TÖPELMANN, Alfred Oskar, theologischer Verleger, * 27. April 1867 in Leipzig, † 12. November 1954 in Gießen. - T. durchlief die Ausbildung zum Verlagsbuchhändler bei den beiden renommierten Leipziger Firmen Harrassowitz und B. G. Teubner. Im Januar 1894 erwarb er von Friedrich Hermann Reimer, einem Nachkommen des Berliner Verlegers Georg Andreas Reimer, die 1832 gegründete wissenschaftliche J. Ricker'sche Universitätsbuchhandlung in Gießen. Unter T.s Leitung entwickelte sich aus diesem Unternehmen, das 1905 in »Verlag Alfred Töpelmann« umbenannt wurde, einer der führenden Fachverlage auf dem Gebiet der protestantischen Theologie und der Religionswissenschaft. Mit diversen Großprojekten förderte T. eine wissenschaftliche, historisch-kritisch verfahrende Theologie. Einige der wichtigsten liberalen Theologen der Zeit, insbesondere Hermann Mulert und Horst Stephan, gaben hier ihre Arbeiten in Druck. In beiden Fällen waren auch die akademischen Qualifikationsschriften schon bei T. erschienen, wie er es überhaupt zu seiner Absicht erklärte, »tüchtigen jüngeren Theologen die Möglichkeit der Veröffentlichung ihrer wissenschaftlichen Arbeiten zu bieten« (Geleitwort, zu: Verlagskatalog von Alfred Töpelmann. Verlag für Theologie und Religionswissenschaft. Verzeichnis der lieferbaren Werke 1832-1935, Berlin o.J. [1936], I-II, hier: I). Neben der bereits seit 1881 bestehenden »Zeitschrift für die alttestamentliche Wissenschaft« wurde 1900 für die Gebiete der neutestamentlichen Wissenschaft und der alten Kirchengeschichte die »Zeitschrift für die neutestamentliche Wissenschaft und die Kunde der älteren Kirche« gegründet. T.s Ziel war es, »diese beiden Zeitschriften und deren Beiheftreihen zu einem `Treffpunkt' der Theologen des In- und Auslandes zwecks gemeinsamer wissenschaftlicher Forschung zu machen« (Ebd.). Große Bedeutung erlangte auch das von dem Göttinger Neutestamentler Walter Bauer herausgegebene »Wörterbuch zum Neuen Testament«. Daneben traten die »Vorträge und Abhandlungen« Adolf von Harnacks, die »Religionsgeschichtlichen Versuche und Vorarbeiten«, die »Vorträge der theologischen Konferenz zu Gießen« sowie die Reihe »Aus der Welt der Religion«. Besondere Verdienste erwarb T. sich in der verlegerischen Betreuung der hebräisch-deutsch erscheinenden, kommentierten Mischna-Ausgabe von Oscar Holtzmann. Diese Ausgabe sowie die »Religionsgeschichtlichen Versuche und Vorarbeiten« wurden von der Philosophischen Fakultät der Universität Gießen ausdrücklich genannt, als sie T. 1923 die Würde eines Dr. phil. h.c. verlieh. T.s Name ist darüber hinaus mit der »Sammlung Töpelmann« verknüpft, einem der ambitioniertesten literarischen Unternehmen der wissenschaftlichen Nachkriegstheologie. Die Sammlung umfaßte Lehrbücher, Kompendien und Studienbücher zu nahezu allen theologischen Disziplinen. Zu ihren Autoren gehörten Gustav Hölscher, Rudolf Knopf, Emil Walter Mayer, Hermann Mulert, Martin Schian, Horst Stephan und Heinrich Weinel. Erwähnt seien schließlich auch die von Heinrich Hoffmann und Leopold Zscharnack herausgegebenen »Studien zur Geschichte des neueren Protestantismus« samt den begleitenden »Quellenheften« sowie die parallelen, von Karl Eger betreuten »Studien zur praktischen Theologie«. Auch diese beiden Reihen waren für die Ausbildung einer kritischen, methodisch reflektiert auftretenden theologischen Wissenschaft von erheblicher Bedeutung. 1935 sah T. sich genötigt, sein Unternehmen an die Berliner Verlegervereinigung Walter de Gruyter & Co. zu übertragen. Unter eigenem Namen wurde es von dort aus zunächst weitergeführt. Mit selbständigen wissenschaftlichen Arbeiten ist T. nicht hervorgetreten; vielmehr hat er die ganze Arbeit seines Lebens der verlegerischen Tätigkeit, die auch einen intensiven Dialog mit den Autoren einschloß, gewidmet. Die 1952 begründete, von Kurt Aland, Carl Heinz Ratschow und Edmund Schlink herausgegebene »Theologische Bibliothek Töpelmann«, die bis heute zu den wichtigsten Fachbuchreihen auf dem Gebiet der theologiegeschichtlichen Forschung gehört, knüpft unmittelbar an das wissenschaftliche Programm des Töpelmann-Verlages an.
@W = Archivalien: Zahlreiche verlagsgeschichtlich relevante Unterlagen befinden sich im Archiv des Verlages Walter de Gruyter & Co., Berlin (jetzt: Staatsbibliothek zu Berlin). Daneben liegen Dokumente zur Biographie auch in Privatbesitz vor.
Lit.: Verlagskatalog von Alfred Töpelmann. Verlag für Theologie und Religionswissenschaft. Verzeichnis der lieferbaren Werke 1832-1935. Mit einem Geleitwort von Dr. Alfred Töpelmann, Berlin o.J. [1936].