Verlag Traugott Bautz |
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THADDEN-TRIEGLAFF, Reinold von (1891-1976) entstammte pommerschem Adel. Er studierte Rechtswissenschaften in Paris, Leipzig, München und Greifswald und übernahm danach die Leitung des Familiengutes in Pommern. Seine Mitgliedschaft in der Deutschen Christlichen Studentenvereinigung (DCSV) und im Christlichen Studentenweltbund (WSCF) führte ihn zunehmend aus einer ihn prägenden Glaubenshaltung in Opposition gegen die politisch-gesellschaftlichen Entwicklungen seiner Zeit. 1929 wurde er in die Preußische Generalsynode gewählt; 1934 wählte man ihn zum Präses der neu gebildeten pommerschen Bekenntniskirche (BK). Er nahm an der Barmen-Gemarker Bekenntnisynode von 1934 teil. Seitdem war. er voll einbezogen in den sog. Kirchenkampf der dreißiger Jahre. 1935 rief er gemeinsam mit Paul Humburg die »Evangelischen Wochen« ins Leben, aus deren Arbeit und Zielsetzungen später sowohl die Evangelischen Akademien als auch der Evangelische Kirchentag hervorgingen. Die NS-Behörden hinderten ihn daran, an der Weltkirchenkonferenz von Oxford 1937 teilzunehmen. Von T.s Schwester Elisabeth wurde 1944 inhaftiert und hingerichtet. Von T. wurde zur Wehrmacht eingezogen. Als Offizier und Kommandant in der belgischen Stadt Löwen konnte er manche Exzesse der damaligen deutschen Besatzungsbehörden verhindern. Bei Kriegsende geriet er in sowjetrussische Gefangenschaft und wurde in sibirische Lager deportiert. Hier und dann nach seiner Freilassung wuchs in ihm und in anderen Gleichgesinnten das Verlangen, in den Irrungen und Wirrungen jener Zeit den zahllosen Suchenden und Zweifelnden ein Forum zu schaffen, das neue Orientierungen aus dem christlichen Glauben ermöglichte. »Wir wollen der Kirche vom Laien aus dazu helfen, daß sie das Getto sprengt, die Türen und Tore zur Welt weit aufmacht. Umgekehrt wird der Laie der Kirche diejenige Lebensnähe zu vermitteln in der Lage sein, die sie braucht«. So entstand 1949 die neue Kirchentagsbewegung, deren langjähriger »Spiritus Rector« T. als ihr Präsident wurde.
Lit.: W. Hühne, Thadden-Trieglaff, ein Leben unter uns, Stuttgart 1959; - F.H. Littell, in: Weltkirchenlexikon. Handbuch der Okumene, Stuttgart 1960, 1436 ff.; seit 1949 Vorbereitungshefte, Berichts- und Dokumentarbände mit der jeweiligen Kirchentagslosung als Titel, Kreuzverlag Stuttgart; - M. Fischer, Entwicklungslinien der christlichen Studentenbewegung 1920-1950, in: Adreßbuch der Evangelischen Akademikerschaft in Deutschland, 1951, 7-28; - P. Steinacker, Art. Kirchentage, in: TRE Band XIX, 1990, 101 ff.; - P. Bloth u.a. (Hrsg), Handbuch der Praktischen Theologie, Band IV, Gütersloh 1987, 100 ff.; - K. Kupisch, Quellen zur Geschichte des deutschen Protestantismus, München/Hamburg 1965; - FLorenz, Die Gründung des Deutschen Evangelischen Kirchentages durch Reinold von Thadden-Trieglaff und die kirchenpolitische Situation der Evangelischen Kirche in Deutschland im Jahre 1949, in: Jahrbuch für die hessische kirchengeschichtliche Vereinigung 33/1982, 357ff; - K. Nowak, Evangelische Kirche und Weimarer Republik, Göttingen 1981 (Lit.); - K. Scholder, Die Kirchen und das Dritte Reich, 2. Aufl., Frankfurt/Berlin 1986; - W. Niemöller, Der Bruderrat der Deutschen Evangelischen Kirche (DEK), in: Bekennende Kirche. Festschrift für Martin Niemöller, 1952, 150 ff.
Burkard Krug
Literaturergänzung:
1964
Karl Kupisch; Studenten entdecken die Bibel, Hamburg 1964; -
2002
Harald Schroeter: Kirchentag als vor-läufige Kirche, Stuttgart u.a. 1993; - Harald Schroeter-Wittke: Art. Thadden-Trieglaff, Reinold von (1891-1976), in: TRE 33 (2002), 168-172; - Dirk Palm, "Wir sind doch Brüder!" : der Evangelische Kirchentag und die deutsche Frage 1949 - 1961 (AKiZ). Göttingen 2002; -
2009
Gilberto da Silva, Hist. Kontinuität erweckl. Frömmigkeit am Beisp. d. hinterpommerschen Familie von Thadden, in: LTK 33.2009, S. 3-32; -
2010
Rudolf von Thadden, Trieglaff. Eine pommersche Lebenswelt zwischen Kirche u. Politik. 1807 - 1948. Göttingen 2010.
Letzte Änderung: 17.12.2011