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Band XXIII (2004) Spalten 1499-1500 Autor: Bernhard Hemmerle

TILMAN von Hachenburg, rheinischer Glockengießer des 15. Jahrhunderts; Tilmans Wirken fällt in die Blütezeit des Glockengusses. Die Entwicklung der gotischen Glockenrippe, die den Bienenkorb- und Zuckerhurglocken musikalisch weit überlegen war, führte dazu, daß man die vorhandenen Glocken nach und nach durch neue ersetzte. Wenn man davon ausgeht, daß fast alle Kirchen mehrere Glocken besaßen, kann man die Nachfrage erahnen. Über Tilmans äußere Lebensumstände ist nur wenig bekannt. Die Spanne seines Wirkens erstreckt sich über einen Zeitraum von vier Jahrzehnten, die Reihe seiner gesicherten Glocken reicht von spätestens 1444 bis 1486. Schon auf der Glocke in Frickhofen (1444) nennt Tilman sich Meister. Man wird daher sein Geburtsjahr wohl in den frühen zwanziger Jahren anzusetzen haben. Sein seit 1448 vorkommendes Siegel bezeugt, daß er die Ortsbezeichnung >von Hachenburg< schon als festen Namensbestandteil, also als Familiennamen führt. Auf der 1451 für die Liebfrauenkirche in Hadamar gegossenen Glocke nennt er sich >meyster tilman van hacenbvrgh<. Tilman, der bis heute mit 80 Glocken belegt ist, gehörte bis ca. 1446 einer Kölner Gießerwerkstatt an. Er verlegt dann um 1450 seinen Sitz nach Andernach. Im Verzeichnis der Andernacher Schmiedezunft begegnet er uns als >teilgen (tielgen) van hachenberck (ein) duppengusser<. Tilman wechselt um 1465 nach Montabaur, in dessen Umgebung sein Hauptarbeitsgebiet lag. Sein neuer Wohnsitz Montabaur war damals neben Limburg und Dietkirchen einer der Mittelpunkte des rechtsrheinischen Teiles der Trierer Erzdiözese und als solcher Verwaltungszentrum und Stützpunkt der rechtsrheinischen Herrschaft des Kurstaates. Die Andernacher Werkstatt wird von Tilmans Schüler Johan van Andernach I (unter Leitung von Tilman ?) weitergeführt, der vor allem Aufträge im linksrheinischen Territorium des Trierer Erzbistums wahrnahm. Allerdings folgt Johan der - auch anderenorts belegten - Tradition, "seine" Glocken nicht zu signieren, solange der Meister noch lebte. Die erste mit seinem Namen signierte Glocke gießt Johan van Andernach 1488 für Alpenrod im Westerwald. Man kann daher davon ausgehen, daß Tilman von Hachenburg zwischen 1486 und 1488 verstorben ist.

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Lit.: Köster, Kurt, Meister Tilman von Hachenburg, in: Jb. der Hessischen Kirchengeschichtlichen Vereinigung, Bd. 8, Friedberg/Darmstadt 1997; - Nachträge in Bd. 10 und 13, ebenda; - Poettgen, Jörg, Kölner Glockengießer in Hessen, in. Jb. für Göockenkunde, Bd 1-2, Greifenstein 1989/90, 13-36; - derselbe: Glocken der Spätgotik. Werkstätten 1380-1550, in: Geschichtlicher Atlas der Rheinlande, Beiheft XII/4, Köln 1997, 26; - Hemmerle, Bernhard, Erhaltene mittelalterliche Glocken im Kreis Limburg-Weilburg, MS, Villmar 1998; - derselbe: Erhaltene mittelalterliche Glocken im Westerwaldkreis, Ms, Villmar 2001; - derselbe: 550 Jahre Marienglocke der Liebfrauenkirche zu Hadamar, Hrsg.: Kulturvereinigung Hadamar/Verein zur Erhaltung der Liebfrauenkirche, Hadamar 2001.

Bernhard Hemmerle

Letzte Änderung: 17.12.2011