UMBREIT, Friedrich Wilhelm Carl [Karl], protestantischer Vermittlungstheologe, Kirchen- (1832) und Geheimer Kirchenrat (1844), * 11.4. 1795 in Sonneborn bei Gotha, + 26.4. 1860 in Heidelberg. Von 1814 bis 1817 studierte U., Sohn des Organisten Karl Gottlieb Friedrich Umbreit (1763-1829, vgl. ADB XIL [1895], 277) und dessen Gattin Maria Elisabeth Lampert (1773-1847) Theologie und Philosophie in Göttingen; Johann Gottfried Eichhorn (s.d.) weckte früh und förderte U.s orientalistische Begabungen, die sich an Johann Gottfried Herder (s.d.) orientierten und der Erforschung der poetisch-ästhetischen literarischen Werke morgenländischer Literatur galten.1818 legt U. in Gotha des Erste Theologische Examen ab, und noch im gleichen Jahr wird U. Privtadozent für orientalische Sprachen in Göttingen. Nach der Promotion weilt U. 1819 zu Studienzwecken in Wien. Am 25.5. 1820 wird U., nachdem die favorisierten Dozenten (s.d.) Johann Georg Benedikt Winer und Christian Friedrich Schmid eine entsprechende Berufung ausgeschlagen hatten, im Zuge der Neuordnung der theologischen und philosophen Fakultät als außerordentlicher Professor für Altes Testament und Orientalische Philologie an der Philosophischen Fakultät der Universität Heidelberg, und zum 30.5. 1823 avanciert U. in das Ordinariat. Am 19.3. 1829 wechselt U. schließlich auf den alttestamentlichen Lehrstuhl in der Theologischen Fakultät, den er bis zu seinem Lebensende innebehält. Zusammen mit Carl Ullmann schlug U. mit Schreiben vom 29.8. 1821 und detailliertem Studienplan der theologischen Fakultät vor, ein orientalisch-biblisch-philologisches Seminar einzurichten, in dem U. die alttestamentliche, Ullmann die neutestamentliche Abteilung leiten sollte; dieses Projekt wurde mit einigen inhaltlich-organisatorischen Korrekturen am 20.12. von den großherzoglich-badischen Kultusbehörden bewilligt, doch wurde dieser Beschluß aus finanziellen Gründen nicht umgesetzt, so daß U. und Ullmann ihre Pläne schließlich aufgaben. - U., 1829 in Heidelberg mit der theologischen Ehrendoktorwürde ausgezeichnet, war seit dem 31.5. 1821 mit Katharina Elisabeth Koch (1801-1884) verheiratet; aus der Ehe gingen drei Töchter hervor. U. war Träger des Ritterkreuzes des Ordens vom Zähringer Löwen und 1832 Universitätsprorektor. Dem Engeren Universitätssenat gehörte zwischen 1829/1830 und 1856/1857 insgesamt acht akademische Jahre an, und ebenfalls achtmal bekleidetete U. zwischen 1830 und 1859 das Dekanat in der Theologischen Fakultät.
Werke: Commentatio exhibrens historiam Emirorum al Omrah ex Abulfeda, Göttingen 1816; Kohelet's, des weisen Kg. Seelenkampf, oder philos. Betrachtungen über das höchste Gut, aus dem Hebr. der Bibel übers., Gotha 1818; Cohelet scepticus de summo bono. Commentatio philosophico-critica. Göttingen 1820; Philologisch-krit. u. philos. Comm. über die Sprüche Salomo's, nebst einer neuen Uebers. u. einer Einl. in die morgenländische Weisheit überhaupt u. in die Hebr.-Salomonische insbesondere, Heidelberg 1826; Lied der Liebe, das älteste u. schönste, aus dem Morgenlande. Zweite Ausg., Heidelberg 1828; Antwort an Herrn Prof. Dr. Ewald: ThStKr 3 (1830), 367-370; De veteris testamenti propheticis, clariss. antiquiss. temporis oratoribus, Heidelberg 1833; Christliche Erbauung aus dem Psalter oder Uebers. u. Erkl. auserlesener Pss, Hamburg 1835. Christliche Erbauung aus dem Psalter oder Uebers. u. praktische Erkl. auserlesener Psalmen. 2., verb. u. verm. Ausg., Hamburg 1848; Erinnerung an das Hohelied. Sendschreiben an Heinrich Eberhard Gottlob Paulus, Geheimer Kirchenrath u. Senior der theol. Facultät z. Heidelberg, bei seinem 50j. Prof.=Jub. am 15. April 1839, Heidelberg 1839; Der Knecht Gottes. Btr. zur Christologie des alten Testaments, Hamburg 1840; Praktischer Comm. über die Propheten des alten Bundes, mit exegetischen u. krit. Anmerkungen. Bd. 1. Jesaja, 2 Thle. 2. Jeremia, 1 Thl., Hamburg 1842. Bd. 3. Hesekiel, Hamburg 1843. Praktischer Comm. über die Propheten des alten Bundes mit exegetischen u. krit. Anm. Bd. 4. Die kleinen Propheten. Thl. 1. Hosea. Joel. Amos. Obadja., Hamburg 1844. Thl. 2. Haggai. Sacharja. Maleachi, Hamburg 1846; Grundtöne des alten Testaments, Heidelberg 1843; David u. Jonathan. Lied der Freundschaft, das älteste u. schönste aus dem Morgenlande, Heidelberg 1844; Neue Poesie aus dem AT, Hamburg/Gotha 1847; Einiges f. Ggw. u. Zukunft. Ansprache an die Freunde Dtld. u. der dt.-ev. Kirche, Hamburg 1848; Was bleibt? Zeitgemäße Betrachtungen des Kg. u. Predigers Salomo über die Eitelkeit aller Dinge. Uebers., erkl. u. in ihrem wohlgeschlossenen Zusammenhange entwickelt, Hamburg 1849; Die Sünde. Btr. z. Theol. des alten Testaments, Hamburg 1853; Der Brief an die Römer auf dem Grunde des alten Testaments ausgelegt, Gotha 1855; Erinnerungen an Freiherrn August v. Arnswaldt. Ein Denkmal der Freundschaft: ThStKr 30 (1857), 395-436.
Qu./Nachl.: Universtitätsarch. Heidelberg, Personalakte A 219; Generallandesarch. Karlsruhe Abt. 205, Fasz. 529.
Lit.: Heinrich Ewald, Ueber hebr. Grammatik. Von G. H. A. Ewald an F. W. C. U.: ThStKr 3 (1830), 359-367; - Friedrich Creuzer, Ueber neue Btrr. z. jüd. Gesch. aus griech. Historikern; ein krit. Brief an die Doctoren der Theol. Ullmann u. U.: ThStKr 23 (1850), 535-553; - Richard Rothe/Heinrich Julius Holtzmann, Zwei Reden gehalten am Grabe von F. W. K. U., Dr. u. Prof. der Theol., Geh. Kirchenrat, gestorben den 26. April 1860, Heidelberg 1860; - Carl Ullmann, F. W. C. U. Bll. der Erinnerung: ThStKr 35 (1862), 435-479; - Adolf Hausrath, Gesch. der theol. Fak. z. Heidelberg im neunzehnten Jh., Heidelberg 1901; - Ragnar Holte, Die Vermittlungstheol. Ihre theol. Grundbegriffe krit. unters. (Acta Universitatis Upsaliensis 3), Uppsala 1965; - Hans Pfisterer, Carl Ullmann (1796-1865). Sein Weg z. Vermittlungstheol. (Veröff. des Ver. f. KG in der ev. Landeskirche in Baden 29), Karlsruhe 1977; - Dietz Lange, Der theol. Vermittler Friedrich Lücke, in: Bernd Moeller (Hrsg.), Theol. in Göttingen. Eine Vorlesungsr. (Göttinger Universitätsschrr. A 1) (Göttingen 1987), 136-156; - Lothar Perlitt, Heinrich Ewald: Der Gelehrte in der Politik, in: Bernd Moeller (Hrsg.), Theol. in Göttingen. Eine Vorlesungsr. (Göttinger Universitätsschrr. A 1) (Göttingen 1987), 157-212; - Dagmar Drüll, Heidelberger Gelehrtenlexikon 1803-1932, Berlin/Heidelberg/New York/Tokyo 1986, 274f.; - J. J. Kneucker, F. W. K. U., in: Badische Biogrr., hrsg. v. Friedrich v. Weech II (Heidelberg 1875), 379-382; - RE3 XX, 225-228.
Klaus-Gunther Wesseling
Letzte Änderung: 09.04.2011