v. B. Jaspert, Marburg 1971 (MThS e), 186-194; Ders., Gerhard Tersteegens »Kleine Perlenschnur«. Von der handschriftlichen Urform zur gedruckten Fassung, in: ebd., 195-218; - Ders., The protestant attitude to monasticism, with special reference to Gerhard Tersteegen, in: Downside Review 93 (1975), 178-192; - Ders., Die Bibel als Quelle der Frömmigkeit bei Gerhard Tersteegen, in: Ders., Theologie und Frömmigkeit, Gesammelte Aufsätze, Bd. 2, hrsg. v. B. Jaspert, Marburg 1978 (MThS 15), 161-184; - Ders., Die kirchengeschichliche Sicht des Mönchtums im Protestantismus, insbesondere bei Gerhard Tersteegen, in: ebd. 185-200; - Ders., Der Blumengarten des Herrn. Bemerkungen zu einem Lied Gerhard Tersteegens, in: ebd., 201-206; - Ders., Johann Christian Stahlschmidt und Gerhard Tersteegen, in: ebd. 207-217; - R. Mohr, Gerhard Tersteegens Leben im Licht seines Werkes, in: MRKG 20/21 (1971/72), 197-244; - Ders., Tersteegens Verschreibung mit Blut und die mit ihr zusammen überlieferten Stücke, in: MRKG 33 (1984), 275-299; - Giovanna della Croce, Gerhard Tersteegen e il Carmelo. Su una tesi recente di Winfried Zeller, in: Ephemerides Carmeliticae 24 (1973), 375-401; - Dies., Gerhard Tersteegen. Neubelebung der Mystik als Ansatz einer kommenden Spiritualität, Bern 1979 (EHS/T 126); - H. Weigelt, Ein unbekannter Brief Gerhard Tersteegens. Ein Beitrag zu Tersteegens Beziehungen nach Pennsylvania, in: MRKG 27 (1974), 50-55; - R. Deichgräber, Gott ist genug. Liedmeditationen nach Gerhard Tersteegen, Göttingen-Regensburg 1975; - C. Habrich, Zur Bedeutung medizinischer Bemühungen im Wirken Gerhard Tersteegens, in: Medizinisches Journal 12 (1977), 263-279; - M. Fritzsche, Bruder Laurentius und Gerhard Tersteegen, in: Dies., Wege zum wahren Glauben, Gütersloh 1980 (GTB/Siebenstern 366), 33-48; - J. Henke, Blutspurenuntersuchungen an einem 1724 geschriebenen Brief, in: Beiträge zur Gerichtlichen Medizin 38 (1980), 255-258; - D. Hoffmann, Der Weg zur Reife. Eine religionspsychologische Untersuchung der religiösen Entwicklung Gerhard Tersteegens, Lund 1982; - A. 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Friedel, Ein Brief Tersteegens aus dem Jahr 1740, in: BPfKG 55 (1988), 33-48; - E. Jungclaussen, Gerhard Tersteegens kurzer Bericht von der Mystik, in: Una Sancta 43 (1988), 18-23; - W. Killy (Hrsg.), Die Deutsche Literatur vom Mittelalter bis zum 20. Jahrhundert. Texte und Zeugnisse, Bd IV: 18. Jahrhundert, München 1988, 568-569, 1249; - G. Wolff, Gerhard Tersteegen. Christozentrische Mystik in der evangelischen Tradition, in: GuL 62 (1989), 424-431; -Ders., Solus christus. Wurzeln der Christusmystik bei Gerhard Tersteegen, Gießen 1989; - R. Bohren, Singen gegen die Schwermut - Gerhard Tersteegen, in: ders., In der Tiefe der Zisterne, München 1990, 35-48; - B. Jaspert, Gerhardt Tersteegen als ökumenischer Theologe, in: MRKG 39 (1990), 207-234, gekürzte (französiche) Fassung in: Dictionaire de spiritualité, Art. Tersteegen; - U. Bister, Gerhard Tersteegen zwischen Separatismus und innerkirchlicher Konventikelbildung, in: MRKG 42 (1993), 259-270; - J. Fangmeier, Gerhard Tersteegen, in: Chr. Möller (Hrsg.), Geschichte der Seelsorge in Einzelporträts, Bd. II, Göttingen, 1994, 279-298; - W. Zeller, Art. Tersteegen, Gerhard, in: EKL 3 (1959), Sp. 1332-1333; - M. Schmidt, Art. Tersteegen, Gerhard, in: RGG 6 (1962 ), Sp. 697-698; - Ders. u. W. Jannasch (Hrsg.), Das Zeitalter des Pietismus, Wuppertal 1988 (Klassiker des Protestantismus, Nachdruck der Ausgabe Bremen 1965); - I. Weilner, Art. Tersteegen, Gerhard, in: LThK 9 (1964 ), Sp. 1369-1370; - G. Kranz, Art. Tersteegen, Gerhard, in: Ders., Lexikon der christlichen Weltliteratur, Freiburg i.Br. 1978, 941-945; - E. Ott, Art. Tersteegen, Gerhard, in: C. Schütz (Hrsg.), Praktisches Lexikon der Spiritualität, Freiburg i.Br. 1988, Sp. 1269-1270.

Wolfram Janzen

Werkeergänzung:

2005

Traités spirituels. Genève 2005;

2008

Briefe. Hrsg. von Gustav Adolf Benrath. Unter Mitarb. von Ulrich Bister und Klaus vom Orde. 2 Bde. Gießen 2008;

2009

G.T.s Schule des Gebets. Hrsg. von Albert Löschhorn. 4. Aufl. Bad Wildbad 2009.

Literaturergänzung:

1955

Pagel, Arno: Gerhard Tersteegen. Ein Leben in der Gegenwart Gottes. Zeugen des gegenwärtigen Gottes, Gießen 1955; -

2005

Hansgünter Ludewig, Gottes Gegenwart erleben. D. Herzensgebet einüben mit G.T. Gießen [u.a.] 2005 (= Reihe "Geistlich leben"; 21); - Joachim Schnürle, Der Kempisius parvulus. Eine erstaunl. u. aufschlussreiche Ausgabe von Tersteegens "Der kleine Kempis", in: OGE 79.2005/08, S. 82-100; -

2006

René Leudesdorff, G.T. - Zeuge von Gottes Liebe in Jesus, in: Pastoralblätter 146.2006, S. 129-132; - Manfred Rompf, G.T., e. evang.-reform. Mystiker, in: Kontemplation und Mystik 7.2006, S. 38-43; - Christian Bunners, Singen, erfahren, widerstehen. Eine Skizze zu G.T., in: AG 20.2006, Nr.3, S. 39-51; -

2008

Ernst-Dietrich Egerer, Christl. Mystik im Gedicht. G.T.s "Gott ist gegenwärtig", in: Herzstücke. Düsseldorf 2008, S. 70-77; - John Steven O'Malley, The influence of G.T. in the documents of early German-American evangelicalism, in: Pietism, revivalism and modernity, 1650-1850. Newcastle upon Tyne 2008, S. 232-255; -

2009

Gustav Adolf Benrath, Der Mystiker G.T. als Prediger u. Seelsorger, in: MeKG 58.2009, S. Tersteegen: Gustav Adolf Benrath, Der Mystiker G.T. als Prediger u. Seelsorger, in: MeKG 58.2009, S. 81-98.

Letzte Änderung: 22.12.2009