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Verlag Traugott Bautz
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THEODERICH der Große, Ostgotenkönig (ca. 455 - 30. August 526). - Von den zahlreichen Quellen zur Biographie des T. seien hier als die bedeutendsten erwähnt: Das Geschichtswerk des Jordanes (ed. Th. Mommsen, Iordanes Romana et Getica [MGH, Auct.ant.V 1), Berlin 1882 (Nachdr. 1961), Cassiodors Variae (ed Th. Mommsen (MGH, Auct.ant.XII), Berlin 1894), sowie die Lobrede des Ennodius auf T. (ed. F. Vogel [MGH, Auct.ant.VII), Berlin 1885) und der Anonymus Valesii (ed. Th.Mommsen [MGH, Auct.ant.IX 1], Berlin 1892). - Geboren in Pannonien, unweit des Plattensees, war T. der jüngste von drei Söhnen des ostgotischen Gaukönigs Thiudimer und seiner Konkubine Ereleuva-Eusebia. Nach Beendigung der Kämpfe zwischen den Ostgoten und dem byzantinischen Kaiser Leon I. mußte Thiudimer seinen Sohn T. den Byzantinern als Geisel übergeben. Die zehn Jahre, die T. im byzantinischen Hof als Geisel verbrachte, waren praktisch die Jahre seiner Ausbildung, wobei er in die römisch-byzantinische Kultur und Lebensweise eingeführt wurde. 471 nach Pannonien zurückgekehrt, stellte er sich an die Spitze einer Streitmacht von rund 6000 Mann und unternahm Raubzüge in die byzantinischen Provinzen des Balkan. 476 überließ ihm Kaiser Zenon das Gebiet von Sistowo und verlieh ihm den Titel des kaiserlichen magister militum praesentalis. 478 unternahm T. zusammen mit Theoderich Strabo, dessen Streitmacht er im Auftrage Zenons zerschlagen sollte, einen Feldzug gegen Dalmatien, Makedonien und Thrakien. Strabo ging aber bald zu den Byzantinern über und die Vorhut des T., die bis in die Umgebung von Konstantinopel vorgestoßen war, wurde von den byzantinischen Truppen zurückgeschlagen. T. zog sich daraufhin nach Epiros zurück, die Gebiete Thrakiens und Makedoniens dabei verwüstend. Bei dem Rückzug fiel sein Bruder Theudimund. Nach dem Tode Strabons (481) wurde zwischen T. und dem byzantinischen Kaiser Zenon ein Friedensvertrag abgeschlossen. T. erhielt ein größeres Siedlungsgebiet (Moesia II und Dacia Ripensis) und wurde für das Jahr 484 zum Konsul designiert. Beim Aufstand, des Illos (484) befehligte T. zusammen mit Johannes dem Skythen die Truppen Zenons in Isaurien. 485 zerschlug T. im Auftrage des byzantinischen Kaisers die an der unteren Donau eingefallenen Bulgaren. Nach erneuter Verschlechterung seiner Beziehungen zu Zenon unternahm T. wieder einen Feldzug gegen Byzanz. Im Sommer 487 stieß er bis in die Nähe der Hauptstadt vor, dann aber zog er sich nach Novae zurück, nachdem Zenon ihn mit einer Expedition gegen Italien beauftragt hatte. Im Herbst 488 brach T. von Novae mit einem 100.000 Mann starken Expeditionskorps auf. Im Frühling 489 erreichte er Aquileia, im August besiegte er König Odoaker bei Görz und schlug dessen Truppen in die Flucht. Er verfolgte Odoaker bis vor Verona und eroberte Mailand und andere italienische Städte. Nach einigen Rückschlägen belagerte T. 491 Odoaker in Ravenna; am 10. Juli 491 zerschlug er dessen Truppen, die einen großangelegten Ausfall unternommen hatten. Nach einer Vermittlung des Erzbischofs Johannes von Ravenna kam es zwischen den beiden Gegnern zu einem Vergleich, wobei sie gemeinsam über Italien regieren sollten. Am 5. März 493 zog T. in Ravenna ein. Einige Tage später (15. März) wurde Odoaker bei einem Gastmahl im Palast Lauretum von T. erschlagen; seine Anhänger in der Stadt und anderen Ortschaften Italiens wurden von den Ostgoten niedergemacht. So wurde T. zum alleinigen Herrscher Italiens. Nach langem Hin und Her erkannte der Kaiser Anastasios im Jahr 497 T. als König der Goten und kaiserlichen Regenten in Italien an. Außer Italien umfaßte sein Reich Dalmatien, Noricum, Raetien und Teile Pannoniens. 493 heiratete T. Audefleda, eine Schwester des Frankenkönigs Chlodovech. In kirchlichen Angelegenheiten tolerierte der Arianer T. die Katholiken, so daß er zu Unrecht in mancher Überlieferung der Kirche als Katholikenverfolger erscheint. Nach dem Tode des Papstes Johannes I.(18. Mai 526), mit welchem er sich überworfen hatte, setzte T. mit Hilfe seines Kanzlers Cassiodor die Wahl des gotenfreundlichen Papstes Felix IV. durch. 515 verheiratete T. seine Tochter Amalasuntha mit dem Westgoten Eutharicus, den er zu seinem Nachfolger bestimmte. T. starb in Ravenna und wurde in dem dort von ihm errichteten Mausoleum beigesetzt. Er gilt als eine der großen Herrscherpersönlichkeiten der Weltgeschichte. Seine zweigestaltige Wesensart, germanische Abstammnung und byzantinische Erziehung, hat nicht zuletzt in seinem Bestreben um die friedliche Koexistenz zwischen Römern und Goten Ausdruck gefunden.
Lit.: J. Peringskiöld, Vita Theoderici, regis Ostrogothorum et Italiae, autore Joanne Cochlaeo &c. Stockholm 1699; - E. v. Wietersheim, Geschichte der Völkerwanderung; zweite, vollst. umgearbeitete Auflage, besorgt von Felix Dahn, II. Leipzig 1881; - G. Pfeilschifter, Der Ostgotenkönig Theoderich der Große und die katholische Kirche (kirchengeschichtliche Studien, 3,1/2). Münster 1896; - Ders., Die Germanen im Römischen Reich: Theoderich der Große. Mainz 1910; - Th. Hodgkin, Theodoric the Goth: The Barbarian Champion of Civilisation. New York 1897 (Nachdr. 1980); - W. Enßlin, Theoderich der Große. München 1959; - G. Vetter, Die Ostgoten und Theoderich (Forschungen zur Kirchen- und Geistesgeschichte, 15), Stuttgart 1938; - B. Rubin, Theoderich und Justinian: Zwei Prinzipien der Miittelmeerpolitik (Jahrbücher für Geschichte Osteuropas, 1). München 1953; - E. Caspar, Theoderich der Große und das Papsttum: Die Quellen zusammengestellt nach den Ausg. der MGH (Kleine Texte für Vorlesungen uncl Übungen, 162), Berlin 1931; - W. Jänecke, Die drei Streitfragen am Grabmal Theoderichs. SB der Heidelberger Akademie der Wiss., phil.-hist.Kl. 1927,28,3; - G. Bovini, II mausoleo di Teodorico. Ravenna 1977; - Ders., Das Grabmal Theoderichs des Großen. Ravenna 1977. Georgios Fatouros
Literaturergänzung:
2003
Frank M. Ausbüttel. Th.d.Gr. D. Germane auf d. Kaiserthron. Darmstadt 2003; -
2005
Massimiliano Vitiello, Momenti di Roma ostrogota. Stuttgart 2005 (=Historia : Einzelschriften; 188); -
2008
Andreas Goltz, Barbar - König - Tyrann. Das Bild T.s d. Gr. in d. Überlieferung d. 5. bis 9. Jhrs. Berlin 2008; -
2009
Frank M. Ausbüttel, Arminius, Alarich, T. German. Herrscher im Kampf gegen Rom. Gemünden 2009. 1 CD.
Letzte Änderung: 28.08.2009