THEODOR I. LASKARIS, Kaiser des byzantinischen Reiches von Nikaia-Nymphaion 1205/8-1222, * um 1174, † (November 1221?, wahrscheinlicher) Januar 1222 in Nikaia (heute: Iznik). - Das erste uns bekannte Ereignis aus Th.s Leben ist seine Heirat mit Anna, der Tochter des Kaisers Alexios III. Angelos, im Jahre 1199 und seine kurz danach erfolgte Erhebung zum Despotes: beide Maßnahmen sollten ihn als den künftigen Kaiser ausweisen. Als aber die Lateiner am 17.7. 1203 die Stadt Konstantinopel einnahmen, mußte sein Schwiegervater fliehen, er selbst floh mit seiner Frau nach Kleinasien. In Nikaia fand er nach anfänglichen Widerständen der Einwohner schließlich doch eine neue Heimat, von hier aus begann er die Organisation des Widerstandes gegen die Lateiner, zumal da diese am 13.4. 1204 Konstantinopel endgültig erobert und geplündert hatten. Der erste Kaiser nach dieser Katastrophe war Th.s Bruder Konstantin; doch als mittelbare Folge der Schlacht bei Adrianopel vom 14.4. 1205, in der die Lateiner von den Bulgaren vernichtend geschlagen worden waren, wurde Th. zum Kaiser ausgerufen und im März 1208 gekrönt. In der Zwischenzeit war sein Schwiegervater an den Hof der Seldschuken nach Ikonion geflohen und hatte dort die Forderung erhoben, Th. solle zugunsten seiner selbst als Kaiser abdanken. Doch in der Schlacht von Antiocheia am Mäander schlug Th. diese Feinde und tötete eigenhändig den Sultan; kurz danach allerdings, am 15.10. 1211, unterlagen die byzantinischen Heere den Lateinern am Rhyndakos. Th. blieb also Kaiser, er regelte die Grenze zu den Lateinern 1212 und 1214 durch Vertrag: nur geringe Gebiete Kleinasiens sollten den Lateinern gehören, der weitaus größere Teil verblieb den Griechen. 1219 heiratete Th. in dritter Ehe Maria, die Tochter Jolanthes, der lateinischen Herrscherin von Konstantinopel (1217-1219: Jolanthe war die Schwester der zwei vorausgegangenen lateinischen Kaiser Balduin und Heinrich von Flandern), um die Beziehungen der Völker zueinander einigermaßen zu stabilisieren. - Th. hat die Grundlagen gelegt für die (schließlich 1261 durchgeführte) Rückeroberung der Reichshauptstadt, er sorgte für die Kontinuität der gesamten Verwaltung, er machte die Stadt Nikaia zum zentralen Sitz der byzantinischen Herrschaft während des Exils. Für seine Nachfolge, also die Kaiserwürde von Byzanz, hatte er schon beizeiten Vorsorge getroffen: seine Tochter Irene hatte (wohl 1212) Johannes III. Vatatzes geheiratet, der dann auch sofort nach dem Tode Th.s die Herrschaft übernahm. Im ganzen war Th. ein Glücksfall für das Reich, wenn auch nicht von jener Größe, die sein Schwiegersohn und Nachfolger erreichen sollte.
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Wilhelm Blum
Letzte Änderung: 17.12.2011