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Band XII (1997)Spalten 143-145 Autor: Georgios Fatouros

TIMOTHEOS AILUROS, Patriarch von Alexandria (+ 31.7. 477). - Hauptquellen zu einem curriculum vitae des T. sind die Kirchengeschichten des Evagrios (ed. J. Bidez - L. Parmentier, The Ecclesiastical History of Evagrius with the Scholia, London 1898, 55 f.) und des Zacharias Rhetor, welche aber in syrischer Sprache überliefert worden ist (deutsche Übersetzung: K. Ahrens - G. Krüger, Die sogenannte Kirchengeschichte des Zacharias Rhetor [Scriptores sacri et profani, 3]), Leipzig 1899, 20 f.). - T. war Mönch in einem Kloster der nitrischen Wüste (Wadi Natrun) unweit von Alexandria, als der Patriarch Kyrillos (412-444) ihn angeblich mit Gewalt aus der Wüste nach Alexandria holte und ihn zum Presbyter weihen ließ. Man gab ihm den Beinamen `Ailuros' (= `die Wiesel'), weil er infolge der vielen Kasteiungen schmächtig war. Nach dem Sturz des Patriarchen Proterios wurde T. im März 457 in der großen Kirche der Stadt offenbar unter unregelmäßigen Umständen zum Patriarchen von Alexandria erhoben. Da er jedoch gleich nach seiner Ernennung die Ermordung seines Vorgängers Proterios durch den Pöbel, dessen Leichnam durch die Stadt geschleift und im Hippodrom verbrannt wurde (am Gründonnerstag, den 28. März 457), angeblich mitverschuldete und in den folgenden Jahren als Monophysit ein strenges Regiment gegen die orthodoxen Kleriker führte und viele von ihnen vertreiben ließ, wurde er auf Geheiß des Kaisers Leon I. Anfang 460 abgesetzt und über Konstantinopel zunächst nach dem paphlagonischen Gangra und anschließend nach Chersonesos verbannt. Als sein Nachfolger wurde Timotheos Salophakiolos (= `der Wackelhut') ernannt. Während seines fünfzehnjährigen Exils beschäftigte sich T. mit der Abfassung theologischer Schriften; er wandte sich dabei gleichermaßen gegen die Nestorianer sowie gegen die Anhänger des Eutyches. Ende 475 gelang es ihm, nach Alexandria zurückzukehren und seine Patriarchenwürde zurückzuerlangen, die er bis kurz vor seinem Tode behielt; denn im Sommer 477 sollte er erneut auf Befehl des Kaisers Zenon in die Verbannung gehen, starb er aber vor der Ausführung des Verbannungsdekrets. Bei seiner Rückkehr Ende 475 bereiteten ihm seine Anhänger in Alexandria einen begeisterten Empfang. Seine Popularität erreichte einen Höhepunkt, als er die sterblichen Überreste des monophysistischen Patriarchen Dioskoros (+ 454) und seines Bruders Anatolios nach Alexandria bringen und dort an dem Platz der Bischöfe in Prozession bestatten ließ. Sein Geburtsjahr läßt sich auch von ungefähr nicht bestimmen. - T. war Monophysit eigener Prägung: Er lehnte jede Zweinaturenlehre ab und wandte sich nicht nur gegen das Chalkedonense, sondern auch gegen die Lehre des Eutyches, weil er im Gegensatz zu ihm den Leib Christi für gleichen Wesens mit dem Leib der Menschen erachtete.

Werke: 1) Traktat gegen die Synode von Chalkedon, in syrischer Übersetzung erhalten (vgl. W. Wright, Catalogue of Syriac Manuscripts in the British Museum, II. London 1872, 642). Es handelt sich praktisch um ein Sammelwerk monophysitischen Inhalts, dessen wichtigste Bestandteile auf T. zurückzuführen sind. 2) Widerlegung der auf der Synode von Chalkedon formulierten Lehre, in armenischer Übersetzung erhalten; ed. K. Ter-Mkrtschian/E. Ter-Minassiantz, Timotheus Älurus' des Patriarchen von Alexandrien Widerlegung der auf der Synode zu Chalcedon festgesetzten Lehre: Armenischer Text mit deutschem und armenischem Vorwort. Leipzig 1908. Die Schrift, die T. im Exil abgefaßt hat, zerfällt in drei Teile: Der erste Teil behandelt die Lehre der Kirchenväter, der zweite wendet sich gegen die sog. epistola dogmatica (ep. 28) des Papstes Leo d. Gr. vom 13. Juni 449 und der dritte bekämpft die Beschlüsse der Synode von Chalkedon. 3) Eine Kirchengeschichte, die verlorengegangen ist. Fragmente aus dem Koptischen in englischer Übersetzung: W. E. Crum, Eusebius and Coptic Church Histories, in: Proceedings of the Society of Biblical Archaeology 24 (1902) 68-84. 4) Bittschrift an den Kaiser Leon I, erhalten in syrischer Übersetzung; ed. K. Ahrens - G. Krüger a.a.0. 28-31 in deutscher Übersetzung. T. verteidigt sich darin gegen einen Brief des Papstes Leo d. Gr. (ep. 165) vom 17. August 458. Eine lateinische Übersetzung der Bittschrift durch Gennadius von Marseille ist ebenfalls verlorengegangen. 5) Zwei Briefe aus dem Exil, erhalten in syrischer Sprache; ed. K. Ahrens - G. Krüger, ebenda 38-51 und 52-54 in deutscher Übersetzung. Der erste Brief, größeren Umfangs, wurde nach Konstantinopel, der zweite nach Alexandria übersandt. T. legt in den Briefen seinen dogmatischen Standpunkt dar und wendet sich gegen die Anhänger des Eutyches, deren Ausschluß aus der Kirchengemeinschaft er fordert.

Werke: J. Lebon, Le monophysisme Sévérien. Louvain 1909, 93 f.; - Ders., La christologie de Timothée Aelure, archevêque monophysite d'Alexandrie, d'après les sources syriaques inédites. Revue d'histoire ecclésiastique 9 (1908) 677 f.; - F. Nau, Sur la christologie de Timothée Aelure. Revue de l'Orient Chrétien 14 (1909) 99 f.; - G. Krüger, in: RE 13 (1903) 377 f.; - Bardenhewer IV 79 f.; - F. Dölger, in: LThK 10 (1965) 199.

Georgios Fatouros

Letzte Änderung: 13.11.1999