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Band XIX (2001)Spalten 1455-1457 Erich Wenneker

ULRICH (Ullrich), Johann Heinrich, * 6. November 1665 in Zürich, † 19. September 1730 in Zürich, reformierter Pfarrer. - Johann Heinrich Ullrich wurde 1665 als Sohn des gleichnamigen Pfarrers am Großmünster und der Elisabeth Berger in Zürich geboren. Er besuchte die Bildungseinrichtungen seiner Heimatstadt und wurde 1687 nach Abschluß eines Theologiestudiums ordiniert. Danach machte er eine längere Bildungsreise, die ihn nach Deutschland, Holland und Frankreich führte. Vor und während dieser Zeit hat er sich ausgezeichnete Sprachkenntnisse angeeignet, die es ihm ermöglichten, auch in französischer und italienischer Sprache zu predigen. In den Jahren 1689 und 1690 übernahm er eine Hauslehrerstelle in Bern, um 1691 Vikar in der Zürcher Gemeinde Fehraltorf zu werden. Noch im gleichen Jahr wurde er vom Zürcher Rat mit einer schwierigen Aufgabe betreut. In der reformierten Gemeinde Grönenbach im Allgäu war am 18. November 1691 der verdiente Pfarrer Kaspar Paravicini verstorben, der 33 Jahre lang dort Pfarrer war. Die Gemeinde mußte in dieser Zeit den Versuchen der Kemptener Fürstäbte widerstehen, die Reste reformierten Glaubens an ihrer Grenze zu beseitigen. Der Erhalt der Gemeinde konnte nur mit der tatkräftigen Unterstützung Zürichs und der anderen reformierten Orte der Eidgenossenschaft gelingen. Zürich hatte noch während der Krankheit Paravicinis für einen tüchtigen Nachfolger gesorgt und sandte Johann Heinrich Ulrich nach Grönenbach. Der Kemptener Stiftsdekan protestierte sofort gegen diese Neuwahl und nahm sie sogleich zum Anlaß gegen die Reformierten in Grönenbach vorzugehen. Er behauptete, daß 1624, dem festgelegten Stichjahr, noch kein reformierter Gottesdienst in Grönenbach gewesen sei und drohte, dem neuen Pfarrer sein Einkommen zu entziehen. Ulrich sah sofort die Schwierigkeiten und veranlaßte Zürich und die reformierten Orte der Eidgenossenschaft, daß diese den Kurfürsten von Sachsen und Brandenburg Empfehlungsschreiben für die Gemeinde zusandten. Allerdings intervenierte nur Brandenburg zu Gunsten der Gemeinde Grönenbachs, was jedoch bereits ausreichte, um den Abt zum Einlenken zu bringen. 1692 gewährte er der Gemeinde die freie Religionsausübung. In den folgenden Jahren mußte Ulrich sich noch mehrfach mit Problemen, wie das Einläuten von Gottesdiensten, herumschlagen. Weitere Probleme gab es bei einem 1696 durch den Fürstabt vorgeschlagenen Bevölkerungstausch, sowie die für den 1. Januar 1697 vorgesehene Einführung des Gregorianischen Kalenders in der gesamten Fürstabtei. Die weitere Entwicklung in Grönenbach, die noch so manche Drangsale für die reformierte Gemeinde brachten, hat Ulrich nicht mehr an Ort und Stelle erlebt. 1699 wurde er 1699 kehrte er in seine Heimatstadt Zürich zurück gerufen und erhielt die Stelle eines Diakon am Fraumünster. 1713 erhielt er schließlich die Pfarrstelle an der gleichen Kirche und wurde 1715 zugleich zum Verwalter des reformierten Landfriedensfonds für Landschulen und Prädikanten ernannt. Beide Ämter hat er bis zu seinem Tode im Jahre 1730 ausgeübt. - Während seiner ganzen pfarramtlichen Tätigkeit in Zürich hat sich Ulrich für die reformierten Diasporagemeinden in Deutschland und Frankreich eingesetzt. Die Situation in den Allgäuer Gemeinden Grönenbach und Herbishofen, die er ja aus eigener Erfahrung nur zu gut kannte, hat ihn immer beschäftigt. Seine Berichte über die Notlage der französischen Hugenotten haben das Bild von der religiösen Intoleranz in Frankreich am Beginn des 18. Jahrhunderts in Zürich und den anderen reformierten Orten der Eidgenossenschaft wesentlich mitgeprägt.

Werke: Relation des harten Zustandes der Reformierten auf den französischen Galeeren, 1708; Relation der in französischer Gefangenschaft befindlichen Glaubensgenossen, 1712; Aufnahms- formel für solche, welche die römische Kirche verlassen und zur reformierten zu treten gesonnen sind (deutsch, lat., franz., ital.), 1713; Die dank- und jubelwürdige Kirchenreformation, 1719; Relation von der Erleuchtung etlicher Leute in Bärenthal, 1720; Sendschreiben auf die katholische Antwort wider diese Relation, 1723.

Lit.: Martin Hürlimann, D. Aufklärung in Zürich. D. Entwicklung d. Zürcher Protestantismus im 18. Jahrh., Leipzig 1924; - Walter Meyrat, D. Unterstützung d. Glaubensgenossen im Ausland durch d. ref. Orte im 17. u. 18. Jahrh., Diss. Bern 1941; - Eduard Kohl, 300 Jahre Ev.-ref. Kirche in Grönenbach, 1949; - Ders., Zur Erinnerung an d. Erneuerung d. ev.-ref. Kirche in Grönenbach, 1956; - Ders., Festgruß z. 400-Jahr-Feier d. Ev.-Ref. Kirche in Grönenbach 1559-1959, 1959; - Zürcher Pfarrerbuch 1519-1952. Hrsg. v. Emmanuel Dejung u. Willy Wuhrmann, Zürich 1953, 576; - Karl Eduard Haas, D. Ev.-Ref. Kirche in Bayern. Ihr Wesen u. ihre Geschichte, Neustadt a. d. Aisch 1970 (Neustadt 21982); - Andreas Wachter, Geschichte d. Reformierten in Bayern v. ihren Anfängen bis in d. Gegenwart, Nürnberg 1994; - HBLS VII 119 Nr. 56.

Erich Wenneker

Letzte Änderung: 11.11.2001