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Band XII (1997)Spalten 713-714 Autor: Armin Raab

TUNDER, Franz, deutscher Komponist und Organist; * 1614 Burg auf Fehmarn, + 5.11. 1667 Lübeck. - 1632, im Alter von 18 Jahren, wurde T. zweiter Organist an der herzoglichen Hofkapelle zu Gottorf/Schleswig, schon im folgenden Jahr Nachfolger des Hoforganisten Johann Heckelauer. Dieser könnte, da vermutlich Schüler Frescobaldis, T. Kenntnisse der italienischen Orgelmusik vermittelt haben. Direkten Unterricht bei Frescobaldi scheint T. - entgegen der Behauptung J. Matthesons - nicht gehabt zu haben. T. erteilte auch den Kindern der herzoglichen Familie Musikunterricht. 1640 heiratete er; im folgenden Jahr erhielt er die bedeutende Organistenstelle an St. Marien in Lübeck, die er bis zu seinem Tode innehatte. Ab 1647 übte er dort zusätzlich das Amt des Werkmeisters aus. T. wurde - Zeichen hoher Wertschätzung - eine Gruft in der Kirche gewährt. Das an St. Marien gebräuchliche außerliturgische Orgelspiel zur Unterhaltung der Kaufleute vor dem Gang zur Börse erweiterte T. um Ensembleaufführungen. Daraus gingen die berühmten Abendmusiken seines Amtsnachfolgers und Schwiegersohnes Dietrich Buxtehude hervor. In der Orgelmusik prägte T. als einer der ersten den Typus der norddeutschen Toccata (Toccata, Fuge als Mittelteil, toccatenhafter Schluß) und setzte obligates, wenn auch noch nicht virtuoses Pedal ein.

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Werke: 9 geistliche Konzerte für 1 Gesangsstimme; 9 geistliche Konzerte für 3-6 Gesangsstimmen; 7 Orgel-Choralbearbeitungen; 2 Orgel-Choralvariationen; 4 Praeludien (Toccaten), ein fragmentarisch erhaltenes Praeludium, 1 Canzone.

Ausgaben: Vokalwerke, DDT III, Leipzig 1900; Orgelwerke aus polnischen Manuskripten, Corpus of Early Keyboard Music X/2, Rom 1967; Sämtliche Choralbearbeitungen, Mainz 1956; Sämtliche Orgelwerke, Wiesbaden 1974; 2 Choralfantasien (überliefert unter dem Namen Scheidemann], Wiesbaden 1991.

Lit.: C. Stiehl, F.T., MfM XXVIII, 1886, 113-225; - W. Stahl, F.T. und Dietrich Buxtehude, AfMw VIII, 1926, 1-77; - ders., Die Lübecker Abendmusiken im 17. und 18. Jahrhundert, Zeitschrift des Vereins für Lübeckische Geschichte und Altertumskunde XXIX, 1938, 1-64; - ders., Musikgeschichte Lübecks II, Kassel/Basel 1952; - L. Andresen u. W. Stephan, Beiträge zur Geschichte der Gottorfer Hof- und Staatsverwaltung von 1544-1659, Kiel 1928; - F. Dietrich, Geschichte des deutschen Orgelchorals im 17. Jahrhundert, Kassel 1932; - J. Hennings, Tunderiana, in: Lübeckische Blätter LXXV, 1934; - ders., Neues über F.T. und Dietrich Buxtehude, Deutsche Musikkultur VI, 1941/42, 157-166; - G. Frotscher, Geschichte des Orgelspiels und der Orgelkomposition I, Berlin 1935; - L. Schierning, Die Überlieferung der deutschen Orgel- und Klaviermusik aus der 1. Hälfte des 17. Jahrhunderts, Kiel 1961; - W. Apel, Neu aufgefundene Clavierwerke von Scheidemann, T., Froberger, Reincken und Buxtehude, AMus XXXIV, 1962, 65-69; - ders., Geschichte der Orgel- und Klaviermusik bis 1700, Kassel 1967; - F. Krummacher, Die Überlieferung der Choralbearbeitung in der frühen evangelischen Kantate, Berlin 1965; - W. P. Winzenburger, The Music of F.T., Diss. Rochester 1965; - Martin Geck, F.T., MuK XXXVII; 1967, 241-264; - K. Gudewill, F.T. und die nordelbingische Musikkultur seiner Zeit, Lübeck 1967; - J. Roche, Rovetta and T. An Interesting Example of Plagiarism, Early Music III, 1975, 58-60; - K. Beckmann, Echtheitsprobleme im Repertoire des hanseatischen Orgelbarocks, Ars Organi XXXVII, 1989, 150-162; - W. Breig, Der »Stylus phantasticus« in der Lübecker Orgelmusik, in: Studien zur Musikgeschichte der Hansestadt Lübeck, Kassel etc. 1989, 72-80; - J. Dehmel, Toccata und Präludium in der Orgelmusik von Merulo bis Bach, Kassel etc. 1989; - A. K. Fostowicz-Zahorski, Chorale fantasies of Heinrich Scheidemann and F.T., Diss. Stanford 1992; - ADB XXXVIII, 1894; - RGG VI, 31962; - MGG XIII, 1966; - Das große Lexikon der Musik VIII, 1978; - The New Grove Dictionary of Music and Musicians 19, 1980.

Armin Raab

Textanmerkung:

Der Geburtsort "Fehmarn" lässt sich nicht halten, "Lübeck" ist wahrscheinlicher, siehe Lübeckischen Blättern 161 (1996), Heft 16 (12. Oktober 1996), S. 248.

Letzte Änderung: 17.12.2011