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Band XXIII (2004) Spalten 1496-1499 Autor: Rochus Johannes Bensch

THOMAS von Capua (geb.: vor 1185, gest.: 1239) entstammt aus der Stadt Capua bei Neapel. Über seine Eltern ist nichts bekannt. Er gehörte aber mit Sicherheit der Familie de Ebulo an. Sein Geburtsjahr ist unbekannt. Da er 1215 als erwählter Erzbischof von Neapel erscheint, dürfte er damals das kanonisch geforderte 30. Lebensjahr bereits vollendet haben und somit vor 1185 geboren sein. Auf ein Universitätsstudium mag immerhin sein Magistertitel deuten, der ihm schon 1216 beigelegt wird. Sicher ist, daß Thomas Kleriker der Kirche von Neapel war, deren Kapitel ihn 1215 zum Erzbischof wählte. Schon vorher dürfte er im Dienst der römischen Kurie gestanden haben, gefördert wahrscheinlich durch den Spanier Pelagius Galvani, der von 1213-1232 Kardinalbischof von Albano war. Für frühe Beziehungen zu Papst Innocenz III. spricht jedenfalls, daß Thomas von Capua als subdiaconus sancte Romane ecclesie bezeichnet wird. Er war also vom Papst zum Subdiakon geweiht worden und gehörte sicher der päpstlichen Kapelle an. Trotz seiner Erwählung zum Erzbischof von Neapel war er weiterhin in der päpstlichen Kurie tätig. Im Januar und Februar 1216 datierte er als sancte Romane ecclesie subdiaconus et notarius, Neapoitanus electus eine Reihe von Papsturkunden. Zwischen dem 18. Februar und dem 7. März 1216 muß ihn Papst Innocenz III. zum Kardinaldiakon von S. Maria in via lata, im April desselben Jahres zum Kardinalpriester von S. Sabina erhoben haben, worauf dann das Erzbistum Neapel anderweitig besetzt wurde. Auch als Kardinal datierte Thomas noch verschiedene Privilegien und hat wohl praktisch, obwohl er nicht den Kanzlertitel führte, die päpstliche Kanzlei bis zum Tode Innocenz' III. (16. Juli 1216) geleitet. Der neue Papst Honorius III. schaffte bekanntlich das nur Kardinälen vorbehalten gewesene Kanzleramt ab. Seit 1216 gab es nur noch Vizekanzler, die bei einer etwaigen Ernennung zur Kardinalswürde aus ihrem Amt ausschieden. Wenn Thomas durch diese Neuordnung auch die Leitung der Kanzlei verlor - am 12. August 1216 datierte zum erstenmal ein Notar Wilhelm - so scheint er doch nicht in Ungnade gefallen zu sein, denn noch unter Papst Honorius III., vermutlich seit 1229, bekleidete er das Amt des Kardinalgroßpönitentiars. Als solcher verfaßte er auch seine Formularsammlung für den Zweck der Bußverwaltung. Daneben war er vor allem als Auditor bei den verschiedensten Prozessen tätig. - Unter Papst Gregor IX. (1227-1241) wurde Thomas von Capua mehrfach mit Legationen betraut. Vom Dezember 1217 bis Januar 1228 war er zusammen mit dem Kardinal Otto von S. Nicolaus in carcere Tulliano erstmals bei Kaiser Friedrich II., im November 1229 dann allein zum zweitenmal, um für den in Montecassino eingeschlossenen Kardinalsbischof Pelagius freien Abzug zu erwirken und Friedensverhandlungen mit dem Kaiser einzuleiten. Im Sommer 1230 führte Thomas gemeinsam mit Johannes Halgrin, Kardinalsbischof der Sabina, die schwierigsten Verhandlungen mit Friedrich II., die durch die Verträge von San Germano (Cassino) und Ceprano glücklich abgeschlossen werden konnten. Im Oktober 1232 ging Thomas zusammen mit Rainals, Kardinalbischof von Ostia, nach Viterbo, um den Streit dieser Stadt mit Rom zu schlichten. Im Sommer 1237 weilte Thomas und Rainald in Oberitalien, um den Frieden zwischen dem Kaiser und den lombardischen Städten zu vermitteln. Ihren Bemühungen war allerdings kein Erfolg beschieden. - Die politische Laufbahn des Thomas von Capua dürfte aber spätestens am 20. März 1239 beendet gewesen sein, denn an diesem Tag hatte Papst Gregor IX. den Kaiser zum zweitenmal gebannt und damit der von Thomas von Capua betriebenen Politik des friedlichen Ausgleichs mit Friedrich II. den Boden entzogen. Für Thomas von Capua bot die päpstliche Politik keine Wirkungsmöglichkeit mehr. - Der Todestag des Thomas von Capua steht nicht genau fest. Der August 1239 ist wohl sicher der Todesmonat unseres Kardinals, ob er aber am 18., 19. oder am 22. des Monats gestorben ist, wird sich kaum klären lassen. - Würdigt man die Person Thomas von Capuas abschließend, so läßt sich sagen, daß er unter den Kardinälen des 13. Jahrhunderts eine besondere Stellung einnimmt. Viele Jahre lang, von 1216 bis zu seinem Tod im August 1239, war er der wichtigste päpstliche Diplomat in der Auseinandersetzung mit dem gefährlichsten Gegner, den die römische Kurie gehabt hat, Kaiser Friedrich II. Es ist noch nicht genug gewürdigt worden, was Thomas für den friedlichen Ausgleich zwischen den beiden großen universellen Mächten der Christenheit getan hat, dem Wirken Hermanns von Salza auf kaiserlicher Seite durchaus entsprechend. In der inneren Geschichte der römischen Kurie hat Thomas von Capua eine wichtige Rolle gespielt als Großpönitentiar. Ihm verdanken wir die älteste Formelsammlung der päpstlichen Bußverwaltung. Auch als Dichter ist Thomas hervorgetreten; seine Hymnen, Sequenzen und Antiphonen verherrlichen den heiligen Franziskus und die Jungfrau Maria. Die bedeutendste literarische Leistung des Kardinals stellen jedoch seine Ars dictandi und seine Briefe dar. Seine Summa dictaminis ist zumindest inhaltlich, vielleicht aber auch nach ihrer Entstehungszeit, die älteste der großen Briefsammlungen, die im 13. Jahrhundert an der römischen Kurie entstanden sind. Die stilistischen Fähigkeiten des Thomas wurden schon zu seinen Lebzeiten berühmt.

Werke: Werke: Briefsammlung 'Summa dictaminis' des Thomas von Capua (unter anderem in folgenden Handschriften): Florenz, Bibl. Medicea-Laurenziana, Gaddi 116; Troyes, Bibl. municipale 1484; Paris, Bibl. Nat., lat. 11867 I/II; Pommersfelden, Gräflich Schönbornsche Bibl. 189; Wien, Österreichische Nationalbibl. 590; Leipzig, Universitätsbibl. 1268; Trier, Stadtbibl. 859/1097.

Lit.: Emmy Heller, Die Summa dictaminis des Thomas von Capua, Diss. Heidelberg 1926; - dieselbe, Zur Frage des kurialen Stileinflusses in der sizilischen Kanzlei Friedrich II, in: Deutsches Archiv für Erforschung des Mittelalters, Bd. 19, Jg. 1963, 434-450; - Hans Martin Schaller, Studien zur Briefsammlung des Kardinals Thomas von Capua, in: Deutsches Archiv für Erforschung des Mittelalters, Bd. 21, Jg. 1965, 371-518.

Rochus Johannes Bensch

Letzte Änderung: 13.05.2004