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Verlag Traugott Bautz
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ULRICH, Herzog von Württemberg, * 8.2. 1487 in Reichenweier/Elsaß, + 6.11. 1550 in Tübingen. - U. wurde als Sohn des Grafen Heinrich, eines Vetters des regierenden Grafen Eberhard V. im Bart (ab 1495 Herzog Eberhard I.) von Württemberg in der Außenbesitzung Reichenweier geboren. Ursprünglich Eitel Heinrich genannt, erhielt der Knabe bei der Firmung den Namen U. nach dem Großvater. U.s Vater litt mit zunehmendem Alter an einer Geisteskrankheit, weshalb der kinderlose Eberhard im Bart den Knaben nach Stuttgart bringen ließ. Der Nachfolger Eberhards I., der unfähige Eberhard II., wurde 1498 durch die Landstände im Zusammenwirken mit Kaiser Maximilian I. abgesetzt, wodurch die Regierung an U. fiel. Kaiser Maximilian erklärte U. 1503 als volljährig und bot ihm die Möglichkeit, sich im Bayerischen Erbfolgekrieg 1504 als Heerführer auszuzeichnen und auf Kosten der Kurpfalz namhaften territorialen Gewinn zu erwerben. Von Maximilian arrangiert war auch die Ehe mit Herzogin Sabina von Bayern, die unglücklich verlief, der aber zwei Kinder, darunter der Nachfolger Christoph, entsprangen. - Die durch kriegerische Unternehmungen und eine glanzvolle Hofhaltung überanstrengten Finanzen des Herzogtums führten zu einer höheren Besteuerung, die den Aufstand des Armen Konrad (1514) hervorrief. Diesem konnte U. nur mit Hilfe der Ehrbarkeit, der Oberschicht des Landes, Herr werden, indem er im Tübinger Vertrag bedeutende Zugeständnisse machte. Die ehelichen Probleme U.s führten 1515 zum Mord an Hans von Hutten und zur Flucht der Herzogin Sabina. Ulrich von Hutten, ein Verwandter des Erschlagenen, begann daraufhin eine wirkungsvolle publizistische Kampagne gegen U. Die schwierige Situation des Herzogs wurde dadurch verschärft, daß er 1519 die Reichsstadt Reutlingen überfiel und besetzte. Der Schwäbische Bund nahm sich seines Mitglieds an und vertrieb U. aus seinem Land. Die Versuche U.s, von der ihm verbliebenen Herrschaft Mömpelgard (Montbéliard in Burgund) aus sein Land wieder einzunehmen (zuletzt im Bauernkrieg 1525) scheiterten sämtlich. - Von Mömpelgard aus hatte U. Kontakt mit der Schweizer Reformation bekommen und sich dieser zugewandt. 1526 ging er jedoch nach Hessen, da Landgraf Philipp versprochen hatte, ihm bei der Wiedergewinnung seines Herzogtums, das inzwischen zu den Landen König Ferdinands gehörte, zu helfen. Der Landgraf bereitete den Feldzug politisch und militärisch vor, der im Mai 1534 ohne großen Widerstand zur Wiedergewinnung Württembergs für U. führte. Bestätigt wurde dieser Erfolg in dem Frieden von Kaden, der U. für die Reformation des Landes freie Hand ließ. - Da der Herzog der lutherischen wie der zwinglischen Seite der Reformation verpflichtet war, holte U. als führende Theologen Erhard Schnepf und Ambrosius Blarer ins Land. Die kirchliche Neugestaltung, u.a. mit einer umfassenden Ordnungstätigkeit und einer durchgreifenden Säkularisation der Klöster, war kaum gefestigt, als Kaiser Karl V. im Schmalkaldischen Krieg 1546 das Land besetzte und U. 1548 zwang, das Interim anzunehmen. Wegen der Beteiligung am Krieg drohte U., der durch den Kadener Frieden Lehensmann Österreichs geworden war, auch der Entzug seines Lehens. In dieser schwierigen Situation starb U., worauf sein Sohn Christoph seine Regierung antrat. - U. ist eine der umstrittensten Herzogsgestalten der württembergischen Geschichte. Sicher falsch ist es, ihm eine angeblich von seiner Urgroßmutter in die Familie eingeschleppte Geisteskrankheit unterzuschieben. Einige Seiten seines Charakters sind zweifellos durch seine ungeregelte Erziehung und die ihm im Alter von 16 Jahren übertragene Regierung zu erklären. Deutlich ist, daß U. ausdauernd und ohne Rücksichten gegen jede Beschränkung seiner Regierungsgewalt kämpfte und deshalb auch seinen Sohn von sich fernhielt, da er in ihm einen Konkurrenten sah. In der Einführung der Reformation mochte U. eine Steigerung seiner Macht als Landesherr sehen, wenn auch der Verbleib beim alten Glauben politisch vielfach lohnender gewesen wäre. Um so beachtlicher ist sein Festhalten an der religiösen Entscheidung, auch nach der Katastrophe des Schmalkaldischen Krieges. Hier zeigt sich seine religiöse Überzeugung, insbesondere aber auch in der Asylgewährung für die vertriebenen reichsstädtischen Theologen, wie Brenz, Alber und Frecht. Von weitreichender Bedeutung für die Geschichte des Landes war der Abschluß des Tübinger Vertrags mit den Ständen und die Einführung der Reformation.
Lit.: W. Heyd, Bibliographie der württ. Geschichte 1, 1895, 79-97; 3, 1907, 27-30; 5, 1926, 51-53; 7, 1952, 48 f.; 9, 1967, 74 f; 11, 1974, 29 f.; - Landesbibliographie von Baden-Württemberg 1 ff., 1978 ff.; - Schottenloher 3, 33962-34003; - Christian Friedrich Sattler, Geschichte des Herzogthums Würtenberg unter der Regierung der Herzogen, Tl.3, Tübingen 1771; - Ludwig Friedrich Heyd, Ulrich Herzog zu Württemberg, Tübingen 1841-1844; - Bernhard Kugler, Ulrich, Herzog zu Württemberg, Stuttgart 1865; - Heinrich Ulmann, Fünf Jahre Württembergischer Geschichte unter Herzog Ulrich 1515-1519, Leipzig 1867; - Christoph Friedrich Stälin, Wirtembergische Geschichte, Tl.4, Stuttgart 1873, 41-476; - Eugen Schneider, Herzog Ulrich von Württemberg, in: Zeitschrift für allgemeine Geschichte 2, 1885, 906-925; - Walter Grube, Der Stuttgarter Landtag 1457-1957, Stuttgart 1957, 74-193; - Volker Press, Herzog Ulrich (1498-1550). In: Robert Uhland (Hrsg.) 900 Jahre Haus Württemberg. Leben und Leistung für Land und Volk, Stuttgart 1984, 110-135; - Martin Brecht, Hermann Ehmer, Südwestdeutsche Reformationsgeschichte, Stuttgart 1984; - Volker Press, Die württembergische Restitution von 1534, reichspolitische Voraussetzungen und Konsequenzen. In: Blätter für württ. Kirchengeschichte 87 (1987) 44-71; - ders., Ein Epochenjahr der württembergischen Geschichte. Restitution und Reformation 1534. In: Zeitschrift für württ. Landesgeschichte 47 (199) 203-234; - Gerhard Raff, Hie gut Wirtemberg allewege, Stuttgart 1988, 457-474; - Hermann Ehmer, Württemberg. In: Die Territorien des Reichs im Zeitalter der Reformation und der Konfessionalisierung, Bd.5, Münster 1993, 168-192; - ADB 39, 237-243; - LThK2 10, 459.
Hermann Ehmer
Friedrich Wilhelm Bautz
Literaturergänzung:
1999
Volker Leppin, Theol. Streit u. polit. Symbolik. Zu d. Anfängen d. württemberg. Reformation 1534-1538, in: ARG 90.1999, S. 159-187.
Letzte Änderung: 05.12.2008