THARSICIUS (auch: Tarcisius, Tarzisius); römischer Märtyrer des 3. Jhdts. Über Th. berichtet der römische Bischof Damasus in einem diesem gewidmeten Epigramm (ICVR IV, Nr. 11078 = Ferrua, Epigrammata 117-119). Demnach wurde Th. von Heiden getötet, als er sich weigerte, ihnen das eucharistische Brot, welches er mit sich führte, zur Profanation zu übergeben. Bezüglich der Todesart schweigt der Text. Die von Damasus betonten Parallelen zum Tod des Erzmärtyrers Stephanus deuten jedoch darauf hin, daß auch Th. gesteinigt wurde. Benutzt wurde das Carmen des Damasus im 6./7. Jahrhundert vom Verfasser einer legendarischen passio des Papstes Stefan I. (BHL 7845) sowie zeitgenössischen Itineraren. Diese fügen weitere Informationen hinzu. So sei Th. Akolyth gewesen und am 15. August des Jahres 257 getötet worden. Diese Angaben lassen sich jedoch nicht weiter verifizieren. Ebenso bleibt unklar, ob Th. im Rahmen einer Christenverfolgung es wäre dabei an die Verfolgungen unter Kaiser Decius bzw. Valerian zu denken - oder aufgrund einer singulären Begebenheit getötet wurde. - Nach Itineraren des 7. Jahrhunderts wurden der römische Bischof Zephyrinus (+ 217) und der Märtyrer Th. in einer gemeinsamen Grabstätte im Coemeterium des Kallist an der Via Appia überirdisch bestattet. Die Grablege befand sich wohl in der westlichen, neben dem Eingang zur sogenannten Papstkrypta gelegenen Tricora bzw. in den an sie anschließenden Gebäuden. Später wurden die sterblichen Überreste des Th. in die römische Kirche San Silvestro in Capite überführt. Seiner wurde dort am 26. Juli gedacht. In den frühen liturgischen Büchern Roms findet Th. keine Erwähnung. Erst mit Ado kommt Th. aufgrund der Angaben der bereits erwähnten passio des Stephan in die mittelalterlichen Martyrologien. In das römische Martyrologium wurde er unter dem Datum des 15. August aufgenommen.
Beeindruckt von einem Besuch in den römischen Katakomben veröffentlichte der englische Kardinal Nicholas Patrick Wiseman (+ 1865) im Jahre 1855 in London seinen Roman `Fabiola or the Church of the Catacomb', welcher das Martyrium des Th. aufgreift und zur raschen Verbreitung von dessen Kult wesentlich beitrug. In Rom entstand 1920 eine Th.-Bruderschaft mit dem Ziel der Förderung der eucharistischen Frömmigkeit, insbesondere der häufigen Teilnahme an der Messfeier.
Lit.: J.M. Lambert, Étude historique et critique sur saint Tharsicius, acolyte, Rom 1890; - J. Wilpert, Die Papstgräber und die Cäciliengruft in der Katakombe des hl. Kallistus, Freiburg 1909, 92-94; 96-98; - O. Marucchi, La questione del sepolcro del papa Zeffirino e del martire Tarsicio in seguito ad una ultima scoperta. In: Nuovo Bolletino di Archeologia cristiana 16 (1910) 205-225; - J.P. Kirsch, Der stadtrömische Festkalender im Altertum, Münster 1924, 153 f.; - J.P. Kirsch, Die Grabstätten der römischen Märtyrer und ihre Stellung im liturgischen Märtyrerkultus. In: RQ 38 (1930) 107-131; - H. Delehaye, Commentarius perpetuus in Martyrologium Hieronymianum. In: AA. SS. Nov. II. Pars posterior, Bruxelles 1931, 303 f.; - P. Styger, Römische Märtyrergrüfte, Berlin 1935; - A. Ferrua, Epigrammata Damasiana, Città del Vaticano 1942 (Sussidi allo studio delle antichità cristiane II), 117-119; - A. Silvagni, Monumenta Epigraphica I, Città del Vaticano 1943, tav. XXXVII; - A. Amore, I martiri di Roma, Rom 1975 (Spicilegium Pontificii Athenaei Antoniani), 139 f.; - Ch. Pietri, Roma christiana. I, Rom 1976 (Nachdruck: ebd. 1993), 134. Anm. 2; 534. 631; - P. Testini, Archeologia cristiana. Nozioni generali dalle origini alla fine del sec. VI, Bari 1980, 210; - R. Grégoire, Manuale di agiografia. Introduzione alla letteratura agiografica, Fabriano 1987, 173. 246; - A. Baruffa, Le catacombe di San Callisto. Storia. Archeologia. Fede, Città del Vaticano
2 1989, 38 f.; - AA. SS. August III, 201; - BS 12, 136-138; - DCB IV, 882.; - DPAC II, 3352; - EC XI, 1776 f.; - D.H. Farmer, The Oxford Dictionary of Saints, Oxford
2 1987, 396 f.; - LTHK
1 IX, 999; - LThK
2 X, 11; - ODCC 1340; - Wimmer-Melzer, Lexikon der Namen und Heiligen, Innsbruck
4 1982, 771 f.
Josef Rist
Letzte Änderung: 17.12.2011